„Italienurlaub klingt so 90er!“

[Sommerklänge]

Das jedenfalls war mein Gedanke und Satz auf meinen Lippen, als wir die Grenze passierten. Wir fuhren im Auto nach Italien, da wurden Kindheitserinnerungen wach. „Voll 90er!“ ist eh so ein Kommentar, der meist eher auf Kindheits- oder Jugenderlebnisse hinweist als auf ein profundes Verständnis der Geschichte und des Lebensgefühls.

Der Italienurlaub im August scheint allerdings auch heutzutage noch genauso beliebt zu sein. Jedenfalls trafen wir zahlreiche andere Touristen bzw. rannten in 19274792 weitere Urlauber hinein. Neben der Hitze (Klimaanlage auf 28°C wurde als kühl empfunden) waren die Menschenmengen in den Großstädten wohl das erschlagendste. Aber wir hatten es ja so gewollt! (In Zukunft: nie wieder.)

Mit diesem Beitrag will ich euch um einige meiner Urlauberkenntnisse bereichern, außerdem plane ich noch zwei weitere Beiträge mit Tipps für Florenz und Rom.

BäumeUrlaubserkenntnis Nr. 1: Geheime Wünsche erfüllen sich.

Als wir die erste Mautstelle hinter uns ließen, fragte ich mich, wie das italienische System wohl so funktionierte. Die Autobahnen waren jedenfalls privatisiert und wie sah es wohl mit der gesundheitlichen Versorgung aus? Ich rief gedanklich all meine Vorstellungen von Staat und Organisation ab und wollte gern wissen, was davon wirklich zutraf und was einfach nur Klischee war. Doch wie sollten wir das in einem kurzen Urlaub herausfinden? Ach, dachte ich, vielleicht machen wir ja eine Erfahrung mit der italienischen Polizei! Das wäre doch was, auf so einem italienischen Polizeirevier! (Mein Mann später: Wie konntest du nur so was denken!!)

Erstmal passierte nichts, wir fuhren weiter über die Autobahn, kamen in einen Stau und auf einmal musste mein Mann abrupt abbremsen. Wir hätten beinahe einen Unfall gebaut! Aber wir konnten weiterfahren, die nächste Raststätte raus, erstmal von dem Schock erholen. Da sahen wir, dass wir vorne kein Nummernschild mehr hatten! Ein Anruf beim ADAC informierte uns darüber, dass wir das bei der Polizei zur Anzeige bringen sollten. Grund dafür ist, dass jemand anderes sich ja das Nummernschild greifen und Schindluder damit treiben könnte.

Da wir noch keine Ahnung vom Unterschied zwischen der Polizia und den Carabinieri hatten, fanden wir uns kurze Zeit später in einem sehr gut abgesicherten und dennoch leicht marode wirkenden Revier der Carabinieri wieder und erklärten via Google Translate unsere Situation. Der Polizist war Mitte 30, recht locker und cool und wohl auch ein wenig amüsiert über unseren Besuch. Wir bekamen einen Wisch mit Stempel und Unterschrift und waren nun für alle Polizisten gewappnet, die uns im restlichen Urlaub wegen fehlendem Kennzeichen noch aus dem Verkehr winken sollten…

ToskanaUrlaubserkenntnis Nr. 2: Man fährt, wo man fahren kann.

Diese Erkenntnis hatte ICH ja schon lange, weswegen mein Mann zu einem eher besorgten Beifahrer mutiert ist. Für Italien ist man damit jedoch gut dran. In diesem Land kümmert sich anscheinend keiner so recht um die Verkehrsregeln, um ein Rechtsfahrgebot oder Überholverbote. Und es funktioniert trotzdem! Man muss einfach ein wenig konzentrierter Auto fahren, was auch nicht schadet, und die Augen aufmachen. Während dem Abbiegevorgang in der Innenstadt außen überholt zu werden, kann einem jedoch trotzdem kurz das Herz stehen lassen…

Der italienische Verkehr ist schnell, unruhig und macht Spaß. Aufmerksamkeit ist ein Muss und dann kommt man zügig von A nach B, denn wozu auch auf durchgezogene Linien oder Abbiegeverbote achten?

AussichtUrlaubserkenntnis Nr. 3: Manch einer ist für die wilde Natur nicht geeignet.
(Oder: Die medizinische Versorgung in den Städten. Ihr ahnt es.)

Für die erste Woche hatten wir eine wunderschöne, ziemlich abgelegene kleine Unterkunft auf einem Berg gebucht. Die Aussicht war traumhaft, das Haus ein altes, ursprüngliches Gebäude, wir waren wirklich in der Pampa und die Erholung garantiert. Dachten wir. Leider fing es schon am ersten Abend an, dass die Insekten meine Beine liebten und sich ein Stich an den anderen reihte. In der Dorfapotheke gab es eine Frau, die ein wenig Englisch sprach und mir erstmal Cortisontabletten für Kinder verkaufte. Im Lauf des zweiten Tages wurden die Stiche immer schlimmer, groß und heiß und rot, sodass ich auch mit Eiswürfeln nicht dagegen ankam. (Schon seit Jahren habe ich Probleme mit massiven allergischen Reaktionen auf Stiche.) Ich verbrachte den Tag abwechselnd auf dem Bett und auf der Terasse sitzend, die Beine kühlend. (Wenigstens hatte ich so noch etwas von der Aussicht.)

Bereits am Abend beschlossen wir, dass es in der rauhen Natur für mich keinen Sinn hatte. Am nächsten Morgen siedelten wir nach Florenz in ein kleines, nettes Hotel über. „Weil dein Körper ja nur in einem klimatisierten Hotelzimmer funktioniert!“ Dort kam der Touristenarzt direkt aufs Zimmer, verpasste mir zwei Spritzen und gab mir einen Medikamentenplan. Medizinische Versorgung? Check. (Heimlich jubelte ich über die Auslandkrankenversicherung, die ich kurz zuvor noch abgeschlossen hatte. Man könnte sagen, in weiser Voraussicht, aber mein Name ist Hase…) Nach 3 Tagen im Hotelzimmer ging es mir dann auch wieder besser und ich hatte beschlossen, das beste draus zu  machen und widmete mich meiner Urlaubslektüre.

MeerUrlaubserkenntnis Nr. 4: Wenn alles schief geht, muss man ein Risiko eingehen.

ADAC, Polizei, Apotheke, Stornierung der Unterkunft, Arzt und Auslandskrankenversicherung hatten wir nun also durch. Was sollte nun noch schief gehen? Nur die Mehrkosten lagen mir im Magen. Das Bargeld neigte sich schon dem Ende zu und als es mir endlich wieder besser ging, wollten wir so gerne zwei Roller mieten, um ein wenig in der Toskana herumzudüsen. Kostenfaktor 55,- Euro pro Tag, das war erschwinglich. Als Sicherheit brauchte es nur eine funktionierende Kreditkarte. Die Betonung liegt auf funktionierend, denn das war unsere leider nicht. Wir probierten es mit Tesa und probierten es nochmal und nochmal, doch aus unerfindlichen Gründen war unsere Kreditkarte hinüber. Aber vielleicht schrieb sich der Rollerverleih die Daten ja auch nur auf? Wir beschlossen, es trotzdem zu versuchen. Füllten die Formulare aus, bekamen zwei Helme und Infos über mögliche Routen… bis uns die Kreditkarte zum Problem wurde. Einzige Alternative: 1000 Euro in bar als Sicherheit da lassen.

Hätte man mich vor diesem Urlaub gefragt, ich hätte gesagt: Niemals nicht trage ich 1000 Euro Bargeld durch Florenz und lasse sie in einem Rollerverleih! Doch die sich multiplizierenden kleinen und großen Katastrophen hatten einen anderen Menschen aus mir gemacht ;-) Also spazierten wir zwei Straßen weiter an einen Geldautomaten und überzogen erstmal unser Konto. Der Automat spuckte leider immer nur 250 Euro auf einmal aus, was jedes Mal zu Herzklopfen und Bangen führte, ob noch was kommen würde. Aber am Ende hat alles geklappt, wir ließen das Geld in der Stadt, fuhren mit den Rollern los und bekamen es abends vollständig wieder zurück. Man könnte auch sagen: Was deine Nerven nicht zum Reißen bringt, macht Drahtseile aus ihnen.

Meer

Wie ihr lesen könnt, habe ich einen an- und aufregenden Urlaub zu verbuchen. Die erhoffte Ruhe und Muße machte sich zeitweise zwar rar, doch am Ende war von beidem noch etwas dabei. Und so starte ich mit neuem Mut und erhöhter Risikobereitschaft in die nächste Blogrunde!

Liebe Grüße! Mathilda

8 Gedanken zu „„Italienurlaub klingt so 90er!“

  1. ich mag:
    Urlaubsberichte
    Urlaubsberichte mit Fotos
    Abenteuer aus dem Ausland
    deine Schreibe.
    Da kommt ja noch was schönes auf mich zu. ;-)

  2. da ging es ja einigermaßen rund. schön, dass ihr trotzdem auch genießen konntet, allergische reaktionen im urlaub, arzt- und polizeibesuche sind ja nicht das, was man sich so unbedingt vorstellt!

  3. Pingback: Traumstadt Florenz + Tipps | Preach it, Baby!

  4. Das was euch in einem Urlaub passierst ist, ist uns noch noch nie passiert. :D Das Problem mit der Kreditkarte kommt vor, deshalb haben wir mind. 2 Kreditkarten immer mit im Urlaub und stocken das Kreditlimit noch auf, denn oft blocken die Hotels und Autovermietungen die Kaution und plötzlich geht die Karte nicht mehr. Ein bekanntes Problem. Ich hoffe, ihr konntet dennoch den Urlaub genießen und habt euch gut erholt.

    • Tja, Übung macht den Meister! Wir können also von euch Urlaubsprofis noch einiges lernen :)
      Wir hatten die letzten Tage am Meer dann noch einige Erholung, die uns sehr gut getan hat. Diesen Part wollen wir definitiv wiederholen ;)

      • Ich schätze, es sind eher die Gedanken, die man sich vorher macht, die so was hervorrufen. Ich kenne das mit dem Wetter. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir immer gutes Urlaubswetter haben, weil wir immer davon ausgehen das es tolles Wetter gibt und machen uns vorher keine Gedanken darüber. Genauso nicht, was alles passieren kann. Klar, man sorgt vorher für die üblichen Sicherheitspunkte. Eine feste Auslandskrankenversicherung haben wir fest über den gelben Verein, weil man bei Auslandsreisen damit optimal geschützt wird. Liste mit den Telefonnummern zum sperren der Karten, Kopien von wichtigen Dokumenten, ein fake Portmonee usw. Gebracht haben wir bisher davon nichts, mal schon die zweite Kreditkarte, weil die Bank in Deutschland dachte, sie wurde gestohlen, weil plötzlich viele Buchungen an einem Tag durchgeführt wurden. Wir waren aber shoppen und in den USA zählt man kaum etwas bar. Lustigerweise informieren wir die Bank vor der Reise darüber, damit die Sperre nicht kommt, aber es hilft nicht immer. Deshalb mindestens die zweite Karte ist nötig. LG

      • Nun ja, mit dem Wetter haben wir es ja gut getroffen. Es gab einen einzigen, halben Regentag, als wir von Florenz nach Rom unterwegs waren, das war dann zum Fahren sogar eher angenehm. Außerdem regnete es richtig heftig bei unserer Heimfahrt. Ansonsten hatten wir Sonne satt :-)
        Ich habe nicht damit gerechnet, dass es mich mit den Stichen so treffen würde. Sonst hätte ich vermutlich Arznei aus Deutschland mitgenommen.
        Dass euch die Kreditkarte gesperrt wurde, weil ihr auf einmal so viel damit bezahlt habt, ist ja irgendwie auch wieder witzig. Obwohl das in der Situation selbst immer nicht so cool ist. Gut, dass ihr eine zweite dabei habt!

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