Zwischen Mensch und Tier – zwei Gedanken, unkommentiert

Wer sich vom Animalischen lösen will, kann machen, was er will, er wird es nie schaffen. Wir sind nun mal Tiere. Klar, wir haben einige Besonderheiten: Wir können Geld für Sex verlangen. Wir können trinken, obwohl wir keinen Durst haben. Wir benutzen Toilettenpapier. Für mich sind das die drei wesentlichen Besonderheiten.

Martin Monestier, französischer Schriftstellter und Journalist, in der ARTE-Dokumentation „Kult um den Busen“ (leider nur noch in Ausschnitten verfügbar)

Ich nahm mir auch fest vor, täglich die Uhren aufzuziehen und einen Tag vom Kalender abzustreichen. Das schien mir damals sehr wichtig, ich klammerte mich geradezu an die spärlichen Reste menschlicher Ordnung, die mir geblieben waren. Gewisse Gewohnheiten habe ich übrigens nie abgelegt. Ich wasche mich täglich, reinige meine Zähne, wasche die Wäsche und halte das Haus sauber.

Ich weiß nicht, warum ich das tue, es ist fast ein innerer Zwang, der mich dazu treibt. Vielleicht fürchte ich, wenn ich anders könnte, würde ich langsam aufhören, ein Mensch zu sein, und würde bald schmutzig und stinkend umherkriechen und unverständliche Laute ausstoßen. Nicht daß ich fürchtete, ein Tier zu werden, das wäre nicht sehr schlimm, aber ein Mensch kann niemals ein Tier werden, er stürzt am Tier vorüber in einen Abgrund. Ich will nicht, daß mir dies zustößt.

Zitiert aus: Marlen Haushofer, Die Wand, dtv, 2. Aufl., Januar 2000, S. 40f.
Buchvorstellung „Die Wand“

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