Heilig Abend

In meiner Jugend verlor und gewann der Heilig Abend zunehmend an Bedeutung. Natürlich gab es, wie in allen Familien, gewisse Traditionen und (dank großzügiger Großmutter) zumeist eine reiche Bescherung, doch im Vergleich zu meinen Schulfreundinnen war meine Familie ziemlich flexibel, was „festgelegte Abläufe“ und ein angestrebtes „Bilderbuch-Weihnachten“ angeht. So erinnere ich mich an ein Jahr, indem wir das Gemeindehaus mieteten und sämtliche Freunde und Familie zu einer „Jesus Birthday Party“ einluden. Jede*r brachte was zu Essen und einen kleinen oder großen Programmpunkt mit und wir feierten ein wunderbares Fest. Kein Vergleich zu dem kargen Heilig Abend, an dem ein Familienmitglied gerade aus dem Krankenhaus kam und wir bei Käsebrot und Sprudel am Esstisch saßen – einfach nur dankbar, dass die zurückliegende Operation gut überstanden war. Im einen Jahr ging ich schon nachmittags in einen freikirchlichen Gottesdienst, im anderen mit meinen Eltern abends in die Landeskirche. Mal gab es Rote Wurst vom Grill, mal eine Käseplatte und nur sehr selten ein deftig-warmes Gericht.

Unabhängig von der Form und den jeweiligen Abläufen des Tages jedoch hatte sich für mich persönlich eine Tradition etabliert: Nachdem die Großeltern gegangen waren / das Geschenkpapier verräumt war / wir wieder zuhause angekommen waren / alle anderen sich wieder in ihre Zimmer verkrochen hatten, saß ich alleine mit einem Glas  Wein auf dem Sofa und wartete darauf, dass Jesus mir begegnete. Es mag sich skurril anhören, doch genau so war es. Ich saß da und wartete auf ihn und irgendwann setzte er sich auf den Sessel gegenüber, ich flüsterte ein „Danke“ und dann schauten wir zusammen im Fernsehen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

Mein Heilig Abend stand und fiel mit dieser persönlichen Begegnung. Sie konnte sich schon im Gottesdienst ereignen, beim Essen oder beim Lesen der Weihnachtsgeschichte, doch ich wollte nicht schlafen gehen, ohne zu wissen: Jesus ist da und es geht um ihn. Diesen Wunsch hat er jedes Jahr erhört, mich manchmal überrascht, aber nie im Stich gelassen.

Also ganz egal, wie ihr Heilig Abend und die Weihnachtstage verbringt: Ich wünsche euch allen einen Moment, in dem ihr Jesus begegnet. Und glaubt mir: Formen sind dabei nicht wichtig und „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“-Schauen ist er auch schon gewohnt.

Fröhliche Weihnachten!

2 Gedanken zu „Heilig Abend

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