Liebeserklärung an: Star Trek TOS

Oh nein, jetzt wird sie auch noch zum Trekkie!

Ich bin nicht sicher, ob euch beim Lesen der Überschrift vielleicht ein solcher Gedanke in den Sinn kam. (Außer natürlich Nimue, die mir bereits versicherte, schon seit Kindertagen ein leidenschaftlicher Anhänger des Star Trek Universums zu sein… Sei gegrüßt!).

Wie der geneigte Leser weiß, tue ich mich eher schwer damit, mich auf neue Bücher und Serien einzulassen. Ich lese immer wieder dieselben Bücher und schaue auch immer wieder die gleichen Serien (z.B. The Big Bang Theory). Doch nicht jeder verfügt über die fantastischen Gene, sich nie zu langweilen:

So wurde „Star Trek: The Original Series“ zur Serie der Wahl und nach ein paar wenigen Folgen, in denen ich Captain Kirk, Mister Spock und die Besatzung der „Enterprise“ kennenlernte, begann ich bereits, die Worte im Vorspann mitzumurmeln („Das Universum: unendliche Weiten…“), große Freude an den Spezialeffekten zu haben (so retro und so liebenswert!) und im Besonderen die Langsamkeit der Serie zu schätzen.

Ja, da stellt Kirk eine Frage und schaut zu Mister Spock. Mister Spock schaut nach links und nach rechts, zieht die Augenbraue hoch, Kirk wird mit fragendem Gesicht wieder eingeblendet, Mister Spock schaut noch mal nach links und antwortet dann schließlich.

Welche Serie hat sowas heute noch? Die meisten heutigen Serien heben sehr stark auf Schnelligkeit ab, vor allem bei den Dialogen. Bei „Gilmore Girls“ zum Beispiel sind die schnellen Dialoge geradezu ein Markenzeichen der Serie und die Schauspieler üben vor dem Spielen der jeweiligen Szenen ihren Text und bringen ihn auf die entsprechende Geschwindigkeit. Star Trek TOS hingegen kümmert sich nicht um Pausen, die Platz für ein Gähnen bieten, und ich persönlich schätze diese Langsamkeit sehr. Besonders bei den Schlussdialogen der einzelnen Folgen halte ich immer wieder den Atem an, wie sich solcher Witz so gelassen vortragen lässt.

Neben Lieutenant Uhura hat es mir -wie könnte es auch anders sein- allen voran Mister Spock angetan. Er war ja auch bei den Fans der ersten Stunde sehr beliebt, was dazu führte, dass er in den weiteren Staffeln und Folgen mehr Raum bekam. Ich mag seine Logik und seine Loyalität gegenüber dem Captain. Im Gesamtbild zeigt sich für mich, dass er zwar der beste Erste Offizier ist, den es geben kann, allerdings als Vorgesetzter nicht wirklich geeignet. Es fehlt ihm einfach die menschliche und emotionale Seite, sodass er die Besatzung in diesen Situationen nur selten so richtig hinter sich bringen und motivieren kann.

Kirk ist da natürlich anders, er wird als Captain über die Maßen geschätzt, obgleich er manchmal ganz schön ruppig mit seiner Besatzung umgeht. In seinen Unternehmungen und dem Kontakt mit anderen Zivilisationen handelt Kirk meiner Meinung nach oft zu irrational und erinnert mich ein bisschen an Götz George als Schimanski. Da zeigt sich das Männerbild der Zeit!

Zu McCoy habe ich leider immer noch keinen richtigen Zugang gefunden. Er stolpert eben so durch die Folgen, sagt seine bevorzugten Sätze: „Er ist tot, Jim.“ und „Ich bin Arzt und kein…“ und hat immer das passende Medikament aufgezogen in einer Spritze dabei.

Meine bisherige Lieblingsfolge ist die Doppelfolge um Talos IV, in der die Star Trek Pilotfolge mit Jeffrey Hunter als Captain Christopher Pike verarbeitet wurde. Die Folge ist auf mehreren Ebenen spannend erzählt und macht einfach großen Spaß!

Jetzt interessiert mich natürlich, ob es unter meinen Leserinnen und Lesern noch weitere Star Trek Fans gibt, ob ihr nur die Stirn runzeln könnt oder euch nun möglicherweise eine neue Serie empfehlen lasst… Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

9 Gedanken zu „Liebeserklärung an: Star Trek TOS

  1. MIt TOS bin ich nie so ganz warm geworden. Als ich Kind war lief manchmal TNG im Fernsehen, und später dann schaute ich oft DS9 auf VHS (:D) nachdem wir keinen Fernseher mehr hatte. Ich durfte ja eh nicht so oft schauen. Letztes Jahr habe ich dann angefangen TOS komplett durchzuschauen, aber hm. Es packte mich nur bedingt. Dafür schaute ich Voyager komplett durch.

    Schon alleine der Gedanke: Wir sind verantwortlich für ein Schiff (eine Station) voller Menschen. Wir haben eine Mission. Alleine im Umbekannten. Wir begegnen Fremden Kulturen, mit denen wir zwar interagieren dürfen, aber nur unter Beachtung bestimmter Regeln. Die Probleme die entstehen, die Problemlösungsstrategien, die sich daraus ergeben, der Kontrast zwischen dem reinen Vernunft und dem Menschlichen (Spock/Kirk, später Data und der Doctor), die Rolle die das Intuitive spielt, die komplexe Darstellung von Hierarchien und den sich daraus ergebenden Handlungsmaximen, die Verarbeitung politischer und weltanschaulicher Fragen in einem komplett losgelösten Kontext –

    wie kann man das nicht faszinierend finden? Ich sehe übrigens auch einen spannenden Kommentar zum (vorgeblichen) Kontrast zwischen Religion und Wissenschaft – das Spirituelle hat (aber dann vor allem in Voyager) einen festen Platz.

    Da stört es mich auch nir bedingt, dass ich auch selten Energie finde, neue Serien anzufangen ;) Ich habe meine „Serienlieferantin“, die mir immer wieder Neues empfielt, manchmal steige ich darauf ein, manchmal kann ich mich nicht überwinden. Die einzige andere Serie, die mich so zu packen vermochte, war Doctor Who…

    viel Spass auf Deiner weiteren Reise zu fremden Sternen, ich bin sicher, dass sie dir auch immer wieder so viel Spass machen wird wie mir!

    • Danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ich habe bisher (nach deinem Hinweis auf Twitter) mal in eine TNG-Folge reingeschaut. Während mein Freund schon gleich begeistert war, wird es bei mir vermutlich noch dauern bis ich mich auf die neuen Charaktere einlassen kann. Ich werde auf jeden Fall erstmal die TOS Staffeln zu Ende schauen. Gerade der Punkt: Wie treffe ich die richtige Entscheidung? kommt in der Serie immer und immer wieder. Captain Kirk und seine Besatzung sind ständig mit neuen Situationen konfrontiert und es gilt – oft innerhalb von wenigen Minuten – die eigenen Überzeugungen und Handlungsanweisungen darauf anzupassen und abzuwägen, was jetzt das Richtige ist. Diese Thematik finde ich sehr spannend!
      Ach ja, was sagst du als Genderexpertin eigentlich zur Geschlechterverteilung in TNG bezüglich ratio und Emotion? Darüber musste ich gleich nach der einen Folge schon nachdenken. Liebe Grüße! Mathilda

      • Diese Frage hatte ich mir auch schon gestellt. Mich dünkt es ein wenig, dass da die klassische Rollenverteilung schon eher unterstützt als in Frage gestellt wird, mit der empathischen Diana Troy als Counsellor, der etwas hysterisch, oft unüberlegten Tasha Yar als Sicherheitsschef und Dr. Crusher in der Mutterrolle. Allerdings wird die Gleichwertigkeit schon sehr stark betont, das sich ergänzende Miteinander (Captain Picard, der bei jeder Fragestellung Counsellor Troy konsultiert und ihre Aussagen auch sehr ernst nimmt). Picard als der Captain, Data als das völlig rationale Prinzip, La Forge als der Steuermann/Chief Engineer stehen dem sehr stark gegenüber. Das kann man insofern kritisieren, als dass die Genderrollen zementiert werden, aber ehrlich gesagt stört mich das hier nicht besonders, weil ich zwar durchaus akzeptiere und einsehe, dass die gesellschaftlichen Rollen konstruiert und in mancher Hinsicht auch einengend sind, aber ich hier die Gleichwertigkeit und das konstruktive Miteinander in den Vordergrund stelle. Wenn man die Personen abstrahiert und als Verkörperungen bestimmter Prinzipien betrachtet, die miteinander in Verhandlung stehen, finde ich jetzt die weiblichen bzw. männlichen Körper weniger schlimm. Um so weniger, wenn ich bedenke, dass das ja schon eine ganze Weile her ist. Da habe ich bei TOS mehr Mühe, weil ich einfach nicht darüber hinwegsehen kann, dass Frauen nur Objekt, Anhängsel, Dekoration sind. Ich versuche die Serie in sich selber zu würdigen, aber es fällt mir schwer.

        Spannend übrigens auch Q als die Verkörperung des über-Menschlichen, der sich – trotz der Darstellung als Mann – sowohl der männlichen Logik als auch dem weiblichen Gefühl entzieht. In der ersten Folge schon wird deutlich gestellt, dass alle Ereignisse der Serie unter dem richtenden Auge der mächtigen Q geschehen. Dazu würde ich dann gerne Deine Meinung hören, wenn Du Dich etwas in die Serie eingelebt hast.

      • Du sorgst dafür, dass ich noch gespannter und positiver auf TNG zugehe. Bisher hatte es mich ja nicht so mitgerissen, aber ich will echt offen dafür sein. Ich verstehe deinen Gedanken mit der Gleichwertigkeit der Prinzipien und es ist ein wirklich guter Gedanke. Man hätte ja auch nichts davon, wenn Data weiblich und der Diana männlich wäre, wenn die rationale Ebene der emotionalen übergordnet würde. Es ist wirklich interessant, wenn die verschiedenen Aspekte und Bereiche zusammenspielen und jeder seinen eigenen, wertvollen Beitrag zu einem Gesamten leistet – ganz unabhängig von Geschlecht. Vielleicht kann ich ein bisschen mit dieser Denkweise an TNG herangehen.
        Zu den Frauen bei TOS: Ja, ich seufze auch immer wieder. Und bin immer wieder dankbar für Lieutenant Uhura, die einfach ihren Job macht. Alle anderen weiblichen Figuren sind entweder so Gehilfinnen, Sekretärinnen,… oder wirklich reine Anhängsel und Deko. Außer bei den Außerirdischen. Da gibt es auch sehr starke, unabhängige Frauen. Liebe Grüße! Mathilda

  2. Zuerst mal klasse dass Du einfach mal so etwas ausprobiert hast obwohl es Dich normalerweise nicht angesprochen hätte, wenn das jeder Mensch versuchen würde, wäre das gegenseitige Verständnis wohl wesentlich ausgeprägter.
    Ich bin kein Trekkie, aber beim zappen bleibe ich immer wieder mal bei der alten original-Serie hängen und schaue sie gerne. Was ich an SF toll finde sind die vielen Gedankenexperimente mit der Frage „Was wäre wenn.“ Kein anderes Genre eröffnet dabei soviele Möglichkeiten weil es sich nicht auf unsere Welt und die aktuellen technischen Möglichkeiten beschränken lässt.
    Andererseits wurde SF früher auch dazu benutzt um bekannte soziale oder politische Probleme durch Projektion sichtbarer zu machen und Kritik zu üben. So werden im einfachsten Beispiel aus Ausländern zum Beispiel Außerirdische. Nicht selten steht die Konfrontation mit Außerirdischen und Aliens einfach nur für andere Länder und Kulturen! Leider rutschen aktuelle Filme allzu schnell ins einfache gut/böse-Klischee ab und haben somit keine kritische Message mehr. Durch die Globalisierung hat man das Gefühl, dass andere Kulturen auch nicht mehr ganz so exotisch sind wie noch vor 30 Jahren; vielleicht beschränkt sich deswegen SF oft nur noch auf reine Action.
    Aktuelle Ausnahmen gibt es zwar, aber sie sind selten (District 9, Children of men), es müssen ja nicht immer gleich ganze Serien sein :-)
    Sehr symphatisch und bunt finde ich die gesamte Crew der Firefly (hier gab es nur 1 Staffel + den Abschlußfilm Serenity).
    Als sehr anspruchsvoll gilt, mit vielen Völkern und kulturellen und religiösen Problemen befasst, SpaceCenter Babylon 5.
    Ich persönlich finde „Caprica“ ganz toll (auch hier gab es leider nur 1 Staffel), danach, dazugehörig ist die sehr philosophische Serie Battlestar Galactica, aber hier spalten sich die Gemüter extrem, denn hier entwickeln von Maschinen entwickelte Menschenklone Religiösität.
    TNG kam meiner Meinung nach von den teils abenteuerlichen Gedankenexperimenten der Originalserie ab und behandelte stattdessen oft allzu gewöhnliche zwischenmenschliche Probleme für die das Weltraumgewand nicht hätte bemüht werden müssen (ich nenne es Weltraumsoap), deswegen bin ich von StarTrek komplett weg :-)
    Und wenn es mal was ganz anderes sein soll: The Wire ist eine absolut realistische Krimi-Serie aus den 90ern die viele Seiten beleuchtet (Polizei, Kriminelle, Justiz, Wirtschaft). Ein „Fall“ dauert hier eine ganze Staffel (davon gibt es 5).
    Dexter kennst Du ja schon; ist zwar nicht realistisch aber trotzdem interessant; und die Sprüche von Dexters Schwester sind einfach der Knaller :-)

    • Hallo robbenbiss,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar und besonders für die vielen SF-Empfehlungen. Ich war dem Genre selbst schon in meiner Kindheit recht aufgeschlossen, was sicher auch an den Filmvorlieben meines Vaters lag. Ich habe immer gerne Utopien und Dystopien gelesen und gerade die Mensch/Android-Thematiken haben mich sehr interessiert! Trotzdem habe ich sowohl Star Wars als auch Star Trek lange immer weit von mir gewiesen. Heute weiß ich gar nicht mehr, warum. Vor ca. 2 Jahren habe ich dann Star Wars für mich entdeckt und jetzt, wie man an meinem Beitrag sieht, Star Trek TOS. Als Serie natürlich auf einem ganz anderen Level als die Star Wars Filme. Ich finde auch, man kann beides irgendwie nicht vergleichen.
      Dexter kenne ich nur dem Namen nach – in meinem anderen Beitrag habe ich mich auf Agent Dexter, einen anderen Blogger, bezogen ;-) „Weltraumsoap“ ist ein schönes Wort. Ich denke, ich weiß, was du meinst. Ich werde es ja selbst merken, wenn ich dann Star Trek TNG schaue. Noch einmal vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren! Liebe Grüße! Mathilda

  3. Pingback: Liebeserklärung an: Star Trek TNG | Preach it, Baby!

  4. Pingback: Was mir von 2014 in Erinnerung bleiben wird | Preach it, Baby!

  5. Pingback: #augustbreak2016 – Breathe | Preach it, Baby!

Platz für deinen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s