Sehnsucht nach dem Zion. Psalm 126

3 Jahre lang Winter
Streichholzdünn sind die Wände der Hütte
Eisige Luft dringt hinein
Wir leben außerhalb der Jahreszeiten
Trotz sengender Hitze sind unsere Knochen Eiszapfen
Das Herbstlaub besteht aus Graustufen
Den kleinen Keim unter der Schneedecke haben wir schon fast vergessen
Nur die Großmutter spricht noch manchmal davon

Als Jahwe das Geschick Zions wendete,
waren wir wie Träumende
Damals wurde angefüllt mit Lachen unser Mund
und unsere Zunge mit Jubel.

Sie erzählt von einem Winter, sieben Mal so lang wie der unsrige
Von Steinen im Kochtopf und zerschlissenen Fetzen am Körper
Von Nächten, die endlos schienen
Vom Ausharren in der Kälte, von der Hoffnungslosigkeit

Und vom Moment, in dem die Farbe ins Leben zurückkam
Als die Blätter der Bäume wieder grün wurden
Die Wolken den Blick auf den blauen Himmel freigaben
Man wieder unterscheiden konnte zwischen Frühling und Sommer und Herbst

Damals sagten sie bei den Völkern:
„Großes hat Jahwe getan an diesen.“
Großes hat Jahwe Getan an uns;
Wir waren Fröhliche.

Sie hat das Blütenmeer nicht vergessen
Sie erinnert sich noch an saftige Birnen, reife Äpfel, frische Beeren
In ihren Träumen sieht sie alles vor sich
Sie tanzt darin mit leichten Beinen
Wie früher die Mädchen auf dem Dorfplatz

Wende bitte um, Jahwe, unser Geschick
Wie die Bäche im Negev!
Die säen mit Tränen,
mit Jubel werden sie ernten.

3 Jahre lang harren wir aus im Winter
Unser Tagwerk ist durchdrungen von Gebeten
Wir murmeln sie auf dem Feld,
wir rufen sie auf dem Heimweg,
wir schreien sie des Nachts im Traum
Gebete – wie Tropfen auf dem heißen Stein
Lass sie nicht sinnlos sein!

Mal um Mal geht weinend dahin,
der trägt den Saatbeutel
Doch er wird gewiss mit Jubel wiederkommen,
der trägt seine Garben.

Hinter den Augenlidern neue Bilder
von zarten Frühlingsblüten,
prallen Sommerfrüchten,
Herbstregen auf nassem Laub.
Noch erscheint es wie ein Traum
Die Tür quietscht in der Angel
Ein Windstoß hat sie erfasst
Und in der Luft liegt der Duft von Gerechtigkeit

2 Gedanken zu „Sehnsucht nach dem Zion. Psalm 126

  1. Wie ich „liegt der Duft von Gerechtigkeit“ lese, habe ich eine Farbe für das Wort Gerechtigkeit. (mit Düften hab ichs ja nicht so) Es ist ein sattes Mittelgrün.

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