10 spontane Erkenntnisse aus 30 Jahren

Dieser Beitrag wurde motiviert durch Anne von anny-thing.de

1. Lass die Finger von Haschkeksen!
2. Sei gnädig mit deinem jüngeren Ich. (Es ist in Ordnung, Gelegenheiten zu verpassen.)
3. Meide den Vergleich. (Und meide Menschen, die dir den Vergleich aufzwingen.)
4. Das Leben ist zu kurz, um nicht nach Neigung zu studieren. (Das Leben ist nicht zu kurz, um nochmal neu anzufangen.)
5. Gebet ist wie Atmen. (Einfach. Natürlich. Lebensnotwendig.)
6. Sex wird überbewertet und Intimität unterschätzt.
7. Gib Lebensmitteln und Gerichten, die du nicht magst, eine zweite Chance. (Und in fünf Jahren eine dritte.)
8. Wenn du dir unsicher bist, benenne das Offensichtliche. (Nur weil es für dich offensichtlich ist, muss es das nicht auch für andere sein.)
9. Jeder Mensch freut sich über Postkarten und kleine handgeschriebene Briefe. (Schreib mal wieder. Trau dich. Auch wenn nichts zurückkommt.)
10. Wenn du auf eine Hochzeit gehst, bei der es erst abends deftiges Essen gibt, dann frühstücke ausreichend. (Oder pack dir ein Vesper ein.)

Lob des Junggesellinnenabschieds

Da 140 Zeichen manchmal einfach nicht ausreichen, gibt es hier nun meine ausführliche Antwort zum Thema Junggesell(inn)enabschied. Los ging’s auf Twitter mit dem Statement von @FrauAuge

und anschließend schlugen einige ähnliche Töne an bis hin zu folgendem Kommentar der @stadtpoetin:

Nachdem ich diesem Tenor heftig widersprochen hatte, möchte ich nun ein wenig von meinem eigenen Junggesellinnenabschied erzählen und warum ich es genau so auch wieder machen würde:

Mein Junggesellinenabschied hatte zunächst einmal eine Vorläufer-Veranstaltung: Das Team-Braut-Treffen. Als mein Mann und ich uns entschlossen, zu heiraten, suchte ich mir wie die meisten Verlobten unter meinen Freundinnen eine Trauzeugin aus. Schnell war jedoch klar, dass mich bei den Hochzeitsvorbereitungen mehr als nur diese eine Freundin unterstützen würde, und um diesen Einsatz zu würdigen und ihm einen Rahmen zu geben, gründete ich das „Team Braut“ und lud all meine Mädels zu einem knallrosa Treffen ein. Hintergrund für den vielen rosa Kitsch war, dass mein Mann und ich auf gar keinen Fall eine rosa-Kitsch-Hochzeit haben wollten (ich bin auch echt nicht der Typ dafür) und ich aber – ähnlich wie neulich beim Valentinstag – große Lust hatte, dem rosa Trend aus all den Hochzeitsmagazinen an einem einzelnen Tag doch mal eine Spielwiese zu geben. Am Team-Braut-Treffen lernten sich also einige meiner Freundinnen kennen, bei denen das bisher noch nicht der Fall war, es war trotz rosa Kitsch eine starke, „empowernde“, weibliche Gemeinschaft und wir planten einigen organisatorischen Kram und sprachen über Singlesein, Beziehungen und übers Heiraten.

Einige Monate später organisierten eben diese Freundinnen meinen Junggesellinenabschied. Samstagmorgens ging es los, meine Trauzeugin hatte den Kleinbus ihrer Eltern ausgeliehen und sammelte nach und nach alle auf der Strecke ein. Zunächst gab es im WG-Haus meiner liebsten Freundin Milla eine kleine Stärkung und ein fröhliches Umziehen und Stylen. Die Mädels hatten T-Shirts bedruckt, die wie Band-T-Shirts aussahen und den Titel der Zeitschrift trugen, die wir mit 18, 19 Jahren selbst gestaltet und herausgegeben hatten. Vorne war mein Gesicht zu sehen, nicht als Foto, sondern so wie es in einer Ausgabe auf dem Cover zu sehen war. Hinten waren als Tourdaten die Kennenlerndaten und Meilensteine in der Beziehung meines Mannes und mir aufgeführt. Hier also keine Spur von „letzter Abend in Freiheit“, sondern eine liebevolle und aufrichtige Anteilnahme an meinem bisherigen Lebensweg alleine und mit den Mädels (Zeitschrift) sowie mit meinem Mann (Tourdaten). Das T-Shirt hat für mich ausgedrückt, dass meine Freundinnen mich wirklich gut kennen, dass sie mich auf meinem bisherigen Weg begleitet haben und das auch weiterhin tun werden, ja, es war für mich eine Zusage zu mir als Person mit allen Entscheidungen, die ich treffe, und ein Ausdruck der Freundschaft, die nicht mit der Hochzeit aufhört, sondern auf die ich mich immer verlassen kann.

Weiter ging es zum bereits erwähnten Lasertag, das für mich eine gelungene Überraschung war. Frau Auge fragte mich ja, was ich denn am JGA unbedingt machen wollte, und auch wenn ich es im Voraus nicht wusste, dann war es doch genau so eine Aktion. Natürlich kann man auch einfach so mit Freunden Lasertag spielen gehen, doch wir hätten es wohl in dieser Konstellation nicht auf die Reihe bekommen. Noch dazu liebe ich Überraschungen und mit dieser haben mir meine Freundinnen eine echte Freude gemacht. Wir hatten alle zusammen viel Spaß! (Mit dem Alkohol haben wir erst danach angefangen ;))

Anschließend fuhren wir in die nächstgrößere Stadt, in der es diesen klassischen JGA gab, den ja anscheinend sehr viele Menschen ganz furchtbar finden: Wir tranken Sekt, ich hatte einen Bauchladen und die ein oder andere kleine Aufgabe zu lösen. Diesen Teil des JGA wollte ich tatsächlich gerne haben, ja, man macht sich ein wenig (oder auch ein wenig mehr) zum Affen, doch ich wollte es einfach ausprobieren und quasi mal raus aus meiner persönlichen Comfort Zone. Meine Freundinnen haben mich tatkräftig beim Verkaufen der ganzen Kleinigkeiten unterstützt und ich habe selbst sehr darauf geachtet, nur Menschen anzusprechen, die mir auch freundlich zugewandt waren. (In meiner Heidelberger Studentenzeit habe ich es nämlich gehasst, in der Fußgängerzone immer wieder zwangsweise in JGA hineinverwickelt zu werden!) Was ich dabei erlebt habe, war einfach großartig: Unglaublich freundliche und offene Menschen, die mich beglückwünschten, mir großzügig den größten Plunder abkauften, die mir von ihren eigenen Hochzeiten, geglückten und gescheiterten Ehen erzählten und mir für meine Ehe alles Gute wünschten. Für diese Begegnungen bin so dankbar, vielleicht kann man die Erfahrung ein wenig mit Aktionen wie „Free Hugs“ vergleichen: Fremde Menschen, die es gut mit dir meinen. Außerdem hatten wir natürlich einfach Spaß zusammen, haben mit einem Männer-JGA geflirtet und ich durfte einem Fremden einen Kussabdruck verpassen, es war lustig und vielleicht alles ein bisschen wilder und verrückter als sonst.

Als uns vom vielen Laufen irgendwann die Füße weh taten und es auch schon langsam dämmerte, gingen wir in ein Lokal zum Essen, hauten dabei das durch den Bauchladen eingenommene Geld für Getränke auf den Kopf, und entspannten uns ein wenig. Danach zogen wir nämlich los zum Tanzen in einen Club, der an sich gar keine Junggesellenabschiede reinließ, uns aber aufgrund unserer Band-T-Shirts nicht als JGA erkannte. Die Gäste im Club allerdings verstanden schnell, dass wir ein JGA waren, und immer wieder kamen fremde Menschen auf mich zu, gratulierten mir und wünschten mir eine schöne Hochzeit und eine gute Ehe. Das war einmal mehr herzerwärmend!

Nach einer Übernachtung im WG-Haus und einem gemütlichen Frühstück machten wir uns am nächsten Morgen wieder alle auf den Weg nach Hause.

Und nun?

Ich sehe nicht, an welcher Stelle mein JGA eine Panikreaktion war, die Ehe als Gefängnis darstellte oder ein „letzter Abend in Freiheit“ zelebriert wurde. Es war auch in der Tat nicht der letzte Abend, an dem ich Spaß mit meinen Mädels hatte – im Gegenteil: Er hat unsere Freundschaft gestärkt, einige Freundinnen haben sich zum ersten Mal kennengelernt, und mir wurde im Lauf der beiden Treffen quasi genau das Gegenteil von dem bewusst, was JunggesellenABSCHIED vorgeblich sein soll: Dass ich mich als nicht durch die Ehe als ehemals eigenständige Person in eine Zweierbeziehung auflöse, sondern dass ich ein eigener Mensch mit eigenen Vorlieben, Interessen und auch eigenen Freundinnen bleibe. Dass ich mich auf diese Frauenfreundschaften verlassen kann, dass sie mich lieben und bei den großen Entscheidungen meines Lebens zu mir stehen und mich unterstützen. Dass sie den Weg mit mir gehen werden und die Hochzeit nicht das Ende unserer Freundschaften ist (was für ein schräger Gedanke!).

Insofern denke ich sehr gerne an meinen Junggesellinnenabschied zurück und denke mittlerweile auch, dass gerade die manchmal vielleicht auch von Unsicherheiten und Zweifeln geplagte Phase der Hochzeitsvorbereitung diese bestärkende, freundschaftliche Erfahrung gebrauchen kann!

Warum der Valentinstag scheiße ist und ich trotzdem Blumen gekauft habe

Erst heute früh stolperte ich via Twitter über ein ziemlich cooles Erklärvideo zur romantischen Liebe. Das Konzept der romantischen Liebe ist, wenn man mal näher hinsieht und auch nur einen kleinen Funken Verstand besitzt, ziemlich irre: Da gibt es einen anderen Menschen, pardon: einen Seelenverwandten, der einen intuitiv und vollständig versteht, die eigenen Interessen und Wünsche teilt oder zumindest von ganzem Herzen unterstützt und mit dem man quasi auf rosa Wolken durchs Leben schwebt. Nun gut, natürlich ist das überzeichnet und in dieser Extremform scheinen auch die wenigsten an diese Idee zu glauben, aber doch durchzieht sie jeglichen Hollywood-Kitsch und drängt sich so immer wieder in unser Bewusstsein.

Mein persönliches Problem mit der Idee von der romantischen Liebe ist auch weniger die intensive Liebe und Zuneigung, die Menschen in Paarbeziehungen zu finden suchen, sondern vielmehr die Exklusivität, mit der dieser Wunsch einhergeht. Jeder Mensch hat zahlreiche Bedürfnisse, die niemals von einer einzigen Person erfüllt werden können, und es ist schlichtweg unverschämt, für deren Erfüllung eine andere Person außer sich selbst verantwortlich zu machen. Hier liegt aus meiner Sicht in vielen Paarbeziehungen der Hund begraben. Hinzu kommt, dass dieser Fokus auf die alles fordernde und alles erfüllende Zweierbeziehung häufig noch mit einem Absolutheitsanspruch vertreten wird, der bei mir schnell einen Würgreiz auslöst. Selbst in Situationen, in denen die eigene Beziehung – möglicherweise noch aufgrund mangelnder Selbstverantwortung! – scheiße läuft, wird an der Idee der romantischen Liebe als alleinseligmachendem Lebenskonzept krampfhaft festgehalten und es wird davon ausgegangen, dass es genau das ist, was nicht nur einem selbst, sondern auch allen anderen zum dauerhaften Glück verhilft.

Okay, ihr merkt, ich schreibe mich in Rage, doch mein immer mehr beziehungsanarchistisch schlagendes Herz macht bei diesem Thema auch ordentlich Radau. Ich liebe die verschiedenen Facetten von Liebe und Intimität, ich liebe Freundschaften, Bekanntschaften und ein buntes Netz an sozialen Beziehungen, und ich möchte keine dieser Beziehungen abwerten, nur weil ich auch eine „romantische Paarbeziehung“ führe. Und ja, natürlich ist mein Partner mir wichtiger und steht mir auch emotional näher als eine x-beliebige Kommilitonin oder der Postbote. Es geht mir vielmehr darum, dass diese eine, einzelne Beziehung nicht mittels bestimmter Konventionen mein ganzes weiteres Beziehungsleben bestimmt. Mein Partner wird niemals alle meine Interessen teilen, alle meine geheimen Wünsche erahnen und mir für alle Themen ein interessanter, aufmerksamer Gesprächspartner sein. Genauso wenig werde ich diese Rolle für ihn einnehmen können. Daher ist es mir wichtig, andere Menschen in meinem Leben zu haben, mit denen ich den eigenen Interessen nachgehen kann, die mich unterstützen und ermutigen und denen ich selbst eine Freundin sein kann.

Ich habe das Gefühl, der Anspruch an romantische Liebesbeziehungen ist viel zu hoch, als dass auch nur irgendwer ihn erfüllen könnte. Die gemeinsame Entscheidung, miteinander und in Liebe alt zu werden, scheint mir völlig ausreichend in ihrem Anspruch und ihren Konsequenzen. Wie genau dieses Ziel umgesetzt wird, sollte nicht durch Ideen, Konzepte und Konventionen von außen bestimmt werden, sondern jedes Paar darf und soll seinen eigenen gemeinsamen Weg finden.

Der Valentinstag nun verkörpert durch all seine verkitschte und kommerzialisierte Romantik nun so ziemlich all das, was ich in meinem Leben wie die Pest zu meiden suche. Ich will Tragik statt Kitsch, Minimalismus statt Kommerz und echte, aufrichtige Beziehungen statt einer romantischen Seifenblase. Und weil es meinem Partner glücklicherweise genauso geht, gab es niemals einen Anlass, zum Valentinstag Bärchen, Herzchen oder Blümchen zu kaufen, zu verschenken oder geschenkt zu bekommen. Dennoch erwischte mich dieses Jahr der Konsumwunsch aus der Kalten. Ende Januar sah ich all die Bärchen und Herzchen und Blümchen auf den Werbetafeln und dachte mir: „Hach…“

Natürlich hätte diesen mir durch die Werbeindustrie eingeredeten Wunsch wegdrängen können und mich einmal mehr für Minimalismus und gegen Konsum entscheiden können. Stattdessen identifizierte ich mich selbst als Konsumopfer und machte das Beste draus: Da mir völlig klar war, dass das mit echter Liebe nix zu tun hatte, und da ich meinem Partner diesen Blödsinn ganz sicher nicht aufdrücken würde, bestellte ich auf einem entsprechenden Internetportal einen Blumenstrauß samt Karte und Macarons. Und weil ich den Valentinstag immer mit einem bestimmten Freund verbringe und darum nicht daheim bin, ließ ich ihn mir einen Tag später nach Hause liefern.

So habe ich nun einen wunderschönen Rosenstrauß mit allem Kitsch der Welt von genau dem Menschen bekommen, der mit Hingabe und Freude die Verantwortung für die Erfüllung meiner Bedürfnisse übernimmt und dem ich wichtig genug bin, auch mal auf einen absolut bescheuerten Konsumwunsch einzugehen – mir selbst.

Gemeinsam einsam

Der Himmel ist blau und leuchtet.

Ich lerne, dass meine Isolationsgefühle völlig normal sind. Das Gefühl, am Ende allein zu sein, ist weder neu noch erschreckend (auch wenn es mich umhauen, lähmen und stundenlang betrunken auf dem Sofa zurücklassen kann). Im Gegenteil, das Gefühl ist vertraut und bekannt, und ich kenne diese spätmoderne Gesellschaft viel zu gut, als dass ich noch Angst davor hätte, es in einem Gespräch messerscharf zu benennen. Vielleicht kenne ich auch nur die Literatur, die Frage hat ihre Berechtigung, doch in jedem Fall wurde ich noch nie enttäuscht, es folgten stets ein Nicken und ein verständnisvoller Blick. Ich studiere Literatur- und Kulturtheorie im Master, zu irgendwas muss dieser Studiengang ja gut sein, denke ich gerade.

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Anfang des Monats starb Zygmunt Bauman – gedanklicher Gefährte, persönlicher Hausphilosoph, Lehrer, Vorbild und Inspiration. In seinem Werk „Flüchtige Moderne“ schrieb er über Individualisierung als einen Prozess, dem sich das moderne Subjekt nicht mehr entziehen kann. (Flüchtige Moderne, S. 45f.) Individualisierung als Schicksal und Identität nicht mehr als Vorgabe, sondern als Aufgabe – von Juli Zeh prägnant als der alles beherrschende Imperativ des 21. Jahrhunderts bezeichnet: „Erfinde dich und sei du selbst!“ (Treideln, S. 176)

Unter dem Damoklesschwert der Selbstverantwortlichkeit wird „Lebensführung zur biographischen Auflösung von Systemwidersprüchen“ (Beck, Risikogesellschaft, S. 219), der Einzelne sucht den Grund für Erfolg und Scheitern allein bei sich. Wenn das nun wahlweise zu gnadenloser Selbstüberschätzung oder bodenlosen Depressionen führt, wer sollte noch überrascht sein? In Hashtags wie #systemkrank entdecke ich kleine Gegenbestrebungen, winzige Erkenntnismomente in dem Versuch, statt auf eine bloße Ähnlichkeit der Probleme der Einzelnen auf deren Wurzel im System, d.h. auf die soziale Produktion der Risiken und Nebenwirkungen, hinzuweisen. Ist dies ein Zeichen für das Wiedererstarken des Bürgers, welcher (als Baumans Gegenbild zum Individuum) sein Wohlergehen an das Wohlergehen der Stadt knüpft, oder nur ein flüchtiger wechselseitiger Trost, ein Treibholz, an das sich die unweigerlich Sinkenden noch einige Minuten oder Stunden lang zu klammern versuchen?

Zygmunt Bauman, Flüchtige Moderne, S. 47

Zygmunt Bauman, Flüchtige Moderne, S. 47

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Wenn Gott die Welt verändert, morgen schon, 2017

Predigt zur Jahreslosung 2017 für den Gottesdienst zum Altjahrabend 2016

2016
das Mittelmeer füllt sich weiter mit Leichen
ich kann es nicht anders sagen, verzeiht mir den Einstieg
aber zu Zeiten des Propheten Ezechiel sah es auch nicht gerade rosig aus
ein Haufen Menschen wurde deportiert, 598 vor Chr.,
von Jerusalem nach Babylon
und angesichts der Kolonnen an flüchtenden Menschen können wir uns diese Deportation heute wohl so bildhaft vorstellen wie nie zuvor
Ezechiel saß am Fluss Kebar in Babylon fest
So wie Ahmet und Mahmut und Ali am Neckar, der Donau oder dem Zipfelbach
weit weg von den Gerüchen der Heimat, der vertrauten Linie der Berge,
der Klänge in den Straßen, an die das Ohr so sehr gewöhnt ist
verstreut in der Fremde und in großer Ungewissheit,
ob die alte Heimat jemals wieder ein Zuhause bieten könnte.
 
2016
das politische Klima ist rauer geworden
die Mächtigen der Welt: Putin und Erdogan und bald auch Trump
mit dem Kommando über Kriegsheere und Atomwaffen
Sie kommen mir manchmal ganz schön hilflos vor
In einem Netz von Korruption, Misstrauen und Kampf um den Machterhalt
Sie haben keine Lösungen für diese Welt
 
2016
ich male euch die Kulisse unserer Welt
wendet den Blick nicht ab
von all der Angst, dem Hass, dem Leid, der Verzweiflung
wir können uns ihnen nicht entziehen
wir sind verstrickt in weltweite Ungerechtigkeiten
wir haben Wohnraum, wo andere keinen haben
wir haben Essen, wo andere hungern
wir haben Arbeit, wo andere auf der Straße stehen
wir tragen Verantwortung und ja, wir tragen Schuld,
und das alles, ohne dass wir es ändern könnten
wir sind genauso hilflos wie Ahmet und Mahmut und Erdogan und Trump
 
Doch wenn Gott die Welt verändert
morgen schon, 2017,
dann fängt er bei den Hilflosen an
bei den Verlorenen, den Verstreuten
bei denen, die faule Kompromisse gemacht haben
bei den Müden, den Verzagten
bei denen, denen das Leben in den Händen zerrinnt
und die den Glauben an gute Vorsätze schon längst aufgegeben haben.
 
Wenn Gott die Welt verändert,
morgen schon, 2017,
dann vermutlich nicht durch Trump oder Putin oder Frau Merkel,
sondern vielleicht durch Ahmet und Mahmut und Ali,
denn Gott hat schon immer das Kleinste und Geringste erwählt
er hat seine Geschichte mit dem Volk Israel geschrieben,
er hat das Volk, das jahrzehntelang in Babylon festsaß,
das zweifelte, haderte und immer wieder fremden Göttern nachlief,
er hat SEIN Volk nicht vergessen,
sondern mit ihm einen Neuanfang gewagt.
 
Wenn Gott die Welt verändert
morgen schon, 2017,
dann geschieht das von unten,
von innen
und von den Rändern
denn Angst und Hass und Leid sitzen in uns drin.
Es kann nur so gehen, dass der ganze Mensch neu wird.
 
Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein. (Hesekiel 36, 26-28)
 
Mit dem lebendigen Herz wird ganz sicher nicht alles leichter,
aber es wird alles wahrhaftiger.
Es ist ein echtes, lebendiges, schlagendes Herz, das Gott uns gibt:
Dir und mir.
Ein Herz, in das sein Gesetz eingeschrieben ist:
„Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen
und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
 
Ein lebendiges Herz, zum Bersten voll mit Liebe,
sodass du mitfühlst mit dem anderen
und nicht verzweifelst über dem Leid.
sodass du weiter vertraust und betest und liebst
trotz allem, was in dieser Welt geschieht.
sodass du mutig Jesus nachfolgst
mit innerem Frieden und Zuversicht.
 
Gott schenkt Dir dieses Herz
und verändert damit die Welt
morgen schon, 2017.

Amen.

Die Perspektive einer Sätzeschieberin

„Überhaupt wandelt das Wortlose in einem Gedicht umher wie in Homers Schlachten die nur von wenigen gesehenen Götter.“ (Klopstock)

Mit diesem Beitrag will ich ein paar Anmerkungen zum Zyklus „Ahnungen“ und daran anschließende Gedanken über das Schreiben an sich loswerden. Im Prinzip ist es eine Reflexion meines eigenen Schreibprozesses.

Alles begann mit „Ahnung I„. Ich hatte einen Gedanken, eine Empfindung im Gemüt und der Titel kam eher daher, dass ich die „Ahnung“ hatte, dass es nicht bei diesem einen Text bleiben würde. Der Titel referierte also sowohl auf meinen antizipierten Schreibprozess als auch auf die inhaltliche Ebene: Mein Ich „ahnte“, dass es einmal ein Gespräch mit dem Du führen würde. (Es ahnte jedoch nicht, dass die eigentlich Überschrift für den Zyklus „Nicht heute. Nicht jetzt.“ hätte lauten müssen…)

Schließlich küsste mich die Muse und „Ahnung II“ entstand. Eigentlich hätte ich in der Unibib einen langen wissenschaftlichen Aufsatz lesen sollen, doch stattdessen griff ich in die Wörterkiste und versuchte, einen ganz bestimmten Moment aufs Papier zu bringen. Ahnung II ist in Ich-Er-Perspektive verfasst, und mit dem Verzicht auf das Du eröffneten sich mir auf einmal ungeahnte Möglichkeiten. Wer meine Texte kennt, weiß, dass ich die Ich-Du-Perspektive liebe, ich mag es nicht, wenn Menschen sich hinter einem „Er“ oder einer „Sie“ mehr schlecht als recht verstecken, da habe ich doch lieber den Mut zu einem erzählenden Ich, lasse eine Facette meiner eigenen Persönlichkeit erzählen oder verstecke mich hinter dem geliebten Alter Ego. Mit der unmittelbaren Anrede an das Du kann ich Dinge extrem präzise formulieren und habe ein direktes Gegenüber, was mir das Erzählen erleichtert. Jedoch ist der Ich-Du-Kanal auch recht eng, ich stelle mich als Schreiberin auf ein festes Gegenüber ein und kann nicht beliebig Charaktere hin- und herschieben. Nun also: Neue Freiheit und Weite! Es machte Spaß, mit die Charaktere auszudenken und mir zu jeder Person eine eigene kleine Geschichte zu überlegen.

Als „Ahnung II“ fertig war, war mir auch klar, dass das Ganze ein Zyklus werden würde. Ich nenne es Zyklus, weil es sich im Kreis dreht. Der Gedanke passt auch dazu, dass Ahnungen an sich wohl nicht zählbar, abgrenzbar sind, dass sie im Grunde zu einer einzigen Ahnung verschwimmen. Die Ahnung dreht sich um sich selbst, in dem Versuch, sich einer Mitte anzunähern. Ich habe fünf Teile geschrieben, von denen „Ahnung III“ das Zentrum, den Dreh- und Angelpunkt bildet. Dementsprechend ist es die Achse, an der sich sowohl Ahnung I und Ahnung V als auch Ahnung II und Ahnung IV spiegeln. Damit hatte ich die symmetrische Struktur im Kopf und war nun gespannt darauf, wie es wohl sein würde, an etwas im Voraus Konzipierten entlang zu schreiben.

Einen Höhepunkt – „Ahnung III“ – zu schreiben ist leicht und schwer zugleich. Man muss einfach nur die Kernaussage dessen, was man sagen will, geballt in Worte fassen. Die eigentliche Arbeit bestand darin, alle unnötigen Sätze wegzustreichen. Dazu konnte ich nun entscheiden, ob mein Ich und mein Du tatsächlich einmal miteinander sprechen würden oder ob es nur darum ging, dem Ich mit Hilfe seines Mantras „Nicht heute. Nicht jetzt.“ einen Entwicklungsschritt – heraus aus der wartenden, hoffenden Haltung – zu ermöglichen. Ich entschied mich, wie ihr selbst lesen könnt, für Letzteres. Damit war dann auch die Katze aus dem Sack, aber die Geschichte noch nicht auserzählt.

Für „Ahnung IV“ durfte ich wieder meine fiktiven Charaktere aktivieren. Als Szene wollte wieder eine Party, doch etwas Zeit verstreichen lassen. Außerdem war es mir wichtig, einen direkten Bezug zu „Ahnung II“ herzustellen, um diese beiden Texte noch mehr zu verbinden. Die Situation, in der sich das Ich befindet, sollte sich nicht wesentliche verändert haben, im Innen intensiviert, im Außen diszplinierter.

Für „Ahnung V“ brauchte ich am längsten, was sich auch am Datum erkennen lässt. Schon ab „Ahnung II“ war ich nach dem Schreiben der Texte jedesmal regelrecht erschöpft, obwohl (weil?) die Texte nicht lang sind, kosteten sie mich enorm viel Kraft, das Finden von Wörtern, das Herumkauen und Herumschieben von Sätzen, das Ans-Licht-Zerren von Empfindungen,… Nun hatte ich studiumsbedingt Prüfungsvorbereitung und wollte mir diese Schreibarbeit nicht unbedingt zumuten. Gleichzeitig musste der Text noch vor meiner Prüfung fertig werden, ich wollte es nicht riskieren, dass mir das Gefühl für den Zyklus abhanden kam. Von „Ahnung V“ existieren mehrere Fassungen, was wohl daran liegt, dass meine Vorstellungen sehr konkret waren: Jeder der vorherigen Texte sollte aufgenommen werden, die Parallele zu „Ahnung I“ musste besonders herausgearbeitet werden, nach meiner Kernaussage aus „Ahnung III“ durfte nichts Neues gesagt werden, und doch: der Text sollte die Gesamterzählung nochmal auf eine neue Ebene heben. Ein hoher Anspruch, den ich da an ein paar Zeilen voll Buchstaben hatte. Doch ich die Muse hatte ein Nachsehen oder mich einfach gern. Bestimmte Sätze flossen einfach aus mir heraus und ich bin froh, dass sie das viele Denken unbeschadet überstanden haben. (An dieser Stelle auch ein Dank an Nimue, die mit mir eine ganze Stunde lang die Vor- und Nachteile eines bestimmten, einzelnen Substantivs erörterte!)

Als „Ahnung V“ publiziert war, schrie ich jedenfalls erstmal laut und befreit auf. Dieser Zyklus war geschafft.

Und ich merke: Ich liebe das Schreiben ungemein. Einmal angefangen, ist es wie ein Zwang für mich und ich lege ein regelrecht obsessives Verhalten an den Tag, was einzelne Wörter und die Struktur von Sätzen angeht. Vermutlich ist das das Auge einer perfektionistischen Leserin. Nun ja, als Jugendliche gehörte ich noch zu denen, die glauben, der erste Entwurf sei der „richtige“ und dürfe nicht verändert werden, da alles andere nicht mehr authentisch und „aus dem Herzen gesprochen“ sei. Heute denke ich, mit einer Anspielung an den Film „Love and other disasters“: „Dein Kunstwerk ist dein Baby – Töte dein Baby!“ Streich die unnötigen Füllwörter, belass es bei einer Andeutung und verlier nie den unsichtbaren roten Faden. Somit suche ich weiterhin zwei Gewichte auszubalancieren: die Überzeugung von der Notwendigkeit des unbarmherzigen Rotstifts und das Wissen, dass die besten Sätze die sind, die einfach passieren.

Liebe will…

Es geht nicht um Sex und es geht nicht um ein „mehr“ als Freundschaft. Es geht um Freundschaft und um etwas anderes als Freundschaft. Es geht um eine Verbindung, Verbindlichkeit wie ein tiefblauer Bergsee, in den sich nur wenige zu springen trauen. Es geht um das Glück, einen Menschen gefunden zu haben, den man mit radikalem Wohlgefallen betrachtet. Je mehr man diesen Menschen kennenlernt, desto mehr versagen die Worte – desto mehr umarmt man all die Schattenseiten und blinden Flecken, desto mehr erfreut man sich an den Vertrautheiten und kleinen Vertraulichkeiten.

Liebe will… sich offenbaren. Sich zeigen, ohne Filter oder Maske. Liebe will Blumen schenken, aber es nicht nötig haben, durch die Blume sprechen zu müssen. Liebe will sich verstanden wissen, gesehen werden, sich zeigen. Liebe wünscht sich den Blick eines liebenden Gegenübers.

[Liebe ist… hier]

Zum Stichwort „radikales Wohlgefallen“ vgl. Herms, Eilert: Liebe, Sexualität, Ehe.

Hilfswörter für 2015: Vertrauen und Gebet

Anfang des Jahres stellte ich euch mein Wort für 2015 vor: Hingabe. Es begleitet mich durch das Jahr und ich tauche immer tiefer in dieses Wort ein und entdecke neue Aspekte daran.

Interessanterweise reihen sich meine 4 Hilfswörter in diesem Jahr wie eine Kette aneinander. Hier erzählte ich davon, wie mich von Januar bis April vor allem die Disziplin voranbrachte, während in meiner Prüfungsphase von Mai bis Juli die Stärke im Vordergrund stand. Übrig blieben: Vertrauen und Gebet. Darüber will ich heute schreiben.

Vertrauen

Ich kann sagen, dass sich in diesem Sommer Stärke und Vertrauen die Klinke in die Hand gaben. Mein Mann machte eine harte Zeit durch, was natürlich seine Auswirkungen auf unsere Beziehung hatte. Bereits im Juli war ich dankbar für alles, was mich in dieser Zeit stärkte und dabei besonders von meinem eigenen, inneren Grundvertrauen immer wieder verblüfft. Ich sehe es als ein Geschenk Gottes, dass ich innerhalb kürzester Zeit all die schwierigen, erschütternden Entwicklungen aus der Perspektive des Vertrauens betrachten konnte. Viele sehen Scherben, wenige sehen ein Mosaik, ich sah, dass Gott alles NEU und heil machen kann. Dass es eine Zukunft gibt. Dass diese Krise die Chance zu etwas Neuem und Wunderschönen birgt. Und dabei geht es nicht darum, dass aus den vielen kleinen und großen Scherben ein Mosaik zusammengesetzt wird, vor dem dann alle stehen und „Ah!“ und „Oh!“ sagen. Weg mit solchem Kitsch! Wer von euch will ernsthaft so ein geklebtes und krümeliges Teil? Ja, natürlich können Mosaike wunderschön sein und Kindergartenbilder sowieso, aber es gibt noch mehr! Als ich neulich in einer Lectio divina über dem Wort „geheilt“ (Markus 5) meditierte, wurde es mir so deutlich:

Knochen zusammensetzen können auch Ärzte und Pathologen. Gott macht alles neu.

Fazit

Mein Vertrauen trug mich und half mir durch das unwegsame Gelände. Wenn ich noch zögerte, wohin ich meinen Fuß setzen sollte, so zeigte es mir sicheren Grund und beschützte mich. Vertrauen ist wie ein warmer Mantel in der Kälte, es weist dich auf das hin, was du gerade nicht sehen kannst, es lässt dich Dinge fühlen, die aus der Zukunft sind. Einer hellen und warmen neuen Zeit. Ich will es noch so viel mehr!

Gebet

Anfang des Jahres war ich sehr gespannt, wie es mit mir und dem Beten weitergehen sollte. Vor etwa einem Jahr habe ich einige Gedanken zum Bittgebet mit euch geteilt und nachdem ich bei diesem Thema nicht so richtig weiterkam, konzentrierte ich mich mehr auf das „Sein vor Gott„, das ich auch schon in einem Beitrag beschrieben habe. Gebet hat für mich mittlerweile nur noch wenig Gesprächscharakter. Alles, was ich früher am Thema „persönliche Beziehung zu Gott haben“ und „Jesus ist dein Freund, mit dem du reden kannst“ geschätzt habe, tritt zunehmend in den Hintergrund. Gebet ist für mich mehr wie Einatmen und Ausatmen. Ich glaube an die Präsenz Gottes in jedem Augenblick. Wenn ich bete, öffne ich mich dafür, ich schaue, werde still vor Gott.Früher habe ich Gott sehr vieles aus meinem Alltag erzählt und denke auch nicht, dass das etwas Schlechtes ist. Doch wenn ich mir im Prinzip nur über meine eigenen Gedanken zu einem Thema klar werden will, kann ich auch mit Freunden reden oder Tagebuch schreiben. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich formuliere immer noch Sätze an Gott und höre auch immer noch Antworten darauf. Aber das Zwiegespräch ist einen Schritt zurückgetreten und hat einem „Einfach nur da sein und wissen: Gott ist jetzt hier.“ Platz gemacht.

Fazit

In dieser Hinsicht hängen Vertrauen und Gebet noch stärker zusammen. Wenn ich mit Gott verbunden bin, dann habe ich auch einen anderen Blick, eine vertrauensvolle Perspektive auf das Leben. Jetzt dürfte mir das in dieser Schärfe und Klarheit nur gern öfter und alltäglicher bewusst werden! Denn ihr braucht mich hier nicht für eine geistliche Überfliegerin halten. Ich habe nur aus einer eher dunklen und trüben Gegenwart die hellen Lichtmomente aneinandergereiht und daraus diese Erkenntnisse formuliert, die ich für wahr und klar und richtig halte. Vielleicht muss man aber auch manchmal im Dunkeln sitzen, um genau dieses Licht so deutlich erkennen zu können.

Es braucht diesen Beitrag.

Fragmente und abermals Fragmente. Nicht einmal wert, sie bei den Rohdiamanten einzustellen, weil ich doch hoffe, sie noch etwas schleifen zu können. Hier ein kleiner Gedanke, dort ein Satz und heute immerhin ein zweiter, immer wieder unterbrochen durch das Tagwerk, sodass keine Reihe je fertig gestrickt werden kann, ein Flickenteppich, unvernäht und des Ansehens nicht würdig. Selbst während ich diese Sätze tippe, maunzt die Katze, hüpft auf den Schoß und erbittet sich ihre Streicheleinheiten. Wie soll mir da ein ganzer, ein runder Beitrag gelingen? Der Ideen habe ich genug, daran wird es niemals liegen. Auch die Muse ist gnädig und meine Träume bieten Stoff und Motive im Übermaß.

Wenn ich es könnte, würde ich heute nur Fragen weitergeben. Denkarbeit und lose Enden, die noch an der richtigen Stelle vernäht werden wollen. Fragen nach dem nötigen Maß an Fiktionalität in einem Text und was ein Leser der Schreibenden bedeuten darf. Fragen nach Tabubrüchen, vor denen auch ich noch zurückweiche, und wie bereichernd oder ermüdend die Wiederholung eines bestimmten Themas sei. Aber ich tippe und lösche, schiebe nach links und nach rechts, und es will nicht werden.

Nun will ich mich an meine eigenen Ratschläge halten. Es muss nicht perfekt sein. Dieser Beitrag verhilft mir hoffentlich zu etwas Abstand von drei langen Beiträgen mit viel Optimierungswahn und lässt mich ganz nebenbei das Meer an Ratschlägen vergessen, in dem ich mit meinem Blog nicht schwimmen möchte. Wenn ihr euch an Wortspielereien erfreut oder mich gar für ein (un)moralisches Vorbild halten möchtet, sollt ihr auch die Kehrseite kennen. Und die heißt heute: Fragmente und abermals Fragmente.

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil III

Es folgt der dritte und letzte Teil meines Erfahrungsberichts zum Ausmisten mit der KonMari Methode. In Teil 1 habe ich erklärt, wie die Methode funktioniert und einige Vorab-Überlegungen geäußert. In Teil 2 habe ich mich vor allem dem Thema Kleidung gewidmet. Es geht weiter mit den anderen Bereichen.

Erfahrungsbericht – Teil III (weitere Bereiche)

Nachdem ich den Bereich „Kleidung“ abgeschlossen hatte, nahm ich mir das Bad vor und alles, was damit zu tun hatte. Es stellte sich heraus, dass es hier – wieder Erwarten – besonders sinnvoll war, alles an einem Ort zu sammeln, wie es der erste Schritt verlangt. Gerade wenn Dinge in Schränken, auf Ablagen, in Fächern,… liegen, ist es gar nicht möglich, alles auf einen Blick zu erfassen. Marie Kondo hält nichts davon, Vorräte anzulegen, doch ich persönlich bin froh, wenn ich stets eine neue Zahnbürste oder eine weitere Seife parat habe. Dennoch flogen einige Dinge raus, bei denen ich mir sicher war, dass ich sie nie benutzen würde.

Anschließend kamen meine Dekosachen an die Reihe. Wie schon beim Bad, war es der größte Schritt, alles an einem Ort zu sammeln. Danach ging es sehr fix, denn mein Geschmack hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. So konnte ich zwei ganze Deko-Pakete aussortieren und versuche nun, sie übers Internet zu verkaufen. Allerdings zeigt sich schon jetzt, dass das nicht ganz so leicht wird wie erhofft. Für die verbliebenen Dekosachen besorgte ich mir eine große Kiste, in die alles gut hineinpasst. Ich möchte nicht hier eine Weihnachtsbox und dort einen Stapel an Bilderrahmen liegen haben. Deshalb habe ich meinen Schrank ausgemessen und die größtmögliche und stabilste Box besorgt, die ich finden konnte. Dass sie nur zu einem Drittel gefüllt ist, stört mich dabei wenig – sollte etwas Neues dazukommen, will ich nicht an einem anderen Platz in der Wohnung anfangen.

Schließlich widmeten mein Mann und ich uns gemeinsam den (Freizeit-)Büchern, CDs, DVDs und PC-Spielen. Ich hatte schon vor einiger Zeit mein Freizeitregal durchsortiert und eine Kiste mit alten Büchern bereitliegen. Wir verglichen bei ReBuy und Momox die Preise und verschickten zwei Kisten an die beiden Internetportale. Dafür erhielten wir ca. 50-60 Euro und waren das Zeug los!
Von allen Artikeln, die wir nicht verkaufen konnten, schrieb ich mir die Barcode-Nummer auf und packte die Artikel in eine große Box in den Keller. Ich habe schon festgestellt, dass sich die Annahmekriterien immer wieder ändern. Vielleicht kann ich in ein paar Monaten ein weiteres Paket wegschicken.

Bei der Fachliteratur für mein Studium tat ich mich allerdings schwer. Ich besitze Bücher, die ich nicht mag und vermutlich auch nicht mehr lesen werde, aber wer sagt mir, dass ich sie in den letzten Zügen meines Germanistikstudiums nicht noch einmal zurate ziehen muss? Ich muss also zugeben, dass mein Bücherregal leider noch voller ist als ich es gern hätte. Ein Regalbrett enthält meinen SUB, d.h. alle noch ungelesenen Bücher. Für sie habe ich mir selbst noch etwas Zeit gegeben. Jedoch habe ich ganz der KonMari Methode entsprechend den Entschluss gefasst, keine Bücher mehr im Regal stehen zu haben, bei deren Anblick ich ein schlechtes Gewissen bekomme, weil ich sie mir zugelegt, aber nicht gelesen habe! Dazu gehören auch Bücher, von denen ich dachte, dass ich sie als „gebildeter Mensch“ unbedingt würde besitzen respektive lesen müssen. Hier ist es (möglicherweise…) Zeit, mein Selbstbild zu korrigieren. Immerhin habe ich bisher auch ohne diese Bücher überlebt!
Sollte dieser Abschnitt noch etwas zögerlich oder weniger überzeugend als der Rest des Artikels rüberkommen, so liegt das daran, dass ich hier selbst noch mittendrin stecke. Es ist gar nicht so leicht, überkommene Vorstellungen aufzugeben. Aber ihr kennt das sicher selbst.

Zuletzt widmete ich mich meinen persönlichen Erinnerungsstücken. Dazu gehörten Fotos, Karten von Freunden und Familie sowie meine Bastelsachen. Ich stellte wieder einmal fest, dass ich diese Dinge an vielen verschiedenen Orten verstaut hatte. Damit sollte jetzt Schluss sein! Ich nahm einen Schuhkarton mit Fächern für die Fotos, ebenso eine schöne Weinkiste für die Karten, einen weiteren Karton für meine Bastelsachen, eine Box für Erinnerungsstücke und einen Ordner für Briefe. Ich glaube, Marie Kondo hält nicht viel von so vielen Schachteln und Boxen, aber ich bin zufrieden damit. Als ich die alten Karten durchsah, freute ich mich richtig daran und dachte, was für Schätze ich doch habe. Solange sie also nicht hier und da und irgendwo dazwischen auftauchen, bin ich glücklich :-)

Fazit

Dieser Artikel ist ganz schön lang geworden und ich hoffe, euch ist nicht die Puste ausgegangen. Wie ihr sehen konntet, hat mir die KonMari Methode zu neuem Schwung verholfen und mir einige wertvolle Fragen zur Seite gestellt. Als Stärke der Methode sehe ich, dass der Fokus auf dem „behalten“ und nicht auf dem „loswerden“ liegt. Dazu kommt, dass mit einer großen Wertschätzung mit allen Dingen umgegangen wird. Man bedankt sich bei dem, was man weggibt; sieht den Zweck, den es im eigenen Leben erfüllt hat; und geht sorgsam mit dem um, was man behalten möchte. Wichtig für mich war aber, dass ich daraus mein ganz eigenes Projekt gemacht habe. Es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, dass jeder Gegenstand in der Wohnung nun seinen Platz hat. Das Stadium „perfekt“ habe ich dennoch nicht erreicht: Es gibt immer noch einigen Kleinkram, der auf mich wartet.

Lasst mich wissen, welche Erfahrungen ihr mit dem Ausmisten und diversen Methoden schon gemacht habt! Ich freue mich auch über Rückfragen zu meinem Aufräumprojekt und eure Kommentare!

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil II

Es folgt der zweite Teil meines Erfahrungsberichts zum Ausmisten mit der KonMari Methode. In Teil I habe ich erklärt, wie die Methode funktioniert und einige Vorab-Überlegungen geäußert. Nun widme ich mich dem Thema Kleidung.

Erfahrungsbericht – Teil II (Kleidung)

Kleidung1Ich schleppte also alle Kleidung samt Schuhen und Accessoires ins Wohnzimmer und breitete sie aus. Das war schon eine Hausnummer! Marie Kondo empfiehlt, die Kleidung dabei schon nach Oberteilen, Hosen, usw. zu sortieren – wie man sieht, fiel mir das erst hinterher auf.

Kleidung9Auf den klugen Hinweis meines Mannes packte ich auch die Kleidung auf den Haufen, von der ich mir sicher war, dass ich sie ja sowieso behalten würde. Im ersten Moment hatte ich mir noch gedacht: „Wozu? Ich kann die Jacke doch auch gleich in der Garderobe hängen lassen!“, doch es erwies sich tatsächlich als sinnvoll. Man braucht beim Aussortieren auch dieses gute, wohlige Gefühl, ein gern getragenes Kleidungsstück in den „Behalten“-Korb zu legen. In und um diesen herum gewann nämlich das Leben, das ich führen möchte, immer mehr an Schärfe.

Die Frage nach dem Zweck, den ein Teil in meinem Leben (erfüllt) hat, hat mir ebenfalls sehr geholfen – insbesondere dabei, Dinge loszulassen. Ich besitze einige bürotaugliche Kleidung, die ich mir in den letzten Jahren für diverse Praktika, oft kurzfristig, zugelegt habe. Schon beim letzten Praktikum trug ich nur noch einen bestimmten Anteil davon. Also sagte ich mir: „Gut, dass ich diese Bluse damals hatte und damit ins Büro gehen konnte. Heute weiß ich, dass ich lieber andere Kleidung trage. Danke und tschüß.“

Kleidung7Manchmal hatte ich die Situation, dass ich Teile aussortierte, die mir noch sehr gut gefielen oder sogar meinem Stil entsprachen. Es waren die Kleidungsstücke, die mir nicht mehr passten oder die sich beim Waschen verzogen hatten, sodass ich sie nur noch ungern trug. Außerdem fiel mir beim Aussortieren natürlich auf, was ich an Kleidung noch gerne hätte oder die bestehenden Outfits perfekt komplettieren würde. Dazu legte ich mir eine Wunschliste an, auf die ich alles schrieb, was ich gern haben wollte. Die Aussicht auf neue, passende Kleidung, erfüllt mich mit Vorfreude.

Ein weiteres Thema, das mich beschäftigt hat, war Hauskleidung. Marie Kondo sagt dazu: „Hauskleidung ist nicht Kleidung zweiter Wahl.“ Ich muss zugeben, dass dies bei mir lange Zeit der Fall war. Zuhause trug ich die Sachen auf, mit denen ich nicht mehr vor die Tür gehen wollte. Obwohl die Teile vielleicht einigermaßen bequem waren, passten sie sicher nicht zu meinem Stichwort der simplen Schönheit. Daher sortierte ich auch hier großzügig aus und behielt nur eine ausgewählte Zahl an Pullovern.

Kleidung3Leider verschwinden bei Marie Kondo alle aussortierten Gegenstände in großen, schwarzen Müllsäcken. Ich finde das furchtbar verschwenderisch und es passt auch nicht zu meinem Lebenskonzept. Daher unterteilte ich bei den ausgemisteten Dingen in „Müll“, „Flohmarkt“ und „hervorragend/neu“. In den Müll kamen Teile, bei denen ich mir sicher war, dass sie keiner mehr würde haben oder reparieren wollen. In die Flohmarktkiste kamen Sachen, die noch gut waren und die ich bereit war, zu verschenken. Für einzelne hervorragende, neuwertige Teile nahm ich mir vor, diese im Internet zu verkaufen.

Was wurde aus der Flohmarktkiste? Wenn ich mich in den folgenden Wochen mit Freundinnen oder der Familie traf, schaute ich jedes Mal zuvor in die Kiste, ob etwas nach deren Geschmack dabei sein könnte. Dieses nahm ich dann mit und bot es ihnen an. Wichtig dabei: Marie Kondo schreibt ein eigenes Kapitel darüber, dass man nicht einfach ausrangierte Kleidung an die kleine Schwester loswerden solle. Daher erklärte ich jeder Person im Vorfeld: „Schau, ob du etwas haben willst. Ich nehme auch alles komplett wieder zurück.“ Da ich keinem Ramsch anbot, fanden viele Teile großen Anklang und die Leute freuten sich richtig über die neuen Kleidungsstücke.

Kleidung4

Irgendwann kam beim Ausmisten der Punkt, an dem ich mich mit den Entscheidungen schwer tat. Ich hatte noch einen ganzen Stapel an Klamotten vor mir, ebenso einen Haufen Schuhe, und wusste nicht weiter. Das waren Teile, die in die „Behalten“-Kiste nicht richtig reinpassten, bei denen ich aber auch Hemmungen hatte, sie wegzuwerfen. Weil ich einige Zeit nur die Teile in die Hand genommen hatte, bei denen ich mir sicher war, in welche Kategorie sie gehörten, hatte ich nun den Haufen der Problemstücke vor mir und es ging nur noch schleppend voran. Als es mir gelungen war, den Berg auf ca. 6-8 Teile zu reduzieren, beschloss ich, dass ich selbst die Regeln mache und die Entscheidung offiziell zurückstellen würde. Ich packte die entsprechende Kleidung in ein Fach oberhalb meines eigentlichen Kleiderschrankes und werde in einiger Zeit noch einmal drangehen. Auch beim Verteilen der „Flohmarktkleidung“ stellte ich fest, dass ich an zwei Stücken doch noch sehr hing. Ich fischte sie wieder raus und sehe jetzt, dass sie doch gut zu meinem Stil passen.

Kleidung5

Auch für das Einräumen in den Kleiderschrank hat Marie Kondo einige gute Tipps auf Lager. Das Grundprinzip dabei ist, Kleidung nicht aufeinander zu stapeln, sondern eher klein zu falten bzw. zu rollen und in Schubladen aufzubewahren. Der Vorteil davon ist, dass man einen besseren Überblick über die Teile hat, jedes Kleidungsstück sehr gut greifen kann und es weniger Falten gibt, da nicht ein ganzer Stapel darauf lastet. Ich habe also auch meinen Kleiderschrank etwas umgeräumt und bewahre nun Tshirts, Sport- und Schlafkleidung in Schubladen auf. Insbesondere bei den Sportsachen ist der Vorteil enorm. Es handelt sich ja um ganz unterschiedliche Teile: kurze und lange Hosen, Sweatjacken, Tshirts,… auf die ich nun viel besser einzeln zugreifen kann. Für die langärmlichen Teile und vor allem für warme Pullover fand ich die Methode bei mir weniger geeignet. Sie staple ich nach wie vor übereinander. Übrigens: Als mein Mann meine Tshirtschublade gesehen hatte, räumte er auch seine Tshirts um.

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit den anderen Bereichen. 

Wie geht es euch mit dem Ausmisten von Kleidung? Habt ihr ein Ordnungsschema im Kleiderschrank? Habt ihr Sommer- und Winterkleidung oder lagert ihr alles gemeinsam? Was denkt ihr über Hauskleidung?

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil I

In regelmäßigen Abständen habe ich das Bedürfnis, auszumisten und Dinge loszuwerden. Ich brauche Luft, Platz und Ordnung um mich herum, um denken zu können. Dabei gehöre ich nicht zu denen, die einen besonders voll gestopften Haushalt oder überfüllten Kleiderschrank haben (was ihr euch nach meinen Gedanken zum Thema Minimalismus (Kleidung) vermutlich schon denken konntet). Allerdings habe ich ein feines Gespür dafür, wenn Dinge nur noch „da“ sind, aber eigentlich keinen Zweck mehr in meinem Leben erfüllen. Es staut sich immer mehr Besitz an – ein Gefühl, das mich niederdrückt und für Beklemmungen sorgt. Vor einigen Monaten musste daher eine radikale Veränderung her und so suchte ich im Netz nach nützlichen und erprobten Methoden, Gegenstände auszusortieren.

Dabei stieß ich auch auf die KonMari Methode, die Aufräummethode der Japanerin Marie Kondo. Über diverse Blogeinträge und Videos konnte ich mir schnell einen Überblick verschaffen und legte mir auch ihr Buch „Magic Cleaning“ zu. Im folgenden will ich euch einen kurzen Überblick über die Methode geben und von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Da der Artikel ungewöhnlich lang geworden ist, habe ich entschieden, ihn in drei Teilen zu posten.

Die KonMari Methode

„Wer jeden Tag ein bisschen aufräumt, räumt sein ganzes Leben auf.“ Das ist einer der Standardsätze von Marie Kondo. Ihr Ziel ist es, „in einem Rutsch, in kurzer Zeit und perfekt“ aufzuräumen. Dazu nimmt man sich nacheinander die verschiedenen Bereiche in seinem Besitz vor, beginnend mit der Kleidung, über Bücher und Schriftstücke bis zum Kleinkram. Wichtig ist, nicht Zimmer oder Fächer nacheinander aufzuräumen, sondern alle Dinge, die zu einem Bereich oder einer Kategorie gehören, gesammelt anzugehen.

Im Falle der Kleidung räumt man also nicht nur seinen Kleiderschrank aus, sondern bringt alle Kleidungsstücke aus der ganzen Wohnung an einen zentralen Ort.  Viele schreiben im Netz, dass dies ein Schlüsselmoment für sie war, weil ihnen gar nicht klar war, wie viel sie besitzen.

Anschließend nimmt man jedes einzelne Kleidungsstück in die Hand und entscheidet in diesem Moment, ob man es behalten möchte oder nicht. Dabei stellt man sich innerlich die Frage „Does it spark joy? / Macht es mich glücklich?“. Wenn das der Fall ist, lautet die Antwort: behalten. Wenn nicht, sollte man sich klar machen, dass dieses Teil einen bestimmten Nutzen und Zweck im eigenen Leben hatte und diesen nun erfüllt hat. Anschließend bedankt sich bei dem Kleidungsstück für die Freude, die es in das eigene Leben gebracht hat, und verabschiedet sich von ihm.

Der Prozess des Ausmistens ist geradezu meditativ, man steht im inneren Zwiegespräch mit sich selbst und sollte sich auch durch nichts anderes (wie z.B. Musik) stören lassen. Wichtig ist, dass man sich im Vorfeld Zeit nimmt, um die eigene Motivation für das Aufräumen zu klären und um sich das Leben, das man führen möchte, vor Augen zu stellen. Je klarer dieses Bild ist, desto leichter fällt es dann, Entscheidungen zu treffen.

Erfahrungsbericht – Teil I (Vorab-Überlegungen)

Ich habe mir das Buch „Magic Cleaning“ angeschafft, um die Aufräummethode wirklich „richtig“ angehen zu können. Die wesentlichen Informationen erhält man jedoch auch im Internet und ich muss sagen, dass das Buch an vielen Stellen redundant und für meinen Geschmack zu ausführlich ist. Der Mehrwert des Buches bestand für mich in einem Abschnitt, in dem die o.g. Vorab-Überlegungen betont wurden. Mit der Frage „Macht es mich glücklich?“ stand ich nämlich von Anfang an eher auf Kriegsfuß, da ich es kritisch sehe, allein das eigene Glück als Handlungsmaxime festzusetzen. Ich habe daher die Frage für mich etwas angepasst: „Passt der Gegenstand zu dem Leben, das ich führen will?“

Dazu sollte man natürlich für sich selbst geklärt haben, wie dieses Leben denn aussieht. In Bezug auf Kleidung geht es mir so, dass sie zu mir als Person passen soll. Sie soll meine Persönlichkeit unterstreichen und ich möchte mich in ihr wohl fühlen. Mittlerweile habe ich einen Stil gefunden, der mir gefällt. Um mir selbst beim Ausmisten zu helfen, habe ich verschiedene Stichworte, die diesen (Lebens-)Stil beschreiben, auf Kartons geschrieben und um den „Behalten“-Korb herum ausgelegt. Ein Stichwort dabei war simple Schönheit. Es bedeutet für mich klare Linien & Schnörkellosigkeit sowie praktische, zweckmäßige Kleidung, die jedoch nicht nach Wanderausflug aussieht. Vielmehr möchte ich mich in der Kleidung weiblich und stark fühlen.

Wichtig beim Ausmisten ist, dass man aus dem Kleidungs- oder Bücherberg die Teile identifiziert, die man behalten will. Meistens sind Aufräummethoden ja eher darauf ausgelegt, herauszufinden, was man loswerden möchte. Die Fragestellung bei der KonMari Methode ist genau umgekehrt: „Möchte ich diesen Gegenstand behalten?“ Dabei helfen kann auch die Frage: „Würde ich diesen Gegenstand heute sofort wieder kaufen?“

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit dem Thema Kleidung. Davor würde mich natürlich interessieren, was auf euren Karten stehen würde. Welchen Kleidungsstil habt ihr? Was passt zu euch? Oder mal ganz groß gefragt: Wie sieht das Leben aus, das ihr führen wollt?

Gedanken zum Minimalismus (Kleidung)

Ich hatte schon mit 20 einen Hang zum Minimalismus. Davor und danach gab es zwar auch Konsumphasen, aber innerlich blieb das Gefühl, lieber mit wenig glücklich zu sein als mir ständig neuen Kram zu kaufen. Damals führte das dazu, dass ich in den ältesten und hässlichsten Klamotten rumlief, denn wozu sich einen neuen Pullover kaufen, wenn ich einen ‚funktionsfähigen‘ hatte? Es war mir egal, ob besagter Pullover grau und abgetragen war, ich hatte etwas anzuziehen und er erfüllte seine Aufgabe. Mein Vater übte daran regelmäßig Kritik, von meiner Oma ganz zu schweigen. Regelmäßig rief sie an: „Ich glaube, du brauchst mal wieder ein paar gute Schuhe/eine neue Hose/ein paar Oberteile.“ Und ich jedesmal: „Danke, Oma, ich brauche nichts, ich habe alles. Aber ein paar Sportsocken wären gut.“ Überhaupt war Sportkleidung das Einzige, in das ich in dieser Zeit Geld investierte. Zugegebenermaßen habe ich die Kleidung und die Schuhe heute noch und sie haben mir über viele Jahre einen guten Dienst getan.

Heute sieht meine Haltung zum Konsum und zum Minimalismus anders aus. Ich kaufe wenig und sehr ausgewählt. Vor zwei oder drei Jahren habe ich eine Farb- und Stilberatung gemacht, die mir in Sachen Geschmack zu einem großen Sprung verholfen hat. Ich weiß, welche Farben mir stehen, und wie verschiedene Schnitte an mir wirken. Die Kleidung, die in meinem Schrank hängt, passt zueinander und ich habe immer etwas anzuziehen. Wenn ein Kleidungsstück die Kriterien nicht erfüllt, wird es nicht gekauft. Überhaupt gehe ich sehr selten einfach ’shoppen‘, sondern meistens erst dann, wenn ich feststelle, dass mir etwas fehlt. In diesem Jahr waren das Tshirts für den Sommer, die Anzahl der tragbaren Shirts war auf 8 gesunken und so ging ich in einen Laden, wedelte mit meinem Farbpass herum und kaufte 3 neue Oberteile. Und weil mir eines davon so gut gefiel, holte ich es mir zwei Wochen später nochmal.

Mir geht es nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern darum, nur das zu besitzen, was ich auch nutze/brauche/liebe. Ich möchte meinen Kleiderschrank aufmachen und jedes Teil gerne und regelmäßig anziehen. Dazu braucht es an erster Stelle ein gutes Auge und ein sicheres Gefühl dafür, was mir auch in ein paar Monaten oder in der nächsten Saison noch gefällt. Was nicht gekauft wird, nimmt auch keinen Platz weg. Zum zweiten liebe ich Übersichtlichkeit. Gib mir eine Liste und ich schreibe dir jedes Kleidungsstück auf, das ich besitze und wann ich es das letzte Mal anhatte.Während andere sich durch Klamottenberge wühlen (sowohl im eigenen Kleiderschrank als auch in den Läden), sitze ich lieber mit Tee und Keks auf dem Sofa oder treffe meine Freunde.

Hilfswörter für 2015: Disziplin und Stärke

Bereits mehr als die Hälfte des Jahres liegt hinter mir, daher wage ich einen Rückblick auf mein Wort für 2015, das ich euch im Januar vorgestellt habe. Doch eigentlich ist „Rückblick“ der falsche Begriff, denn das Wort „Hingabe“ ist zum ständigen Begleiter geworden und ich darf feststellen, dass besonders die 4 ‚Hilfswörter‘ bisher gut gewählt waren.

Disziplin

In den ersten Monaten, Januar bis April, konnte ich besonders Disziplin gut gebrauchen und habe das wirklich sehr intensiv gelebt. Mein Tag begann mit einem morgendlichen Anruf, zwar nicht um dreiviertel 5 wie bei Kant, aber doch häufig mit den Worten „Es ist Zeit!“. Es folgte eine geschichtliche Frage, ob zum Augsburger Religionsfrieden oder der Weimarer Republik, mein Hirn lernte schnell, von Schlaf auf Wissen umzuschalten. Nach einer kurzen Plauderei stand meine persönliche Zeit, u.a. mit aufräumen, duschen, Tee und Frühstück vorbereiten auf dem Programm. Um 8.30 Uhr saß ich dann mit Katze auf dem Sofa und übersetzte kapitelweise aus dem Johannesevangelium. Je zügiger ich voran kam, desto mehr Zeit blieb noch vor 10 Uhr, denn hier begann die nächste große Lerneinheit am Schreibtisch. Bis 12 Uhr las ich Aufsätze und Artikel, exzerpierte und fasste zusammen. Um 12 Uhr wanderte ich dann in die Küche ab, um mir ein Mittagessen zuzubereiten. Dank Biokiste oft mit leckerem Gemüse! Meine Mittagspause ging offiziell bis 2; wenn ich nicht ausnahmsweise mit Freunden telefonierte, saß ich meist auf dem Sofa und schaute eine Serienfolge. Für den Nachmittag standen nun noch zwei Lerneinheiten an, eine stärker inhaltlich fokussierte (von hier nach hier) und eine, bei es mehr um Lesen und Sortieren ging. Je nach Konzentrationskurve ging ich früher oder später raus und machte einen Spaziergang über die Felder. So gut wie immer hatte ich dabei meine Lernstöpsel im Ohr – aufgesprochene Themen, die ich dadurch gut wiederholen konnte. Gegen Ende des Spaziergang genehmigte ich mir aber auch manchmal noch etwas Musik oder Ruhe. Insgesamt lernte ich 6 Stunden pro Tag – nach jahrelanger Selbstbeobachtung kann ich sagen, dass 6 Stunden konzentrierte Arbeit bei mir zum gleichen Ergebnis führen wie mich 8 oder 10 Stunden Schreibtischzwang. So war mein Arbeitstag meist gegen halb 6 oder 6 zu Ende und ich hoffentlich zufrieden.

Fazit

Disziplin ist super! Der festgelegte Tagesablauf hat mir richtig gut getan und mir bei der Bewältigung der anstehenden Lernaufgaben enorm geholfen. Die Katze durfte ihn hier und da auch mal unterbrechen, dann wurde gekuschelt oder gespielt, aber ich kann doch sagen, dass ich meine Lernkästchen gut abhaken und erledigen konnte.

Stärke

Ab Mai war es dann eher Stärke, die vonnöten war. Es galt, die Prüfungsphase durchzuhalten, die erwähnten Klausuren zu schreiben und mich anschließend wieder neu für die mündlichen Prüfungen zu motivieren. Natürlich nutzte mir noch immer die etablierte Disziplin, doch ich muss zugeben, dass sich einiges davon auch wieder auflöste. Mein Tagesablauf war nicht mehr so fest durchgetaktet, ich hatte vielmehr Themen für den Tag und häufig war es dabei bloße Willenskraft, dass ich am Ball blieb. So ist das Wort Stärke sowohl für die Klausurenphase sehr passend als auch für die gerade zurückliegenden Monate Juni und Juli. Hier kam es in meinem privaten Umfeld zu sehr anstrengenden und herausfordernden Entwicklungen, daher zog und zerrten zwei ganz unterschiedliche Bereiche an mir, was wohl auch der Grund dafür ist, dass ich hier kaum etwas von mir hören ließ. Pläne fürs Bloggen hatte ich sehr wohl, aber nicht nur fürs Bloggen… Es hätte gereicht, mich durchs Examen zu manövrieren, doch manchmal sucht man sich die Belastungen eben nicht selbst aus!

Fazit

Ich bin dankbar für die Stärke, die ich in dieser schwierigen Zeit erleben durfte. Eigene, innere Stärke ebenso wie die Stärke von Freundschaften, über die ich ja schon oft geschrieben habe. Selbst wenn mir eigentlich alles zu viel war und ich niemanden mehr hören und sehen wollte, gibt es doch Menschen, bei denen es anders und leicht ist und die mir helfen, den nächsten, vorsichtigen Schritt zu gehen.

Gebet und Vertrauen?

Für die zweite Jahreshälfte bleiben nun Gebet und Vertrauen und wenn ich das selbst so lese, denke ich: hoffentlich! und Wie schön das klingt! Aber ich will mir nichts vormachen, denn auch Vertrauen zu haben oder neu zu fassen kann harte Arbeit sein. Gerade deshalb bin ich dankbar, dass mir Gott in der letzten, aufrüttelnden Zeit immer wieder leise zuflüsterte, dass er es GUT machen wird. Und dass mich das Flüstern auch dann nicht loslässt, wenn mein frisch gebackenes Diplomtheologenhirn ad hoc dreiundzwanzig Einwände gegen Gottvertrauen vorzubringen weiß.

Ja, die Freude am Leben lässt sich nicht beirren. Und um wieder Kraft zu tanken, werde ich jetzt eine schöne Urlaubsreise machen. ‚Urlaub‘, das kommt von ‚erlauben‘ – ich erlaube mir selbst eine Zeit für Ruhe und Muße, ohne Verpflichtungen. Die Hingabe bleibt meine Begleitung und vielleicht wird das eh schon überquellende Notizbuch bei meiner Rückkehr nur umso voller sein. Oder aber ich werde die weißen, unbeschriebenen Seiten genießen. Wir werden sehen!

PS. Da man ja im Internet nicht schreiben soll, wenn man in den Urlaub fährt: Liebe Einbrecher, ich habe einen gefährliche Katze, die die Wohnung hüten wird. Sie bekommt dabei Unterstützung von einer lieben menschlichen Freundin und einer Papageiendame. Also seht euch vor!

1 1/2 Jahre bei Twitter

Im Januar 2014 habe ich mich bei Twitter angemeldet und möchte die letzten eineinhalb Jahre ein wenig unter die Lupe nehmen. Wie funktioniert Twitter für mich, warum bin ich dabei und was bringen mir 140-Zeichen-Tweets von teilweise wildfremden Menschen?

Aller Anfang ist schwer

Wenn man sich in einem neuen sozialen Netzwerk anmeldet, dann braucht man vor allem eines: viel Geduld. Natürlich kann man sich bei Twitter anmelden, erstmal 150+ Tweets absetzen und zig Kommentare bei anderen schreiben, um auf sich aufmerksam zu machen. Schöner finde ich es jedoch, wenn Dinge langsam wachsen und man auch erstmal ein Gefühl dafür bekommt, wie dieses Netzwerk so funktioniert.

Es ist ein bisschen, als ob man in eine neue Stadt zieht. Man kennt vielleicht schon 1-2 Leute, aber ansonsten muss man erstmal rausfinden, wo sich die Menschen treffen, mit denen man gern Zeit verbringen würde: Im Sportverein, in der Kirche, draußen im Park oder zu Spieleabenden?

So ist es jedenfalls mir ergangen. Ich habe erstmal die Menschen gesucht, die ich schon irgendwie kenne, also andere Blogger*innen, Freunde aus dem analogen Leben oder diverse Personen des öffentlichen Lebens, die mich interessieren. Dabei habe ich mir angeschaut, wem diese Leute folgen und wen sie retweeten, sodass das Netzwerk langsam größer wurde.

Natürlich habe ich mich gerade anfangs erstmal riesig über jeden neuen Follower gefreut und dann jeweils geschaut, ob ich der Person auch folgen möchte. Während ich in der ersten Zeit noch schneller zurückgefolgt habe, bin ich mittlerweile kritischer, denn manche Leute folgen einem nur, damit man zurückfolgt, ohne dass es irgendeinen Bezug gibt.

Einstieg über die #twomplet

In den ersten Monaten war ich öfter bei der #twomplet dabei, zeitweise fast täglich, dann nur noch gelegentlich, wenn es mir gerade reingepasst hat. Die #twomplet ist ein Gebet zum Abschluss des Tages, das immer um 21 Uhr beginnt. Auch jetzt bete ich ab und an mit und schaue mir die Tweets an. Als ich an meiner Diplomarbeit schrieb, habe ich es besonders geschätzt, mit der #twomplet eine Art Tagesabschluss vom Schreibtisch aus zu finden, weil ich um diese Uhrzeit doch recht oft noch über den Büchern saß. Die Kontakte, die ich über die #twomplet gefunden habe, sind sehr angenehm und haben einen festen Platz in meiner Timeline.

Twitter als Infokanal

Von Anfang an habe ich es als großes Plus bei Twitter empfunden, von anderen auf Themen, Texte und Artikel aufmerksam gemacht zu werden. Ich habe ein paar Nachrichtenseiten in meiner Timeline, wodurch ich direkt auf deren Artikel hingewiesen werde. Noch mehr schätze ich aber die Hinweise anderer Twitterer, wenn auf Artikel und Blogposts verlinkt wird, die mich auch interessieren. Mit der Zeit stellt man fest, wer sich für welches Thema besonders interessiert und entsprechend der jeweiligen Themen folge ich auch bestimmten Leuten. Beispiele dafür sind unter anderem @einfachbewusst zum Thema Minimalismus oder @annalist zum Thema Netzpolitik und Datenschutz.

In diesem Sinne ist Twitter für mich ein Nachrichtenmedium, ein Informationskanal, durch den ich mich auch über aktuelle Themen auf dem Laufenden halte. Die Schwäche daran ist natürlich die Kurzlebigkeit. Während sich am einen Tag noch alle über dieses oder jenes aufregen, gilt die Aufmerksamkeit am nächsten Tag schon wieder ganz anderen Themen. Aber das ist wohl das Wesen unserer Nachrichten und bei der „Tagesschau“ auch nicht besser. Als ich neulich mit Freunden zusammensaß, fragten wir uns, wie es gelingen könnte, sich über ein Ereignis außerhalb unseres persönlichen Radius so umfassend wie möglich zu informieren. Meine persönliche Meinung dazu ist es, so viele unterschiedliche Darstellungen eines Ereignisses zu lesen wie nur irgend verfügbar, um daraus dann den gemeinsamen Kern der Sache herausschälen zu können. Hierzu trägt Twitter bei mir auf jeden Fall bei.

Twitter zur Unterhaltung

Natürlich dient Twitter oft auch einfach nur der Unterhaltung, dem Spaß, der Ablenkung. Es ist eine eigene kleine Welt, die sich mit „Guten Morgen“-Tweets genauso um sich selbst dreht wie mit dem allsonntäglichen Tatortgucken. Manchmal hat sie Schullandheimcharakter, manchmal ähnelt sie einem Ping-Pong-Spiel quer durch die Republik. Viele plötzlich auftauchende Hashtags sind äußerst amüsant und bringen mich noch beim späteren Nachlesen zum Kichern. 140 Zeichen führen dazu, Dinge möglichst prägnant und oft auch wenig diplomatisch auszudrücken. An diesem alltäglichen Blödsinn habe ich immer wieder meine Freude.

Neben der Geschichte um das blau-schwarze oder weiß-goldene Kleid twittere ich gelegentlich auch bei „TV-Events“ wie dem gestrigen Eurovision Song Contest, dem Superbowl Finale oder der letzten „Wetten dass“-Show. Hier schaue ich mit Smartphone in der Hand die jeweilige Sendung und lese, was andere unter dem entsprechenden Hashtags so kommentieren. Dabei entsteht das Gefühl, gemeinsam auf dem Sofa zu sitzen und ich muss mich selbst immer wieder disziplinieren, nicht jeden bescheuerten Gedanken direkt mitzuteilen ;)

Twitter als Netzwerk

Während die Nachrichten- und Unterhaltungsebenen nützlich und erfreulich sind, ist der Netzwerkcharakter für mich persönlich das i-Tüpfelchen an der ganzen Sache. Durch die gemeinsamen Interessen oder diverse Blödeleien komme ich mit anderen Menschen in Kontakt und ins Gespräch. Vor ein paar Monaten ergab sich dadurch sogar die Gelegenheit, eine kleine Videokonferenz zum Thema Fundamentalismus mit mir bis dahin unbekannten Menschen abzuhalten, was nicht nur großen Spaß gemacht, sondern mich auch inhaltlich weiter gebracht hat.

Ich habe mir bei Twitter ein paar Listen angelegt, sodass ich gezielt nach Thema Tweets lesen kann. Wenn ich wenig Zeit habe, kann ich mich dadurch auf die Personen konzentrieren, deren Mitteilungen mich besonders interessieren oder bei denen ich einfach mehr dran bleiben möchte. Anfangs war ich noch eher zögerlich, was das fav’en von Tweets angeht, mittlerweile vergebe ich schneller ein Sternchen, wenn mir ein Tweet gefällt oder mich auf etwas Interessantes hinweist. Sollte ich einen Gedanken zum Thema haben, antworte ich und so ergeben sich oft kurze Gespräche, in denen ich noch direkter mit der jeweiligen Person in Kontakt bin. Das gefällt mir sehr gut.

Fazit

Ein kleiner Tweet ist schnell geschrieben, doch manchmal hat er große Wirkung. Das gilt sowohl in Bezug auf Informationen als auch beim Kennenlernen anderer Menschen. Ich bin sehr dankbar dafür, mit welchen großartigen, hilfsbereiten und interessanten Menschen ich auf Twitter schon in Kontakt gekommen bin, sodass der Weg zu einer längeren Email oder der Griff zum Telefon oft nur noch eine Formsache waren. Die aufmunternden Nachrichten und konkreten Hilfsangebote, als ich vor meinen Prüfungen großen Ärger mit der Fakultät hatte, haben meine Verzweiflung ein wenig gelindert und wirklich gut getan. Allerdings achte ich nach wie vor darauf, nicht alles und jedes zu twittern, da zwar schnell eine Wohnzimmeratmosphäre entsteht, die Tweets und Konversationen jedoch absolut öffentlich sind.

Mein Fazit ist daher nicht überraschend: Twitter ist informativ, nützlich und macht Spaß. Wenn man sich jetzt auch noch im Klaren darüber ist, wie viel man von sich persönlich preisgeben möchte, kann ich nur sagen: Los geht’s! Ich frage mich nämlich, warum ich mich selbst nicht schon früher angemeldet habe :-)