Herbstlicht am Abend

Und während die Sonne noch scheint, hör ich schon die Tropfen. Gleich verschwindet sie hinter der Häuserwand, ein letzter Schimmer auf meinen Armen, dem Tisch. Sie sinkt hinein in das Rauschen der Straße wie in die Wogen des Meeres und gleich sanften Wellen rollt der Donner heran. Ich tauche meine Hände in gelbwarmes Herbstlicht und atme die frischfeuchte Luft. Der Regen tränkt die weiche Erde und stillt mehr als nur ihren Durst.

Sommerabschied und Herbstliebe

Bis zum Schluss hatte ich noch auf ein paar unbeschwerte Tage und ein luftig-leichtes Sommergefühl gehofft. Mein Sommer war hart, tragisch und voller Momente, in denen mich die Zimmerdecke zu erdrücken drohte. Dennoch fiel es mir unerwartet schwer, ihn schließlich gehen zu lassen – wie damals in Frankfurt wollte ich ihn noch einen Moment lang festhalten, noch einen kleinen Sommeraugenblick für mich erhaschen. Ein, zwei Tage hatte es gegeben, mitten im Chaos zwischen den Sorgen aus dem alten Leben und den gerade neu ankommenden, da hatte ich meine Schwimmsachen eingepackt, die Sonnenbrille aufgesetzt und war mit klopfendem Herzen an den See gefahren. Es war der Versuch gewesen, im Wasser kurz Luft zu holen, das Alte abzuschütteln, loszulassen und Kraft für einen Neuanfang zu tanken, dessen Dimension mir in diesen Momenten noch gar nicht klar war. Schließlich jedoch nahm ich mit einer leisen Melodie im Ohr Abschied. Es würde einen anderen Sommer für mich geben, mit Erdbeeren, Sonnenschein und blauem Himmel. Mit Flirren in der Luft, nackten Beinen und Festivalschweiß auf der Haut …

In diesem Zustand traf der Herbst mich an und zog angesichts der Wehmut in meiner Brust ein wenig skeptisch die Augenbraue hoch. „Du? Ein Sommerkind? Seit wann denn das?“, schien sein Blick zu fragen, bevor er mich überschwänglich in seine bunten und raschelnden Arme nahm. Erst zaghaft, dann immer gieriger atmete ich die Herbstluft ein, es gab Luft im Übermaß, sie füllte meine Lungen und machte Kopf und Herz ein wenig leichter.

Wie hatte ich diese Liebe nur vergessen können!

#augustbreak2017 – Stone


Es gibt Plätze, die sich in ihrer Substanz nicht verändern. Natürlich gibt es immer mal eine andere Eisdiele nebenan, neue Reklame oder die Veränderung einer Ladenzeile. Und auch die Mode derer, die über angelegten Wege zwischen den Grünflächen flanieren, wechselt von Saison zu Saison. Mal ertönt Electro aus den mitgebrachten Bluetooth-Boxen, mal orientalische Musik aus den Lautsprechern beim Stadtfest. Doch all das findet auf ein und demselben Platz statt, der heute noch genauso aussieht wie in meiner Kindheit oder der Kindheit meiner Großeltern. Stein ist beständig.

#augustbreak2017 – Lavender

Lavendel ist der Duft meiner Großmutter. Sie roch immer nach teuren, reichhaltigen Cremes, hatte Lavendel in ihren Vorgarten gepflanzt und kleine Säckchen mit getrockneten lila Blüten in ihrem Kleiderschrank. Auf ihrer Fensterbank pflegte sie hinter dicken, gehäkelten Vorhängen ihre Orchideen und ansonsten saß sie mit Vorliebe in einem übergroßen Sessel, klappte mit einem Griff die Beinstütze hoch und streckte die Füße aus. In Mühle und Halma war sie nahezu unschlagbar und bei „Stadt, Land, Fluß“ wusste sie im Schlaf für jeden Buchstaben eine passende Antwort. Obgleich sie selbst lieber noch ein Schinkenbrot als ein Dessert aß, versorgte sie mich kübelweise mit Eis und schubladenweise mit Süßkram. In einer winzigen Küche kochte sie Unmengen an Hausmannskost und der Geschmack ihres Sauerbratens liegt mir bis heute auf der Zunge.

#augustbreak2017 – Where I live

Ein seltener Moment der Entspannung, als das Flugzeug die Wolkendecke durchbricht. Die Welt von oben sehen. Abstand nehmen. Unterwegs nach ganz weit weg. Das eigene Leben für einen Moment hinter sich zurücklassen, bis man sich daran erinnert, dass es ja doch in einem steckt. Man nimmt sich selbst überallhin mit, das wusste schon Seneca. Und doch, das sichere Gleiten des Flugzeugs beruhigt und für einen winzigen Augenblick fühle auch ich mich ein wenig leichter. Ein Moment, um darin zu leben.

#augustbreak2017 – Gold

Golden der Ehering meiner Urgroßmutter. Ich bekam ihn nach ihrem Tod zusammen mit den wenigen anderen Gegenständen, die ihr wirklich etwas bedeuteten. Das Bild, das sie sich, als sie aus ihrem Haus vertrieben wurde, noch unter den Arm geklemmt hatte. Die kleine goldene Uhr an der Kette, die sie immer in ihrer Westentasche getragen hatte. Und eben der Ehering, der nun an einer schmalen Goldkette in meiner Schatzkiste liegt. Es wäre seltsam, ihn am Finger zu tragen, aber noch seltsamer, ihn wegzuwerfen oder zu vergessen.

#augustbreak2017 – Morning

Eines der ersten Dinge, die ich zur Zeit am Morgen mache, ist ein Selfie. Ja, ein Selfie. Ich mag Selfies nicht. Ich finde es seltsam, auf Instagram seitenweise Bilder derselben Person anzuschauen. Ich finde all die „duckfaces“ irritierend und verstehe auch nicht, wieso Menschen Kurse besuchen, um mit dem Handy „the best angle“ von sich zu knipsen, die Schokoladenseite, wodurch alle Bilder gleichermaßen vorteilhaft und vor allem gleichermaßen gleich aussehen. Doch vor wenigen Wochen tat es einen ziemlichen Schlag in meinem Leben. Und nun ist eine meiner ersten Handlungen am Morgen der Griff nach dem Smartphone. Ein Doppelklick. Ein Bild. Der Versuch, den Phoenix aus der Asche zu dokumentieren.

#augustbreak2017

Ja, ich versuche es. Nicht jeden Tag und sicher nicht so fleißig wie beim #augustbreak2016, eher als Teil dieses großen Lernprozesses, meinen Anspruch an mich selbst etwas herunterzuschrauben. Susannah hat wie jedes Jahr Stichwörter vorgegeben und sollte mir etwas zu ihnen einfallen, werde ich hier ein paar Zeilen schreiben. Mal sehen, wohin die Reise geht!

Wettlauf

Wenn das Leben so schnell rennt, dass du nicht mehr mithalten kannst: Der Asphalt unter den Füßen, die quietschenden Schuhe, der Mensch im Trikot vor dir. Keuchend läufst du hinterher und siehst irgendwann nur noch Staub, als deine Beine dir den Dienst verweigern. Völlig aus der Puste hältst du dich an der Straßenlaterne fest. Dein Herz klopft dir bis zum Hals und kleine Schweißtropen fließen über deine Stirn. Du atmest tief ein, ziehst den Sauerstoff durch Mund und Nase und hörst dem Herzklopfen zu. Das Leben pocht in dir und so hast den Blick längst von deiner Laufstrecke abgewandt. Soll sie doch ohne dich rennen, diese verrückte Welt. Soll sie dich in ihrem Um-sich-selbst-Kreisen mittragen, denkst du plötzlich, und drückst die Hände auf den Boden.

5 Jahre „Preach it, Baby!“

WordPress gratuliert meinem Blog und mir heute zum 5. Jahrestag und das ist doch einen Blogpost wert. Immerhin sind wir schon ein bisschen wie ein Liebespaar, mein Blog und ich. Von der Verliebtheitsphase (ich denke ständig an dich und will dir am liebsten alles sofort erzählen) über die symbiotische Pärchenphase (wir unternehmen alles gemeinsam) haben wir bis hin zu Phasen des Rückzugs und der Distanz (ich mache das lieber mit mir selbst aus) oder des Fremdflirtens (andere Blogs haben auch schöne Augen schöne Texte) schon einiges durchgemacht. 318 Begegnungen sind dokumentiert, in diesem Jahr sind es gerade mal 20, was zeigt, dass wir wohl derzeit eher nebeneinander her leben.
Für meine treuen Leser*innen habe ich ein paar Auszüge aus den letzten fünf Jahren zusammengestellt:


[Erster Header im Juli 2012]

Glück
Das ist nicht wie rosa Zuckerwatte, klebrig und süß
Glück ist wie ein Pfennig, gefunden in der Straßenrinne
verschmiert und dreckig, doch für den Finder von Wert
fast wäre er in den Gulli gerollt, doch da liegt er, klein und stumm
und ich hab ihn noch gesehn
[Gebloggt am 22.01.2013]

Liebeserklärung an den Sommer
Endlich ist der Sommer da und wie sehr genießen wir ihn!
Wir tragen kurze Shirts und darunter den Bikini, setzen uns die Sonnenbrille keck in die Haare und gehen Eis essen, ins Freibad oder an den See. Oder aber wir liegen einfach nur faul im Garten und essen Wassermelone und Erdbeeren.
[Gebloggt am 16.06.2013]

Curriculum Vitae
Und ich?
Ich stelle fest, dass ich zu alt geworden bin, um mich herauszureden.
Zu sehr ich selbst, um noch zu beschwichtigen.
Ich habe zu viel hinterfragt, zu viel dekonstruiert, um an dein Luftschloss noch glauben zu können, oder vorzugeben, dass ich es mit dir teilen würde.
Vor weniger als einem Augenblick stand ich noch in einem Raum mit zehntausend offenen Türen. Doch jetzt und heute sehe ich, ich bin längst durch meine eigene Tür hindurchgegangen.
Und ich gehe nicht zurück.
[Gebloggt am 25.08.2013]

Riesenrad fahren.
[Gebloggt am 29.04.2014]

Da drückte er mir einen Kuss auf die Wange und sagte nur: Entscheidend ist doch, wer du in Gott bist. Wer du für Gott bist. Was er über dich denkt. Darauf kommt es an.
[Gebloggt am 29.06.2014]

 

Unausgesprochen
aus der Reihe: Tonspurexperimente, die ich gern mal weiterführen möchte.
[Gebloggt am 30.05.2015]

Worte wie Luftballons
Viel zu oft schreibe ich für dich.
Ich sehe Bilder und lese Zitate und setze sie wie ein Mosaik für dich zusammen. Ich bilde ein Kunstwerk vor deinen Augen, es ist mein Werk und natürlich nicht meines allein, es gehört auch ihm und ihr und dem Mädchen, das ich neulich im Bus sah. Dennoch blitzt immer wieder etwas darin auf, das nur für dich ist, ich reiche dir die Hand in meinem Schreiben, unsichtbar strecke ich sie aus, meine Fingerspitzen berühren dich beinahe, ein Bild, ein Wort, der Wind trägt es mit sich in eine andere Welt, und dann ist der Zauber auch schon wieder vorbei, verflogen, bis ich irgendwann neue Wörter und Leerzeichen wie Luftballons in den Himmel aufsteigen lasse. Direkt vor deinen Augen fliegen sie los und auch wenn du die angehängten Karten niemals findest, sind sie doch allein für dich bestimmt.
[Gebloggt am 14.06.2016]

#augustbreak 2016
[Gebloggt am 03.08.2016]

Also, wenn ihr mich sucht: Ich bin abgetaucht / im Pool / in meine Urlaubslektüre versunken / beim Essen / auf einem Road Trip quer durch Istrien / mit dem Einkauf von Schnaps beschäftigt / Boot fahren / den Sommer genießen.
[Gebloggt am 28.08.2016]
 

Gemeinsam einsam
Der Himmel ist blau und leuchtet.
Ich lerne, dass meine Isolationsgefühle völlig normal sind. Das Gefühl, am Ende allein zu sein, ist weder neu noch erschreckend (auch wenn es mich umhauen, lähmen und stundenlang betrunken auf dem Sofa zurücklassen kann). Im Gegenteil, das Gefühl ist vertraut und bekannt, und ich kenne diese spätmoderne Gesellschaft viel zu gut, als dass ich noch Angst davor hätte, es in einem Gespräch messerscharf zu benennen. Vielleicht kenne ich auch nur die Literatur, die Frage hat ihre Berechtigung, doch in jedem Fall wurde ich noch nie enttäuscht, es folgten stets ein Nicken und ein verständnisvoller Blick. Ich studiere Literatur- und Kulturtheorie im Master, zu irgendwas muss dieser Studiengang ja gut sein, denke ich gerade.
[Gebloggt am 31.01.2017]

Es war nicht ganz leicht, aus der Vielzahl der Texte, Töne und Bilder auszuwählen, drum lade ich euch ein, gern in den verschiedenen Kategorien meines Blogs zu stöbern! Ich habe dabei gerade festgestellt, dass ich mittlerweile sehr viel ‚ausgewählter‘ blogge als früher und dass mir dadurch manche kreative Dynamik verloren geht. Ich habe große Lust, wieder bei einer Bloggeraktion mitzumachen, da die Stichworte helfen, manches Rohe und Unfertige zur Sprache zu bringen. Wir werden sehen, was sich so anbietet.

Genießt den Sommer, meine Lieben! Und lasst mal was von euch hören!

10 spontane Erkenntnisse aus 30 Jahren

Dieser Beitrag wurde motiviert durch Anne von anny-thing.de

1. Lass die Finger von Haschkeksen!
2. Sei gnädig mit deinem jüngeren Ich. (Es ist in Ordnung, Gelegenheiten zu verpassen.)
3. Meide den Vergleich. (Und meide Menschen, die dir den Vergleich aufzwingen.)
4. Das Leben ist zu kurz, um nicht nach Neigung zu studieren. (Das Leben ist nicht zu kurz, um nochmal neu anzufangen.)
5. Gebet ist wie Atmen. (Einfach. Natürlich. Lebensnotwendig.)
6. Sex wird überbewertet und Intimität unterschätzt.
7. Gib Lebensmitteln und Gerichten, die du nicht magst, eine zweite Chance. (Und in fünf Jahren eine dritte.)
8. Wenn du dir unsicher bist, benenne das Offensichtliche. (Nur weil es für dich offensichtlich ist, muss es das nicht auch für andere sein.)
9. Jeder Mensch freut sich über Postkarten und kleine handgeschriebene Briefe. (Schreib mal wieder. Trau dich. Auch wenn nichts zurückkommt.)
10. Wenn du auf eine Hochzeit gehst, bei der es erst abends deftiges Essen gibt, dann frühstücke ausreichend. (Oder pack dir ein Vesper ein.)