Worte wie Luftballons

Luftballons3Viel zu oft schreibe ich für dich.
Ich sehe Bilder und lese Zitate und setze sie wie ein Mosaik für dich zusammen. Ich bilde ein Kunstwerk vor deinen Augen, es ist mein Werk und natürlich nicht meines allein, es gehört auch ihm und ihr und dem Mädchen, das ich neulich im Bus sah. Dennoch blitzt immer wieder etwas darin auf, das nur für dich ist, ich reiche dir die Hand in meinem Schreiben, unsichtbar strecke ich sie aus, meine Fingerspitzen berühren dich beinahe, ein Bild, ein Wort, der Wind trägt es mit sich in eine andere Welt, und dann ist der Zauber auch schon wieder vorbei, verflogen, bis ich irgendwann neue Wörter und Leerzeichen wie Luftballons in den Himmel aufsteigen lasse. Direkt vor deinen Augen fliegen sie los und auch wenn du die angehängten Karten niemals findest, sind sie doch allein für dich bestimmt.

Liebeserklärung an: Star Trek TNG

Ja, ich bin es: hin und weg. Einfach nur hin & weg. Nach meinen ersten Erfahrungen mit Star Trek TOS konnte es mancher wohl schon vermuten, dass Star Trek TNG erst so richtig reinschlagen würde. Ich gebe zu, die erste Staffel habe ich noch Zeit gebraucht, um in die Serie hineinzufinden – zu präsent waren mir noch die Brücke der alten Enterprise und die lieb gewonnene Besatzung mit Personen wie Spock, Kirk oder Lieutenant Uhura. Aber zumindest eine Person hat es ja dauerhaft von TOS zu TNG geschafft: Majel Barrett Roddenberry, die Frau des StarTrek-Schöpfers Gene Roddenberry, spielte in TOS die Rolle der Krankenschwester Christine Chapel und hatte in TNG regelmäßige Auftritte als exzentrische Betazoide Lwaxana Troi, Mutter von Counsellor Deanna Troi.

Aber noch mal ganz von vorn: Star Trek TNG ist zu Recht eine Kultserie. Diese Serie grenzt ja schon fast an ein religiöses Erlebnis. Staffel für Staffel dringt man tiefer in das Star Trek Universum ein, da werden Fäden gesponnen zu Star Trek TOS („Encounter at Farpoint“, „Unification“, „Relics“) oder zu Deep Space Nine („Birthright“), die Charaktere entwickeln sich, ein Beziehungsnetz entsteht, und über allem steht als Idee von Star Trek eine hochgradig ethische: dass Lebewesen jeglicher Spezies friedlich zusammenleben, zusammenarbeiten, sich respektieren. Fast schon langweilig, so eine heile Welt, könnte man als Nicht-Trekkie nun meinen. Doch 178 Folgen Star Trek zeigen, wie der Friede ein stets gefährdeter ist, wie selbst ein Verletzen der Obersten Direktive einmal der richtige Weg sein kann, wie immer wieder abgewogen werden muss zwischen Einzelinteressen und denen des Kollektivs.

Dazu kommt natürlich die Begegnung mit anderen Spezies – im Gegensatz zu Star Trek TOS sind diese glücklicherweise nur noch selten als „Der Außerirdische der Woche“ gestaltet, sondern fügen sich viel besser ins das Gesamtgefüge ein. Dennoch bleibt es an vielen Stellen spannend, welche Art von Lebewesen sich die Star Trek Autoren ausdachten: seien es die geschäftstüchtigen Ferengi mit den großen Ohren, die androgynen J’naii oder auch gänzlich fremde Lebensformen wie der Reisende oder der omnipotente Q. (Nebenbei bemerkt, Q ist großartig!)

Aber auch die Stammbesatzung auf dem Schiff ist interessant zusammengestellt:

Captain Jean-Luc Picard, in Fankreisen wohl der beliebteste Captain der Sternenflotte, beeindruckt durch seine Führungsstärke, sein diplomatisches Geschick und seine Fähigkeit, schwierige Situationen blitzschnell einzuschätzen und gelegentlich zu ungewöhnlichen Taktiken zu greifen.

Seine „Nummer Eins“ ist Commander William T. Riker, der auf meiner persönlichen Sympathiekurve ja eher am unteren Ende der Brückenoffiziere rangiert. Natürlich ist er hervorragend, durchsetzungsstark und noch dazu charmant – doch ich mag ihn nicht sonderlich und bin froh, wenn er in einer Folge einfach nur seinen Job macht und sein Lieblingsschwiegersohn-und-Draufgänger-gleichermaßen-Charakter nicht näher beleuchtet wird.

Daneben haben wir Counsellor Deanna Troi, die halb Mensch, halb Betazoide ist und daher die Gefühle von anderen empathisch wahrnehmen kann. Ich habe manchmal gedacht, dass sich all die technik- und ingenieurslastigen Geschichten auch ohne sie erzählen lassen würden – und doch würde der Enterprise etwas Elementares fehlen. Deanna bringt bei all dem den Faktor Mensch mit all seinen Emotionen, individuellen Wünschen und dem jeweils ureigenen Charakter hinein in die Geschichten. Sie legt in einer technisch und organisatorisch perfekten Welt den Finger in die Wunde.

Kommen wir nun zu meinem persönlichen Favoriten: Lieutenant Commander Data. Erfreulicherweise gibt es viele Folgen, in denen er den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte bildet: als einziger Androide mit dem Bestreben, ein Mensch zu werden, hat er die Aufmerksamkeit auch voll verdient. Meiner Meinung nach schenken sich Brent Spiner als Data und Patrick Stuart als Picard schauspielerisch nicht viel – die beiden werten jede noch so nebensächlich erscheinende Szene schon allein durch ihre Mimik und Präsenz um Welten auf. Im Vergleich zu TOS entspricht Datas Rolle auf dem Schiff der des Vulkaniers Spock: Er repräsentiert die vollendete Logik, ein rein rationales Wesen. Besonders interessant ist daher auch das Crossover mit der Begegnung von Data und Spock in Staffel 5 („Unification“).

Datas bester Freund ist Lieutenant Commander Geordi LaForge, Chefingenieur der Enterprise. Ich bewundere LeVar Burton dafür, wie es ihm gelingt, ohne den Ausdruck der Augen so viel an Emotion in sein Gesicht zu legen. Geordi ist von Geburt an blind und trägt einen Visor, der es ihm ermöglicht, mehr als andere Menschen zu sehen und auch Spektralanalysen durchzuführen (immer wieder sehr hilfreich). Seine Freundschaft zu Data gründet wohl auch auf diesem Element des Anders-Seins. Die Szenen zwischen Geordi und Data erfreuen einfach das Herz!

Schließlich haben wir da Lieutenant Worf, seines Zeichens Klingone und ein wahrer Krieger Nach dem Tod von Tasha Yar ist er der Chef der Sicherheit und dafür auch bestens geeignet. Die Entwicklung, die Worf im Lauf der Staffeln macht, ist enorm: obgleich sein Gefühl für den klingonischen Wert der „Ehre“ keineswegs abnimmt, entwickelt er sich doch persönlich weiter und mit der Beziehung zu seinem Sohn Alexander und seiner Auseinandersetzung mit seiner Herkunft (z.B. in „Birthright“) gewinnt sein Charakter an Tiefe. Ich habe ihn jedenfalls immer mehr ins Herz geschlossen.

Am Rande des Geschehens und doch immer wieder mittendrin steht die Chefärztin Dr. Beverley Crusher. Sie hat mich besonders in der Folge „Remember Me / Das Experiment“ (Staffel 4, Episode 5) beeindruckt, in der ihre streng wissenschaftliche Vorgehensweise sie davor bewahrt, wahnsinnig zu werden, und einen Ausweg aus der Warpblase zu finden, in der sie gefangen war. Diese Episode hat mein Bild von ihr stark geprägt und ihren medizinischen Kenntnissen und Fähigkeiten als Ärztin weitere Begabungen zur Seite gestellt. Ihr Verhältnis zu Jean-Luc Picard ist natürlich auch immer wieder spannend, die Folge „Attached“ in Staffel 7 bietet dabei einen wunderbaren Höhepunkt. Sie ist zudem die Mutter von Fähnrich Wesley Crusher, der durch den jungen Wil Wheaton gespielt wird. Anscheinend war er für viele Fans eine eher unliebsame Figur, doch ich mag ihn gern und fand es schade, dass er ab der vierten Staffel nur noch sehr vereinzelt zu sehen war.

Nun könnte ich noch auf zahlreiche weitere Charaktere wie z.B. die von Whoopi Goldberg gespielte Bardame Guinan oder den bereits erwähnten omnipotenten Q eingehen. Doch dann würde dieser Beitrag nur noch länger als er es eh schon ist. Stattdessen werde ich mir nun einfach vornehmen, einen weiteren Blogbeitrag zu Star Trek TNG zu schreiben, in dem ich mich wahlweise einzelnen Folgen, Gesamtideen oder besonderen Themen widmen kann. Die Hauptfiguren sind ja nun zumindest ansatzweise vorgestellt :-)

In diesem Sinne: live long and prosper!

Liebeserklärung an: Star Trek TOS

Oh nein, jetzt wird sie auch noch zum Trekkie!

Ich bin nicht sicher, ob euch beim Lesen der Überschrift vielleicht ein solcher Gedanke in den Sinn kam. (Außer natürlich Nimue, die mir bereits versicherte, schon seit Kindertagen ein leidenschaftlicher Anhänger des Star Trek Universums zu sein… Sei gegrüßt!).

Wie der geneigte Leser weiß, tue ich mich eher schwer damit, mich auf neue Bücher und Serien einzulassen. Ich lese immer wieder dieselben Bücher und schaue auch immer wieder die gleichen Serien (z.B. The Big Bang Theory). Doch nicht jeder verfügt über die fantastischen Gene, sich nie zu langweilen:

So wurde „Star Trek: The Original Series“ zur Serie der Wahl und nach ein paar wenigen Folgen, in denen ich Captain Kirk, Mister Spock und die Besatzung der „Enterprise“ kennenlernte, begann ich bereits, die Worte im Vorspann mitzumurmeln („Das Universum: unendliche Weiten…“), große Freude an den Spezialeffekten zu haben (so retro und so liebenswert!) und im Besonderen die Langsamkeit der Serie zu schätzen.

Ja, da stellt Kirk eine Frage und schaut zu Mister Spock. Mister Spock schaut nach links und nach rechts, zieht die Augenbraue hoch, Kirk wird mit fragendem Gesicht wieder eingeblendet, Mister Spock schaut noch mal nach links und antwortet dann schließlich.

Welche Serie hat sowas heute noch? Die meisten heutigen Serien heben sehr stark auf Schnelligkeit ab, vor allem bei den Dialogen. Bei „Gilmore Girls“ zum Beispiel sind die schnellen Dialoge geradezu ein Markenzeichen der Serie und die Schauspieler üben vor dem Spielen der jeweiligen Szenen ihren Text und bringen ihn auf die entsprechende Geschwindigkeit. Star Trek TOS hingegen kümmert sich nicht um Pausen, die Platz für ein Gähnen bieten, und ich persönlich schätze diese Langsamkeit sehr. Besonders bei den Schlussdialogen der einzelnen Folgen halte ich immer wieder den Atem an, wie sich solcher Witz so gelassen vortragen lässt.

Neben Lieutenant Uhura hat es mir -wie könnte es auch anders sein- allen voran Mister Spock angetan. Er war ja auch bei den Fans der ersten Stunde sehr beliebt, was dazu führte, dass er in den weiteren Staffeln und Folgen mehr Raum bekam. Ich mag seine Logik und seine Loyalität gegenüber dem Captain. Im Gesamtbild zeigt sich für mich, dass er zwar der beste Erste Offizier ist, den es geben kann, allerdings als Vorgesetzter nicht wirklich geeignet. Es fehlt ihm einfach die menschliche und emotionale Seite, sodass er die Besatzung in diesen Situationen nur selten so richtig hinter sich bringen und motivieren kann.

Kirk ist da natürlich anders, er wird als Captain über die Maßen geschätzt, obgleich er manchmal ganz schön ruppig mit seiner Besatzung umgeht. In seinen Unternehmungen und dem Kontakt mit anderen Zivilisationen handelt Kirk meiner Meinung nach oft zu irrational und erinnert mich ein bisschen an Götz George als Schimanski. Da zeigt sich das Männerbild der Zeit!

Zu McCoy habe ich leider immer noch keinen richtigen Zugang gefunden. Er stolpert eben so durch die Folgen, sagt seine bevorzugten Sätze: „Er ist tot, Jim.“ und „Ich bin Arzt und kein…“ und hat immer das passende Medikament aufgezogen in einer Spritze dabei.

Meine bisherige Lieblingsfolge ist die Doppelfolge um Talos IV, in der die Star Trek Pilotfolge mit Jeffrey Hunter als Captain Christopher Pike verarbeitet wurde. Die Folge ist auf mehreren Ebenen spannend erzählt und macht einfach großen Spaß!

Jetzt interessiert mich natürlich, ob es unter meinen Leserinnen und Lesern noch weitere Star Trek Fans gibt, ob ihr nur die Stirn runzeln könnt oder euch nun möglicherweise eine neue Serie empfehlen lasst… Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Liebeserklärung an: How I met your Mother

Die Blogosphäre ist voll von Beiträgen über How I met your mother. Nahezu jeder findet diese Serie klasse, herausragend, unterhaltsam, lustig und einfach nur gelungen. Der Witz, die Dialoge, die Freundschaften, die charakteristischen Vor- und Rückblenden… diese Serie ist ein Lichtblick neben Serien, die ich hier nicht nennen sollte.

Und trotzdem komme auch ich nicht umhin, hier zu erklären: Ich finde diese Serie großartig! Und vor allem: Ich liebe Barney Stinson. Jaja, schreit es mir ins Gesicht: Alle finden Barney toll. Aber ich, ich finde ihn WIRKLICH toll.

Auf tumblr schrieb jemand: Bei How I met your mother geht es nicht darum, wie Ted die Mutter trifft, sondern es geht darum, wie Barney und Robin sich treffen, Bros werden, sich verlieben und schließlich heiraten. Und je länger ich die Serie schaue, desto mehr muss ich dem zustimmen.

Barney und Robin sind beide nicht unbedingt die Besten darin, ihre Gefühle zu zeigen, und das macht sie für mich so echt und liebenswert. Auch gegenüber dem jeweils anderen zeigen sie sich oft cooler als sie es sind. Doch dann sitzt Robin heulend unter dem Tisch oder Barney hat seine Sekunde, die ewig dauert, als Robin sich doch für Kevin entscheidet.

Ich liebe den Abend, an dem Barney Robin tröstet, nachdem ihr Jugendfreund aus dem „Sandcastles in the Sand“-Video ihr zum zweiten Mal den Laufpass gegeben hat. Wie er auf alle coolen Sprüche verzichtet und sie aufmuntert. Und wie sie schließlich auf Robins Sofa sitzen und wieder und wieder das Musikvideo schauen.
Oder die Szene, in der sie im Auto sitzen und sagen: Ach, wie gut war das, dass wir uns nicht geküsst haben. Und sich dann doch küssen.
Und dann gibt es natürlich noch eine Szene, auf die ich doch sehr gespannt bin…

Aber was das Beste an der Serie ist:

Ich sitze nicht davor und wünsche mir ein Leben wie das von Ted, Marshall, Lilly, Barney und Robin… nein, ich wünsche mir keine Freunde, mit denen ich jeden Abend in einer Bar abhängen kann, die immer für mich da sind und an allem Anteil nehmen, was ich mache und fühle. Ich wünsche mir auch keinen Partner, der nicht nur mein Freund und Mann, sondern auch mein „Bro“ und somit bester Kumpel ist.

Sondern wenn der Abspann läuft, kehre ich zurück in mein eigenes Leben… ich lese meine Emails und lass mich von lieben Nachrichten überraschen, ich rufe eine Freundin an, obwohl wir uns erst vor wenigen Stunden gesehen haben, ich schaue auf und vor mir steht ein Teller voller Pfannkuchen, weil da jemand gemerkt hat, dass ich hungrig bin.

Ich brauche mir die Freundschaften aus HIMYM nicht zu wünschen, weil ich sie längst in meinem Leben habe. Und das ist das Beste an dieser Serie: Sie zeigt mir, wie unglaublich dankbar ich für mein eigenes Leben sein kann.

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch in ein wundervolles Jahr 2014!

Liebeserklärung an den Sommer

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Endlich ist der Sommer da und wie sehr genießen wir ihn!
Wir tragen kurze Shirts und darunter den Bikini, setzen uns die Sonnenbrille keck in die Haare und gehen Eis essen, ins Freibad oder an den See. Oder aber wir liegen einfach nur faul im Garten und essen Wassermelone und Erdbeeren.

Im Sommer fällt uns die Lebensfreude nicht schwer. Wenn wir zur Arbeit gehen, müssen wir uns nicht mehr durch die Dunkelheit kämpfen, sondern werden schon von den ersten Sonnenstrahlen begrüßt, die uns sagen, dass wir die Jacken getrost zuhause lassen können. Auch wenn wir Überstunden machen und erst spät aus dem Büro kommen, scheint es, als hätten wir noch endlos Zeit. Der Abend ist jung und es ist so wunderbar hell.

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Am Wochenende kümmern wir uns um den Garten, grillen mit Freunden oder machen eine Spritztour mit dem Caprio ins Blaue hinein.

Ja, der Sommer lässt uns für einen gefühlt unendlichen Augenblick unsere Sorgen vergessen. Er pustet sie uns aus dem Kopf, lässt uns lächeln bis uns die Backen schon ganz weh tun und wir schließlich nach all den Abenteuern und von der Wärme angenehm schläfrig werden.

Natürlich kann das nicht ewig so bleiben, aber diese Liebeserklärung geht raus an die Sonnenstrahlen und das Grün, an den lauen Wind und die glücklichen Freunde. Lasst uns diese herrlichen Momente genießen, entspannen und Kraft tanken. Lasst uns die Sonnenstrahlen sammeln!

Der Soundtrack für diesen Sommer ist für mich heute ein neu entdecktes Album von Maybeshewill. Es hat den passenden Titel: „I was here for a moment, then I was gone“.

Léon der Profi

Super alter Film, ich weiß. Zumindest für unsere schnelllebige Hollywoodzeit. Nächstes Jahr hat der Film sein 20jähriges Jubiläum und es ist schön und irritierend zu gleich, eine 12jährige Natalie Portman auf der Leinwand zu sehen (bzw. auf dem Bildschirm).

Der Film ist traurig, zuweilen komisch und ein bisschen romantisch ist er auch. Ich finde, man erkennt, dass der Film einen französischen Regisseur hatte (Luc Besson). Dazu der passende Ausspruch von „Jacks“ in „Love & other Disasters“: Nobody goes to the movies for truth except possibly the French!“

Zur Handlung:

Die 12jährige Mathilda verliert ihre Familie, die von korrupten Polizisten aus dem Drogendezernat erschossen wird. Sie hatte weder zu ihrem Vater, noch der Stiefmutter oder der Halbschwestern ein gutes Verhältnis, doch der Verlust ihres kleinen Bruders schmerzt sie sehr. In der Nachbarwohnung lebt Léon, ein Auftragskiller, der für die italienische Mafia arbeitet. Zunächst mit Widerwillen nimmt er Mathilda bei sich auf. Um Rache an den Morden zu nehmen, möchte Mathilda sich von Léon zur Killerin ausbilden lassen. Im Gegenzug bringt sie dem Analphabeten das Lesen und Schreiben bei.

Die beiden Protagonisten gemeinsam zu sehen, ist bezaubernd: den in sich gekehrten, seltsam unreifen Léon, dessen einziger „Freund“ eine Topfpflanze ist, die wie er „keine Wurzeln hat“, und das eigenwillige, tapfere Mädchen Mathilda, das bald Gefühle für ihren großen Retter entwickelt.

Der Film gipfelt in einem actionreichen Finale, in dem Mathilda und Léon erst unabhängig voneinander und schließlich gemeinsam Rache an den Mördern üben. Wie jedoch schon angedeutet, nicht ohne selbst Schaden zu nehmen: Léon wird vom Chef der Einheit erschossen und stirbt, kann jedoch diesem noch eine entsicherte Handgranate“ als „Geschenk von Mathilda“ überreichen. So wird Mathilda nun zur Hüterin der Pflanze, die sie am Ende des Films auf dem Gelände ihrer Internatsschule einpflanzt: „Hier wird es uns gut gehen, Léon.“

Ein gelungener Zusammenschnitt des Films zum Musiktitel aus dem Abspann („Shape of my Heart“ von Sting) fand sich mal hier.

Dorian Gray

Als ich die „Poesie des Fährmanns“ mit einem geeigneten Bild zu versehen suchte, war mir noch nicht bewusst, dass das schließlich gewählte – „Narcissus“ von Caravaggio – auch als Buchcover für Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ diente. Wie passend erscheint mir jetzt diese Verbindung!

Ich kam in den Genuss, „Das Bildnis des Dorian Gray“ als Hörbuch anhören zu können und erlag schon im Vorwort dem Strom der Worte Oscar Wildes. Wenn auch keine 16 mehr und ganz und gar hoffnungslos allem ästhetizistischen Gedankengut ausgeliefert, so erlaube ich es mir doch gelegentlich, mir von diesen Strömungen meinen Verstand zugleich erhellen und verdunkeln zu lassen. Und was mir früher als raues und unbändiges Meer erschien, ist heute manchmal nur noch ein kleiner Whirlpool. Oder aber ein Meer, in das ich nur noch meinen kleinen Zeh hineinstrecke. Wie dem auch sei, Oscar Wilde zog mich in seinen Bann und so hörte ich manche Passagen immer wieder an, um auch ja keinen augenblinzelnden Moment zu verpassen.

„How sad it is! I shall grow old, and horrible, and dreadful.
But this portrait will remain always young.“

Die Geschichte um Dorian Gray ist schnell erzählt und auch weithin bekannt: Dorian Gray ist ein reicher und schöner junger Mann, dem die vornehme englische Gesellschaft zu Füßen liegt. Sein Freund und Bewunderer, der Maler Basil Hallward, malt ein herausragendes Porträt von ihm. Erst im Spiegel des Porträts wird sich Dorian seiner eigenen Schönheit und Jugend bewusst und spricht den stillen und wirkungsvollen Wunsch aus, das Porträt möge statt seiner altern und er selbst ewig jung bleiben.

Dorian gerät unter den Einfluss Lord Henry Wottons, der ihn zu einem neuen Hedonismus verführt. Bald führt Dorian ein ausschweifendes Leben und wird in seiner Selbstentfaltung immer maßloser und grausamer. Während er äußerlich schön und jung bleibt, schreiben sich die Spuren seiner Sünden in das Porträt ein und stellen ihm so sein wahres Ich, seine Seele, wie einen Spiegel vor Augen.

Basil und Lord Henry sind Gegenpole, die beide mit Dorian befreundet sind und ihn beeinflussen. Während das Herz Dorians zunächst noch stärker dem gutmütigen Basil zugeneigt ist, ist er vom ersten Moment an gebannt von den Reden Lord Henrys und gerät zunehmend unter dessen Einfluss.

„I hate the way you talk about your married life, Harry,“ said Basil Hallward, strolling towards the door that led into the garden. „I believe that you are really a very good husband, but that you are thoroughly ashamed of your own virtues. You are an extraordinary fellow. You never say a moral thing, and you never do a wrong thing. Your cynicism is simply a pose.“
„Being natural is simply a pose, and the most irritating pose I know,“ cried Lord Henry, laughing.

“The only way to get rid of a temptation is to yield to it. Resist it, and your soul grows sick with longing for the things it has forbidden to itself, with desire for what its monstrous laws have made monstrous and unlawful.” (Lord Henry)

The only difference between a caprice and a lifelong passion is that the caprice lasts a little longer.“ (Lord Henry)

Interessanterweise sagt Wilde über die drei Figuren:

“Basil Hallward is what I think I am: Lord Henry what the world thinks me: Dorian what I would like to be- in other ages, perhaps.”

Wer im Original reinlesen möchte, kann das hier tun.

Liebeserklärung an: Rainald Grebe

Wunderbar. Der fängt immer so bestimmte Stimmungen und Szenen ein, die mir vertraut sind, aber die ich selbst nie so benennen könnte. Ganz wunderbar.

Rainald Grebe ist diplomierter Puppenspieler, Ex-Straßenkünstler (in Berlin), Dramaturg, Schauspieler und Regisseur und darüberhinaus – was mich besonders interessiert – Kabarettist und Musiker.

Nach den Einsteigerhymnen über Thüringen, Brandenburg und Dörte erfreue ich mich bis heute immer wieder an neuen und alten Liedern von ihm, höre einmal, zweimal, dreimal hin, schmunzle, nicke, bekomme Beklemmungen und staune über seine Beobachtungsgabe.

Besonders warm ums Herz wird mir bei den Liedern, die er zusammen mit der „Kapelle der Versöhnung“ sang. Eins meiner liebsten ist sein Abschiedslied an die 90er, bei dem vor meinem inneren Auge immer wieder Szenen aus meiner eigenen Kindheit und Jugend auftauchen.

In „Reich mir mal den Rettich rüber!“ nimmt er die Lebenssituation 30jähriger Pärchen aufs Korn. Das Besondere dabei ist, dass Rainald Grebe dabei nicht spottet oder sich gar offensiv lustig macht, sondern mit wenigen Worten eine Situation beschreibt, Menschen und ihre Meinungen wunderbar prägnant zitiert und einem so den Spiegel vor Augen hält. Treffend wurde „Familie Gold“ auf Youtube mit den Worten kommentiert:

Er tanzt auf dem schmalen Grad zwischen Tragik und Komik.

Von seinem aktuellen Album „Das Rainald Grebe Konzert“ bin ich jetzt schon begeistert. Einfach großartig ist „Krümel„, hörts euch einfach an. Und Künstler. Und… Und… Und bevor ich jetzt noch dreiundvierzig weitere Lieder verlinke, beschränke ich mich auf den Hinweis auf ein ausgesprochen schönes Interview – über das Bionade-Bürgertum. [Link entfernt, da leider tot.]

Eure Mathilda

Quelle für die Fotos:
Bild 1 (Marcus Sümnick) und Bild 2 (Lars Hung); Creative Commons License

Belohnung.

Ein Seminarraum, ca. 30 Studenten.
Eine Vorlesung über die Geschichte des Althochdeutschen.

Man spürt die Langeweile und das Gähnen. Einige Studenten kritzeln auf ihren Blöcken. Wenige schreiben aufmerksam mit. Er doziert mit monotoner Stimme. Wer zuhört, dem entlockt seine liebenswürdige Art immer wieder ein leises Lächeln. Ich sage: Man muss sich einlassen auf die Langsamkeit seiner Sätze, auf die Pausen, die Nebensätze. Und wird belohnt.

Die Vorlesung ist eine einzige Belohnung.
Sie bietet: Entspannung, Konzentration, Inspiration. Je nach dem, was ich daraus mache. Ich kann mich einlullen lassen wie von einem Wiegenlied. Ich kann konzentriert an Vorlesungsfremdem arbeiten und mich von der Atmosphäre tragen lassen. Ich kann zuhören und dabei immer wieder kleine Perlen heben, die sich mit der Zeit zu großen Schätzen anreichern.

Unverdient.

Empfangen.

Glück.

„Du aber liebe mich, auch wenn ich schmutzig bin; denn wenn ich weiß gewaschen wäre, liebten mich ja alle.“

Fjodor M. Dostojewski

Habe mal wieder Lust auf lesen und nachdenken und sich treiben lassen. Manchmal gibt es solche wunderbaren Abende. Oder auch ganze Tage. Ich erinnere mich noch gut, als ich ‚Anna Karenina‘ von Tolstoj verschlang. Ich bin richtig in diese Welt abgetaucht und wenn ich an das Buch denke, sehe ich mich noch auf dem Sofa sitzen oder an anderen Orten, wie ich es lese, und spüre erneut die Gefühle, die ich mit diesem Buch verbinde, und wie ich mir danach den Schreibstil Tolstojs kurzzeitig ein wenig aneignete. Ich konnte einfach nicht mehr abschalten.

Mit mehreren Büchern ging es mir schon so und es ist ein einzigartiges Erlebnis. Ich überlege gerade, einige dieser Bücher hier mal genauer vorzustellen. Vielleicht müsste ich sie dazu aber erneut lesen und ob es mir ein zweites Mal auch so ginge? Vermutlich eher nicht. Oft bleibt mir nur das Gefühl zurück und der Inhalt geht verloren. Aber vielleicht probiere ich es aber auch einfach aus.

Vor ein paar Tagen musste ich an obiges Zitat denken, das mich auch lange begleitet hat. Ich habe leider kein Bild gefunden, das gut dazu gepasst hätte. Darum heute Abend nur das Zitat und ein wenig Gedanken über das Lesen. Könnte ja fast eine Liebeserklärung sein.

Ich liebe… den Geruch von alten Büchern und wie sie sich anfühlen.

Ich habe in meinem Studium das große Los gezogen, Hausarbeiten am Fließband produzieren zu dürfen. So lästig das manchmal sein mag (das Wort „Semesterferien“ ist mir immer noch ein Rätsel…), beschert es mir doch immer wieder auch sehr schöne Momente.

  • Wenn ich mit den Fingern über die Seiten streichen kann und jede einzelne Zeile nachfahre.
  • Wenn ich meine Nase tief in die Buchfalte stecke und den Staub der Jahrzehnte inhaliere (und vermutlich auch das eine oder andere verottete Kleinstlebewesen).
  • Wenn ich Bleistiftnotizen entziffere, die andere lange vor mir angebracht haben.
  • Wenn ich die Mühe sehe, mit der jemand auf Schreibmaschine seine Dissertation verfasst hat.

Ich weiß nicht, ob es an meiner bisherigen Themenwahl lag oder eher an der Größe der Unibibliothek: Bei den meisten der Hausarbeiten, die ich bisher schrieb, hatte ich das Glück, einige Bücher aus dem Tiefenmagazin der Bibliothek bestellen zu können. Hier ist die Chance besonders hoch, es mit so richtig ausgeblichenen und verstaubten Exemplaren zu tun zu haben, Bücher ohne Hochglanzumschlag, mit zwei richtigen Buchdeckeln, Bücher, bei denen man darüber spekulieren kann, wer sie wohl zuletzt in der Hand gehabt haben mag…

Wer teilt meine Leidenschaft und freut sich mit mir über Buchdeckel, Frakturschrift und „daß“ mit ß ? Gibt es hier noch andere Verrückte, die ihre Nase gern in alte Bücher stecken? Ich freue mich über Kommentare!

The Big Bang Theory – eine Liebeserklärung

Ich liebe diese Serie! Von der ersten Minute an galt meine Begeisterung dem neurotischen Sheldon, dem „Hobbit“ Leonard, dem meiner Ansicht nach ganz süßen Howard, dem ziemlich verdorbenen, aber dennoch knuffigen Raj und natürlich Penny, „the girl next door“, die sich mit ihnen allen mal mehr, mal weniger erfolgreich herumschlägt.
Mit Lieblingsserien ist das ja so eine Sache: Hat man endlich mal eine gefunden und wünscht sich immer noch eine und noch eine Staffel, muss man gleichzeitig hoffen, dass die Serie nicht doch zuuu erfolgreich wird und am Ende jeder Idiot im Dopplereffekt-Tshirt rumläuft. Denn so schön es einerseits sein kann, aus besonders herausragenden Folgen zu zitieren und dabei die Lacher auf seiner Seite zu haben, ist es doch auch immer etwas ärgerlich, wenn die Perle, die man gefunden hat und die einem ans Herz gewachsen ist, vor die Säue geworfen wurde.
Im Prinzip ist es das Gleiche wie mit irgendwelchen kleinen Bands, die erst noch für eine Portion Spaghetti Bolognese im Juze nebenan spielen, irgendwann nur noch in der nächstgrößeren Stadt und für rein veganes Essen zu haben sind und deren neuestes Album sich schließlich in den Charts wiederfindet. Je nach musikalischer Entwicklung wird man diese Band natürlich nicht verleugnen, doch durch den Weg in den Mainstream kann die Freude ganz schön getrübt werden.
Bei Sheldon & Leonard lasse ich mir meinen Fund jedoch nicht so schnell vermiesen. Ich bin verliebt in sie! Kaum ein Tag vergeht ohne neue oder alte Folgen und wenn ich mir Sheldons Gewohnheiten anschauen kann, fühle ich mich in meinen eigenen „Neuröschen“ immer herrlich getröstet. Auch auf meinem Weg durch die Stadt denke ich mir manchmal: Hier ums Eck wohnen die beiden und wenn ich wollte, könnte ich jetzt bei ihnen vorbeischauen.
Oder sie bei mir. :-)

Bildquelle: NASAblueshift