#augustbreak2016 – Red

09_redRot wie das Blut wie das Leben.
Rot wie die Leidenschaft.
Rot wie die Liebe.
Meine Liebe ist nicht rot.

Rot schreit „Hallo, hier bin ich!“ und „Achtung!“.
Rot ist das Feuer, das alles verzehrt.
Rot ist kraftvoll.
Rot ist Kitsch.

Meine Liebe ist blau.

Blau wie der Himmel, an dem die Wolken mal stürmisch, mal heiter vorüberziehen.
Blau wie das Meer, das Undurchdringbare, das sich beständig verändert.
Blau heißt Weite und Tiefe. Unaufdringlich. Einfach da.
Blau heißt Freiheit.

Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer. (Konfuzius)

Intimität

Die Wirklichkeit eines anderen Menschen liegt nicht darin,
was er dir offenbart, sondern in dem, was er dir nicht offenbaren kann.
Wenn du ihn daher verstehen willst, höre nicht auf das, was er dir sagt,
sondern vielmehr auf das, was er dir verschweigt.
— Khalil Gibran

Intimität – schon eine ganze Weile lässt mich der Begriff nicht los, hat sich an mich gehängt und taucht immer wieder in Gedanken und Zitaten auf. Auf meinem Tumblr habe ich einige Kommentare gesammelt, die zum Ausdruck bringen, wie wenig Intimität mit Partnerschaft, Körperlichkeit und Sex zu tun hat. Intimität bedeutet, sich selbst zu zeigen. Es bedeutet, einen anderen Menschen ins eigene Innen blicken zu lassen, sich verwundbar zu machen und doch auch Vertrauen zu haben, dass das Gegenüber mit wohlwollenden und liebenden Augen auf einen schaut. Es geht nicht um eine Nacktheit des Körpers, sondern vielmehr um eine Nacktheit der Person. Einen anderen Menschen an seinen Ängsten, Träumen, Sehnsüchten teilhaben lassen, das erfordert Mut und Vertrauen. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig, es kann ein Blick sein, ein Nebensatz, eine leise Berührung, ein unausgesprochenes Wort, dessen Bedeutung der andere erkennt. Ein leichtes Nicken, ich habe dich gesehen, verstanden, ich fühle mit dir. Ich weiß, wer du bist.

You can talk with someone for years, everyday, and still, it won’t mean as much as what you can have when you sit in front of someone, not saying a word, yet you feel that person with your heart, you feel like you have known the person for forever…. connections are made with the heart, not the tongue.
― C. JoyBell C.

Eine intime Begegnung braucht nicht einmal viel Zeit. Es ist mehr so, dass beide Menschen im selben Moment darauf eingestellt sind. Wenn die entscheidende Geste getan, die Worte gesagt und der Moment als solcher erkannt wurde, braucht es nicht mehr. Jedes Geschwätz ist unnötig, wir können uns fallen lassen in diesen Moment hinein, solange wir es aushalten können, und dann stehen wir da und schauen uns an oder nicken uns zu und alles ist gesagt und getan.

Der Mensch, dem wir begegnen, er ist nicht Sehnsuchtserfüller, obwohl wir in dem Moment unsere Sehnsucht so intensiv spüren mögen wie nie zuvor. Er ist kein Lückenbüßer für unsere einsamen Nächte oder Seelenstreichler für unsere Minderwertigkeitskomplexe. Er ist wahrhaft ein eigenes Gegenüber, das wir nicht brauchen, das uns aber doch geschenkt ist.

Intimität bewegt sich zwischen Bindung und Autonomie. Es geht nicht um Verschmelzung, sondern darum, als eigenständiger Mensch wahrgenommen zu werden und gleichzeitig doch mit jemandem verbunden zu sein. Die Balance zwischen diesen beiden grundlegenden Bedürfnissen zu wahren, kann einem wie ein Drahtseilakt vorkommen und doch gibt es Augenblicke, in denen uns dieser Seiltanz mit Leichtigkeit gelingt.

So trifft man im Leben immer wieder Menschen, mit denen alles ganz klar ist. Ja, da ist ein Weg, den man gemeinsam gehen wird. Da ist eine Ebene, die es uns leicht macht. Es sind nicht nur die Menschen, bei denen man nach Jahren anruft und es ist, als hätte man sich erst gestern getroffen. Diese Freundschaften gibt es und sie sind schön und besonders, und doch es gibt noch mehr als das. Es sind die Menschen, die man nach Jahren wiedersieht und mit einem Blick kennt man die Wahrheit. Die Menschen, mit denen man sich jede Woche trifft und zwischen Abwasch, Küchenschürze und Nachmittagstee die großen Träume sieht. Es sind Augenblicke am Telefon, wenn man aufhört zu plaudern und nur eine Frage stellt.

Es sind die Menschen, die das Ungesagte verstehen.
Für sie lohnt es sich, gelegentlich die eigene Deckung aufzugeben und sich auf Intimität einzulassen.

Meine Werte: Verbindlichkeit

In diesem Beitrag habe ich schon angekündigt, dass ich eine Reihe über Werte machen möchte. Als Werte bezeichne ich dabei Eigenschaften und Verhaltensweisen, die mir persönlich wichtig sind. Meine Sammlung ist also völlig subjektiv und ich will auch gar nicht anfangen, das irgendwie zu gewichten oder zu sortieren. Vielmehr beschreibe ich frei Schnauze, was mir am Herzen liegt. Wichtig ist noch zu sagen, dass ich hier meine eigenen Ideale beschreibe, die ich versuche, so gut ich es kann, umzusetzen. Es braucht also keiner zu denken, dass ich ein Übermensch bin und das alles immer genauso hinbekomme, wie ich es gern hätte.

Verbindlichkeit

Wie oft habe ich die folgenden Sätze schon gehört? „Keiner will sich mehr festlegen.“, „Alles ist so unverbindlich geworden“, „Heute hier, morgen dort“, „Wieso können mir die Leute nicht zu meiner Party zusagen?“, „Man kann ja heutzutage echt gar nix mehr planen .“

Ich will euch sagen: Ich kann diese Jammerei nicht mehr hören! Ich finde das Beklagen der Unverbindlichkeit bei anderen sogar noch schlimmer und nervtötender als deren tatsächliche Unverbindlichkeit.

Mit Zygmunt Bauman gesprochen (ha! Wie schnell ich das doch hier anbringen kann!) leben wir in einer fluiden Moderne, in der sich die Dinge „verflüssigen“. Es gibt eine Pluralität an Normen, nicht mehr das eine große Ziel, das man gemeinsam erreichen möchte und für das man persönlich auch mal zurücksteckt. Im Gegenteil heißt die Ansage heute: Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung. Menschen sind überfordert mit einem Übermaß an Möglichkeiten und legen sich tatsächlich nur noch ungern fest. Die meisten Entscheidungen werden danach getroffen, was einem zu noch mehr Möglichkeiten verhilft. (Hab ich bei der Wahl meiner Studiengänge auch nicht anders gemacht.)

Im zwischenmenschlichen Bereich kann diese Tendenz zur Unverbindlichkeit für einigen Ärger und Enttäuschung sorgen. Doch wie ich schon schrieb, wir wollen nicht darüber jammern und uns beklagen – angesichts des strukturellen Hintergrunds bzw. der gesellschaftlichen Entwicklung ist das meiner Meinung nach verschwendete Zeit und Energie.

Da ich andere Menschen nicht ändern kann, sondern nur mich selbst (auch so eine Binsenweisheit!), habe ich für mich persönlich entschieden, Verbindlichkeit als einen hohen Wert anzusehen und in meinem Leben entsprechend umzusetzen.

Verbindlichkeit bedeutet für mich, sich an die eigenen Aussagen gebunden zu wissen.
Ich sage nichts zu, was ich nicht auch einhalten kann und will. Ich möchte zuverlässig sein. Damit das funktioniert, muss ich meine eigenen Zusagen ganz bewusst treffen. Dies erfordert von mir die Bereitschaft, mich auf eine Sache festzulegen (und damit zu leben, dass ich andere Sachen dann nicht machen kann). Anfangs kann das schwierig sein, doch je länger ich den Wert der Verbindlichkeit einübe, desto leichter fällt es mir. Ich fühle mich freier und zufriedener.

Ein beliebtes Thema bezüglich Verbindlichkeit sind Terminvereinbarungen.
Wenn ich Einladungen und Anfragen bekomme, schaue ich, ob ich Zeit habe und treffe eine Entscheidung. Passt es mir oder passt es mir nicht? Willst du mich zum Beispiel am Donnerstag Abend zu einem Vortrag einladen, dann kann ich dir gleich absagen, weil ein anderer Termin im Kalender steht (Entscheidung getroffen, Sache erledigt, kein Nachdenken mehr!). Möchtest du hingegen mit mir am Freitag Nachmittag einen Kaffee trinken gehen, spricht laut Kalender nichts dagegen. Dennoch werde ich erst schauen, wie viele Termine ich rundherum habe. Wenn die Gefahr besteht, dass ich den Termin nicht einhalten kann (z.B. weil ich weiß, dass meine ganze Woche sehr anstrengend ist), schlage ich besser einen Alternativtermin vor (auch wenn der erst in 2 Wochen liegt!). Wenn ich dich treffe, dann möchte ich für dich auch Zeit haben.

Sicher kann es passieren, dass ich mir bei der Anfrage noch unsicher bin oder zuvor etwas abklären muss. Um jedoch einen überfüllten Terminkalender mit lauter ???-Terminen zu vermeiden, werde ich dir einen Zeitpunkt nennen (und einhalten!), an dem ich ihm definitv zu- oder absagen werde.

Ist ein Termin einmal zugesagt, dann halte ich ihn ein.
Diese Festlegung erleichtert mir das Leben. Ich kann weitere Anfragen direkt absagen und du kannst dich darauf verlassen, dass ich auch tatsächlich mit dir Kaffee trinken gehe, selbst wenn noch eine Geburtstagseinladung reinkommt. Natürlich kann es auch sein, dass ich einmal einen Termin verschieben möchte. Für mich gilt aber in diesem Fall: Das Abgemachte hat Priorität. Bedeutet ein Alternativtermin für dich nur Stress, hat unsere Verabredung Vorrang.

Diese Haltung ist dem anderen und mir selbst gegenüber wertschätzend. Wenn ich weiß, dass ich den Termin auch einhalten werde, kann ich mich bewusst darauf freuen. Ich werde mich selbst nicht sabotieren und mir diese Freude kaputt machen. Auch möchte ich die Vorfreude des anderen nicht durch eine kurzfristige Absage zerstören.

Es ist ein Irrglaube, zu denken, durch eine Festlegung verliere man an Freiheit.
Das Gegenteil ist der Fall: Ich gewinne an Klarheit und bin frei, mich ganz auf eine Sache einzulassen (ohne zig Alternativen im Hinterkopf zu haben!). Ich kann ganz den Moment erleben (womit wir auch wieder bei einem Merkmal der fluiden Moderne wären: Leben im Hier & Jetzt). Meine Zeit ist mir wertvoll, daher plane ich auch ausreichend für mich selbst ein. Es gehört für mich zu einem verantwortungsvollen Umgang mit mir selbst und anderen, die eigenen Bedürfnisse und auch die Vorbereitungszeit auf bestimmte Termine so gut wie möglich abzuschätzen und entsprechend zu planen.

Und wenn es doch mal schief geht?
Dann reißt dir keiner den Kopf ab! Was ich hier beschreibe, ist in erster Linie eine Frage der Haltung. Es ist eine Absicht, ein Einüben und sich langsam dran gewöhnen. Wenn du dich daran versuchen willst, dann geht das nur Schritt für Schritt. Beim nächsten Termin, der kommt. Oder beim aktuellen, den du vereinbart hast und bei dem du nun grübelst, ob das denn so klug war. Ich bin selbst noch am Üben und stelle immer wieder fest, wo ich mich vielleicht übernommen habe. Daraus versuche ich für das nächste Mal zu lernen. Kein Mensch ist perfekt und wir werden es auch nicht! Aber wir können uns HEUTE für diesen Wert entscheiden.

Ich für meinen Teil lebe sehr gut damit – und bin gespannt auf deine Meinung!
Schreib mir gerne einen Kommentar!

#3 Heiraten

AltarDas Ja-Wort
Ich sage Ja zu dir in guten wie auch in schlechten Zeiten.

Ich will dich lieben, achten und ehren und dir stets die Treue halten.
Meine eigene Kraft und Liebe haben ihre Grenzen.
Darum bitte ich Gott um seinen Schutz und Segen.
Jetzt und für immer.

Gäbe es nicht #3 auf meiner 14-Punkte-Liste, so würde ich diesen Beitrag wohl nicht schreiben. Natürlich ist Heiraten etwas Öffentliches, etwas, das alle Welt erfährt und das sich weder verheimlichen lässt noch verheimlicht werden will. Doch zugleich ist es etwas sehr Persönliches, einander das Ja-Wort zu geben.

Der Liebste und ich haben in diesem Sommer diesen Schritt getan und nach dem förmlichen Akt im Standesamt Gott um seinen Segen für unsere Ehe gebeten. Viele Monate der Vorbereitung fanden ihr Ziel und ihren Höhepunkt im Erleben eines Tages, unserer Hochzeit. Freunde und Familie waren von überall her gekommen, um diesen Tag mit uns zu feiern, Gott um seinen Segen für unsere Ehe zu bitten und uns ihre Glückwünsche und Gratulationen zu überbringen.

Das Fest – ein Freund beschrieb es mit den Worten „unkonventionell & unvergesslich“ – war anders als erwartet und w u n d e r s c h ö n. (Ich glaube, es ist unmöglich, sich diesen Tag im Voraus mit all den Gästen wirklich vorzustellen.)
Ich bin sehr dankbar für diesen Festtag, für Freunde & Familie und vor allem für meinen Mann.

Frisch verheiratete Grüße
Mathilda

One Night Stands oder der Dispo der totalen Liebe

Man beachte die Diskussion im Kommentarbereich – hilfreiche Gedanken! Danke an alle, die sich beteiligt haben!

Was für eine Art von Sex hat man bei einem One Night Stand?

Nein, ich schreibe diesen Beitrag nicht, um meine Anzahl der Klicks zu erhöhen – auch wenn ich neulich auf die Frage einer Freundin, wodurch ich mehr Leser bekommen könnte, antwortete: Ich müsste mehr über Sex schreiben, mehr über mich persönlich oder mich auf ein bestimmtes Thema spezialisieren – ich versichere euch, so wenig dieses Blog ein rein missionarisches Christending werden wird, so wenig wird es ein Erotik- und Sexblog werden.

Möglicherweise runzeln die meisten Leser sowieso schon mit der Stirn und fragen sich, wie man so eine selten dämliche Frage stellen kann. „Bei einem One Night Stand hat man natürlich ganz normalen Sex, was denn auch sonst.“ Doch mir geht es da wie Dexter, der vor einigen Monaten seinem Unverständnis gegenüber offenen Beziehungen Luft machen musste… ich sehe immer noch ein großes Fragezeichen vor mir.

Was für eine Art von Sex hat man mit einer Person, die man erst sehr kurz kennt? Auch wenn sich ein Mindestmaß an Vertrauen irgendwie aufbauen lässt, wie kann Sex da tatsächlich zu einer tiefen, berührenden Erfahrung werden? Wie kann es etwas anderes sein als bloß oberflächlich ausgetauschte Zärtlichkeiten, bei denen man aufpassen muss, nur so viel Emotion zu entwickeln, wie sich danach auch wieder gut wegpacken lässt?

Ich saß lange Zeit der irrigen Gleichung auf, die Anzahl der Menschen, mit denen man Sex hatte, würde die Menge an Erfahrung ausmachen. Wie unsinnig diese Überlegung war, wurde mir erst dann bewusst, als ich über genau diesen Erfahrungsbegriff nachzudenken begann. Und mich zu fragen begann, wie diese schnelle Art von Sex, egal mit wieviel Partnern, jemals mehr als ein, zwei Arten der Erfahrung ausmachen konnte.

Vielleicht denke ich Sex aber auch zu sehr von einer Beziehung her. Von tiefem Vertrauen zwischen zwei Menschen, welches erst den Boden für Zärtlichkeit, Härte, Spiel, Lust bieten kann. Ich schreibe das nicht als hoffnungslose Romantikerin, die sich keinen Sex ohne Liebe vorstellen kann. So naiv und einfältig sind meine Gedanken dann auch wieder nicht. Aber wie befriedigend ist die reine Befriedigung? Bleibt Sex mit verschiedenen fremden Personen am Ende Sex mit einer einzigen Unbekannten? Ist Erfahrung möglich ohne Hingabe? Hingabe ohne Vertrauen?

Ich kann mir eine große Anzahl an Gründen für One Night Stands vorstellen. Ich frage mich allerdings, ob One Night Stands einem wirklich neue Erfahrungen bringen. Oder ob meine Prämisse komplett falsch ist, und es gar nicht um Erfahrung und Erleben, um Tiefe und Leidenschaft geht. Möglicherweise ist die Oberfläche sehr viel angenehmer, seichter, einfacher. Und der am Erleben orientierte Rest kann sich dann via Onlineplatform geplanten Sexdates zuwenden, um sicherzugehen, dass er seine Fantasie auch tatsächlich ausleben kann.

Für einen Blogbeitrag sind diese Überlegungen fast zu rudimentär. Ich will es dennoch wagen, auf „Publizieren“ zu klicken und meine Gedanken mit euch zu teilen. Bitte versucht wirklich, meine Fragen zu verstehen, bevor ihr eine Antwort in die Kommentarsektion tippt. Noch dankbarer als für Antworten bin ich im Übrigen für ein Umformulieren und auf den Punkt bringen meiner Fragen…

PS. Zur Überschrift: Die Wendung „Dispo der totalen Liebe“ stammt aus dem Lied „Begrabt mein IPhone an der Biegung des Flusses“ von PeterLicht, wird dort jedoch in einem anderen Zusammenhang gebraucht.

Sonntagsgedanken*

Es ist schwierig, wieder und wieder nach ein und demselben Sachverhalt in meinem Leben beurteilt zu werden. Ich liebe einen Mann, der meine Glaubensüberzeugung nicht teilt und wohne mit ihm ohne Trauschein zusammen. Damit habe ich für viele meiner Glaubensgenossen gleich zwei Sünden mit einer Klappe geschlagen und das Gespräch auf Augenhöhe ist beendet.

Für meine nichtchristlichen Leser muss das ein denkbar schlechtes Bild vom Leben mit Gott vermitteln, was mir ausgesprochen leid tut. Ich hoffe, dass es mir gelingt, zwischen menschlichen Urteilen und einer persönlichen Beziehung zu Gott hier eine klare Linie ziehen zu können. Denn ich komme nicht umhin, diese für mich schwierigen Erfahrungen auch in meine Blogposts einzubeziehen.

Ich möchte hier nicht theologisch argumentieren, warum ich es ganz in Ordnung finde, so zu leben, wie ich es tue, und warum ich auch glaube, dass Gott sehr gut damit leben kann und weiterhin auch sehr gerne in mir lebt. (Vielleicht sollte ich das in einem Folgebeitrag mal tun…)

Heute geht es mir darum, dass mir dieser identity marker der „sexuellen Reinheit“ das Leben im Leib Christi ziemlich erschwert. Ich kann kaum zählen, wie viele Diskussionen und Predigten ich darüber gehört habe, dass man als Christ vor der Eheschließung sexuell enthaltsam leben soll. (Die Frage danach, ob man einen Nichtchristen als Partner wählen sollte, wurde – neben einem Zitieren des Verses „Zieht nicht an einem Joch mit den Ungläubigen“ – auch schnell abgearbeitet: Welcher Nichtgläubige würde sich schon auf diese Enthaltsamkeit einlassen?)

Da die Sexualität des Menschen ein Thema mit enormer Spannung, Eigendynamik und Kraft ist, ein Urthema des Menschseins und vermutlich auch einfach ein Feld, in dem man sich erst einmal zurecht finden muss und dafür seine Zeit braucht, wird in manchen Kreisen das sexuelle Verhalten eines Menschen zum Dreh- und Angelpunkt seiner gelebten Frömmigkeit. Und hier sind wir auch schon am Knackpunkt:

Ich führe Gespräche mit Christen, die mich nicht kennen, und weiß genau, dass ich meine Beziehung und Wohnsituation dabei besser ausblende. Ich merke förmlich das Zucken und Umschalten im Gehirn des Gegenübers, wenn klar wird: „wohnt mit Freund zusammen“. Nein, zur Gruppe der wahrhaft Gläubigen kann ich nun nicht mehr gehören. Eine Zeit lang habe ich mich selbst deswegen als „Christ zweiter Klasse“ wahrgenommen, bis mir Gott ganz deutlich zeigte: Das bist du nicht.

Jessica Valenti (eine Feministin, die man in christlich-konservativen Kreisen sowieso nicht lesen sollte… ok, ich spotte) zeigt in ihrem Buch „The Purity Myth“ sehr schön auf, wie schwierig es ist, überhaupt eine Definition für die angestrebte Reinheit und Jungfräulichkeit zu finden. Daran anschließend muss ich fragen: Wo ziehen wir die Grenze zwischen „rein“ und „unrein“? Sind wir uns bewusst, dass das Ideal, nach dem wir uns ausrichten, ein rein gedachtes ist, dem weder wir noch ein anderer jemals entsprechen kann? Und wenn wir dennoch daran festhalten – wollen wir tatsächlich den Grad der äußerlich sichtbaren Erfüllung zum Hop-oder-Top-Maßstab über den gelebten Glauben unseres Gegenübers erheben?

Aber es ist ja so viel einfacher, feste Kriterien zu haben. Ich weiß, wie liebend gern wir in schwarz und weiß denken. Drinnen oder draußen. Gerettet oder verdammt. Mir fällt es nur so enorm schwer, diesen Umschwung in den Gesprächen gebacken zu kriegen. Wenn ich zunächst noch als „Schwester im Herrn“ wahrgenommen werde und für die Arbeit, die ich tue, so viel Wertschätzung spüre, so viel Verbundenheit und Gemeinschaft – und meine holprigen Worte, auf Nachfrage geäußert, einen Keil hinein treiben und ich die Enttäuschung des Gegenübers, die Distanzierung förmlich riechen kann. (Nein, ich bilde mir das nicht ein!)

Wie sehr wünsche ich mir an dieser Stelle einen anderen Umgang miteinander! Einen Umgang, bei dem die Warmherzigkeit und Freundlichkeit eines Menschen beim Erwähnen seiner Lebenumstände nicht abgewertet werden. Bei dem seine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit nicht von einem Moment auf den nächsten an Bedeutung verlieren. Bei dem man nicht fragt: „Warum seid ihr noch nicht verheiratet?“, sondern lieber: „Wie geht es euch in eurer Beziehung? Was schätzt ihr aneinander? Wovon träumt ihr? Wie gestaltet ihr euer Leben zu zweit?“

Ich will dich, mein Gegenüber, für genau das schätzen und akzeptieren, was du bist. Ich höre dir offen und aufmerksam zu, was du mir erzählst und aus deinem Leben mit mir teilen willst. Wer bin ich, darüber zu urteilen? – „Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Der Herr aber sieht das Herz an.“ – Und auch ich selbst möchte nicht in einer Schublade landen, aus der ich frühestens mit der Hochzeit wieder herauskomme.

*Musik dazu, jetzt mit richtigem Link: Brown Feather Sparrow: We have to Run
(Ihr Lieben, weist mich doch bitte darauf hin, wenn meine Links nicht funktionieren!)

Frag mich nicht nach der Liebe

Frag mich nicht nach der Liebe. Du bist der Einzige, dem ich darauf nicht richtig antworten kann. Den anderen erzähle ich von meinem Glück und mache es ihnen schmackhaft, bis sie einen wässrigen Mund kriegen.
Ja, ich bade in der Liebe und freue mich, meinen Liebsten zu haben.
Aber du, du bist da ein grauer Fleck. Eine Nische, die ich für mich geschaffen habe. Natürlich bist das nicht wirklich du. – Wie du wirklich bist, weiß ich nicht. – Nein, es ist nur meine Vorstellung von dir, das Bild, das ich mir von dir gemacht habe, all die Gefühle und Empfindungen, mit denen ich dein Leben gefüllt habe.
Wenn du mir nun die Frage nach der Liebe stellst, dreht es mir den Magen um. Ich möchte alles Glück und alle Schokolade wieder auskotzen, bis ich ganz leer bin. Ich möchte frei sein und ungebunden. Oder unglücklich in meiner Beziehung. Sodass ich mein Herz an dich hängen kann, meiner Sehnsucht Flügel geben und sie zu dir nach Berlin schicken. Dort teile ich mit dir die Dunkelheit und atme ein neues Gefühl.
Ich wiege mich in deinen Armen. Ich drücke meinen Kopf an deine Brust.
Zwei Menschen, die sich nicht kennen, aber sich manchmal doch den Hauch einer Ahnung voneinander geben. Die für einen kurzen Moment waghalsig vertrauen, um sich im nächsten wieder in ihre Geheimnisse zurückzuziehen.
Ja, du bist mein Kohlenstoffatom. Meine Möglichkeit, doch etwas ganz anderes zu werden. Ein anderes Leben zu leben.
Doch ich will nicht mit dir leben, will dein Leben nicht führen und mein Leben nicht teilen. Hier bei meinem Liebsten ist mein Platz. Hier bin ich Prinzessin, Geliebte, Königin. Hier gebe und nehme ich, hier atme ich. Im Einklang schlagen unsere Herzen.
Dir aber will ich das alles nicht erzählen. Du sollst nichts wissen von dieser Liebe. Wie könntest du dann noch der sein, als den ich dich sehen will? Wie könnten meine Gefühle da noch Achterbahn fahren in deiner Gegenwart, wie könnte es kribbeln bei deinem Anblick und deinen Nachrichten, wie könnte ich mir dabei noch wünschen, in diesen Strudel einzutauchen, wenn ich dir eben noch von der tiefen Liebe erzählte, der ich mich längst hingegeben habe?
Wenn ich dir sie auch nur einen Augenblick lang zeigte, wäre die Welt zerstört, in die ich mich so gern flüchte. Ja, ich bin gebunden. Und einen Lewin habe ich zum Mann, keinen Karenin.
Doch was geht es dich an? Was geht es dich an?
Auch in deiner Welt gehen die Uhren nicht rückwärts.
Mein Leben entwickelt sich weiter und deines ebenso und doch möchte ich den Moment der Begegnung zwischen uns konservieren. Ich will ihn festhalten, behalten. Oder zumindest garantieren, dass er beim nächsten Mal wiederkommt.

Zwischen CO2 und H2O

Weil er mir das Leben vor Augen stellt, das ich genauso leben könnte.
Ich bin ein Sauerstoffatom. Ich kann mit einem Kohlenstoffatom reagieren und zu prickelndem, spritzigem, aber auch zerstörerischem Kohlenstoffdioxid werden. Oder ich reagiere mit einem Wasserstoffatom und werde klares, sprudelndes – gewöhnliches – Wasser. Und immer wird etwas von der Möglichkeit, doch etwas ganz anderes zu werden, in mir bleiben.