Person of Interest

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Die Hürde, mich auf eine neue Serie einzulassen, ist groß. Anscheinend ist das für einen Serienjunkie etwas Untypisches, aber so bin ich eben. Mir wird das Vertraute nicht langweilig. Jedoch: Diese Serie hat es geschafft. Sie hat mich letzten Winter gepackt und im Blick auf die hard facts ist es auch kein Wunder: Die Thematik von Überwachung und Privatsphäre treibt mich seit frühester Jugend um und ich habe einen Sinn für alles, was in Richtung Sci-Fi/Dystopie geht, sofern es sich um den Menschen und die technische Entwicklung dreht (und nicht um irgendwelche Apokalypse/Weltuntergangsszenarien, Mutationen oder Killerinsekten). Dazu kommen noch diverse politische Machtspielchen und Intrigen, und die Serie scheint perfekt – von wegen! Selbst mit der „optimalen“ Thematik und den perfekten Rahmenbedingungen muss es einem als Serienmacher*in erstmal gelingen, daraus auch etwas Ordentliches und in diesem Fall Herausragendes zu erschaffen! Wie viele Filme habe ich in diesem Genre schon gesehen, die mir nicht mal mehr ein müdes Lächeln entlocken konnten? Vorhersehbare Plots, die immer gleichen Motive… ihr kennt das. Doch bei „Person of Interest“ haben die Macher wirklich ganze Arbeit geleistet!

Kern der Serie ist „die Maschine“, die alle verfügbaren Überwachungsdaten sammelt, sortiert und auswertet. Sie wurde gebaut und programmiert von Harold Finch, der ein immenses Maß an Sicherheitsvorkehrungen unternahm, um die Maschine vor Fremdeingriffen zu schützen. Der „Hauptjob“ der Maschine ist es, der Regierung Daten in Bezug auf geplante terroristische Aktionen auszuspucken. Jedoch gibt es eine Hintertür, wodurch die Maschine Harold und seinem Kollegen, dem Ex-CIA-Mitarbeiter John Reese, die Sozialversicherungsnummern von Menschen mitteilt, die entweder in Gefahr stehen Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden oder selbst einen Mord planen. Die Serie beginnt damit, dass Harold und John diese Personen aufspüren und den Fall klären.

Diese „Fall der Woche“-Geschichten begleiten einen durch alle Staffeln der Serie, jedoch gibt es pro Staffel immer auch größere Handlungsbögen und mit der Zeit – wie könnte es anders sein? – auch immer mehr Mitspieler. Es entsteht quasi ein „Team Machine“, das mit Hilfe der Maschine versucht, die geplanten Verbrechen zu verhindern. Für diejenigen, die die Serie erst noch schauen möchten, will ich an dieser Stelle nicht zu viel Handlung vorwegnehmen. Allerdings will ich euch darauf hinweisen, dass PoI in Teilen der ersten Staffel wirklich seine Längen hat und das wohl auch die Stellen sind, an der die meisten Leute wieder abspringen. Meines Erachtens wird es vom Ende der ersten Staffel an durchweg interessanter. Die Serie legt ordentlich an Tempo zu, wird komplexer, die Beziehungen zwischen den Charakteren verdichten sich und die übergeordneten Handlungen prägen das Erscheinungsbild. War es am Anfang noch (mehr oder weniger) spannend, ob die jeweilige „Person of Interest“ Opfer oder Täter ist, entwickeln sich die „Fall der Woche“-Szenarien mit der Zeit zu eben den Momenten, in denen man etwas durchatmen und die vielen Puzzlestücke des Hauptplots sortieren kann.

Nicht zuletzt reizt mich die Serie auch aufgrund der philosophischen Fragen von Mensch und Maschine. Harold konstruierte seine Maschine so, dass stets ein menschliches Element nötig ist, um ein Szenario zu bewerten. Die Maschine mag zwar alle Daten perfekt auswerten, doch sie tritt nicht selbst in Aktion. Die letzte Entscheidung muss der Mensch treffen, denn nur dieser kann andere Menschen und ihre Situation wirklich verstehen. Indem er die Maschine als abgeschlossenes System erstellt hat, positioniert sich Finch damit zum einen zwischen den Verfechtern des Datenschutzes, implizit ab Staffel 1 mit Alicia Corwin, ab Staffel 3 die Organisation Vigilance, welche für den Respekt der Privatsphäre eintreten und vor dem Missbrauch der Überwachungsmöglichkeiten durch Menschen warnen. Auf der anderen Seite setzt er sich von Personen wie Greer (ab Staffel 4) mit Samaritan ab, der der Maschine die volle Kontrolle über das Leben der Menschen geben möchte, weil er nicht mehr an den Menschen und dessen Vernunft, Urteilsvermögen glaubt: „Die alten Götter haben abgedankt, die Zeit der neuen Götter ist gekommen.“ (sinngemäß zitiert)

„Person of Interest“ besteht bisher aus 4 Staffeln und es wird noch eine halbe Staffel mit 13 Episoden folgen. Diese laufen bereits in den USA. Die deutsche Synchro ist verhältnismäßig ok, ich schaue oft zuerst auf Deutsch und dann auf Englisch mit englischem Untertitel, aber ich muss sagen, es ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Serie, bei der ich einen kurzfristigen Sprachwechsel (den Mitschauenden zuliebe) recht gut aushalten kann.

Nun würde mich natürlich eure Meinung interessieren. Gibt es noch andere PoI-Fans da draußen? Bisher scheint die Serie zumindest in meinem Umfeld eher weniger bekannt, sodass ich beim ersten Schauen sehr dankbar für die Serienjunkies-Community war… Aber vielleicht täusche ich mich da ja auch!?

6 Gedanken zu „Person of Interest

  1. Schön beschrieben, danke für den Tipp! Ich kannte die Serie bisher noch nicht, vielleicht komm ich mal dazu sie zu sehen. Ich bin momentan noch Verfechterin von „24“ und „Lie to me“ und mit den Staffeln auch noch nicht durch. Kennst du die Serien? Lg! Anne

    • Hey du treue Leserin! Danke für deinen Kommentar! „24“ habe ich angefangen, hat mich aber irgendwie nicht gepackt. Dabei schwärmen alle davon, also irgendwas hab ich wohl falsch gemacht!? „Lie to me“ kenne ich nicht. Vielleicht wäre das ja auch was für mich? :) Liebe Grüße!

    • Hey Anne, ich habe mittlerweile „Lie to me“ gesehen und fand es immerhin so interessant, die Seite komplett durchzuschauen, andererseits aber auch nicht so herausragend, dass ich sie weiterempfehlen würde. Es bräuchte m.E. mehr folgenübergreifende Handlung, damit es für mich interessanter würde. Liebe Grüße!

  2. Pingback: Zwischen den Zeilen (Jahresrückblick 2016) | Preach it, Baby!

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