Die Eleganz der Madame Michel

So ein kluger, schöner und trauriger Film, der einen nicht mit einem Kloß im Hals, sondern mit klaren und guten Tränen zurücklässt.

Es ist nicht ganz mein Ding, hier nur auf aktuelle Filme und Bücher einzugehen. Ich liebe es, die Klassiker zu würdigen und auch Filmen von „vor ein paar Jahren“ ihren gebührenden Platz einzuräumen.

Und ja, ich glaube, ich liebe französische Filme.

Die titelgebende Figur, Madame Michel, ist die Concièrge (d. h. Empfangsdame) in einem vornehmen Pariser Wohnhaus. In diesem wohnt die 11jährige Paloma mit ihrer Familie. Paloma hat beschlossen, sich an ihrem 12. Geburtstag umzubringen und dokumentiert mit einer Videokamera ihr bisheriges Leben. Die Vorstellung, am Ende „im Goldfischglas“ zu landen wie ihre reiche Familie, ist für sie schrecklich. Lieber will sie „den Sternen folgen“. Nachdem ein reicher Nachbar gestorben ist, zieht ein Japaner ins Haus ein, der sowohl gegenüber Madame Michel als auch gegenüber Paloma sehr aufmerksam ist. Madame Michel, mit Vornamen Renée, wird von Herrn Ozu, dem Japaner, zum Essen eingeladen. Sie selbst lebt nach außen hin das Leben einer ruppigen, alten, einfältigen Concièrge, doch heimlich sitzt sie in ihrem kleinen Zimmer voller Bücher und liest und liest und isst dunkle Schokolade und trinkt Tee. Jedoch ist es ihr sehr unangenehm, vor anderen ihre Bildung oder Belesenheit zu zeigen. Paloma meint dazu: „Sie haben ein gutes Versteck gefunden.“

Ich möchte nicht mehr über die Handlung des Films verraten, falls jemand diesen noch nicht gesehen hat. Dann sage ich: „Vite, vite!“, schaut euch den Film an! Und wer das Buch – „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery – gelesen hat, der schreibe mir doch einen netten Kommentar dazu. Es interessiert mich sehr!

Im Audiokommentar zum Film erzählen die Regisseurin Mona Achache und die Produzentin Anne-Dominique Toussant nämlich, dass es gar nicht so einfach war, die literarische Vorlage umzusetzen. Während im Buch die beiden Perspektiven – innere Monologe von Madame Michel, Tagebuchaufzeichnungen von Paloma – vorherrschen, war die Frage, wie man diese im Film nun darstellen sollte? Ohne das Buch zu kennen, würde ich sagen: Mit der Videokamera und den Zeichnungen von Paloma sowie dem grandiosen Spiel von Josiane Balasko ist dies hervorragend gelungen!

Die Welt des Films wirkt einerseits märchenhaft schwebend und andererseits völlig innerhalb des Hier und Jetzt – besonders mit der Ungeschminktheit der Madame Michel, die genauso auch meine eigene kleine Nachbarin sein könnte.

Was wirklich zählt ist nicht, dass man stirbt oder in welchem Alter. Sondern das was man tut. Und zwar genau in diesem Moment.

Ein Gedanke zu „Die Eleganz der Madame Michel

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