Frag mich nicht nach der Liebe

Frag mich nicht nach der Liebe. Du bist der Einzige, dem ich darauf nicht richtig antworten kann. Den anderen erzähle ich von meinem Glück und mache es ihnen schmackhaft, bis sie einen wässrigen Mund kriegen.
Ja, ich bade in der Liebe und freue mich, meinen Liebsten zu haben.
Aber du, du bist da ein grauer Fleck. Eine Nische, die ich für mich geschaffen habe. Natürlich bist das nicht wirklich du. – Wie du wirklich bist, weiß ich nicht. – Nein, es ist nur meine Vorstellung von dir, das Bild, das ich mir von dir gemacht habe, all die Gefühle und Empfindungen, mit denen ich dein Leben gefüllt habe.
Wenn du mir nun die Frage nach der Liebe stellst, dreht es mir den Magen um. Ich möchte alles Glück und alle Schokolade wieder auskotzen, bis ich ganz leer bin. Ich möchte frei sein und ungebunden. Oder unglücklich in meiner Beziehung. Sodass ich mein Herz an dich hängen kann, meiner Sehnsucht Flügel geben und sie zu dir nach Berlin schicken. Dort teile ich mit dir die Dunkelheit und atme ein neues Gefühl.
Ich wiege mich in deinen Armen. Ich drücke meinen Kopf an deine Brust.
Zwei Menschen, die sich nicht kennen, aber sich manchmal doch den Hauch einer Ahnung voneinander geben. Die für einen kurzen Moment waghalsig vertrauen, um sich im nächsten wieder in ihre Geheimnisse zurückzuziehen.
Ja, du bist mein Kohlenstoffatom. Meine Möglichkeit, doch etwas ganz anderes zu werden. Ein anderes Leben zu leben.
Doch ich will nicht mit dir leben, will dein Leben nicht führen und mein Leben nicht teilen. Hier bei meinem Liebsten ist mein Platz. Hier bin ich Prinzessin, Geliebte, Königin. Hier gebe und nehme ich, hier atme ich. Im Einklang schlagen unsere Herzen.
Dir aber will ich das alles nicht erzählen. Du sollst nichts wissen von dieser Liebe. Wie könntest du dann noch der sein, als den ich dich sehen will? Wie könnten meine Gefühle da noch Achterbahn fahren in deiner Gegenwart, wie könnte es kribbeln bei deinem Anblick und deinen Nachrichten, wie könnte ich mir dabei noch wünschen, in diesen Strudel einzutauchen, wenn ich dir eben noch von der tiefen Liebe erzählte, der ich mich längst hingegeben habe?
Wenn ich dir sie auch nur einen Augenblick lang zeigte, wäre die Welt zerstört, in die ich mich so gern flüchte. Ja, ich bin gebunden. Und einen Lewin habe ich zum Mann, keinen Karenin.
Doch was geht es dich an? Was geht es dich an?
Auch in deiner Welt gehen die Uhren nicht rückwärts.
Mein Leben entwickelt sich weiter und deines ebenso und doch möchte ich den Moment der Begegnung zwischen uns konservieren. Ich will ihn festhalten, behalten. Oder zumindest garantieren, dass er beim nächsten Mal wiederkommt.

5 Gedanken zu „Frag mich nicht nach der Liebe

  1. Pingback: Blog-Awards | Preach it, Baby!

    • Hey, es ist ja ein alter Beitrag, den er damals auch gelesen hat. Ich wage aber mal zu behaupten, dass der Liebste keine Beiträge von mir lesen muss, um meine Gefühls- und Gedankenwelt kennenzulernen. Liebe Grüße!

  2. Pingback: 1 Jahr “Preach it, Baby” (mit Verlosung) | Preach it, Baby!

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