Es sind immer die kleinen Dinge.

Es sind die kleinen Dinge im Leben, auf die es ankommt. Nicht die großen Gesten, die theatralischen Auftritte, die beeindruckenden, lange geplanten und überall beworbenen Wichtigkeiten. Natürlich setzen sich diese Momente in unserem Kopf fest. Wir können all den Jubiläen und Rückblenden sowieso nicht aus dem Weg gehen und spätestens beim Durchblättern der Fotoalben werden wir wieder an sie erinnert. Doch hinter den vielen inszenierten, zelebrierten, durchstudierten Großauftritten sind es am Ende doch die Augenblicke am Rande derselben, die uns verändern. Noch heute spüren wir die tröstende Hand auf der Schulter in der Garderobe des Schulballs, blicken in frisch verliebte Augen, während unser Herz einen kleinen Hüpfer macht, fühlen den aufmunternden Blick eines Freundes auf uns ruhen, wenn wir das Wort ergreifen, denken an Worte wie „Danke“ und „Das war schön“ und an krakelig geschriebene Sätze auf abgegriffenem Papier. Wir erinnern uns nicht an die feierliche Zeugnisübergabe, sondern daran, wie wir danach auf dem sonnenwarmen Feldweg lagen, wir können kaum mehr sagen, wer bei diesem runden Geburtstag dabei war, aber wissen noch gut, wie ein paar Blicke genügten, um einem lange nicht gesehenen Bekannten die Ausweglosigkeit einer bevorstehenden Trennung zu vermitteln. Wir haben längst vergessen, wie ein Mensch aussah oder welch lang ausgewähltes Kleidungsstück er trug, wenn wir daran zurückdenken, wieviel uns seine Einladung oder sein Wohlwollen damals bedeutete. Es sind die wenigen Momente, in denen wir zuließen, dass so etwas wie Intimität entstand. Momente der stillen Übereinkunft, des unausgesprochenen Verständnisses, der unbedachten und doch alles offenbarenden Geste. Sie können nicht hergestellt oder erzeugt werden. Sie sind nicht planbar. Sie entstehen neben und im Verzicht auf alle Inszenierung. Wer sie erschaffen will, wird scheitern – und während des Versuchs vielleicht doch unverhofft und unerwartet mit ihnen beschenkt.

21 Gedanken zu „Es sind immer die kleinen Dinge.

  1. Das ist ein wunderschöner Abgesang an das krampfhafte Planen von schönen Momenten. Wir können immer nur planen, was wir wann machen und mit wem, aber nicht, wie die Zeit sein wird. Da kann man sich einfach nur fallen lassen und vertrauen. Schöne Gedanken zum Morgen!

  2. Total schön geschrieben! Bin eben auf deinen Blog gestoßen & er gefällt mir sehr. :)
    Mit den geplanten Momenten tu ich mich auch schwer. Ich merke oft, wie die Stimmung angespannt wird, wenn ich etwas Besonderes vorbereite und die Zeit drängt oder die Leute, die mit von der Partie sind, Dinge anders sehen :o … dann wird der Besuch oder die Feier aber einfach schön, weil die Leute offen, ehrlich und fröhlich sind und nicht, weil meine Deko oder das Essen perfekt waren. Das ist aber gar nicht so ein einfaches Thema in einer Zeit, in der so viel Wert auf Effizienz und Durchplanen gelegt wird. :) Aber schön, dass man das einfach aus(probieren)leben kann. LG, Anne

    • Vielen Dank, liebe Anne, für diesen netten Kommentar! Es freut mich, dass du dich in dem Text wiederfinden kannst. Bei Festen hängt es sowieso immer von den Leuten ab, die dabei sind, und welche Laune und Einstellungen sie so mitbringen… das ist das Ausschlaggebende, da kann das Essen noch so perfekt sein :)
      Danke auch für das Lob zu meinem Blog! Ich freu mich, wenn du wieder vorbeischaust und abonnieren geht ja auch immer! Liebe Grüße! Mathilda

  3. Umgeräumt! Das sieht gut aus!
    Der Balken oben drüber wirkte so … hmmm … dominant.

    (ja, stimmt, eichentlich wollte ich schaun, obs ebbs neues gibt…)

    • Danke! Mir hat das alte Theme auch nicht mehr gefallen, aber das erste „neue“ irgendwann noch weniger. Jetzt ist es zumindest vorrübergehend mal das hier und ich bin bisher ganz zufrieden.
      Ja, mit Blogposts sieht’s gerade mau aus, ich komme aufgrund der Prüfungsvorbereitung grad zu (fast) nix…

      • Immerhin läufts dann gut für die Prüfungen. Ist ja auch irgendwie ein bisschen wichtiger, so ein Stück weit. ;-)
        (ha! vier verschwurbelte Gemeinplätze in einem Satz untergebracht!)

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