Ahnung I

Irgendwann wird wohl doch ein Gespräch zwischen uns vonnöten sein. Ich ahne es voraus, rieche es in der Luft, spüre es unter den Fingern. Ich sehe uns beide, wie wir spazieren gehen und ich dir erzähle, was all die Jahre in mir vorging. Wir sind noch nie zu zweit spazieren gegangen. In manchen Häusern bedeutet spazieren gehen fast schon heiraten. Einen Anschein, den du dir nicht geben willst und den ich mir nicht mehr zu geben brauche. Der Kloß in meinem Hals wehrt sich gegen meine Versuche, ihn hinunterzuschlucken. Warum habe ich dir nicht von Anfang an die Wahrheit gesagt? Aber ach ja, da war etwas – und so gebe ich dir die Schuld an meinem Schweigen, wohl wissend, dass auch du nur ein Opfer deiner eigenen verworrenen Geschichte bist …

[Ahnung II]

13 Gedanken zu „Ahnung I

  1. Hi Mathilda :) ich kommentiere das mal weniger schön poetisch: mein Mann und ich haben uns extrem langsam kennen gelernt, bei vielen nächtlichen Spaziergängen. Und es hat Monate gebraucht, bis wir überhaupt mal das Thema Beziehung angeschnitten haben. Ich war dann ehrlich und habe gesagt, was ich möchte und er hat nochmal einige Monate gebraucht, bis er sich entschieden hatte. Bei all den Paaren um mich herum, die sehr schnell zusammenkommen und heiraten, war das echt herausfordernd, aber lohnenswert. Gut Ding will Weile haben ;) Alles Gute für dich!

    • Hey Anne, danke für deinen Kommentar, auch wenn ich noch dabei bin, ihn in ein Verhältnis zum Text zu setzen ;) Aber ich habe auch schon den ganzen Zyklus (5 Texte) vor Augen und kann sagen, das wird leider nicht so schön enden wie bei dir im echten Leben. Oder nein, vielleicht trotzdem schön, nur eben anders. Liebe Grüße!

      • Haha… Da hab ich deinen Text ein bisschen zu ernst genommen, ist wohl nur fiktiv. :) naja, die Fiktion ist manchmal nicht so weit von der Realität entfernt.

      • Es gibt dieses wunderbare Zitat: “The trouble with fiction is that it makes too much sense. Reality never makes sense.” (A. Huxley, The Genius and The Goddess) Es wäre ja ein Jammer, wenn wir uns in ‚fiktiven‘ Texten nicht wiederfinden würden. Nur verlaufen die mir dann oft zu glatt, zu logisch und das mag für den einen hoffnungsvoll sein und für den anderen frustrierend angesichts seiner eigenen Realität. Mit den „Ahnungen“ probiere ich gerade etwas aus, im Prinzip sind alle 5 Texte Rohmaterial für eine eigene Storyline, an der ich vielleicht irgendwann mal entlang schreiben werde. Aber mal sehen. Der 1. Text ist übrigens – mal wieder – aus einer Traumsequenz heraus entstanden… Nun hoffe ich auf weitere Träume, denn beim 5. hänge ich noch ;)

      • Klingt ziemlich spannend! Studierst du was in Richtung Literatur und Schreiben?
        Die Realität ergibt meiner Meinung nach meistens erst im Nachhinein Sinn und wenn aus ihr Literatur wird, wird von ihr ja meist in der Vergangenheitsform geschrieben. Wenn das große Ganze ersichtlich ist und man auf ein Ziel zuschreiben kann. :)

      • Hey Anne! Ich glaube, die Realität ergibt an sich gar keinen Sinn, sondern wir selbst sind es, die einen Sinn darin entdecken… Wir sagen irgendwann „Hier bin ich jetzt“ und dann erzählen wir unsere Geschichte so, als ob sie nur auf diesen einen Punkt zuliefe. Natürlich stimmt das auch, doch wenn wir den Punkt nur ein wenig verändern, dann verändert sich auch gleich die ganze Geschichte. Gerade wenn der Sinn durch Glaubenskategorien wie z.B. „Gottes Führung“ ausgedrückt wird, dann kann das eben dieser eine, gläubige Mensch so sehen und ein anderer, der daneben steht, würde die gleiche Lebensgeschichte ganz anders erzählen, weil er eine andere Perspektive hat (oder: „weil ihm der Glauben fehlt“).

        Und JA, momentan beschäftige ich mich sehr viel mit Literatur.
        Ich bin vom ersten Studium her Diplomtheologin und mache jetzt einen Abschluss in Germanistik.

      • Ja stimmt … du bringst mich richtig ins Nachdenken :D
        Cool, das ist ’ne gute Kombi von Studiengängen.

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