Liebeserklärung an: Star Trek TNG

Ja, ich bin es: hin und weg. Einfach nur hin & weg. Nach meinen ersten Erfahrungen mit Star Trek TOS konnte es mancher wohl schon vermuten, dass Star Trek TNG erst so richtig reinschlagen würde. Ich gebe zu, die erste Staffel habe ich noch Zeit gebraucht, um in die Serie hineinzufinden – zu präsent waren mir noch die Brücke der alten Enterprise und die lieb gewonnene Besatzung mit Personen wie Spock, Kirk oder Lieutenant Uhura. Aber zumindest eine Person hat es ja dauerhaft von TOS zu TNG geschafft: Majel Barrett Roddenberry, die Frau des StarTrek-Schöpfers Gene Roddenberry, spielte in TOS die Rolle der Krankenschwester Christine Chapel und hatte in TNG regelmäßige Auftritte als exzentrische Betazoide Lwaxana Troi, Mutter von Counsellor Deanna Troi.

Aber noch mal ganz von vorn: Star Trek TNG ist zu Recht eine Kultserie. Diese Serie grenzt ja schon fast an ein religiöses Erlebnis. Staffel für Staffel dringt man tiefer in das Star Trek Universum ein, da werden Fäden gesponnen zu Star Trek TOS („Encounter at Farpoint“, „Unification“, „Relics“) oder zu Deep Space Nine („Birthright“), die Charaktere entwickeln sich, ein Beziehungsnetz entsteht, und über allem steht als Idee von Star Trek eine hochgradig ethische: dass Lebewesen jeglicher Spezies friedlich zusammenleben, zusammenarbeiten, sich respektieren. Fast schon langweilig, so eine heile Welt, könnte man als Nicht-Trekkie nun meinen. Doch 178 Folgen Star Trek zeigen, wie der Friede ein stets gefährdeter ist, wie selbst ein Verletzen der Obersten Direktive einmal der richtige Weg sein kann, wie immer wieder abgewogen werden muss zwischen Einzelinteressen und denen des Kollektivs.

Dazu kommt natürlich die Begegnung mit anderen Spezies – im Gegensatz zu Star Trek TOS sind diese glücklicherweise nur noch selten als „Der Außerirdische der Woche“ gestaltet, sondern fügen sich viel besser ins das Gesamtgefüge ein. Dennoch bleibt es an vielen Stellen spannend, welche Art von Lebewesen sich die Star Trek Autoren ausdachten: seien es die geschäftstüchtigen Ferengi mit den großen Ohren, die androgynen J’naii oder auch gänzlich fremde Lebensformen wie der Reisende oder der omnipotente Q. (Nebenbei bemerkt, Q ist großartig!)

Aber auch die Stammbesatzung auf dem Schiff ist interessant zusammengestellt:

Captain Jean-Luc Picard, in Fankreisen wohl der beliebteste Captain der Sternenflotte, beeindruckt durch seine Führungsstärke, sein diplomatisches Geschick und seine Fähigkeit, schwierige Situationen blitzschnell einzuschätzen und gelegentlich zu ungewöhnlichen Taktiken zu greifen.

Seine „Nummer Eins“ ist Commander William T. Riker, der auf meiner persönlichen Sympathiekurve ja eher am unteren Ende der Brückenoffiziere rangiert. Natürlich ist er hervorragend, durchsetzungsstark und noch dazu charmant – doch ich mag ihn nicht sonderlich und bin froh, wenn er in einer Folge einfach nur seinen Job macht und sein Lieblingsschwiegersohn-und-Draufgänger-gleichermaßen-Charakter nicht näher beleuchtet wird.

Daneben haben wir Counsellor Deanna Troi, die halb Mensch, halb Betazoide ist und daher die Gefühle von anderen empathisch wahrnehmen kann. Ich habe manchmal gedacht, dass sich all die technik- und ingenieurslastigen Geschichten auch ohne sie erzählen lassen würden – und doch würde der Enterprise etwas Elementares fehlen. Deanna bringt bei all dem den Faktor Mensch mit all seinen Emotionen, individuellen Wünschen und dem jeweils ureigenen Charakter hinein in die Geschichten. Sie legt in einer technisch und organisatorisch perfekten Welt den Finger in die Wunde.

Kommen wir nun zu meinem persönlichen Favoriten: Lieutenant Commander Data. Erfreulicherweise gibt es viele Folgen, in denen er den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte bildet: als einziger Androide mit dem Bestreben, ein Mensch zu werden, hat er die Aufmerksamkeit auch voll verdient. Meiner Meinung nach schenken sich Brent Spiner als Data und Patrick Stuart als Picard schauspielerisch nicht viel – die beiden werten jede noch so nebensächlich erscheinende Szene schon allein durch ihre Mimik und Präsenz um Welten auf. Im Vergleich zu TOS entspricht Datas Rolle auf dem Schiff der des Vulkaniers Spock: Er repräsentiert die vollendete Logik, ein rein rationales Wesen. Besonders interessant ist daher auch das Crossover mit der Begegnung von Data und Spock in Staffel 5 („Unification“).

Datas bester Freund ist Lieutenant Commander Geordi LaForge, Chefingenieur der Enterprise. Ich bewundere LeVar Burton dafür, wie es ihm gelingt, ohne den Ausdruck der Augen so viel an Emotion in sein Gesicht zu legen. Geordi ist von Geburt an blind und trägt einen Visor, der es ihm ermöglicht, mehr als andere Menschen zu sehen und auch Spektralanalysen durchzuführen (immer wieder sehr hilfreich). Seine Freundschaft zu Data gründet wohl auch auf diesem Element des Anders-Seins. Die Szenen zwischen Geordi und Data erfreuen einfach das Herz!

Schließlich haben wir da Lieutenant Worf, seines Zeichens Klingone und ein wahrer Krieger Nach dem Tod von Tasha Yar ist er der Chef der Sicherheit und dafür auch bestens geeignet. Die Entwicklung, die Worf im Lauf der Staffeln macht, ist enorm: obgleich sein Gefühl für den klingonischen Wert der „Ehre“ keineswegs abnimmt, entwickelt er sich doch persönlich weiter und mit der Beziehung zu seinem Sohn Alexander und seiner Auseinandersetzung mit seiner Herkunft (z.B. in „Birthright“) gewinnt sein Charakter an Tiefe. Ich habe ihn jedenfalls immer mehr ins Herz geschlossen.

Am Rande des Geschehens und doch immer wieder mittendrin steht die Chefärztin Dr. Beverley Crusher. Sie hat mich besonders in der Folge „Remember Me / Das Experiment“ (Staffel 4, Episode 5) beeindruckt, in der ihre streng wissenschaftliche Vorgehensweise sie davor bewahrt, wahnsinnig zu werden, und einen Ausweg aus der Warpblase zu finden, in der sie gefangen war. Diese Episode hat mein Bild von ihr stark geprägt und ihren medizinischen Kenntnissen und Fähigkeiten als Ärztin weitere Begabungen zur Seite gestellt. Ihr Verhältnis zu Jean-Luc Picard ist natürlich auch immer wieder spannend, die Folge „Attached“ in Staffel 7 bietet dabei einen wunderbaren Höhepunkt. Sie ist zudem die Mutter von Fähnrich Wesley Crusher, der durch den jungen Wil Wheaton gespielt wird. Anscheinend war er für viele Fans eine eher unliebsame Figur, doch ich mag ihn gern und fand es schade, dass er ab der vierten Staffel nur noch sehr vereinzelt zu sehen war.

Nun könnte ich noch auf zahlreiche weitere Charaktere wie z.B. die von Whoopi Goldberg gespielte Bardame Guinan oder den bereits erwähnten omnipotenten Q eingehen. Doch dann würde dieser Beitrag nur noch länger als er es eh schon ist. Stattdessen werde ich mir nun einfach vornehmen, einen weiteren Blogbeitrag zu Star Trek TNG zu schreiben, in dem ich mich wahlweise einzelnen Folgen, Gesamtideen oder besonderen Themen widmen kann. Die Hauptfiguren sind ja nun zumindest ansatzweise vorgestellt :-)

In diesem Sinne: live long and prosper!

5 Gedanken zu „Liebeserklärung an: Star Trek TNG

  1. Pingback: Was mir von 2014 in Erinnerung bleiben wird | Preach it, Baby!

  2. Nun ja, ich kenne nicht alle TOS-Folgen, muss bei DS9 einiges nachholen und weigere mich standhaft ENT zu schauen. Dafür liebe ich TNG, verehre die Filme (manche mehr, manche weniger, die neuesten finde ich zum größten Teil traurig) und liebe, liebe, liebe VOY! Dass ich vor etwa drei Jahren Kate Mulgrew erleben durfte, ist bis heute eine meiner schönsten nerdigen Erinnerungen (http://magischesdasein.wordpress.com/2013/04/24/in-erinnerung-schwelgen-captains-table-2011/) und in uniformierten Kostümierungen hatte ich schon viel Spaß. (http://magischesdasein.wordpress.com/2013/05/01/auf-dem-schwarzen-teppich-star-trek-into-darkness-premiere-in-berlin/). Allerdings hinke ich im Detailwissen weit zurück, kenne viele Hintergründe nicht und ich mag „Star Wars“. Von daher ein Halbtrekkie! ;)

    • Ok, ich verstehe! In diesem Sinne bin ich auch ein Halb- oder Vierteltrekkie, da ich auch nicht über so viel Detailwissen verfüge und selbst im Überblickswissen gegenüber eingefleischten Trekkies keine Chance hätte. Ich habe ja dieses Jahr erst mit Star Trek angefangen, dafür war es Liebe auf den ersten Blick! (Allerdings können wohl nicht so viele Leute von sich sagen, dass sie zum Star Trek TNG Theme und mit vulkanischem Kuss zum Traualtar geschritten sind :D) Auf deine zwei Beiträge bin ich sehr gespannt, muss sie in Ruhe lesen. Liebe Grüße!

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