Dorian Gray

Als ich die „Poesie des Fährmanns“ mit einem geeigneten Bild zu versehen suchte, war mir noch nicht bewusst, dass das schließlich gewählte – „Narcissus“ von Caravaggio – auch als Buchcover für Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ diente. Wie passend erscheint mir jetzt diese Verbindung!

Ich kam in den Genuss, „Das Bildnis des Dorian Gray“ als Hörbuch anhören zu können und erlag schon im Vorwort dem Strom der Worte Oscar Wildes. Wenn auch keine 16 mehr und ganz und gar hoffnungslos allem ästhetizistischen Gedankengut ausgeliefert, so erlaube ich es mir doch gelegentlich, mir von diesen Strömungen meinen Verstand zugleich erhellen und verdunkeln zu lassen. Und was mir früher als raues und unbändiges Meer erschien, ist heute manchmal nur noch ein kleiner Whirlpool. Oder aber ein Meer, in das ich nur noch meinen kleinen Zeh hineinstrecke. Wie dem auch sei, Oscar Wilde zog mich in seinen Bann und so hörte ich manche Passagen immer wieder an, um auch ja keinen augenblinzelnden Moment zu verpassen.

„How sad it is! I shall grow old, and horrible, and dreadful.
But this portrait will remain always young.“

Die Geschichte um Dorian Gray ist schnell erzählt und auch weithin bekannt: Dorian Gray ist ein reicher und schöner junger Mann, dem die vornehme englische Gesellschaft zu Füßen liegt. Sein Freund und Bewunderer, der Maler Basil Hallward, malt ein herausragendes Porträt von ihm. Erst im Spiegel des Porträts wird sich Dorian seiner eigenen Schönheit und Jugend bewusst und spricht den stillen und wirkungsvollen Wunsch aus, das Porträt möge statt seiner altern und er selbst ewig jung bleiben.

Dorian gerät unter den Einfluss Lord Henry Wottons, der ihn zu einem neuen Hedonismus verführt. Bald führt Dorian ein ausschweifendes Leben und wird in seiner Selbstentfaltung immer maßloser und grausamer. Während er äußerlich schön und jung bleibt, schreiben sich die Spuren seiner Sünden in das Porträt ein und stellen ihm so sein wahres Ich, seine Seele, wie einen Spiegel vor Augen.

Basil und Lord Henry sind Gegenpole, die beide mit Dorian befreundet sind und ihn beeinflussen. Während das Herz Dorians zunächst noch stärker dem gutmütigen Basil zugeneigt ist, ist er vom ersten Moment an gebannt von den Reden Lord Henrys und gerät zunehmend unter dessen Einfluss.

„I hate the way you talk about your married life, Harry,“ said Basil Hallward, strolling towards the door that led into the garden. „I believe that you are really a very good husband, but that you are thoroughly ashamed of your own virtues. You are an extraordinary fellow. You never say a moral thing, and you never do a wrong thing. Your cynicism is simply a pose.“
„Being natural is simply a pose, and the most irritating pose I know,“ cried Lord Henry, laughing.

“The only way to get rid of a temptation is to yield to it. Resist it, and your soul grows sick with longing for the things it has forbidden to itself, with desire for what its monstrous laws have made monstrous and unlawful.” (Lord Henry)

The only difference between a caprice and a lifelong passion is that the caprice lasts a little longer.“ (Lord Henry)

Interessanterweise sagt Wilde über die drei Figuren:

“Basil Hallward is what I think I am: Lord Henry what the world thinks me: Dorian what I would like to be- in other ages, perhaps.”

Wer im Original reinlesen möchte, kann das hier tun.

Ein Gedanke zu „Dorian Gray

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