#aprillove2015 – An inspiring quote

Zitate gibt es auf meinem Blog immer wieder und auf meinem Tumblr noch mehr, wie man an meinem Beitrag über Intimität erst vor kurzem sehen konnte. Ich liebe Worte und sammle sie sowohl digital als auch analog in Notizbüchern oder auf kleinen Zetteln. Ich mag keine Postkartensprüche, wobei die Grenze zwischen nachdenkenswert-ergreifend und zum-direkt-wieder-auskotzen fließend ist.

Für heute will ich uns in einen Film werfen, den ich vor kurzem (endlich!) gesehen habe, den „Nachtzug nach Lissabon“ nach der Romanvorlage von Pascal Mercier. Nach dem Schauen schlug ich gleich verschiedene Sätze nach, die mir aufgefallen waren und stieß dabei auf ein Zitat aus dem Roman, das ich hier weitergeben will:

Der Balsam der Enttäuschung.
Enttäuschung gilt als Übel. Ein unbedachtes Vorurteil. Wodurch wenn nicht durch die Enttäuschung sollten wir entdecken, was wir erwartet und erhofft haben? (…) Wir sollten Enttäuschungen nicht seufzend erleiden als etwas, ohne das unser Leben besser wäre. Wir sollten sie aufspüren, ihnen nachgehen, sie sammeln. (…) [Die Enttäuschung] ist nicht ein heißes, zerstörerisches Gift (…), sondern ein kühler, beruhigender Balsam, der uns die Augen öffnet über die wahren Konturen unserer selbst.

(Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon)

„A novel worth reading is an education of the heart. It enlarges your sense of human possibility, of what human nature is, of what happens in the world. It’s a creator of inwardness.“ (Susan Sontag)

Und so dreht sich mein Leben um die immer gleichen Themen, mein Kopf sinnt Motiven nach, mein Gefühl erträumt sich ein Behagen, alles ist Anschauung und Betrachtung. Vor meinem inneren Auge steigen Szenen aus Romanen auf, den immer gleichen Romanen, Anna Karenina ist so ein Roman, und Das Bildnis des Dorian Gray ist zu einem geworden, Sentenzen von Dichtern, und ein lieb gewordenes Romanende:

Was für eine traurige Geschichte, dachte ich lange. Nicht dass ich jetzt dächte, sie sei glücklich. Aber ich denke, dass sie stimmt und dass daneben die Frage, ob sie traurig oder glücklich ist, keinerlei Bedeutung hat. Jedenfalls denke ich das, wenn ich einfach so an sie denke. Wenn ich jedoch verletzt werde, kommen wieder die damals erfahrenen Verletzungen hoch, wenn ich mich schuldig fühle, die damaligen Schuldgefühle, und in heutiger Sehnsucht, heutigem Heimweh spüre ich Sehnsucht und Heimweh von damals. Die Schichten unseres Lebens ruhen so dicht aufeinander auf, dass uns im Späteren immer Früheres begegnet, nicht als Abgetanes und Erledigtes, sondern gegenwärtig und lebendig. Ich verstehe das. Trotzdem finde ich es manchmal schwer erträglich. Vielleicht habe ich unsere Geschichte doch geschrieben, weil ich sie loswerden will, auch wenn ich es nicht kann.

— Bernhard Schlink, Der Vorleser

Das sind mir die liebsten Begleiter. Ein Suchen und Tasten, ein Finden und Erkennen, ein Entdecken unter einem kleinen Kieselstein, im Auge des Gegenübers, im eigenen Auge im Spiegelbild. Mir schwirren alte Zeiten im Kopf herum und manchmal scheint es, als habe ich auch die Zukunft schon gelebt. So plastisch liegen die Wege vor mir, so real die Gabelungen, die zu treffenden Entscheidungen. Ich entdecke im Leben der Romanfiguren mein eigenes und in meinem eigenen Leben das ihre. Wer sagt, dass sie nicht statt meiner den nächsten Schritt tun? Wer hält sie zurück?

It is what you read when you don’t have to that determines what you will be when you can’t help it.

Oscar Wilde

Abschied II: Zitate aus dem „Glasperlenspiel“ (Hesse)

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich hier mal Hesse zitieren würde, doch zwei Stellen zum Thema Abschied haben mich sehr angesprochen und ich möchte sie gerne mit euch teilen.

Nachdem der Meister den Brief gelesen hatte, in welchem die Behörde sein Gesucht abschlägig beschied, spürte er ein leises Schaudern, ein Morgengefühl von Kühle und Nüchternheit, dass ihm anzeigte, die Stunde sei gekommen, und es gebe nun kein Zögern und Verweilen mehr. Dies eigene Gefühl, das er „Erwachen“ nannte, war ihm von den entscheidenden Augenblicken seines Lebens her bekannt, es war ein belebendes und zugleich schmerzliches, eine Mischung von Abschied und Aufbruch, tief im Unbewußten rüttelnd wie ein Frühlingssturm.

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Fröhlich verließ er die Zelle, unterwegs in den nächtlich leeren Gängen und Höfen der Siedlung kam der Ernst ihm wieder, der Ernst des Abschieds. Abschiednehmen weckt stets Erinnerungsbilder, und ihn suchte auf diesem Gange die Erinnerung an jenes erste Mal heim, da er, noch ein Knabe, als neu eingerückter Waldzeller Schüler seinen ersten ahnungs- und hoffnungsvollen Gang durch Waldzell und den Vicus Lusorum getan hatte, und nun erst, inmitten der nachtkühlen schweigenden Bäume und Gebäude, spürte er durchdringend und schmerzlich, daß er dies alles nun zum letztenmal vor Augen habe, zum letztenmal dem Stillwerden und Einschlummern der tagsüber so belebten Siedlung lausche, zum letztenmal das kleine Licht überm Pförtnerhaus sich im Brunnenbecken spiegeln, zum letztenmal das Nachtgewölk über die Bäume seines Magistergartens ziehen sehe.

„Der Gedanke, dass Forschung nur gedeihen kann, wenn sie nicht weisungsgebunden ist, scheint zu weit von der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen entfernt zu sein, um auf Verständnis zu stoßen.“

„Aus Sicht der Bevölkerung bemisst sich der Wert von Forschung weniger nach dem Erkenntnisgewinn als nach dem unmittelbar erwarteten Nutzen. Dies zeigt sich an den Antworten auf eine im Oktober 2006 gestellte Frage [des Instituts für Demoskopie Allensbach], bei der zwei Meinungen über die Aufgaben von Wissenschaftlern zu Auswahl gestellt wurden.

Die erste Meinung lautete:
„Ich finde, die Aufgabe eines Wissenschaftlers ist es, Ergebnisse zu liefern, die nützlich für die Menschheit sind. Die Menschen müssen sich die Themen danach wählen, wo Erkenntnisse am dringendsten gebraucht werden.“

Die Gegenposition war: „Ich finde, die wichtigste Aufgabe eines Wissenschaftlers ist es, auf wissenschaftliches Neuland vorzudringen und sich dabei selbst die Ziele zu setzen und zu entscheiden, welche Probleme er bearbeiten will. Das ist gemeint mit ‚Freiheit der Forschung‘ in unserem Grundgesetz. Wenn etwas neu ist, kann man doch nicht vorher schon wissen, ob es nützlich sein wird.“

49 Prozent der Befragten stimmten der ersten Meinung zu, nur 34 Prozent der zweiten. Der Gedanke, dass Forschung nur gedeihen kann, wenn sie nicht weisungsgebunden ist, scheint zu weit von der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen entfernt zu sein, um auf Verständnis zu stoßen.“

Quelle: Thomas Petersen: Der ferne Planet Wissenschaft. Warum die Verständigung zwischen Forschern und der Bevölkerung so schwierig ist.
In: Die politische Meinung, Nr. 519, März/April 2013, 58. Jahrgang, S. 10-15.

„Kunst-Werke sind von einer unendlichen Einsamkeit und mit nichts so wenig erreichbar als mit Kritik. Nur Liebe kann sie erfassen und halten und kann gerecht sein gegen sie.“

Aus einem Brief Rainer Maria Rilkes an Franz Xaver Kappus (23. April 1903):

„Geben Sie jedesmal sich und Ihrem Gefühl recht, jeder solche Auseinandersetzung, Besprechung oder Einführung gegenüber; sollten Sie doch unrecht haben, so wird das natürliche Wachstum Ihres innern Lebens Sie langsam und mit der Zeit zu anderen Erkenntnissen führen. Lassen Sie Ihren Urteilen die eigene stille, ungestörte Entwicklung, die, wie jeder Fortschritt, tief aus innen kommen muß und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Alles ist austragen und dann gebären. Jeden Eindruck und jeden Keim eines Gefühls ganz in sich, im Dunkel, im Unsagbaren, Unbewußten, dem eigenen Verstande Unerreichbaren sich vollenden lassen und mit tiefer Demut und Geduld die Stunde der Niederkunft einer neuen Klarheit abwarten: das allein heißt künstlerisch leben: im Verstehen wie im Schaffen.
Da gibt es kein Messen mit der Zeit, da gilt kein Jahr, und zehn Jahre sind nichts, Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit. Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles!“

„Unterm Strich gibt es auf dieser Welt nur zwei Arten von Menschen: Du hast die Schwätzer und die Macher…

… Die meisten sind bloß Schwätzer. Die können nichts als labern. Aber wenn alles gesagt ist, dann sind es die Macher, die diese Welt verändern. Und wenn sie das tun, verändern sie auch uns – weswegen wir sie nie vergessen. Zu welchen gehörst du? Schwätzt du nur rum oder stehst du auf und tust was? Denn eins kannst du mir glauben: Alles andere ist gequirlte Scheiße.“

Eröffnungsszene aus Der blutige Pfad Gottes 2

Zwischen Mensch und Tier – zwei Gedanken, unkommentiert

Wer sich vom Animalischen lösen will, kann machen, was er will, er wird es nie schaffen. Wir sind nun mal Tiere. Klar, wir haben einige Besonderheiten: Wir können Geld für Sex verlangen. Wir können trinken, obwohl wir keinen Durst haben. Wir benutzen Toilettenpapier. Für mich sind das die drei wesentlichen Besonderheiten.

Martin Monestier, französischer Schriftstellter und Journalist, in der ARTE-Dokumentation „Kult um den Busen“ (leider nur noch in Ausschnitten verfügbar)

Ich nahm mir auch fest vor, täglich die Uhren aufzuziehen und einen Tag vom Kalender abzustreichen. Das schien mir damals sehr wichtig, ich klammerte mich geradezu an die spärlichen Reste menschlicher Ordnung, die mir geblieben waren. Gewisse Gewohnheiten habe ich übrigens nie abgelegt. Ich wasche mich täglich, reinige meine Zähne, wasche die Wäsche und halte das Haus sauber.

Ich weiß nicht, warum ich das tue, es ist fast ein innerer Zwang, der mich dazu treibt. Vielleicht fürchte ich, wenn ich anders könnte, würde ich langsam aufhören, ein Mensch zu sein, und würde bald schmutzig und stinkend umherkriechen und unverständliche Laute ausstoßen. Nicht daß ich fürchtete, ein Tier zu werden, das wäre nicht sehr schlimm, aber ein Mensch kann niemals ein Tier werden, er stürzt am Tier vorüber in einen Abgrund. Ich will nicht, daß mir dies zustößt.

Zitiert aus: Marlen Haushofer, Die Wand, dtv, 2. Aufl., Januar 2000, S. 40f.
Buchvorstellung „Die Wand“

„Du aber liebe mich, auch wenn ich schmutzig bin; denn wenn ich weiß gewaschen wäre, liebten mich ja alle.“

Fjodor M. Dostojewski

Habe mal wieder Lust auf lesen und nachdenken und sich treiben lassen. Manchmal gibt es solche wunderbaren Abende. Oder auch ganze Tage. Ich erinnere mich noch gut, als ich ‚Anna Karenina‘ von Tolstoj verschlang. Ich bin richtig in diese Welt abgetaucht und wenn ich an das Buch denke, sehe ich mich noch auf dem Sofa sitzen oder an anderen Orten, wie ich es lese, und spüre erneut die Gefühle, die ich mit diesem Buch verbinde, und wie ich mir danach den Schreibstil Tolstojs kurzzeitig ein wenig aneignete. Ich konnte einfach nicht mehr abschalten.

Mit mehreren Büchern ging es mir schon so und es ist ein einzigartiges Erlebnis. Ich überlege gerade, einige dieser Bücher hier mal genauer vorzustellen. Vielleicht müsste ich sie dazu aber erneut lesen und ob es mir ein zweites Mal auch so ginge? Vermutlich eher nicht. Oft bleibt mir nur das Gefühl zurück und der Inhalt geht verloren. Aber vielleicht probiere ich es aber auch einfach aus.

Vor ein paar Tagen musste ich an obiges Zitat denken, das mich auch lange begleitet hat. Ich habe leider kein Bild gefunden, das gut dazu gepasst hätte. Darum heute Abend nur das Zitat und ein wenig Gedanken über das Lesen. Könnte ja fast eine Liebeserklärung sein.