Zwischen den Zeilen (Jahresrückblick 2016)

Zwischen all den Zeilen hier ist viel passiert. Immer mehr Menschen kennen mein Gesicht und die Pseudonymität hat sich langsam, aber sicher überlebt. Größtenteils fühlt sich das gut an, doch manchmal hebt es auch die Hürde für Beiträge und ich spüre die neugierigen Blicke auf meiner selbstgestrickten Wortkleidung.

2016-tumblr

Mein Blog hat sich im letzten Jahr verändert, mit dem #augustbreak2016 von Susannah Conway und dem #lovember der Vorgärtnerin habe ich mir zwei Mal Stichworte ins Haus geholt, an denen ich entlang schreiben konnte. Dabei waren die Fremdvorgaben nicht Last, sondern vielmehr Entlastung: Ich konnte etwas von mir zeigen, ohne selbst den Titel setzen zu müssen.

Alle weiteren Texte waren rar gesäht:

Meinem Beitrag „Es sind immer die kleinen Dinge“ wurde dank Christinas Verlinkung besondere Aufmerksamkeit zuteil, was mich sehr gefreut hat. Die Arbeit an meinem Ahnungen-Zyklus in den drei Monaten intensivster Examensvorbereitung hat mich einiges an Kraft und Nerven gekostet, sodass ich den Zyklus anschließend in meinem Beitrag „Die Perspektive einer Sätzeschieberin“ reflektiert habe. Viel leichter war es da, schöne Draußenbilder zusammenzustellen, gerade weil diese Beiträge für mich meinen textlastigen Blog immer wieder ein wenig auflockern. Im Anschluss an das Emergent Forum habe ich kurz Über Wahrheit und Schönheit. nachgedacht und nun zum Jahreswechsel auch mal eine Predigt von mir eingestellt. Mit meinem Prosatext „Abschiedsgruß“ habe ich wohl einige Leser*innen verschreckt, die mutmaßten, das wäre das Ende meines Blogs. Aber nein, ich habe nicht vor aufzuhören –

Ich habe nur das Gefühl, nicht mehr bloß langsam zu sein, sondern in einem Meer an Ungesagtem zu ertrinken. Zu viele Texte haben es nicht auf diesen Blog geschafft, obwohl sie fertig in der Schublade liegen oder sogar im Print bereits veröffentlicht wurden. Und noch mehr Texte haben es nicht einmal aufs Papier geschafft, blieben irgendwo zwischen Kopf und Herz und Fingerspitzen hängen oder manifestierten sich ausschließlich in meinen berühmten „ein Drittel Gedicht und fünf Schlusssätze“.

Schreiben ist mein Medium. Wenn ich nicht schreibe, dann kann ich nicht loslassen und wenn ich nicht loslasse, dann ertrinke ich (gerade so, wie es Erin in ihrem Gedicht schreibt). Natürlich muss nicht alles auf dem Blog landen, ganz sicher nicht, doch mir scheint, als hätte mich mit dem Durchsichtigwerden meines Alter Ego auch ein wenig ihr Mut verlassen. Und dem will ich 2017 entgegensteuern. Die selbstgesteckten Grenzen überschreiten, die Schere im Kopf zurück in die Schublade legen und Fiktionales ohne Angst vor realen Fragen veröffentlichen. Denn zwischen all den Zeilen hier ist viel passiert.

Auf ein Neues!

#augustbreak2016 – 5 years ago

Das ist nun die Nachspielzeit zum #augustbreak2016, wie die Vorgärtnerin es so schön betitelt hat. Im Gegensatz zu Raph Elle, die gleich ihr ganzes abenteuerliches Jahr 2011 Revue passieren ließ, habe ich mir nur den Sommer 2011 vorgenommen.

Es war ein ganz gewöhnlicher Sommer: Ich fuhr Anfang August aufs Freakstock und saß danach am Schreibtisch und schrieb Hausarbeiten. Mein Mann arbeitete enorm viel und so traf ich mich abends oft mit Freunden. Ein Kommilitone lud mich zu seinem Geburtstag ein. Meine Schwägerin heiratete. Ich begann einen neuen Nebenjob und ein neues Ehrenamt. Und Ende September ging es nach Berlin.

Ein gewöhnlicher Sommer, wie es ihn selten bei mir gab. Stinknormale Semesterferien ohne Umzüge (wie in den 5 Jahren zuvor), größere Praktika/Ferienjobs (wie in den 2 Jahren danach) oder Lernen fürs Examen (die anschließenden 2 Jahre). Semesterferien, in denen es etwas zu tun gab, das aber Tag für Tag auch gut zu schaffen war.

Gleichzeitig veränderte dieser Sommer mein Leben, sodass ich es bis heute merke. Ich denke oft, es braucht diese Ruhe im Außen, damit das Innen hinterherkommt und sich entwickeln kann. Der Sommer brachte mir keine großen beruflichen Veränderungen, keinen Ortswechsel, keine abenteuerliche Reise, keinen Stempel unter meinen Studienleistungen oder meiner Beziehung – doch im Blick auf mich und mein Leben hat er mich nachhaltig verändert.

Inwiefern? Damit das Anskizzierte auch Gestalt bekommt, will ich versuchen, diese Frage zu beantworten und den Balanceakt zwischen persönlich und privat wagen.

Der Sommer brachte mir die Liebe Gottes nah, wie ich es zuvor noch nicht erlebt hatte. Dies hing mit einer einzelnen Predigt auf dem Freakstock zusammen. Wer wie ich christlich aufgewachsen ist, der kennt es vielleicht, wenn man sich bei einer besonderen Veranstaltung, einem Gottesdienst oder im Zeltlager Gott auf einmal ganz nahe fühlt, wenn man eine neue Erkenntnis oder einen geistlichen Durchbruch hat oder überhaupt gerade etwas mit Gott erlebt. Man denkt sich: Ab jetzt wird alles anders. Ab jetzt werde ich „Stille Zeit“ machen/Bibel lesen/beten/nicht mehr über meine Klassenkameraden lästern/allen von Jesus erzählen/… Danach fährt man nach Hause und ein paar euphorische Tage später hat einen der Alltag wieder. Und genau so war es bei mir in diesem Sommer nicht. Auch drei Wochen später schwebte ich noch auf Wolke 7 und der Durchbruch, den ich erlebt hatte, veränderte mein ganzes Denken. Die Botschaft: Gott liebt mich und nimmt mich an, mit allem, was ich bin/habe/denke/tue. Es war also die Erfahrung, die man „Gnade“ nennt.

Und ja, natürlich hatte ich diese Botschaft schon früher gehört, ich war Christ, seit ich denken kann, ich hatte mich bekehrt, ich lebte mein Leben mit Jesus. Aber trotzdem hatte ich – vielleicht gerade aufgrund meiner christlichen Prägung – einen bestimmten Lebensstil als richtig und Gott wohlgefällig ausgemacht und wann immer ich hinter diesem zurückblieb, hielt ich mich für vom Weg abgekommen oder einen Christen zweiter Klasse. In diesem Sommer verstand ich, dass dies allein meine eigenen Maßstäbe waren, die ich häufig von anderen Christen übernommen hatte, und dass sie nichts damit zu tun hatten, wie Gott mich sah und vor allem, wie er mich liebte. Es gibt mit Gott nicht den Plan B für das eigene Leben, sondern Gott geht jeden Weg mit mir mit. Punkt.

Diese Botschaft fiel vor fünf Jahren richtig tief in mein Herz und lässt sich auch nicht mehr herausreißen. Ich fing an, sie in allen Konsequenzen durchzubuchstabieren: Was hieß das für meine Beziehungen, Lebenentscheidungen, für meinen Umgang mit einem bestimmten verhaltensorientierten Christentum, für mein Verhältnis zu mir selbst?

Ein Beispiel dafür ist meine Perspektive auf Körper und Schönheit. Schon einmal schrieb ich in diesem Blog über Schönheitsideale und ich denke, einen wesentlichen Beitrag zu meiner Haltung lieferte mir dieser Sommer. Einige Tage nach Freakstock saß ich nämlich auf meinem Bett und beschloss, nicht mehr schlecht über meinen Körper zu sprechen. Eine einzige, klare Entscheidung ohne Wenn und Aber. Wenn Gott nicht zögert, in mir zu wohnen – mein Körper als sein Tempel, heißt es in der Bibel – wer bin ich dann, dass ich selbst Teile von mir ablehne? Gott nimmt mich an, wie ich bin, also will ich mich auch selbst annehmen. Diese körperbezogene Konsequenz war so wirkungsvoll, wie ich es kaum erwartet hätte, und hatte ganz eigene Folgen, für die ich sehr dankbar bin.

Vieles könnte ich hier noch beschreiben, aber vermutlich genügt es schon, um euch einen Eindruck von diesem lebensverändernden Sommer zu geben. Vielleicht habt ihr auch schon Ähnliches erlebt, wie sich eure Perspektive so ändert, dass es euer ganzes Leben durcheinanderwirbelt, wie ihr hinter die Veränderung nicht mehr zurück könnt und auf einmal so viel freier und glücklicher seid, ohne dass sich im Äußeren etwas verändert hätte. Mir brachte der Sommer vor fünf Jahren jedenfalls eine neue Gottesbeziehung ohne Schuld und Scham, voller Liebe, Gnade und Annahme. Und das wirkte tief in alle Bereiche meines Lebens – bis heute.

Die Perspektive einer Sätzeschieberin

„Überhaupt wandelt das Wortlose in einem Gedicht umher wie in Homers Schlachten die nur von wenigen gesehenen Götter.“ (Klopstock)

Mit diesem Beitrag will ich ein paar Anmerkungen zum Zyklus „Ahnungen“ und daran anschließende Gedanken über das Schreiben an sich loswerden. Im Prinzip ist es eine Reflexion meines eigenen Schreibprozesses.

Alles begann mit „Ahnung I„. Ich hatte einen Gedanken, eine Empfindung im Gemüt und der Titel kam eher daher, dass ich die „Ahnung“ hatte, dass es nicht bei diesem einen Text bleiben würde. Der Titel referierte also sowohl auf meinen antizipierten Schreibprozess als auch auf die inhaltliche Ebene: Mein Ich „ahnte“, dass es einmal ein Gespräch mit dem Du führen würde. (Es ahnte jedoch nicht, dass die eigentlich Überschrift für den Zyklus „Nicht heute. Nicht jetzt.“ hätte lauten müssen…)

Schließlich küsste mich die Muse und „Ahnung II“ entstand. Eigentlich hätte ich in der Unibib einen langen wissenschaftlichen Aufsatz lesen sollen, doch stattdessen griff ich in die Wörterkiste und versuchte, einen ganz bestimmten Moment aufs Papier zu bringen. Ahnung II ist in Ich-Er-Perspektive verfasst, und mit dem Verzicht auf das Du eröffneten sich mir auf einmal ungeahnte Möglichkeiten. Wer meine Texte kennt, weiß, dass ich die Ich-Du-Perspektive liebe, ich mag es nicht, wenn Menschen sich hinter einem „Er“ oder einer „Sie“ mehr schlecht als recht verstecken, da habe ich doch lieber den Mut zu einem erzählenden Ich, lasse eine Facette meiner eigenen Persönlichkeit erzählen oder verstecke mich hinter dem geliebten Alter Ego. Mit der unmittelbaren Anrede an das Du kann ich Dinge extrem präzise formulieren und habe ein direktes Gegenüber, was mir das Erzählen erleichtert. Jedoch ist der Ich-Du-Kanal auch recht eng, ich stelle mich als Schreiberin auf ein festes Gegenüber ein und kann nicht beliebig Charaktere hin- und herschieben. Nun also: Neue Freiheit und Weite! Es machte Spaß, mit die Charaktere auszudenken und mir zu jeder Person eine eigene kleine Geschichte zu überlegen.

Als „Ahnung II“ fertig war, war mir auch klar, dass das Ganze ein Zyklus werden würde. Ich nenne es Zyklus, weil es sich im Kreis dreht. Der Gedanke passt auch dazu, dass Ahnungen an sich wohl nicht zählbar, abgrenzbar sind, dass sie im Grunde zu einer einzigen Ahnung verschwimmen. Die Ahnung dreht sich um sich selbst, in dem Versuch, sich einer Mitte anzunähern. Ich habe fünf Teile geschrieben, von denen „Ahnung III“ das Zentrum, den Dreh- und Angelpunkt bildet. Dementsprechend ist es die Achse, an der sich sowohl Ahnung I und Ahnung V als auch Ahnung II und Ahnung IV spiegeln. Damit hatte ich die symmetrische Struktur im Kopf und war nun gespannt darauf, wie es wohl sein würde, an etwas im Voraus Konzipierten entlang zu schreiben.

Einen Höhepunkt – „Ahnung III“ – zu schreiben ist leicht und schwer zugleich. Man muss einfach nur die Kernaussage dessen, was man sagen will, geballt in Worte fassen. Die eigentliche Arbeit bestand darin, alle unnötigen Sätze wegzustreichen. Dazu konnte ich nun entscheiden, ob mein Ich und mein Du tatsächlich einmal miteinander sprechen würden oder ob es nur darum ging, dem Ich mit Hilfe seines Mantras „Nicht heute. Nicht jetzt.“ einen Entwicklungsschritt – heraus aus der wartenden, hoffenden Haltung – zu ermöglichen. Ich entschied mich, wie ihr selbst lesen könnt, für Letzteres. Damit war dann auch die Katze aus dem Sack, aber die Geschichte noch nicht auserzählt.

Für „Ahnung IV“ durfte ich wieder meine fiktiven Charaktere aktivieren. Als Szene wollte wieder eine Party, doch etwas Zeit verstreichen lassen. Außerdem war es mir wichtig, einen direkten Bezug zu „Ahnung II“ herzustellen, um diese beiden Texte noch mehr zu verbinden. Die Situation, in der sich das Ich befindet, sollte sich nicht wesentliche verändert haben, im Innen intensiviert, im Außen diszplinierter.

Für „Ahnung V“ brauchte ich am längsten, was sich auch am Datum erkennen lässt. Schon ab „Ahnung II“ war ich nach dem Schreiben der Texte jedesmal regelrecht erschöpft, obwohl (weil?) die Texte nicht lang sind, kosteten sie mich enorm viel Kraft, das Finden von Wörtern, das Herumkauen und Herumschieben von Sätzen, das Ans-Licht-Zerren von Empfindungen,… Nun hatte ich studiumsbedingt Prüfungsvorbereitung und wollte mir diese Schreibarbeit nicht unbedingt zumuten. Gleichzeitig musste der Text noch vor meiner Prüfung fertig werden, ich wollte es nicht riskieren, dass mir das Gefühl für den Zyklus abhanden kam. Von „Ahnung V“ existieren mehrere Fassungen, was wohl daran liegt, dass meine Vorstellungen sehr konkret waren: Jeder der vorherigen Texte sollte aufgenommen werden, die Parallele zu „Ahnung I“ musste besonders herausgearbeitet werden, nach meiner Kernaussage aus „Ahnung III“ durfte nichts Neues gesagt werden, und doch: der Text sollte die Gesamterzählung nochmal auf eine neue Ebene heben. Ein hoher Anspruch, den ich da an ein paar Zeilen voll Buchstaben hatte. Doch ich die Muse hatte ein Nachsehen oder mich einfach gern. Bestimmte Sätze flossen einfach aus mir heraus und ich bin froh, dass sie das viele Denken unbeschadet überstanden haben. (An dieser Stelle auch ein Dank an Nimue, die mit mir eine ganze Stunde lang die Vor- und Nachteile eines bestimmten, einzelnen Substantivs erörterte!)

Als „Ahnung V“ publiziert war, schrie ich jedenfalls erstmal laut und befreit auf. Dieser Zyklus war geschafft.

Und ich merke: Ich liebe das Schreiben ungemein. Einmal angefangen, ist es wie ein Zwang für mich und ich lege ein regelrecht obsessives Verhalten an den Tag, was einzelne Wörter und die Struktur von Sätzen angeht. Vermutlich ist das das Auge einer perfektionistischen Leserin. Nun ja, als Jugendliche gehörte ich noch zu denen, die glauben, der erste Entwurf sei der „richtige“ und dürfe nicht verändert werden, da alles andere nicht mehr authentisch und „aus dem Herzen gesprochen“ sei. Heute denke ich, mit einer Anspielung an den Film „Love and other disasters“: „Dein Kunstwerk ist dein Baby – Töte dein Baby!“ Streich die unnötigen Füllwörter, belass es bei einer Andeutung und verlier nie den unsichtbaren roten Faden. Somit suche ich weiterhin zwei Gewichte auszubalancieren: die Überzeugung von der Notwendigkeit des unbarmherzigen Rotstifts und das Wissen, dass die besten Sätze die sind, die einfach passieren.

Schreiben.

Antje hat mich für den Liebsten Award nominiert und stellt Fragen zu meiner kreativen Tätigkeit.
In Anlehnung an Frauke & Lars nenne ich diesen Beitrag einfach mal „Schreiben“ und werde die Fragen darauf beziehen.

Wie war Dein Weg zu Deiner kreativen Tätigkeit bisher?

Irgendwann im Kindergarten Stift und Papier in die Hand und dann mal los. Wann ich tatsächlich mit dem poetischen Schreiben angefangen habe, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Und in Bezug auf die pubertären Gedichte meiner Jugend sollte ich mich wohl besser bedeckt halten.

Ein einschneidendes Erlebnis, das Schreiben als meine kreative Tätigkeit zu sehen, war in jedem Fall ein Schreibworkshop im Rahmen eines Künstlertages für Jugendliche. Dieser Tag fand in einer großen charismatischen Gemeinde statt und wurde zwei Wochen zuvor bei einem christlichen Event durch zwei junge Leute mit viel Tamtam und überhaupt ziemlich durchgeknallt angekündigt (So nach dem Motto „Wenn ihr auch irgendwie anders seid als andere, dann kommt!“ – oder so ähnlich). Spätestens als meine versammelten Freundinnen über die Darbietung der beiden nur die Nase rümpften, während ich selbst jedoch völlig hingerissen war, wusste ich, dass das mein Ort war. In den Schreibübungen an diesem Tag konnte ich auf einmal genau das ausdrücken, was die ganze Zeit schon in mir war – niemand lachte darüber, keiner verdrehte die Augen, ich war unter einem Haufen traumtänzerischer Künstler angekommen.

Was liebst Du an Deiner kreativen Tätigkeit am meisten?

Ich liebe es, zu sehen, wie sich Wörter aneinanderreihen, wie das nachfolgende Wort dem zuvor Gesagten einen neuen Sinn verleiht, wie die Buchstaben auf dem Papier oder Bildschirm aussehen, wie auf einmal etwas da steht, das zuvor nur im Innen, nicht aber in den Gedanken war. Ich mag dieses:

und dieses:

Wie bringst Du Dich in kreative Stimmung?

Ich hoffe natürlich immer auf den Musenkuss und habe in den letzten Jahren festgestellt, dass er mich am häufigsten in meinen Träumen ereilt. Ich gehöre zu den Menschen, die sich morgens meist an ihre Träume erinnern können, und wenn ich besonders intensiv träume, begleitet mich die Stimmung des Traumes noch in den ersten Stunden des neuen Tages. Greife ich dann einen Moment, eine Szene oder ein Gefühl heraus, braucht es oft nur einen ersten Satz und los geht’s. In meine Texte baue ich manchmal ganze Traumsequenzen ein, meist sind die Traum-Momente aber nur der Ausgangspunkt, auf dem dann eine eigene, neue Geschichte wachsen kann.

Ansonsten helfen bei mir Bleistift und schönes Papier, handliche Notiz- und Tagebücher oder auch mal die leere Beitragsmaske auf dem Blog-Dashboard. Es braucht einen Platz, auf dem sich die Gedanken niederlassen können. Musik ist nur bedingt hilfreich, besser sind Ruhe und eine Tasse Tee.

Wo und wie lernst Du Neues dazu für Deine kreative Tätigkeit?

Lesen. Lesen. Lesen.

Studiumsbedingt verbringe ich viel Zeit mit wissenschaftlichen Texten, da kommt die Literatur schnell zu kurz. Allerdings lese ich, schon seit ich denken kann, gern Gedichte. Diese entdecke ich sowohl auf diversen Blogs als auch im ganz altmodischen Gedichtband auf dem Nachttisch. Ich mag die Reclam-Reihe zu den einzelnen Monaten. Ich lese nicht nur zum Genuß, sondern schaue auch auf die Technik, die die Autoren sich zunutze machen: Stilmittel, Satzbau, Bilder. Auch die bereits beschriebene Schreibwerkstatt oder bestimmte Übungen aus dem Netz waren schon hilfreich.

Was sind Deine kreativen Ziele für die nächsten drei Jahre?

Mehr erzählen, weniger berichten. Ich will das, was ich als meinen eigenen Stil ansehe, weiter ausbauen und möglichst wenig Zeit mit dem Nachahmen anderer verbringen. Das mag vielleicht komisch klingen, aber an sich ist es m.E. nichts Schlechtes, den Stil von anderen auszuprobieren und ins eigene Schreiben verschiedene Richtungen aufzunehmen. Mein Ziel ist es aber momentan, das „Eigene“ herauszuschälen, zu vertiefen und – hoffentlich – zu erweitern.

Danke für die Nominierung, liebe Antje, die Fragen schienen mir zwar erst gar ganz schön schwierig, aber dann ging es mir doch leichter von der Hand als erwartet. Ich hoffe, du bist zufrieden :-)

#4 Spontan wegfahren I

Jeden Tag war der Gefühlspegel ein wenig mehr angestiegen. Als ob jemand eine Sanduhr aufgestellt hätte und der Sandberg im unteren Glas mit jeder Sekunde, jedem Augenblick Sandkorn für Sandkorn größer wurde, mehr Raum einnahm. Mir blieb keine Luft mehr zum Atmen. Ich saß gefangen im unteren Teil einer Sanduhr. Ein Korn rieselte über meinen Kopf, das nächste tropfte auf meine Hand, ein neues kitzelte meine Nase, sodass ich niesen musste und alle Sandkörner um mich herumwirbelten. Ich atmete sie ein, musste husten. So konnte das nicht weitergehn. Der Sandberg auf meinem Schoß wurde schwerer, stieg weiter an, erreichte fast meine Schultern. Ich musste hier raus!

Wie besessen saß ich da und nähte an meiner Hose. Zwei Tage war ich durch die Wohnung getigert, mal hierhin und mal dorthin, wie ein Tier im Käfig. Als er nach Hause kam, das Geständnis. „Ich möchte einfach nur weg.“ Ein Streicheln über meinen Kopf, eine Umarmung. „Jetzt packst du deine Sachen und dann fährst du morgen einfach los. Das wird dir gut tun.“ Ich hebe den Kopf: „Soll ich das wirklich machen?“ Dabei hatten mir die gleichen Gedanken schon tagelang im Kopf herumgespukt. Ich wollte zu ihr, zu ihm, zu niemandem. Ich wollte spontan wegfahren, ins Nirgendwo.

Dann die Erleichterung, die Vorfreude. Morgen würde ich tatsächlich wegfahren. Eine zentnerschwere Last fiel mir von den Schultern. Ich hatte gar nicht gemerkt, wieviel Kraft ich aufbringen musste, sie zu tragen. Nun ging es an die praktischen Vorbereitungen. Ich wählte meine Tshirts aus und – ich brauchte eine kurze Hose. Es war heiß, es war Sommer, es ging los auf einen Road Trip. Da durften die Shorts doch nicht fehlen. Also kurzerhand eine abgerissene Kordhose genommen, die Nähkiste ausgepackt und los ging es. Wie viele Stunden blieben mir noch bis zur Abfahrt? An Schlaf war erstmal nicht zu denken.

Weiter prasselten die Körner auf mich herab. Korn für Korn für Korn. Nur noch das Gesicht war frei, doch langsam, aber sicher wurden auch Mund und Nase vom Sand bedeckt. Der Pegel stieg unaufhaltsam an. Die Lippen fest geschlossen noch ein letzter Atemzug durch die Nase. Die Augen starren gebannt nach oben. Für einen Moment ein Zögern, Zaudern, bis ich schließlich nachgebe, mich sanft auf den Sand bette, ausruhe, entspanne. Es war vorbei.

„Passt sie so, die Hose? Ist sie nicht zu kurz?“ Endlich hatte ich es geschafft. Einen Stich nach dem anderen gesetzt, die Fäden vernäht, die Enden abgeschnitten. Ich liebe diese Hose, sie ist meine Fluchthose. Sie steht für all die Orte, an die ich fahren kann, all die Menschen, denen ich begegnen möchte. Sie steht für Freiheit.

Zufrieden legte ich mich ins Bett und dachte darüber nach, wohin es gehen sollte. In die Vergangenheit oder in die Zukunft? Beides war nicht möglich. Ich haderte mit mir selbst, wünschte mir sowohl eine letzte als auch eine erste Begegnung. Vor Aufregung konnte ich kaum schlafen. „Wenn dies der letzte Tage wäre, was würdest du tun?“ Die Entscheidung war gefallen.

Vermutlich hatte ich nur zwei Sekunden so gelegen, doch es kommt mir vor, als wären es Jahre gewesen. Die Muskeln entspannt, den Schlaf noch in den Augen blinzle ich für einen Augenblick unter einem Sandkorn hervor bis ein Rucken und Rütteln mich mitsamt all den Körnern mit sich reißt. Plötzlich sitze ich obenauf, in einem Sandmeer, auf einer Körnerfläche, die nachgibt, hinabrieselt, immer kleiner wird… Was hatte das zu bedeuten?

Als der Wecker klingelt, drücke ich erst die Snooze-Funktion und schalte ihn dann vollständig aus. Süß und selig schlummere ich unter meiner Decke. Wohlige Entspannung durchströmt mich, ich zwinkere, ist das etwa ein Sandkorn in meinem Auge? Der Gedanke verflüchtigt sich so schnell er gekommen war. Schlaf. Wohliger Schlaf. Und ein Warten auf den Liebsten, der sicher in wenigen Stunden wieder zuhause sein würde.

Neue Kategorie: Rohdiamanten

Nimue und Ben werden sich freuen. Mit „Schlaflos“ begann auch hier bei mir die Kategorie der Rohdiamanten. So will ich sie nennen, auch wenn natürlich nicht klar ist, ob sich da mit viel Abschleifen und Probieren am Ende wirklich ein Diamant zeigt. Es sind kleine Gedanken und Wortfetzen, die mir zumindest so wichtig erscheinen, dass ich sie tippe und kritzele und festhalten will. Warum? Weil ich irgendwas darin sehe. Weil ich auf ihr Wachsen hoffe. Weil ich die Angst verloren habe, der fremde Blick könne ihnen schaden. Bestimmte Schätze muss man in der Schublade oder im Innen hüten, muss sie hegen und pflegen, geduldig sein. Wie Rilke an den jungen Dichter schrieb: „…Lassen Sie Ihren Urteilen die eigene stille, ungestörte Entwicklung, die, wie jeder Fortschritt, tief aus innen kommen muß und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Alles ist austragen und dann gebären.“ (ausführlicher in diesem Blogpost). Doch bei manchen will ich mich trauen. Kleine Fragmente zeigen. Und wenn es nur ein Drittel Gedicht und fünf Schlusssätze sind.

Kleiner Gedanke zum Neuanfang

HerbstlichIrgendwann hast du keine Angst mehr, rauszugehen und was völlig Neues zu machen. In eine andere Stadt zu ziehen, eine neue Schule zu gehen oder die Uni zu wechseln. Du denkst nicht mehr drüber nach. Du machst es einfach, weil es das Selbstverständlichste der Welt für dich ist – einfach, weil es dein Weg ist und zu deinem Leben gehört. Und dann, für einen kleinen Augenblick schaust du dich an und denkst: Wow. Dass es mal so einfach würde, hätte mir mein 10jähriges Ich am ersten Tag nach den Sommerferien nicht geglaubt.

Februar – Weiter geht’s!

Ich glaube, jeder kennt diese Situation, wenn man sich schon lange etwas vorgenommen hat und nicht dazu kam, und es weiter aufschiebt und vor sich her schiebt… sich morgens sagt: Heute mach ich es – und abends im Bett liegt: Oh Mist, vergessen. Naja, gut, dann eben morgen…

Ich mag die „Aufschieberitis“ nicht. Ich kann es nicht leiden, Dinge mit mir herumzuschleppen, bei denen der bloße Gedanke daran reicht, mir ein unangenehmes Gefühl zu bereiten. Daher zahle ich meine Rechnungen stets pünktlich, notiere mir im Kalender, wenn ich jemanden anrufen will und wenn ich doch einmal etwas vergesse, versuche ich, es so schnell wie möglich in Ordnung zu bringen. Das ist so vorbildlich, dass es schon fast wieder stinkt.

Trotzdem gibt es auch so eine kleine, aber feine Liste in meinem Kopf, mit Dingen, die ich schon lange erledigen wollte. Ein Brief an eine Freundin (hoffentlich noch Freundin angesichts dessen, wie lange ich mich schon nicht gemeldet habe). Ein Stapel ungelesener Artikel. Und vor allem: eine Reihe an Blogposts, die ich wünschte, schon längst verfasst zu haben.

Es ist so ein Ding mit dem Bloggen. Niemand zwingt mich dazu und wenn ich nicht schreibe, dann schreibe ich eben nicht. Dieses Blog ist eine Plattform, auf der ich mich austoben kann, wie ich es eben möchte. Let it flow… Aber es ist ja nicht so, dass mir die Ideen ausgegangen wären. Eine ganze Reihe an Artikeln sind im Entwurf-Modus stecken geblieben. Manches Mal mit der Frage: Ist das gut genug, interessant genug, überhaupt passend für mein Blog?

Mich würde interessieren, wie es anderen Bloggern damit geht. Wer das hier liest, schreibt mir eure Erfahrungen! Wie sehr nehmt ihr euch vor, Posts zu schreiben, wie sehr lasst ihr euch einfach treiben? Wie wählt ihr eure Themen aus?

Ich persönlich möchte jetzt unter den Entwürfen ein wenig aufräumen. Also schnallt euch an und freut euch auf:

  • die längst versprochene Liebeserklärung an einen besonderen Film
  • once more, Dorian Gray
  • jede Menge inspirierender Zitate, Gedanken und Bilder

Ich freue mich, wenn DU dabei bist!

Mathilda

Die Sache mit den BWLern

Manchmal erscheinen einem ja bestimmte Personengruppen besonders attraktiv.

Da gibt es Mädchen, die vor allem auf den Künstlertypen stehen.
Sie fühlen sich magisch angezogen von langhaarigen Gitarrenspielern, die ihre tiefgründigen Texte vertonen, von Kreativen, deren lyrische Ader sich auf Poetry Slams zeigt, oder im fortgeschrittenen Stadium dann gerne auch von Bassisten (Merke: „Stille Wasser sind tief“).

In Berlin fanden sich hingegen einige junge Männer, denen die Frauen, pardon: „Mädchen“ gar nicht blond und zierlich genug sein konnten, modische Kleidung ein „must-have“, am besten mit einem Portfolio an semiprofessionellen Fotos im Internet (Zitat: „So ein Model als Freundin ist eben schon ein Statussymbol“).

Dass ich gegen derlei Fixierungen nicht gefeit war, merkte ich schon, als ich monatelang auf mein Frischkäsebrot Meerrettich strich. Ich war dem Meerrettich hoffnungslos verfallen. Frischkäse ohne Meerrettich? Nein, das ging gar nicht mehr. Der Meerrettich war mein Ein und Alles.

Nach meiner Entscheidung, noch alternativer als die Alternativen zu werden (= spießig), umgab ich mich dann auch gerne mit den klassischen Spießern, vornehmlich BWLern, Juristen oder – eine unterschätzte Gruppe – den Wirtschaftsingenieuren. Im Gegensatz zu mir hatten sie eine klare Vorstellung davon, wie die Welt funktionierte – und zierten sich selten, mir diese ausführlich darzulegen. Sie waren deutlich besser gekleidet als die meisten meiner Kommilitonen (vor allem: endlich mal ein richtiger Haarschnitt!) und sobald sie auch nur den Anschein eines souveränen Auftretens erweckten, konnten sie sich meiner ersten Aufmerksamkeit sicher sein. Gegen Arroganz habe ich nach wie vor nichts einzuwenden – allein ein zu großspuriger oder aber zu knausriger Umgang mit dem Einkommen aus gut bezahlten Praktika, Nebenjobs (oder dem Geldbeutel wohlhabender Eltern) konnte mich abschrecken.
Die Begegnung mit ihnen war bereichernd – vor allem, weil manches, was von Geisteswissenschaftlern meiner Couleur pseudoreflektiert und vorschnell als oberflächliches Vorurteil abgetan, sich schließlich doch bewahrheiten sollte.

Doch wie auch mit dem Meerrettich, den ich zwar immer noch liebe, hat man irgendwann einfach einen Überdruss. Man hat schlicht zu viel davon.

Und da sitzen wir nun, in einem kleinen Café in Berlin, zu sechst an einem schönen großen Tisch. Deine 20er-Jahre-Brille steht dir hervorragend, doch ich verzichte darauf, es dir mitzuteilen. Schon in diesem Moment hätte ich stutzig werden sollen – etwas hatte sich verändert. Und als du nun beginnst, mir die Welt zu erklären, da blicke ich nur auf und noch bevor mein Verstand den Gedanken fasst, formt mein Mund die Worte: „Sorry,… ich kann dir jetzt nicht zuhören. Ich habe mich an BWLern einfach überfressen.“

Durchbruch

Ich stehe kurz vorm Durchbruch. Da fällt mir ein: Schon so oft hatte ich dieses Gefühl. Aber heute ist es noch ein wenig anders. Dexters Blog gestern war so inspirierend. Und ein paar tumblr natürlich auch.
Das ist doch ganz normal im Leben: Dass jeder seinen Platz sucht. Dass die einen sich zu viel Bedeutung zuschreiben (wenn das denn möglich ist) und die anderen sich nicht trauen, sich überhaupt eine Bedeutung zuzuschreiben.
Wie oft hab ich mir das schon angehört: „Du hast etwas zu sagen.“ Oder auch: „Preach it, Baby.“ „Du hast voll was zu sagen.“ Was habe ich denn zu sagen? Ich – die Beobachterin. Mein Blick auf die Welt – ich habe nichts zu sagen. Ich habe noch nicht genug gesehen. Noch nicht genug beobachtet. Meine Analyse ist unfertig. Werde ich jemals damit fertig? Ich sagte ja schon: Mein Perfektionismus steht mir im Weg.
Wenn ich diesen Text erneut lesen werde, dann werde ich ihn vermutlich sprachlich ungenügend und inhaltlich flach finden. Stets ein hartes Urteil. Bei anderen bin ich da barmherziger. Zur Not lässt sich ja alles als Symptom der Zeit werten. Manchmal vielleicht auch als Geschwür. Und ich kämpfe damit, was ich selbst wohl darstelle.
Besser ist doch immer der Rückzug (in die Beobachterposition). Aber vielleicht kann ich es ob des großen Nihilismus auch wagen, manches hinauszutragen und damit vielleicht klügeren Köpfen als mir zum Durchbruch zu verhelfen.