#12 Eine Freundschaft beenden, wenn es nötig ist

Wen auch immer ich diesen Vorsatz meiner 14 Punkte für 2014 lesen sah, den sah ich erstmal schlucken. „Oh wie krass! Ist das dein Ernst?“ Ich erntete zweifelnde, ungläubige, teils besorgte Blicke. So versuchte ich zu erklären, wie man manche Freundschaften und Kontakte so durchs Leben mitschleppt, obwohl sie sich innerlich schon längst aufgelöst haben. Ich bin eine Meisterin im Kontakthalten. Meine Freunde waren schon immer sehr verstreut und ich habe es mir angewöhnt, mich immer wieder zu melden, auch nach einigen Monaten nicht vor einer Kontaktaufnahme zurückzuschrecken, gelegentlich Emails oder SMS zu verschicken und so mein Interesse an einem Fortbestand der Freundschaft zu zeigen. Dadurch haben sich viele Freundschaften über unzählige Orts-, Ausbildungs- und Berufswechsel erhalten und ich freue mich an diesen Freundschaften und bekomme so viel von meinen Freunden zurück, dass mir die Kilometer längst egal geworden sind. Dennoch kann diese Gabe des Kontakthaltens auch zum Fluch werden. Es kann passieren, dass ich mich (aus Pflichtbewusstsein? Höflichkeit?) bei Menschen melde, bei denen ich mich eigentlich gar nicht melden will. Natürlich ist ein bisschen Smalltalk immer drin. Doch gleichzeitig finde ich es so unverschämt unehrlich. Im Nachhinein frage ich mich: Was wolltest du eigentlich mit diesem Anruf erreichen? So entstand mein Vorsatz für 2014: Ich möchte niemandem mehr nach monatelanger Funkstille hinterhertelefonieren, mit dem ich nicht auch tatsächlich sprechen will. Eine simple Wahrheit leben. Ehrlich sein.

Unter diesem Blickwinkel wirkt mein #12 somit fast schon harmlos. Einen Kontakt einschlafen lassen, das sollte doch nicht so schwer sein. Das geschieht doch so oft schon ganz unbewusst. Ja, das stimmt. (Mit schlechtem Gewissen denke ich dabei an meine Freundin aus Hameln, deren letzter Brief seit 2 Jahren unbeantwortet in meiner Schublade liegt. Sie hätte ich gerne behalten.) Dennoch gibt es Menschen, bei denen es für ein Nicht-mehr-Melden einer bewussten Entscheidung bedarf. Das kommt dann doch schon einem aktiven „Freundschaft beenden“ gleich.

„Eine Freundschaft beenden, wenn es nötig ist.“ Leider hat sich dieser Punkt nach nicht einmal der Hälfte des Jahres bereits mehrfach realisiert. Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt, an meinem Charakter oder einer bestimmten soziologischen Zusammensetzung meines Umfeldes: Schon letztes Jahr beschlich mich das Gefühl, dass manche Freundschaften unerkannt im Auflösen begriffen waren. Während ich mich heute zwar darin übe, ein Freundschaftsende als Teil des Lebens anzunehmen, bedaure ich trotzdem, dass nur in einem Fall meine gerade beschriebenen Überlegungen eine Rolle gespielt haben.

Drei Freundschaften werden nun zu Erinnerung.

12 Gedanken zu „#12 Eine Freundschaft beenden, wenn es nötig ist

  1. Bei der Überschrift hab ich auch erst gezuckt. Aber ich kenne das Problem und ich habe auch so off-and-on-Freundschaften, wo man sich alle Jubeljahre meldet. Das Hurra ist dann groß, und euphorisch sagt man am Ende des Telefonats oder Treffens: „Mensch, lass uns doch nicht so lange warten bis zum nächsten Mal!“ Und man selbst ist ganz hingerissen von der Idee, dass die Freundschaft doch nicht zu Ende ist. Aber sobald man aufgelegt hat, bzw. nach Hause geht, weiß man schon: Das war’s jetzt. Bis sich in drei Jahren einer wieder meldet… So ein Teufelskreis!

    • Hallo Friederike! Danke für deinen Kommentar!
      Ja, das kenne ich auch und finde das auch gar nicht wild. Wenn man sich in dem Moment aufrichtig freut, ist es doch schön. Und natürlich gibt es auch die Freundschaften, bei denen man wochen- oder monatelang nichts vom anderen Hören kann und es dann doch ist wie gestern. Die Kontakthäufigkeit ist wohl nicht so aussagekräftig. Eher die innere, emotionale Haltung zwischen zwei Menschen. Soweit mal meine Gedanken :-)
      Liebe Grüße! Mathilda

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