Hinter der Fassade

Ein Wiedersehen nach Jahren… und nur bei der Erwähnung deines Namens erinnern sich meine alten Freunde. Es ist neun Jahre her.

Ich war das schwächste Glied in der Kette. Die Person, der du am leichtesten deine Sprüche drücken konntest. “Ich Chef, du nix!“ war nicht nur ein Tshirtspruch. Woche um Woche kämpfte ich um deinen Respekt. Mein Tagebuch dokumentiert meine eigene Unsicherheit… und doch quillen die Seiten über vor mädchenhaftem Schwärmen und langen Telefonaten mit der besten Freundin. Wir diskutierten uns die Köpfe heiß, wie du als Freund wohl so wärst und waren uns sicher, dass sich die Frau an deiner Seite nicht langweilen würde.

Ich sah einen unsicheren Menschen hinter einer harten Fassade und wollte dich so gern ermutigen. In meiner Erinnerungskiste findet sich eine Liste mit all den Dingen, die ich an dir mag und für die ich dich bewunderte. Ich überlegte lange, sie dir zu geben. Dann erschien sie mir nicht gut genug. Ich wollte, dass du siehst, dass du deinen Wert in dir selbst hast, all meine aufgezählten Punkte schienen das dann doch wieder zu unterlaufen.

Ich war zu jung und du zu cool. Wie hätte ich dich erreichen können. Es kostete mich schon Überwindung, dich nach einem Glas aus dem obersten Regal zu fragen. Den Satz auf den Lippen zögerte ich und versuchte, den Moment abzupassen. Gibt es einen passenden Moment für „Könntest du mir bitte ein Glas herunterholen?“ Vermutlich nicht.

Und nun sehen wir uns wieder. Ich bin nicht mehr das schüchterne, kleine Mädchen, aber immer noch voller Sehnsucht nach dem Menschen hinter der harten Schale. Vor einem coolen Schlagabtausch habe ich keine Angst mehr. Doch als ich ehrliche Worte an dich richte, fühlt es sich an wie ein Absprung, bei dem ich nicht weiß, wo ich landen werde. Ich kenne dich nicht. Ich vertraue einfach darauf, dass du mich auffängst.

Deine Umarmung ist warm und weich.

7 Gedanken zu „Hinter der Fassade

  1. Wenn man da etwas in einem Menschen sieht, was er nicht zeigen will, aber von dem man ganz sicher ist, dass es da ist. Ich weiß nicht, ob du das meintest, aber daran musste ich gerade denken.

  2. Bei deinem Artikel musste ich die ganze Zeit an den Artikel „Mut zur Verletzlichkeit“ in der zweiten Flow Ausgabe denken. Die meisten Menschen zeigen ungern ihr wahres ich und schon gar nicht ihre Schwächen, weil es sie verletzlicher macht. Vielleicht ist hier auch der Fall.
    LG
    Emma

  3. wow, das hört sich schön an. ich hab auch immer gern hinter die fassade gesehen, aber oft wird man dann doch enttäuscht. gut, wenn es bei dir vielleicht nicht so endet.

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