„…denn er hat uns zuerst geliebt.“

Heute vor 12 Jahren habe ich mich bekehrt.

Was bedeutet das? Ich besuchte ein christliches Zeltlager für Teenager und traf dort – wie es im frommen Kontext so schön heißt – eine „Entscheidung für Jesus“. Die Praxis der sogenanten „Bekehrungsaufrufe“ ist in katholischen oder evangelisch-landeskirchlichen Kreisen sehr selten und wird oft auch eher negativ bewertet. In charismatischen oder evangelikalen Gemeinden finden sich diese Aufrufe jedoch häufiger. Meist wird im Rahmen eines Gottesdienstes zum Glauben an Jesus Christus eingeladen und dann eine Zeit angekündigt, in der die Gottesdienstteilnehmer die Möglichkeit haben,auf diesen Aufruf zum Glauben zu antworten – z.B. durch Handzeichen oder aber, indem sie nach vorne zum Prediger/zur Bühne/zum Altar kommen. Dort sprechen dann alle gemeinsam ein „Übergabegebet“, in dem sie Gott danken, dass er sie liebt, ihren neuen Glauben an Jesus bekennen, um Sündenvergebung bitten und ihr Leben in Gottes Hände legen. (Sollte ich einen wichtigen Punkt vergessen haben, darf der geneigte Leser gerne Ergänzungen vornehmen :-) ).

So traf auch ich im Rahmen eines Gottesdienstes diese Entscheidung. Bereits zuvor hatte ich meine Kindheit in einer gläubigen Familie verbracht und mich selbst auch als Christ empfunden. Ja, ich hatte bereits eine Beziehung zu Gott.
Dennoch hatte ich in diesem Gottesdienst das starke Bedürfnis, ganze Sache zu machen. In den zwei Jahren zuvor hatte ich mich immer wieder punktuell von meinen christlichen Wurzeln entfernt und ich wusste, dass ich den Zeitpunkt überschritten hatte, an dem ich Christ sein konnte, weil meine Eltern Christen waren. Während des Gottesdienstes merkte ich: Entweder ich gehöre ganz dazu oder gar nicht. Es ist nicht möglich, ein „halber Christ“ zu sein. Und ich fragte mich, ob ich zu Gott gehören will, ob ich Jesus nachfolgen will. Wie soll ich mich entscheiden? In dieser Situation hatte ich auf einmal ein tiefes Empfinden für „Wahrheit“. In mir war ein Wissen, dass Jesus die Wahrheit ist. Er sagt auch über sich selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Ich spürte in mir: Das ist wahr. Und ich konnte mich dem nicht mehr entziehen. Ich wollte zu Jesus gehören!
So ging ich nach vorne im Zelt und betete auch das „Übergabegebet“. Im Anschluss daran sprach ich noch mit einer Mitarbeiterin, die auch für mich betete. An diesem Abend fühlte ich mich erleichtert, glücklich und frei wie nie in meinem Leben!

Heute sehe auch ich diese „Bekehrungsaufrufe“ oft kritisch. Ich finde es nicht gut, wenn in Gottesdiensten eine zu emotionale Stimmung erzeugt wird oder Leuten gar mit der Hölle gedroht wird, sollten sie nicht nicht heute, hier und jetzt „bekehren“. Auch habe ich meine eigene „Erkenntnis“, den Glauben als Wahrheit zu sehen, mehrfach hinterfragt: Inwieweit war es nicht doch die Prägung durch mein Elternhaus oder die vermittelten Botschaften aus der Kinderstunde? Doch das, was ich als „inneres Wissen um Wahrheit“ beschreibe, hält all diesen Zweifeln bis heute immer wieder stand.

Ich würde heute nicht mehr sagen: „Ich habe mich bekehrt.“, so wie ich es eingangs in diesem Beitrag geschrieben habe. Wer bin ich denn, dass ich mich selbst bekehren könne oder in der Lage wäre, eine Entscheidung für Gott zu treffen – für Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde? Ich glaube fest, dass Gott durch seinen Heiligen Geist, diese „Entscheidung“ in mir gewirkt hat. Er hat nicht nur „Ja“ zu mir gesagt – er hat mir auch das „Ja“ gegeben, mit dem ich ihm antworten konnte. Jesus sagt dazu: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“ Gott hat mich erwählt, er hat mich zu sich gezogen und mir den Glauben an ihn und mein Vertrauen in ihn geschenkt!

12 Jahre sind es heute, die ich bewusst mit Jesus durch das Leben gehe. Mehr als doppelt so viel geht er schon mit mir :-) Ich bin sehr dankbar für die Gnade, Gottes Kind sein zu dürfen. Was das genau für mich bedeutet, davon schreibe ich ein ander Mal mehr!

PS. Ich möchte hiermit gleich alle Befürchtungen ausräumen, dass dies ein christlich-missionarischer Blog werden soll. Sicherlich nicht! Doch manche Tage muss man einfach festhalten! :-)

3 Gedanken zu „„…denn er hat uns zuerst geliebt.“

  1. Pingback: Danke, Tobi | Preach it, Baby!

  2. Pingback: Con:Fusion 2014 (Rückblick) | Preach it, Baby!

  3. Pingback: #augustbreak2016 – 5 years ago | Preach it, Baby!

Platz für deinen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s