Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil I

In regelmäßigen Abständen habe ich das Bedürfnis, auszumisten und Dinge loszuwerden. Ich brauche Luft, Platz und Ordnung um mich herum, um denken zu können. Dabei gehöre ich nicht zu denen, die einen besonders voll gestopften Haushalt oder überfüllten Kleiderschrank haben (was ihr euch nach meinen Gedanken zum Thema Minimalismus (Kleidung) vermutlich schon denken konntet). Allerdings habe ich ein feines Gespür dafür, wenn Dinge nur noch „da“ sind, aber eigentlich keinen Zweck mehr in meinem Leben erfüllen. Es staut sich immer mehr Besitz an – ein Gefühl, das mich niederdrückt und für Beklemmungen sorgt. Vor einigen Monaten musste daher eine radikale Veränderung her und so suchte ich im Netz nach nützlichen und erprobten Methoden, Gegenstände auszusortieren.

Dabei stieß ich auch auf die KonMari Methode, die Aufräummethode der Japanerin Marie Kondo. Über diverse Blogeinträge und Videos konnte ich mir schnell einen Überblick verschaffen und legte mir auch ihr Buch „Magic Cleaning“ zu. Im folgenden will ich euch einen kurzen Überblick über die Methode geben und von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Da der Artikel ungewöhnlich lang geworden ist, habe ich entschieden, ihn in drei Teilen zu posten.

Die KonMari Methode

„Wer jeden Tag ein bisschen aufräumt, räumt sein ganzes Leben auf.“ Das ist einer der Standardsätze von Marie Kondo. Ihr Ziel ist es, „in einem Rutsch, in kurzer Zeit und perfekt“ aufzuräumen. Dazu nimmt man sich nacheinander die verschiedenen Bereiche in seinem Besitz vor, beginnend mit der Kleidung, über Bücher und Schriftstücke bis zum Kleinkram. Wichtig ist, nicht Zimmer oder Fächer nacheinander aufzuräumen, sondern alle Dinge, die zu einem Bereich oder einer Kategorie gehören, gesammelt anzugehen.

Im Falle der Kleidung räumt man also nicht nur seinen Kleiderschrank aus, sondern bringt alle Kleidungsstücke aus der ganzen Wohnung an einen zentralen Ort.  Viele schreiben im Netz, dass dies ein Schlüsselmoment für sie war, weil ihnen gar nicht klar war, wie viel sie besitzen.

Anschließend nimmt man jedes einzelne Kleidungsstück in die Hand und entscheidet in diesem Moment, ob man es behalten möchte oder nicht. Dabei stellt man sich innerlich die Frage „Does it spark joy? / Macht es mich glücklich?“. Wenn das der Fall ist, lautet die Antwort: behalten. Wenn nicht, sollte man sich klar machen, dass dieses Teil einen bestimmten Nutzen und Zweck im eigenen Leben hatte und diesen nun erfüllt hat. Anschließend bedankt sich bei dem Kleidungsstück für die Freude, die es in das eigene Leben gebracht hat, und verabschiedet sich von ihm.

Der Prozess des Ausmistens ist geradezu meditativ, man steht im inneren Zwiegespräch mit sich selbst und sollte sich auch durch nichts anderes (wie z.B. Musik) stören lassen. Wichtig ist, dass man sich im Vorfeld Zeit nimmt, um die eigene Motivation für das Aufräumen zu klären und um sich das Leben, das man führen möchte, vor Augen zu stellen. Je klarer dieses Bild ist, desto leichter fällt es dann, Entscheidungen zu treffen.

Erfahrungsbericht – Teil I (Vorab-Überlegungen)

Ich habe mir das Buch „Magic Cleaning“ angeschafft, um die Aufräummethode wirklich „richtig“ angehen zu können. Die wesentlichen Informationen erhält man jedoch auch im Internet und ich muss sagen, dass das Buch an vielen Stellen redundant und für meinen Geschmack zu ausführlich ist. Der Mehrwert des Buches bestand für mich in einem Abschnitt, in dem die o.g. Vorab-Überlegungen betont wurden. Mit der Frage „Macht es mich glücklich?“ stand ich nämlich von Anfang an eher auf Kriegsfuß, da ich es kritisch sehe, allein das eigene Glück als Handlungsmaxime festzusetzen. Ich habe daher die Frage für mich etwas angepasst: „Passt der Gegenstand zu dem Leben, das ich führen will?“

Dazu sollte man natürlich für sich selbst geklärt haben, wie dieses Leben denn aussieht. In Bezug auf Kleidung geht es mir so, dass sie zu mir als Person passen soll. Sie soll meine Persönlichkeit unterstreichen und ich möchte mich in ihr wohl fühlen. Mittlerweile habe ich einen Stil gefunden, der mir gefällt. Um mir selbst beim Ausmisten zu helfen, habe ich verschiedene Stichworte, die diesen (Lebens-)Stil beschreiben, auf Kartons geschrieben und um den „Behalten“-Korb herum ausgelegt. Ein Stichwort dabei war simple Schönheit. Es bedeutet für mich klare Linien & Schnörkellosigkeit sowie praktische, zweckmäßige Kleidung, die jedoch nicht nach Wanderausflug aussieht. Vielmehr möchte ich mich in der Kleidung weiblich und stark fühlen.

Wichtig beim Ausmisten ist, dass man aus dem Kleidungs- oder Bücherberg die Teile identifiziert, die man behalten will. Meistens sind Aufräummethoden ja eher darauf ausgelegt, herauszufinden, was man loswerden möchte. Die Fragestellung bei der KonMari Methode ist genau umgekehrt: „Möchte ich diesen Gegenstand behalten?“ Dabei helfen kann auch die Frage: „Würde ich diesen Gegenstand heute sofort wieder kaufen?“

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit dem Thema Kleidung. Davor würde mich natürlich interessieren, was auf euren Karten stehen würde. Welchen Kleidungsstil habt ihr? Was passt zu euch? Oder mal ganz groß gefragt: Wie sieht das Leben aus, das ihr führen wollt?

14 Gedanken zu „Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil I

  1. Hallo Mathilda!
    Ich verfolge stetig deine Beiträge und freue mich, so immer wieder mal was zu hören aus deinem Leben! Und gerade finde ich es besonders cool, dass du dich dem Thema Minimalismus widmest. Mich fasziniert er mittlerweile schon seit zwei Jahren und ich finde, es ist ein guter Weg zur Souveränität über das eigene Leben. KonMari finde ich ok, in Deutschland hat sie noch nicht so eingeschlagen wie in den USA, wie du sicher auch gemerkt hast, wenn du bei YouTube unterwegs warst. Ich glaube, dass es unrealistisch ist, gleich alles in einem Schwung zu schaffen. Hier noch ein interessanter Link zu einem Beitrag, der ähnlich an dich Sache rangeht: http://itsyour.life/von-grund-auf-einfach/. Lieben Gruß!

    • Hey Karin,
      lieben Dank für deinen Kommentar und die Email mit den Links! Der verlinkte Beitrag ist auch sehr lesenswert und macht genau das deutlich, wovon ich auch schon bei „Gedanken zum Minimalismus“ schrieb. Ich möchte nicht versuchen, möglichst wenig zu haben – wozu sollte das gut sein? Sondern ich will eben das haben, was ich brauche und woran ich mich erfreue. Somit sind wir schon wieder ein wenig bei Marie Kondo. Ich habe einfach versucht, ihr Konzept für mich anzupassen und fahre bisher ganz gut damit. Nach der Lektüre von diversen Minimalismusseiten hat es mich nämlich irgendwann nur noch genervt, diesen „Wettstreit um möglichst wenig“ zu verfolgen. Das ist Konsumorientierung mit Negativvorzeichen.
      Zum Thema „In einem Schwung“: Ich glaube schon, dass es psychologisch ganz sinnvoll ist, möglichst viel auf einmal zu schaffen. Marie Kondo schreibt ja auch, dass „auf einmal“ auch den Zeitraum von einem halben Jahr bedeuten kann. Wichtig ist, glaube ich, einfach, dass man dranbleibt. Mein Mann und ich haben sehr viel gemeinsam ausgemistet und zur Zeit freut er sich fast jeden Tag daran, wie schnell doch wieder aufgeräumt ist, wenn man weniger besitzt und alles seinen festen Platz hat :-)
      Ich freu mich über weitere Kommentare von dir! Liebe Grüße!

  2. Ich habe vor ein paar Monaten einen Beitrag in der Flow gelesen, wo es um Minimalismus im Leben ging. Das Paar hat sich so verkleinert, dass sie am Schluss in einem Tiny-House wohnte. Ich war schon fasziniert von der Idee, weiss allerdings dass ich auf engen Raum niemals glücklich wäre. Aber man kann die Dinge im Haushalt reduzieren, ich müsste das auch mal machen. Ich kenne eine andere Methode. 3 Häufchen: – brauche ich unbedingt – brauche ich vielleicht – brauche ich nicht. Das letzte Häufchen kommt sofort weg, das zweite wird in einen Karton geräumt und für 1 Jahr in den Keller gestellt und eine Liste des Inhalts auf den Karton geklebt, das Ganze wird mit dem Datum verstehen. Die Regel besagt, dass alles was 1 Jahr lang nicht benutzt wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr gebraucht wird. Nach 1 Jahr wird der Inhalt entsorgt. Die Sachen aus dem ersten Häufchen bleiben natürlich weiter im Haushalt. ;) Ich hatte das mal vor einigen Jahren ausprobiert und es war eine super Sache. Vielleicht sollte ich das mal wieder machen. Ich habe allerdings eher immer das Problem, wohin mit den Sachen. :-/ LG Emma

    • Hallo Emma, danke für deinen Kommentar!
      Meinst du mit der Frage, „wohin mit den Sachen“, wie man die Dinge loswerden soll, wenn sie nicht im Müll landen sollen? Wenn ja, kann ich mal versuchen, in den weiteren Beiträgen von meinen Erfahrungen zu berichten. Allerdings kenne ich das Problem auch und in meinem Keller finden sich noch einige Kisten und Kartons mit Dingen, die nach und nach unseren Haushalt verlassen. Es ist so leicht, sich etwas Neues anzuschaffen und kostet so viel Zeit, es wieder loszuwerden… ;-)
      Liebe Grüße! Mathilda

      • Ja, der Aufwand die Sachen loszuwerden ist mir meist zu groß und dann landet einiges doch in der Mülltonne. Ich habe schon immer wieder auf Facebook im Freundeskreis Dinge zum verschenken angeboten, manches konnte ich loswerden. Klamotten verkaufe ich, das dauert aber auch lange. Und rumfahren und die Sachen zu verteilen, mag ich auch nicht. Meine Freizeit ist mir dafür zu kostbar, die ist eh schon knapp. Verschenken ist auch nicht immer so einfach. Ich bin jedoch auf deine Beiträge gespannt.

  3. Von dem Buch habe ich schon an verschiedenen Stellen gehört, die Frage mit dem Glück finde ich aber auch etwas seltsam. Habe mich glaube ich noch nie von einem bestimmten Kleidungsstück explizit beglückt gefühlt. Deine Frage gefällt mir aber sehr, auch wenn (oder gerade, weil?) sich da zwangsläufig tiefgreifende Überlegungen anschließen. Da muss ich mir auch mal ein paar Gedanken drüber machen.

    • Danke für deine Antwort, Anne! Ich denke, man kann schon eine Freude oder Zufriedenheit mit einem Kleidungsstück empfinden. „Es passt mir gut und ich fühle mich wohl darin, wenn ich es trage, denke ich nicht drüber nach, nichts klemmt und zwickt…“ – So nach diesem Motto. Bei Marie Kondo ist es schon ein inneres Zwiegespräch mit den Dingen, ob man sich eben an ihnen erfreut oder nicht. Ich habe jedoch, wie ich schon im Beitrag geschrieben habe, gemerkt, dass mir das nicht reicht. Daher meine Vorab-Überlegungen :-)
      Liebe Grüße!

  4. Minimalismus ist ja so gar nicht meins…. Dafür mag ich meine Bücherregal-Deko zu sehr! (Und all den anderen kram..)
    Aber es ist gut und wichtig, gelegentlich auszusortieren.

    Willst du wissen, liebe Mathilda, welches Wort mich zum schmunzeln gebracht hat in diesem eigentlich nüchternen sachtext?

    Wanderausflug.
    Es kam so überraschend daher. Schöner vergl

  5. Pingback: Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil II | Preach it, Baby!

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