Hilfswörter für 2015: Disziplin und Stärke

Bereits mehr als die Hälfte des Jahres liegt hinter mir, daher wage ich einen Rückblick auf mein Wort für 2015, das ich euch im Januar vorgestellt habe. Doch eigentlich ist „Rückblick“ der falsche Begriff, denn das Wort „Hingabe“ ist zum ständigen Begleiter geworden und ich darf feststellen, dass besonders die 4 ‚Hilfswörter‘ bisher gut gewählt waren.

Disziplin

In den ersten Monaten, Januar bis April, konnte ich besonders Disziplin gut gebrauchen und habe das wirklich sehr intensiv gelebt. Mein Tag begann mit einem morgendlichen Anruf, zwar nicht um dreiviertel 5 wie bei Kant, aber doch häufig mit den Worten „Es ist Zeit!“. Es folgte eine geschichtliche Frage, ob zum Augsburger Religionsfrieden oder der Weimarer Republik, mein Hirn lernte schnell, von Schlaf auf Wissen umzuschalten. Nach einer kurzen Plauderei stand meine persönliche Zeit, u.a. mit aufräumen, duschen, Tee und Frühstück vorbereiten auf dem Programm. Um 8.30 Uhr saß ich dann mit Katze auf dem Sofa und übersetzte kapitelweise aus dem Johannesevangelium. Je zügiger ich voran kam, desto mehr Zeit blieb noch vor 10 Uhr, denn hier begann die nächste große Lerneinheit am Schreibtisch. Bis 12 Uhr las ich Aufsätze und Artikel, exzerpierte und fasste zusammen. Um 12 Uhr wanderte ich dann in die Küche ab, um mir ein Mittagessen zuzubereiten. Dank Biokiste oft mit leckerem Gemüse! Meine Mittagspause ging offiziell bis 2; wenn ich nicht ausnahmsweise mit Freunden telefonierte, saß ich meist auf dem Sofa und schaute eine Serienfolge. Für den Nachmittag standen nun noch zwei Lerneinheiten an, eine stärker inhaltlich fokussierte (von hier nach hier) und eine, bei es mehr um Lesen und Sortieren ging. Je nach Konzentrationskurve ging ich früher oder später raus und machte einen Spaziergang über die Felder. So gut wie immer hatte ich dabei meine Lernstöpsel im Ohr – aufgesprochene Themen, die ich dadurch gut wiederholen konnte. Gegen Ende des Spaziergang genehmigte ich mir aber auch manchmal noch etwas Musik oder Ruhe. Insgesamt lernte ich 6 Stunden pro Tag – nach jahrelanger Selbstbeobachtung kann ich sagen, dass 6 Stunden konzentrierte Arbeit bei mir zum gleichen Ergebnis führen wie mich 8 oder 10 Stunden Schreibtischzwang. So war mein Arbeitstag meist gegen halb 6 oder 6 zu Ende und ich hoffentlich zufrieden.

Fazit

Disziplin ist super! Der festgelegte Tagesablauf hat mir richtig gut getan und mir bei der Bewältigung der anstehenden Lernaufgaben enorm geholfen. Die Katze durfte ihn hier und da auch mal unterbrechen, dann wurde gekuschelt oder gespielt, aber ich kann doch sagen, dass ich meine Lernkästchen gut abhaken und erledigen konnte.

Stärke

Ab Mai war es dann eher Stärke, die vonnöten war. Es galt, die Prüfungsphase durchzuhalten, die erwähnten Klausuren zu schreiben und mich anschließend wieder neu für die mündlichen Prüfungen zu motivieren. Natürlich nutzte mir noch immer die etablierte Disziplin, doch ich muss zugeben, dass sich einiges davon auch wieder auflöste. Mein Tagesablauf war nicht mehr so fest durchgetaktet, ich hatte vielmehr Themen für den Tag und häufig war es dabei bloße Willenskraft, dass ich am Ball blieb. So ist das Wort Stärke sowohl für die Klausurenphase sehr passend als auch für die gerade zurückliegenden Monate Juni und Juli. Hier kam es in meinem privaten Umfeld zu sehr anstrengenden und herausfordernden Entwicklungen, daher zog und zerrten zwei ganz unterschiedliche Bereiche an mir, was wohl auch der Grund dafür ist, dass ich hier kaum etwas von mir hören ließ. Pläne fürs Bloggen hatte ich sehr wohl, aber nicht nur fürs Bloggen… Es hätte gereicht, mich durchs Examen zu manövrieren, doch manchmal sucht man sich die Belastungen eben nicht selbst aus!

Fazit

Ich bin dankbar für die Stärke, die ich in dieser schwierigen Zeit erleben durfte. Eigene, innere Stärke ebenso wie die Stärke von Freundschaften, über die ich ja schon oft geschrieben habe. Selbst wenn mir eigentlich alles zu viel war und ich niemanden mehr hören und sehen wollte, gibt es doch Menschen, bei denen es anders und leicht ist und die mir helfen, den nächsten, vorsichtigen Schritt zu gehen.

Gebet und Vertrauen?

Für die zweite Jahreshälfte bleiben nun Gebet und Vertrauen und wenn ich das selbst so lese, denke ich: hoffentlich! und Wie schön das klingt! Aber ich will mir nichts vormachen, denn auch Vertrauen zu haben oder neu zu fassen kann harte Arbeit sein. Gerade deshalb bin ich dankbar, dass mir Gott in der letzten, aufrüttelnden Zeit immer wieder leise zuflüsterte, dass er es GUT machen wird. Und dass mich das Flüstern auch dann nicht loslässt, wenn mein frisch gebackenes Diplomtheologenhirn ad hoc dreiundzwanzig Einwände gegen Gottvertrauen vorzubringen weiß.

Ja, die Freude am Leben lässt sich nicht beirren. Und um wieder Kraft zu tanken, werde ich jetzt eine schöne Urlaubsreise machen. ‚Urlaub‘, das kommt von ‚erlauben‘ – ich erlaube mir selbst eine Zeit für Ruhe und Muße, ohne Verpflichtungen. Die Hingabe bleibt meine Begleitung und vielleicht wird das eh schon überquellende Notizbuch bei meiner Rückkehr nur umso voller sein. Oder aber ich werde die weißen, unbeschriebenen Seiten genießen. Wir werden sehen!

PS. Da man ja im Internet nicht schreiben soll, wenn man in den Urlaub fährt: Liebe Einbrecher, ich habe einen gefährliche Katze, die die Wohnung hüten wird. Sie bekommt dabei Unterstützung von einer lieben menschlichen Freundin und einer Papageiendame. Also seht euch vor!

8 Gedanken zu „Hilfswörter für 2015: Disziplin und Stärke

  1. ein sehr schöner Beitrag!
    Disziplin und Stärke sind zwei wichtige Züge, die man im Leben, also eben im Alltag, nur alzu gut gebrauchen kann!
    Wunder wirkt so eine Auszeit wie Urlaub dabei wirklich … das habe ich erst kürzlich auf einem Kurzurlaub ohne Mobilnetz, Internet oder sonstigen Schnickschnack gemerkt!
    gute Erholung also!
    <3 Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

  2. Ich bewundere deine Disziplin! Über längere Zeit jeden Tag so ein Pensum zu bewältigen ist sicher kein Zuckerschlecken – ich hoffe, du bist ordentlich stolz auf dich :)
    Hingabe ist ein wunderbares Wort, um es über ein Jahr zu schreiben. Ich wünsche dir, dass du dich nun erst mal voll und ganz deinem Urlaub hingeben kannst :)

  3. toll dass das so gut geklappt hat. ich kann mich auch noch an beide phasen vor der abschlüssprüfung allzu gut erinnern. da waren tatsächlich sowohl stärke als auch disziplin unerlässlich. viel spaß im urlaub!

  4. Ich gebe zu, dass ich den Beitrag grade nicht gelesen habe. Aber ich habe die Bitte, dass du dich bei uns nochmal meldest, wie gesagt, Handy futsch, Nummer futsch! Wir sind nämlich umgezogen und wissen nicht, wie genau wir dir unsere neue Adresse zukommen lassen können^^“

  5. Pingback: Hilfswörter für 2015: Vertrauen und Gebet | Preach it, Baby!

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