Sommerabschied und Herbstliebe

Bis zum Schluss hatte ich noch auf ein paar unbeschwerte Tage und ein luftig-leichtes Sommergefühl gehofft. Mein Sommer war hart, tragisch und voller Momente, in denen mich die Zimmerdecke zu erdrücken drohte. Dennoch fiel es mir unerwartet schwer, ihn schließlich gehen zu lassen – wie damals in Frankfurt wollte ich ihn noch einen Moment lang festhalten, noch einen kleinen Sommeraugenblick für mich erhaschen. Ein, zwei Tage hatte es gegeben, mitten im Chaos zwischen den Sorgen aus dem alten Leben und den gerade neu ankommenden, da hatte ich meine Schwimmsachen eingepackt, die Sonnenbrille aufgesetzt und war mit klopfendem Herzen an den See gefahren. Es war der Versuch gewesen, im Wasser kurz Luft zu holen, das Alte abzuschütteln, loszulassen und Kraft für einen Neuanfang zu tanken, dessen Dimension mir in diesen Momenten noch gar nicht klar war. Schließlich jedoch nahm ich mit einer leisen Melodie im Ohr Abschied. Es würde einen anderen Sommer für mich geben, mit Erdbeeren, Sonnenschein und blauem Himmel. Mit Flirren in der Luft, nackten Beinen und Festivalschweiß auf der Haut …

In diesem Zustand traf der Herbst mich an und zog angesichts der Wehmut in meiner Brust ein wenig skeptisch die Augenbraue hoch. „Du? Ein Sommerkind? Seit wann denn das?“, schien sein Blick zu fragen, bevor er mich überschwänglich in seine bunten und raschelnden Arme nahm. Erst zaghaft, dann immer gieriger atmete ich die Herbstluft ein, es gab Luft im Übermaß, sie füllte meine Lungen und machte Kopf und Herz ein wenig leichter.

Wie hatte ich diese Liebe nur vergessen können!

#augustbreak2016 – A secret

12_a secret
Quelle: Excessively Quoted
Zitat: Oscar Wilde – The Picture of Dorian Gray
Kunst: Édouard Manet – Nana

In diesem Sinne verrate ich in diesem Blog ständig kleine Geheimnisse. Ich schreibe darüber, wie ich im Herbst die erste Kastanie finde und wie ich am Morgen eine Tasse Kaffee genieße, welche Spannung in der Luft liegt, wenn ich ohne Geldbeutel, Handy und Schlüssel aus dem Haus gehe und wie ich mir eine Fluchthose genäht habe. Ich versuche, meine Geschichten so zu erzählen, dass sie für mich selbst den Reiz nicht verlieren, dass ich sie weitergebe und ihr Kern dennoch bei mir bleibt. Gelegentlich musste ich die Grenze überschreiten, um festzustellen, dass sie da ist.

Aber Namen verrate ich nicht. Mein Du, an das ich schreibe, ist fiktiv und real zugleich. Das Schreiben bietet mir einen Raum, in dem ich Menschen sagen kann, was ich für sie empfinde, ich nehme die Lupe zur Hand und setze ein Gefühl oder einen Gedanken in einen größeren, erdachten Rahmen. Manchmal wünschte ich, das inspirationsgebende Du würde meine Texte lesen und wissen, dass es gemeint ist. Aber dann gehe ich doch mit Oscar Wildes Romanfigur Basil Hallward und schicke den Luftballon namenlos auf seine Reise.

Herbstzeit

ein Spaziergang im Herbst, Schritt für Schritt raschelt das Laub unter den Füßen, kleine Äste knacken, die Luft ist rein und frisch. Die Hände schon tief in den Taschen, die erste Kastanie fest umschließend setzt du einen Fuß vor den andern. Herbst – Zeit der Ernte, Zeit der Fülle, Zeit der bunten Blätter. Sich nicht satt sehen können, alles aufnehmen wollen, die Augen weit offen, die Wangen gerötet, der Wind bläst um die Ohren, weht über das Gesicht und durch die Haare, ganz als wolle er sagen: Der Sommer ist vorbei, lass ihn gehn, lass los, keine Zeit für Traurigkeit, es kommt auch etwas Neues. Wie gut das tut, den Kopf einmal so richtig frei zu bekommen!

und dann zuhause, du trittst ein, bringst Herbstkälte mit, sie beißt nicht so wie die des Winters, sie macht die Herzen weit und dankbar für die Wärme des Sommers, die Süße der reifen Früchte, die wohlige Wärme des Ofens. In der Hand schon eine heiße Tasse Tee, der Gewürzkuchen duftet aus dem Ofen, du sammelst ein, sammelst deine Schätze, hütest sie wie deinen Augapfel, die Erfahrungen eines weiteren Jahres, das du erleben und auskosten durftest, Erntedank, dankbar für alles und was dich traurig und dein Herz schwer macht, das trägt der Wind hinfort.

Entdeckt im Herbst II

2013-09-29 11.25.27

Kaum veröffentlicht man ein schönes Herbstbild, bekommt man schon weitere zugeschickt – schön! Dieses herbstliche Kastanienherz wurde von meiner allerersten Email-Followerin Mandy entdeckt und geknipst. Ich finde das „Herz im Herz“ mit den kleinen Federn besonders anrührend. Danke, Mandy!

PS. Meine eigene erste Kastanie habe ich dieses Jahr übrigens auch schon gefunden.

Traumhafter Herbst

Der Oktober ist golden und ich kann mich an den Farben gar nicht satt sehen. Das Herbstlaub zieht meine Blicke auf sich und trotz aller Erklärungen aus dem Biologie-Unterricht kann ich nicht mehr als einfach nur die Schönheit dieser Jahreszeit zu bewundern.

Bereits vor einigen Wochen habe ich meine erste Kastanie gefunden. Die erste Kastanie – sie markiert für mich jedes Jahr den wahren Beginn des Herbstes und ist mein großes Glück. Als ich noch ein Kind war, brachte mir mein Vater regelmäßig als Geschenk ein oder zwei Kastanien mit, die er auf dem Weg zur Arbeit gefunden hatte. Diese Kastanien waren meine Schätze – auch wenn wir natürlich mit Schulklasse und Familie haufenweise Kastanien sammelten. In der Werkstatt meines Opas bohrten wir Löcher durch die Kastanien und machten eine lange Kette daraus, mit der wir dann unseren Balkon schmückten.

Heute stecke ich mir immer noch die erste Kastanie, die ich finde, in die Manteltasche. Wenn ich dann auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni oder zu Freunden bin, umschließt meine Hand die glatte Frucht und ich halte sie fest verschlossen. Das ist mein Herbst.