Gedanken zum Minimalismus (Kleidung)

Ich hatte schon mit 20 einen Hang zum Minimalismus. Davor und danach gab es zwar auch Konsumphasen, aber innerlich blieb das Gefühl, lieber mit wenig glücklich zu sein als mir ständig neuen Kram zu kaufen. Damals führte das dazu, dass ich in den ältesten und hässlichsten Klamotten rumlief, denn wozu sich einen neuen Pullover kaufen, wenn ich einen ‚funktionsfähigen‘ hatte? Es war mir egal, ob besagter Pullover grau und abgetragen war, ich hatte etwas anzuziehen und er erfüllte seine Aufgabe. Mein Vater übte daran regelmäßig Kritik, von meiner Oma ganz zu schweigen. Regelmäßig rief sie an: „Ich glaube, du brauchst mal wieder ein paar gute Schuhe/eine neue Hose/ein paar Oberteile.“ Und ich jedesmal: „Danke, Oma, ich brauche nichts, ich habe alles. Aber ein paar Sportsocken wären gut.“ Überhaupt war Sportkleidung das Einzige, in das ich in dieser Zeit Geld investierte. Zugegebenermaßen habe ich die Kleidung und die Schuhe heute noch und sie haben mir über viele Jahre einen guten Dienst getan.

Heute sieht meine Haltung zum Konsum und zum Minimalismus anders aus. Ich kaufe wenig und sehr ausgewählt. Vor zwei oder drei Jahren habe ich eine Farb- und Stilberatung gemacht, die mir in Sachen Geschmack zu einem großen Sprung verholfen hat. Ich weiß, welche Farben mir stehen, und wie verschiedene Schnitte an mir wirken. Die Kleidung, die in meinem Schrank hängt, passt zueinander und ich habe immer etwas anzuziehen. Wenn ein Kleidungsstück die Kriterien nicht erfüllt, wird es nicht gekauft. Überhaupt gehe ich sehr selten einfach ’shoppen‘, sondern meistens erst dann, wenn ich feststelle, dass mir etwas fehlt. In diesem Jahr waren das Tshirts für den Sommer, die Anzahl der tragbaren Shirts war auf 8 gesunken und so ging ich in einen Laden, wedelte mit meinem Farbpass herum und kaufte 3 neue Oberteile. Und weil mir eines davon so gut gefiel, holte ich es mir zwei Wochen später nochmal.

Mir geht es nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern darum, nur das zu besitzen, was ich auch nutze/brauche/liebe. Ich möchte meinen Kleiderschrank aufmachen und jedes Teil gerne und regelmäßig anziehen. Dazu braucht es an erster Stelle ein gutes Auge und ein sicheres Gefühl dafür, was mir auch in ein paar Monaten oder in der nächsten Saison noch gefällt. Was nicht gekauft wird, nimmt auch keinen Platz weg. Zum zweiten liebe ich Übersichtlichkeit. Gib mir eine Liste und ich schreibe dir jedes Kleidungsstück auf, das ich besitze und wann ich es das letzte Mal anhatte.Während andere sich durch Klamottenberge wühlen (sowohl im eigenen Kleiderschrank als auch in den Läden), sitze ich lieber mit Tee und Keks auf dem Sofa oder treffe meine Freunde.

10 Gedanken zu „Gedanken zum Minimalismus (Kleidung)

  1. Das halte ich ziemlich ähnlich wie du. Kann mich gerade nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Kleidungsstück gekauft habe – von Sportkleidung abgesehen ;) Vor einer Weile hatte eine Umweltgruppe in der Uni einen Kleidertausch organisiert, tolle Idee. Obwohl ich auch nicht viel Kleidung kaufe, habe ich trotzdem ein paar Dinge, die ich nie oder nicht mehr trage. So sind sie vielleicht bei jemandem gelandet, der sie auch ab und an mal aus dem Schrank holt.

    • Ich habe letzte Woche auch mal wieder größer aussortiert (werde hier wahrscheinlich noch davon berichten) und meine „Flohmarkt-Kiste“ weiter gefüllt. Darin sammle ich Kleidung, die noch gut ist, mir aber nicht mehr passt oder noch aus alten Zeiten stammt und sich nun nicht mehr kombinieren lässt. Ich frage im Bekanntenkreis nach, wer etwas braucht oder haben möchte und verkaufe manches auch für kleines Geld im Internet. Kleidertausch finde ich super! Überhaupt alles, was in Richtung Second-Hand und weiterverwenden geht!

  2. mit Tee und Keks … und der getarnten Katze, die man auf der Wolldecke nur bei guter Beleuchtung sieht.
    Herzlichen Gruß an den auf der Wolldecke ganz sicher nicht getarnten anderen Mitbewohner!

  3. Ich kenne beides: den Wunsch nach Übersichtlichkeit und Minimalismus – und den nach einer bunten Spielkiste, in der sich für die absonderlichsten Anlässe noch ein Kostüm findet. Gerade eben stellte ich fest, dass es doch ganz gut ist, gewisse Dinge nicht weggeworfen zu haben, auch wenn Jahre nicht getragen. Und naja, die übliche Diskrepanz zwischen Geschmack und Portemonnaie xD Sonst würde ich Zeug einfach weggeben und mir dann für einen neuen Anlass was neues kaufen.

    Jetzt kann ich mich nicht entscheiden, ob ich shoppen gehen oder ausmisten will…

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