Hannah Arendt (Film)

Auf diesen Film hatte ich mich schon eine ganze Weile gefreut und nun muss ich mir eingestehen, dass meine Enttäuschung auf dem Weg vom Kino bis an meinen Schreibtisch erst in Wut und dann in Frustration umschlug.

hannah arendt ticket

In meinem Studium habe ich nur ein wenig von Hannah Arendt gelesen, sodass ich mich nicht gerade als große Kennerin darstellen kann. Dass Arendt tatsächlich Englisch mit extrem ausgeprägtem deutschen Akzent sprach und demzufolge auch Sukowa in ihrer Rolle eine entsprechend irritierende Aussprache zutage brachte, musste ich mir erst anlesen.

Trotzdem kann ich hier meine Eindrücke des Filmes formulieren und mein Unverständnis gegenüber denen zum Ausdruck bringen, die in Sukowa eine brilliante Hauptdarstellerin sehen (Preis für die beste Darstellerin, Bayerischer Filmpreis). Doch erst einmal zum Positiven:

Sukowa überzeugt in den Momenten, in denen sie nur schaut und nicht spricht. Gerade das war auch ein wesentlicher Grund, dass die Regisseurin Margarethe von Trotta Sukowa unbedingt in der Rolle der Hannah Arend haben wollte, weil dass sie nämlich die Fähigkeit habe, „das Denken visuell umzusetzen„.

Für mich ist das ist aber auch das Einzige, was ich ihr wirklich abnehmen konnte. Sukowa sprechend und als Arendt im täglichen Leben, auf ihrer Israelreise Blumenfeld treffend und überschwänglich begrüßend, diese Freude habe ich ihr nicht abgekauft. Es erschien mir eher wie eine theaterspielende Gruppe von Jugendlichen – nur dass diese Frau bereits erwachsen ist und als Schauspielerin ihr Geld verdient. War es vielleicht Absicht, ihre Emotionen so wenig glaubhaft zu zeigen? In manchen Bereichen kann ich es nachvollziehen, Arendt als kühl und unzugänglich darzustellen – doch im Umgang mit ihren liebsten Freunden? Die Worte passen nicht zu den Gesten, die Gesten nicht zum Ausdruck, auf mich wirkt Sukowa wie ein Fremdkörper in einer Rolle, der sie einfach nicht entspricht.

Es gibt dennoch ein paar Dinge, die mir am Film gefallen.
Die erste Auffälligkeit ist, dass zwischen den verschiedenen Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Ivrit – hin und hergewechselt wird, wie es sich aus der Situation eben ergibt. Die entsprechenden Szenen haben dann einen deutschen Untertitel. Dies hat mir außerordentlich gut gefallen. Es macht die einzelnen Situationen greifbarer, aufrichtiger und authentischer.
Weiter wird der Eichmannprozess im Originalmaterial gezeigt, wodurch auch hier ein Höchstmaß an Authentizität erreicht wird und man als Zuschauer mit dem tatsächlichen Prozess konfrontiert ist. Die Filmaufnahmen um den Prozess herum wurden auch im Originalgebäude gedreht, wobei Film und Archivaufnahmen sehr gut ineinandergreifen.
Zuletzt gefällt mir, dass recht viel Zeit für die Abhandlungen Arendts bleibt. Arendt spricht zwei Mal ausführlich vor ihren Studenten und liest auch am Schreibtisch aus ihren Artikeln vor. So bekommt man tatsächlich einen Eindruck von den Inhalten, über die sich auf der Handlungsebene die Kontroverse ergibt.

Mein Fazit:
Ich kann nur sagen: Schade. Während inhaltlich eine wirklich interessante und lohnenswerte Thematik zur Sprache kommt, hat es der Großteil der Darsteller tatsächlich geschafft, mich eher von einer Beschäftigung mit dieser abzuhalten als sie mir nahezubringen.

PS. Ein interessantes Porträt von Hannah Arendt in mehreren Teilen findet sich hier.

2 Gedanken zu „Hannah Arendt (Film)

  1. Gut zu hören Mathilda, dass du nicht sonderlich angetan warst von dem Film.
    Ich habe ihn mir nämlich auch nicht angeschaut und fühle mich jetzt in dieser Entscheidung bestärkt.
    Obwohl ich mich für Hannah Arendt interessiere, hat mich der Film nicht gereizt, da in den Szenen die ich vorher gesehen habe, sie mir doch recht gestelzt und etwas krampfhaft dargestellt erschien.
    Das Spannende an Hannah ist wohl ihr Denken und das kann man nun mal am besten in ihren Büchern erleben.
    Lesen lohnt sich.

    Apropos: Ich lese gerade aufgrund deiner Empfehlung aus einem vorherigen Posts „Die Wand“. Lohnt sich auch

    • Moin Hartmut :-) Danke für deinen Kommentar! Ja, die Szenen im Trailer wirken auch etwas gestelzt, doch ich dachte: Ist halt der Trailer, wird im Film dann schon passen… Falsch gedacht. Dass dir „Die Wand“ gefällt, hätte ich mir fast denken können :-) Allerdings könnte ich da auf die letzten 2-3 Seiten verzichten – würde meiner Meinung nach dem Buch keinen Abbruch tun. Schreib mal deine Meinung dazu, wenn du durch bist! Liebe Grüße! Mathilda

Platz für deinen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s