Blog-Award #1 und #2

Wie bereits angekündigt, möchte ich eine neue Reihe starten, in der ich euch meine liebsten Blogs zeige. Ich gehöre zu den Lesern, die sich zwar gern schöne Bilder anschauen, aber auch vor langen Textbeiträgen keine Scheu haben. Ich mag es, wenn Menschen versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen und Themen von verschiedenen Seiten beleuchten.

Meine ersten beiden Blog-Awards gehen daher an zwei englischsprachige Blogs:

Love, Joy, Feminism von Libby Anne
und
Defeating the Dragons von Samantha.

Auf Samanthas Blog habe ich schon einmal verwiesen, ich lese sehr viel von dem, was sie schreibt. Für Libby Annes Blog nehme ich mir eher mal einen ganzen Abend Zeit und klicke mich durch die Themen.

Worum geht es?
Beide Blogs werden von Frauen geschrieben, die in einer Szene des christlichen Fundamentalismus in den USA aufgewachsen sind und sich davon (unter Mühen) lösen konnten. Sie setzen sich nun mit ihrer Vergangenheit, den früheren Glaubensinhalten und dem Lebensstil auseinander. Dazu gehören z.B. enorm kinderreiche Familien (quiverful families), rauhe Erziehungsmaßnahmen („wer seinen Sohn liebt, züchtigt ihn“), patriarchale Strukturen, ein Leben mit dem Reinheitsmythos (Purity Culture) und nahezu arrangierten Ehen (parent-guided courtship) sowie Erfahrungen mit Homeschooling und ein politisches Engagement, z.B. bei ethischen Fragestellungen wie Abtreibung.

Was mag ich an den Blogs?
Samantha und Libby Anne sind beide unglaublich reflektiert und eloquent. Es gelingt ihnen, eine angenehme, forschende Atmosphäre auf ihren Blogs zu etablieren. Inhaltlich sind die Beiträge sehr gut recherchiert und durchdacht. Besonders mag ich die Buchrezensionen: Dabei werden christlich-fundamentalistische Bücher der Szene Kapitel für Kapitel besprochen. Ich empfehle hier zum Beispiel die Rezensionen zu Created to Be His Helpmeet von Debbi Pearl oder Fascinating Womanhood von Helen Andelin.

Warum lese ich die Blogs?
Ich bewundere die beiden Frauen dafür, wie ehrlich und authentisch sie ihre doch sehr persönlichen Erfahrungen teilen können. Gleichzeitig werden mir die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Fundamentalismus viele Aspekte aufgezeigt, anhand derer ich mich mit dem christlichen Fundamentalismus in Deutschland auseinandersetzen kann. 

Samantha und Libby Anne, weiter so!!

5 Gedanken zu „Blog-Award #1 und #2

  1. Habe jetzt den ganzen Abend schon auf Libby Anne’s Blog gelesen. Und ich bin hin und weg! Obwohl (oder gerade weil) ich eigentlich ziemlich liberal (und strikt atheistisch!) erzogen wurde und ich grundsätzlich eher auf der individualistisch bis hedonistischen Ebene lebe und gelebt habe, übten sehr viele dieser „fundamentalistischen“ Konzepte eine unendliche Faszination auf mich aus. Mir diese Faszination, die mir wohl niemand in meinem Umfeld zutrauen würde, und die auch über reine Theorie nie hinausging, einzugestehen, war für mich ein wichtiger Schritt zur Selbstakzeptanz. Es war immer ein Stück weit Scham dabei – die Scham, solch hohen moralischen Standards nicht entsprechen zu können – die Scham, überhaupt eine solche Faszination für von meinem aufgeklärten Umfeld als hinterwäldlerisch, gar dumm und schädlich erachtestes System zu empfinden. Die kritische (vielleicht auch öffentliche?) Auseinandersetzung mit dieser Faszination und ihren Ursprüngen bedeutet einen weiteren Schritt für mich. Und kommt gerade zur rechten Zeit.

    • Ach, wie passend! Das freut mich jetzt sehr. Ich bin selbst mit diesen fundamentalistischen Konzepten aufgewachsen und ich kenne die Faszination und zeitgleiche Scham sehr gut. Vor diesem Hintergrund bin ich in der Individualistenwelt manchmal ganz schön am Schwimmen. Eine Zeit lang reizvoll spült es mich doch immer wieder an das vermeintlich sichere Ufer zurück. Und umgekehrt.

      • Wenn Du eine Weile im Fluss warst, sieht es am vermeintlich gleichen Ufer ja auch wieder ganz anders aus. Und ehrlich, so viel grüner ist das Gras auf der anderen Seite nicht. Wahre Freiheit ist irgendwie doch was anderes, und den eigenen Individualismus über alles zu stellen, ist auch nicht das Wahre. Im Gegenteil, ich komme immer wieder zum Schluss, dass es der Menschheit guttun würde, wenn sie begriffe, dass es eben doch etwas gibt, was darüber steht. Nur sehe ich absolut nicht ein, wieso man das, was man gerne mit dem Gott-Begriff belegen darf, mit unnötigen bis schädlichen moralischen Ansprüchen verknüpfen, und ein starres Rollenbild – das in sich selber ja durchaus sinnvoll sein mag – zum Standard für eine Gesellschaft machen muss. In a Nutshell.

  2. Wenn Du eine Weile im Fluss warst, sieht es am vermeintlich gleichen Ufer ja auch wieder ganz anders aus. Und ehrlich, so viel grüner ist das Gras auf der anderen Seite nicht. Wahre Freiheit ist irgendwie doch was anderes, und den eigenen Individualismus über alles zu stellen, ist auch nicht das Wahre. Im Gegenteil, ich komme immer wieder zum Schluss, dass es der Menschheit guttun würde, wenn sie begriffe, dass es eben doch etwas gibt, was darüber steht. Nur sehe ich absolut nicht ein, wieso man das, was man gerne mit dem Gott-Begriff belegen darf, mit unnötigen bis schädlichen moralischen Ansprüchen verknüpfen, und ein starres Rollenbild – das in sich selber ja durchaus sinnvoll sein mag – zum Standard für eine Gesellschaft machen muss. In a Nutshell.

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