Abschied I: Wie Falschgeld

In ihrem neuen Zimmer (oder besser: neuem Leben?)
packt sie einige Sachen
will sich mit ihren Freundinnen treffen

Wie Falschgeld stehe ich herum und lasse
meinen Blick über die neue Einrichtung schweifen,
die mit Achtsamkeit ausgewählten Gegenstände
manch Überbleibsel aus ihrem alten Zimmer (oder besser: altem L….?),
dessen Geschichte mir wohl vertraut

Weiße Schnörkel, eine
beerenfarbene Wand
selbstgestaltete Collage
über Marie Antoinette
übers Frau sein und
Mädchen werden

ein halbes Leben habe ich mit ihr geteilt
mitgefühlt, gelacht, geweint

ein Zimmer für Mädchenherzen
das mir fremd geworden ist

ich muss die Mauern noch höher ziehen,
um mein Herz zu schützen

noch ein Blick

Sorgsam aufgestellte
Parfümflaschen stehen
auf einem kleinen Tisch
ein Flakon fällt mir ins Auge
er trägt eine kleine Rose als Verschluss

Gedankenverloren
sprühe ich den Duft auf mein
Handgelenk und rieche –

Wir müssen los
„Schön war es, dich zu treffen“ (zu mehr reichen die Worte nicht)
Ich reiche ihr die Tasche
„Bis dann“ (was soll man schon sagen)
und steige in mein Auto –

Der Duft umfängt mich
noch
rieche ich die Rose
während ich in die Nacht hinein fahre
Sie haftet mir an

Oh Rose, so stolz und so schön
du bist
dein Duft trägt mich,
umhüllt sanft die harten Mauern, die du nicht siehst
und schon lange nicht mehr überwindest,
und berührt mein Herz
ein letztes Mal.

denn ich stand in einem Zimmer für Mädchenherzen
doch für mein Mädchenherz war kein Platz mehr.

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