Person of Interest

You are being watched…

Die Hürde, mich auf eine neue Serie einzulassen, ist groß. Anscheinend ist das für einen Serienjunkie etwas Untypisches, aber so bin ich eben. Mir wird das Vertraute nicht langweilig. Jedoch: Diese Serie hat es geschafft. Sie hat mich letzten Winter gepackt und im Blick auf die hard facts ist es auch kein Wunder: Die Thematik von Überwachung und Privatsphäre treibt mich seit frühester Jugend um und ich habe einen Sinn für alles, was in Richtung Sci-Fi/Dystopie geht, sofern es sich um den Menschen und die technische Entwicklung dreht (und nicht um irgendwelche Apokalypse/Weltuntergangsszenarien, Mutationen oder Killerinsekten). Dazu kommen noch diverse politische Machtspielchen und Intrigen, und die Serie scheint perfekt – von wegen! Selbst mit der „optimalen“ Thematik und den perfekten Rahmenbedingungen muss es einem als Serienmacher*in erstmal gelingen, daraus auch etwas Ordentliches und in diesem Fall Herausragendes zu erschaffen! Wie viele Filme habe ich in diesem Genre schon gesehen, die mir nicht mal mehr ein müdes Lächeln entlocken konnten? Vorhersehbare Plots, die immer gleichen Motive… ihr kennt das. Doch bei „Person of Interest“ haben die Macher wirklich ganze Arbeit geleistet!

Kern der Serie ist „die Maschine“, die alle verfügbaren Überwachungsdaten sammelt, sortiert und auswertet. Sie wurde gebaut und programmiert von Harold Finch, der ein immenses Maß an Sicherheitsvorkehrungen unternahm, um die Maschine vor Fremdeingriffen zu schützen. Der „Hauptjob“ der Maschine ist es, der Regierung Daten in Bezug auf geplante terroristische Aktionen auszuspucken. Jedoch gibt es eine Hintertür, wodurch die Maschine Harold und seinem Kollegen, dem Ex-CIA-Mitarbeiter John Reese, die Sozialversicherungsnummern von Menschen mitteilt, die entweder in Gefahr stehen Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden oder selbst einen Mord planen. Die Serie beginnt damit, dass Harold und John diese Personen aufspüren und den Fall klären.

Diese „Fall der Woche“-Geschichten begleiten einen durch alle Staffeln der Serie, jedoch gibt es pro Staffel immer auch größere Handlungsbögen und mit der Zeit – wie könnte es anders sein? – auch immer mehr Mitspieler. Es entsteht quasi ein „Team Machine“, das mit Hilfe der Maschine versucht, die geplanten Verbrechen zu verhindern. Für diejenigen, die die Serie erst noch schauen möchten, will ich an dieser Stelle nicht zu viel Handlung vorwegnehmen. Allerdings will ich euch darauf hinweisen, dass PoI in Teilen der ersten Staffel wirklich seine Längen hat und das wohl auch die Stellen sind, an der die meisten Leute wieder abspringen. Meines Erachtens wird es vom Ende der ersten Staffel an durchweg interessanter. Die Serie legt ordentlich an Tempo zu, wird komplexer, die Beziehungen zwischen den Charakteren verdichten sich und die übergeordneten Handlungen prägen das Erscheinungsbild. War es am Anfang noch (mehr oder weniger) spannend, ob die jeweilige „Person of Interest“ Opfer oder Täter ist, entwickeln sich die „Fall der Woche“-Szenarien mit der Zeit zu eben den Momenten, in denen man etwas durchatmen und die vielen Puzzlestücke des Hauptplots sortieren kann.

Nicht zuletzt reizt mich die Serie auch aufgrund der philosophischen Fragen von Mensch und Maschine. Harold konstruierte seine Maschine so, dass stets ein menschliches Element nötig ist, um ein Szenario zu bewerten. Die Maschine mag zwar alle Daten perfekt auswerten, doch sie tritt nicht selbst in Aktion. Die letzte Entscheidung muss der Mensch treffen, denn nur dieser kann andere Menschen und ihre Situation wirklich verstehen. Indem er die Maschine als abgeschlossenes System erstellt hat, positioniert sich Finch damit zum einen zwischen den Verfechtern des Datenschutzes, implizit ab Staffel 1 mit Alicia Corwin, ab Staffel 3 die Organisation Vigilance, welche für den Respekt der Privatsphäre eintreten und vor dem Missbrauch der Überwachungsmöglichkeiten durch Menschen warnen. Auf der anderen Seite setzt er sich von Personen wie Greer (ab Staffel 4) mit Samaritan ab, der der Maschine die volle Kontrolle über das Leben der Menschen geben möchte, weil er nicht mehr an den Menschen und dessen Vernunft, Urteilsvermögen glaubt: „Die alten Götter haben abgedankt, die Zeit der neuen Götter ist gekommen.“ (sinngemäß zitiert)

„Person of Interest“ besteht bisher aus 4 Staffeln und es wird noch eine halbe Staffel mit 13 Episoden folgen. Diese laufen bereits in den USA. Die deutsche Synchro ist verhältnismäßig ok, ich schaue oft zuerst auf Deutsch und dann auf Englisch mit englischem Untertitel, aber ich muss sagen, es ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Serie, bei der ich einen kurzfristigen Sprachwechsel (den Mitschauenden zuliebe) recht gut aushalten kann.

Nun würde mich natürlich eure Meinung interessieren. Gibt es noch andere PoI-Fans da draußen? Bisher scheint die Serie zumindest in meinem Umfeld eher weniger bekannt, sodass ich beim ersten Schauen sehr dankbar für die Serienjunkies-Community war… Aber vielleicht täusche ich mich da ja auch!?

Filmgedanken

Man kann in meinem Tumblr immer ganz gut erkennen, wenn ich einen schönen Film gesehen oder ein gutes Buch gelesen habe. Ich suche dann nach Bildern und Zitaten, die ich rebloggen kann, und meine Favoritenliste ist schnell voll davon. Schaue ich dann über die Archivfunktion zurück, erinnere ich mich noch intensiver an die Szenen und Momente.

Im März habe ich den „Nachtzug nach Lissabon“ [1 2 3 4 5 6] gesehen, den ich ja eigentlich schon damals in diesem netten, kleinen Kino anschauen wollte. Später las ich eine Kritik dazu im Internet, die, beginnend mit „Ach, diese Lateinlehrer“, über zu viel Kitsch und die groß ausgeleuchteten Bilder, über die Klaviermusik, die Violinen und Trompeten seufzt. Der werte Kritiker hatte jedoch, wie er zugibt, auch schon seine Schwierigkeiten damit, das Buch zu Ende zu lesen, und so musste ihm der Film bestimmt als Zumutung erscheinen. Ich habe das Buch nicht gelesen, durch den Film aber große Lust darauf bekommen. So kann es auch gehen. Denn natürlich war der Film irgendwie eine Aneinanderreihung von großen Bildern und Szeneneinstellungen, in die hinein bedeutungsschwere und tiefsinnige Sätze gesagt werden, so häufig, dass man sich durchaus fragen kann, ob die Kitsch-Grenze nur gerammt oder schon durchstoßen ist. Doch die Sätze sind so fein formuliert und Szenen wie der Brillenwechsel, den der genannte Kritiker als übertrieben aufdringlich empfindet, ließen mich mit großen Augen vor dem Bildschirm sitzen und die gezeigte Welt und Wirklichkeit einfach nur aufnehmen, sodass mir die Frage nach dem Kitsch erst durch die Kritik aufgedrängt wurde. Man muss nicht immer die Bewertungsbrille aufsetzen. Nicht als ganz normaler Zuschauer an einem Freitagabend. Man kann auch einfach genießen.

Und dann „Brokeback Mountain“ [1 2 3 4]. Der Film verdient eigentlich einen ganz eigenen Post. Drei Mal habe ich ihn mir angesehen, allein im April. Er hat mich verstört und beim ersten Sehen ging die ganze Nacht und der nächste Tag drauf, dass mich die Geschichte umtrieb. Andere würden sich in einem solchen Fall wohl ablenken und neue Themen und Begegnungen suchen. Ich setzte mich am folgenden Abend gleich wieder vor den Fernseher und schaute mir das Drama nochmal an. Konfrontationstherapie oder paradoxe Intervention? Ach, ich kann auf das Etikett verzichten. Jedenfalls glaube ich, dass dieser Film 10 Jahre nach seinem Erscheinen und 7 Jahre nach Heath Ledgers Tod möglicherweise mein neuer ‚Schallplattenfilm‘ wird. Über so viele Jahre war es „Blade Runner“, den ich immer und immer wieder angesehen habe (wie man eine gute Platte auflegt), doch seit ein paar Jahren ist da nichts mehr. Und nun dieser „schwule Cowboy-Film“, eine Kategorisieriung, die zutreffend und unpassend zugleich ist. Annie Proulx sagt über Kurzgeschichten [5], dass sie eine Art höhere Form von Literatur darstellen. Sie sollen erzählen, wofür ein Roman taugen würde, und was trotzdem als Kurzgeschichte besser funktioniert. Für ihre Geschichte ist das definitiv zutreffend. Ein Wunder, dass es gelungen ist, daraus einen so intensiven und mitreißenden Film zu machen. Ich verstehe die Leute, die sich bis heute noch im zugehörigen Internetforum tummeln und Szenen diskutieren. 10 Jahre lang! Da sage noch einer, was erzählt würde, sei kein relevanter Stoff. Und nein, es geht nicht nur um Homosexualität, es geht um etwas Grundsätzliches. Um Gesellschaft, um Lebenskonzepte, um Diskriminierung, um Liebe.

So erinnere ich mich gerne an die Filme zurück und freue mich an den kleinen Bildern und Zitaten. Ein Tumblr kann schon eine schöne Sammlung sein.

#aprillove2015 – An inspiring quote

Zitate gibt es auf meinem Blog immer wieder und auf meinem Tumblr noch mehr, wie man an meinem Beitrag über Intimität erst vor kurzem sehen konnte. Ich liebe Worte und sammle sie sowohl digital als auch analog in Notizbüchern oder auf kleinen Zetteln. Ich mag keine Postkartensprüche, wobei die Grenze zwischen nachdenkenswert-ergreifend und zum-direkt-wieder-auskotzen fließend ist.

Für heute will ich uns in einen Film werfen, den ich vor kurzem (endlich!) gesehen habe, den „Nachtzug nach Lissabon“ nach der Romanvorlage von Pascal Mercier. Nach dem Schauen schlug ich gleich verschiedene Sätze nach, die mir aufgefallen waren und stieß dabei auf ein Zitat aus dem Roman, das ich hier weitergeben will:

Der Balsam der Enttäuschung.
Enttäuschung gilt als Übel. Ein unbedachtes Vorurteil. Wodurch wenn nicht durch die Enttäuschung sollten wir entdecken, was wir erwartet und erhofft haben? (…) Wir sollten Enttäuschungen nicht seufzend erleiden als etwas, ohne das unser Leben besser wäre. Wir sollten sie aufspüren, ihnen nachgehen, sie sammeln. (…) [Die Enttäuschung] ist nicht ein heißes, zerstörerisches Gift (…), sondern ein kühler, beruhigender Balsam, der uns die Augen öffnet über die wahren Konturen unserer selbst.

(Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon)

Happy People – ein Jahr in der Taiga

Ich möchte euch heute auf einen Film aufmerksam machen, der mich sehr beeindruckt hat:
„Happy People – ein Jahr in der Taiga“.

Der Film ist ein Porträt des Lebens in der sibirischen Taiga und begleitet die Bewohner des Dorfes Bakhta durch ihren Alltag. Besonders im Blick steht dabei das Leben der Trapper bzw. Jäger. Ein einzelner Jäger wird durch alle vier Jahreszeiten begleitet, die Vorbereitungen für die Jagdsaison im Frühling und Sommer, die Ernte im Herbst und schließlich die Jagd im Winter, bei der er alleine auf einem Gebiet von 1500 Quadratkilometer mit seinem Hund unterwegs ist.

Das Material des Films stammt von Dmitry Vasyukov und wurde vom deutschen Regisseur Werner Herzog für diesen Film weiterverwendet. Herzog persönlich kommentiert die Bilder aus dem Off, hält sich aber auch über weite Strecken zurück, sodass man die Bilder ganz auf sich wirken lassen kann. Die Schönheit, Weite, aber auch Härte der Natur sind überwältigend. Ziemlich zu Beginn des Films sagt der Trapper:

Man sagt, man kann einem Mann alles nehmen, seinen Reichtum, seine Gesundheit und all das. Nur sein Handwerk, das kann man ihm nicht nehmen. Hat man ein Handwerk erlernt, dann beherrscht man es für den Rest seines Lebens.

Um in der rauen und ursprünglichen Natur überleben zu können, sind diese handwerklichen Fertigkeiten mehr als nötig. Die rund 300 Menschen aus Bakhta leben in völliger Abgeschiedenheit – ohne Telefon, fließendes Wasser oder medizinische Versorgung. Sie ernähren sich hauptsächlich vom Fisch, den sie im Fluss Yenisei fangen können. Die Trapper stellen ihre Fallen vor allem, um Zobel (eine Art Marder) zu fangen, die sie dann verkaufen können.

Den englischen Trailer zum Film findet ihr hier. Leider ist der Film online nicht auf deutsch verfügbar. Auf Englisch kann durch sich durch die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter schauen – vielleicht seid ihr aber auch Mitglied bei Lovefilm, maxdome,… und findet den Film da in euren Paketen oder könnt ihn für 3 Euro leihen.

Ich persönlich liebe solche Dokumentationen über andere Länder und Kulturen. Gerade Sibiren hat es mir in letzter Zeit sehr angetan. Ich bewundere die Menschen, die dort leben. Sie können es nur, indem sie jeden Tag harte körperliche Arbeit verrichten und sich ganz auf den Rhythmus der Natur einlassen. Wenn ich einen Einblick in ein solches Leben bekomme, betrachte ich mein eigenes westliches Leben aus einem anderen Blickwinkel. Da ist die übliche Frage, ob wir wirklich für ein Leben mit so vielen technischen Erleichterungen und so viel Freizeit gemacht sind. Wie wir es verantwortungsvoll gestalten können. Und wo und wie und mit wem ich persönlich überhaupt leben möchte.
Wer zu diesem Thema noch weitere Gedankenanstöße wünscht, kann gern bei Frau Haessy reinschauen, die letzten Monat einen nachdenkenswerten Beirag über „Irgendwas mit Mammuts“ schrieb.

Ansonsten lasst euch einfach gefangen nehmen von der sibirischen Wildnis, von Naturgewalten und einer fremden Kultur! Ich wünsche euch viel Freude beim Schauen!

Liebeserklärung an: Star Trek TNG

Ja, ich bin es: hin und weg. Einfach nur hin & weg. Nach meinen ersten Erfahrungen mit Star Trek TOS konnte es mancher wohl schon vermuten, dass Star Trek TNG erst so richtig reinschlagen würde. Ich gebe zu, die erste Staffel habe ich noch Zeit gebraucht, um in die Serie hineinzufinden – zu präsent waren mir noch die Brücke der alten Enterprise und die lieb gewonnene Besatzung mit Personen wie Spock, Kirk oder Lieutenant Uhura. Aber zumindest eine Person hat es ja dauerhaft von TOS zu TNG geschafft: Majel Barrett Roddenberry, die Frau des StarTrek-Schöpfers Gene Roddenberry, spielte in TOS die Rolle der Krankenschwester Christine Chapel und hatte in TNG regelmäßige Auftritte als exzentrische Betazoide Lwaxana Troi, Mutter von Counsellor Deanna Troi.

Aber noch mal ganz von vorn: Star Trek TNG ist zu Recht eine Kultserie. Diese Serie grenzt ja schon fast an ein religiöses Erlebnis. Staffel für Staffel dringt man tiefer in das Star Trek Universum ein, da werden Fäden gesponnen zu Star Trek TOS („Encounter at Farpoint“, „Unification“, „Relics“) oder zu Deep Space Nine („Birthright“), die Charaktere entwickeln sich, ein Beziehungsnetz entsteht, und über allem steht als Idee von Star Trek eine hochgradig ethische: dass Lebewesen jeglicher Spezies friedlich zusammenleben, zusammenarbeiten, sich respektieren. Fast schon langweilig, so eine heile Welt, könnte man als Nicht-Trekkie nun meinen. Doch 178 Folgen Star Trek zeigen, wie der Friede ein stets gefährdeter ist, wie selbst ein Verletzen der Obersten Direktive einmal der richtige Weg sein kann, wie immer wieder abgewogen werden muss zwischen Einzelinteressen und denen des Kollektivs.

Dazu kommt natürlich die Begegnung mit anderen Spezies – im Gegensatz zu Star Trek TOS sind diese glücklicherweise nur noch selten als „Der Außerirdische der Woche“ gestaltet, sondern fügen sich viel besser ins das Gesamtgefüge ein. Dennoch bleibt es an vielen Stellen spannend, welche Art von Lebewesen sich die Star Trek Autoren ausdachten: seien es die geschäftstüchtigen Ferengi mit den großen Ohren, die androgynen J’naii oder auch gänzlich fremde Lebensformen wie der Reisende oder der omnipotente Q. (Nebenbei bemerkt, Q ist großartig!)

Aber auch die Stammbesatzung auf dem Schiff ist interessant zusammengestellt:

Captain Jean-Luc Picard, in Fankreisen wohl der beliebteste Captain der Sternenflotte, beeindruckt durch seine Führungsstärke, sein diplomatisches Geschick und seine Fähigkeit, schwierige Situationen blitzschnell einzuschätzen und gelegentlich zu ungewöhnlichen Taktiken zu greifen.

Seine „Nummer Eins“ ist Commander William T. Riker, der auf meiner persönlichen Sympathiekurve ja eher am unteren Ende der Brückenoffiziere rangiert. Natürlich ist er hervorragend, durchsetzungsstark und noch dazu charmant – doch ich mag ihn nicht sonderlich und bin froh, wenn er in einer Folge einfach nur seinen Job macht und sein Lieblingsschwiegersohn-und-Draufgänger-gleichermaßen-Charakter nicht näher beleuchtet wird.

Daneben haben wir Counsellor Deanna Troi, die halb Mensch, halb Betazoide ist und daher die Gefühle von anderen empathisch wahrnehmen kann. Ich habe manchmal gedacht, dass sich all die technik- und ingenieurslastigen Geschichten auch ohne sie erzählen lassen würden – und doch würde der Enterprise etwas Elementares fehlen. Deanna bringt bei all dem den Faktor Mensch mit all seinen Emotionen, individuellen Wünschen und dem jeweils ureigenen Charakter hinein in die Geschichten. Sie legt in einer technisch und organisatorisch perfekten Welt den Finger in die Wunde.

Kommen wir nun zu meinem persönlichen Favoriten: Lieutenant Commander Data. Erfreulicherweise gibt es viele Folgen, in denen er den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte bildet: als einziger Androide mit dem Bestreben, ein Mensch zu werden, hat er die Aufmerksamkeit auch voll verdient. Meiner Meinung nach schenken sich Brent Spiner als Data und Patrick Stuart als Picard schauspielerisch nicht viel – die beiden werten jede noch so nebensächlich erscheinende Szene schon allein durch ihre Mimik und Präsenz um Welten auf. Im Vergleich zu TOS entspricht Datas Rolle auf dem Schiff der des Vulkaniers Spock: Er repräsentiert die vollendete Logik, ein rein rationales Wesen. Besonders interessant ist daher auch das Crossover mit der Begegnung von Data und Spock in Staffel 5 („Unification“).

Datas bester Freund ist Lieutenant Commander Geordi LaForge, Chefingenieur der Enterprise. Ich bewundere LeVar Burton dafür, wie es ihm gelingt, ohne den Ausdruck der Augen so viel an Emotion in sein Gesicht zu legen. Geordi ist von Geburt an blind und trägt einen Visor, der es ihm ermöglicht, mehr als andere Menschen zu sehen und auch Spektralanalysen durchzuführen (immer wieder sehr hilfreich). Seine Freundschaft zu Data gründet wohl auch auf diesem Element des Anders-Seins. Die Szenen zwischen Geordi und Data erfreuen einfach das Herz!

Schließlich haben wir da Lieutenant Worf, seines Zeichens Klingone und ein wahrer Krieger Nach dem Tod von Tasha Yar ist er der Chef der Sicherheit und dafür auch bestens geeignet. Die Entwicklung, die Worf im Lauf der Staffeln macht, ist enorm: obgleich sein Gefühl für den klingonischen Wert der „Ehre“ keineswegs abnimmt, entwickelt er sich doch persönlich weiter und mit der Beziehung zu seinem Sohn Alexander und seiner Auseinandersetzung mit seiner Herkunft (z.B. in „Birthright“) gewinnt sein Charakter an Tiefe. Ich habe ihn jedenfalls immer mehr ins Herz geschlossen.

Am Rande des Geschehens und doch immer wieder mittendrin steht die Chefärztin Dr. Beverley Crusher. Sie hat mich besonders in der Folge „Remember Me / Das Experiment“ (Staffel 4, Episode 5) beeindruckt, in der ihre streng wissenschaftliche Vorgehensweise sie davor bewahrt, wahnsinnig zu werden, und einen Ausweg aus der Warpblase zu finden, in der sie gefangen war. Diese Episode hat mein Bild von ihr stark geprägt und ihren medizinischen Kenntnissen und Fähigkeiten als Ärztin weitere Begabungen zur Seite gestellt. Ihr Verhältnis zu Jean-Luc Picard ist natürlich auch immer wieder spannend, die Folge „Attached“ in Staffel 7 bietet dabei einen wunderbaren Höhepunkt. Sie ist zudem die Mutter von Fähnrich Wesley Crusher, der durch den jungen Wil Wheaton gespielt wird. Anscheinend war er für viele Fans eine eher unliebsame Figur, doch ich mag ihn gern und fand es schade, dass er ab der vierten Staffel nur noch sehr vereinzelt zu sehen war.

Nun könnte ich noch auf zahlreiche weitere Charaktere wie z.B. die von Whoopi Goldberg gespielte Bardame Guinan oder den bereits erwähnten omnipotenten Q eingehen. Doch dann würde dieser Beitrag nur noch länger als er es eh schon ist. Stattdessen werde ich mir nun einfach vornehmen, einen weiteren Blogbeitrag zu Star Trek TNG zu schreiben, in dem ich mich wahlweise einzelnen Folgen, Gesamtideen oder besonderen Themen widmen kann. Die Hauptfiguren sind ja nun zumindest ansatzweise vorgestellt :-)

In diesem Sinne: live long and prosper!

Liebeserklärung an: Star Trek TOS

Oh nein, jetzt wird sie auch noch zum Trekkie!

Ich bin nicht sicher, ob euch beim Lesen der Überschrift vielleicht ein solcher Gedanke in den Sinn kam. (Außer natürlich Nimue, die mir bereits versicherte, schon seit Kindertagen ein leidenschaftlicher Anhänger des Star Trek Universums zu sein… Sei gegrüßt!).

Wie der geneigte Leser weiß, tue ich mich eher schwer damit, mich auf neue Bücher und Serien einzulassen. Ich lese immer wieder dieselben Bücher und schaue auch immer wieder die gleichen Serien (z.B. The Big Bang Theory). Doch nicht jeder verfügt über die fantastischen Gene, sich nie zu langweilen:

So wurde „Star Trek: The Original Series“ zur Serie der Wahl und nach ein paar wenigen Folgen, in denen ich Captain Kirk, Mister Spock und die Besatzung der „Enterprise“ kennenlernte, begann ich bereits, die Worte im Vorspann mitzumurmeln („Das Universum: unendliche Weiten…“), große Freude an den Spezialeffekten zu haben (so retro und so liebenswert!) und im Besonderen die Langsamkeit der Serie zu schätzen.

Ja, da stellt Kirk eine Frage und schaut zu Mister Spock. Mister Spock schaut nach links und nach rechts, zieht die Augenbraue hoch, Kirk wird mit fragendem Gesicht wieder eingeblendet, Mister Spock schaut noch mal nach links und antwortet dann schließlich.

Welche Serie hat sowas heute noch? Die meisten heutigen Serien heben sehr stark auf Schnelligkeit ab, vor allem bei den Dialogen. Bei „Gilmore Girls“ zum Beispiel sind die schnellen Dialoge geradezu ein Markenzeichen der Serie und die Schauspieler üben vor dem Spielen der jeweiligen Szenen ihren Text und bringen ihn auf die entsprechende Geschwindigkeit. Star Trek TOS hingegen kümmert sich nicht um Pausen, die Platz für ein Gähnen bieten, und ich persönlich schätze diese Langsamkeit sehr. Besonders bei den Schlussdialogen der einzelnen Folgen halte ich immer wieder den Atem an, wie sich solcher Witz so gelassen vortragen lässt.

Neben Lieutenant Uhura hat es mir -wie könnte es auch anders sein- allen voran Mister Spock angetan. Er war ja auch bei den Fans der ersten Stunde sehr beliebt, was dazu führte, dass er in den weiteren Staffeln und Folgen mehr Raum bekam. Ich mag seine Logik und seine Loyalität gegenüber dem Captain. Im Gesamtbild zeigt sich für mich, dass er zwar der beste Erste Offizier ist, den es geben kann, allerdings als Vorgesetzter nicht wirklich geeignet. Es fehlt ihm einfach die menschliche und emotionale Seite, sodass er die Besatzung in diesen Situationen nur selten so richtig hinter sich bringen und motivieren kann.

Kirk ist da natürlich anders, er wird als Captain über die Maßen geschätzt, obgleich er manchmal ganz schön ruppig mit seiner Besatzung umgeht. In seinen Unternehmungen und dem Kontakt mit anderen Zivilisationen handelt Kirk meiner Meinung nach oft zu irrational und erinnert mich ein bisschen an Götz George als Schimanski. Da zeigt sich das Männerbild der Zeit!

Zu McCoy habe ich leider immer noch keinen richtigen Zugang gefunden. Er stolpert eben so durch die Folgen, sagt seine bevorzugten Sätze: „Er ist tot, Jim.“ und „Ich bin Arzt und kein…“ und hat immer das passende Medikament aufgezogen in einer Spritze dabei.

Meine bisherige Lieblingsfolge ist die Doppelfolge um Talos IV, in der die Star Trek Pilotfolge mit Jeffrey Hunter als Captain Christopher Pike verarbeitet wurde. Die Folge ist auf mehreren Ebenen spannend erzählt und macht einfach großen Spaß!

Jetzt interessiert mich natürlich, ob es unter meinen Leserinnen und Lesern noch weitere Star Trek Fans gibt, ob ihr nur die Stirn runzeln könnt oder euch nun möglicherweise eine neue Serie empfehlen lasst… Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

„Global Player – wo wir sind isch vorne“

In der Hoffnung auf einen angenehmen Tagesausklang in träumerisch-nachdenklicher Stimmung hatten wir uns für den „Nachtzug nach Lissabon“ entschieden und standen vor dem kleinen, schnuckligen Kino. Doch Pustekuchen: Statt Literaturverfilmung wurde der Film „Global Player – wo wir sind isch vorne“ gezeigt, in der Ankündigung als „Mischung aus Wirtschaftsdrama und Heimatkomödie“ angepriesen. In meiner eigenen Formulierung wäre ich wohl eher bei der altbewährten „Tragikomödie“ geblieben.

„Global Player – wo wir sind isch vorne“ ist trotz seiner komischen Elemente ein eher ernster Film, der sich nach Meinung meiner Begleitung nicht so recht für ein oder zwei Themen entscheiden konnte. Womit wir dann doch wieder bei dem Begriff „Mischung“ wären: Generationenkonflikt & Familie, Mittelstand & Globaliserung, Kriegserinnerungen & Aufbau Deutschlands, schwäbische Provinz & China. Vieles wird angesprochen, an-erzählt, aber nicht auserzählt.

Es geht um eine mittelständische Firma im Schwabenländle, die seit Generationen von der Familie Bogenschätz geführt wird. Die Geschicke der Firma werden nach wie vor vom Seniorchef, einem Patriarchen und typisch schwäbischen „Bruttler“, bestimmt. Aktuell befindet sich die Firma in einer Krise, was der geschäftsführende Sohn dem Vater jedoch verschweigt. Stattdessen überschreibt er heimlich sein Haus der Bank und beginnt Verhandlungen mit den – dem Vater verhassten – Chinesen. Als sich die letzten Hoffnungen auf die Rettung der Firma durch einen Großauftrag zerschlagen, lässt sich die katastrophale Situation nicht mehr verbergen und die ganze Familie muss einen gemeinsamen Weg finden, um die Zukunft der Firma und damit auch das Lebenswerk des Vaters zu sichern.

Ich muss ehrlich zugeben: Beim Verlassen des Kinos hätte ich nicht gedacht, dass ich über diesen Film einen Artikel schreiben würde. Der Film kam mir doch eher mittelmäßig vor – und ich glaube, das ist er auch. Es gibt zwar einige sehr interessante Sequenzen in den Begegnungen der Töchter mit ihrem Vater und auch die einzelnen Charaktere sind meiner Meinung nach gut ausgearbeitet und dargestellt, doch an Themen hätte es durchaus weniger sein können. In diesem Beitrag will ich mich jedoch trotzdem auf die lobenswerte Punkte konzentrieren:

In den Kritiken wird immer wieder bemängelt, dass das Dolmetschen zwischen den Deutschen und den Chinesen zu viel Zeit einnehme – diese Kritik kann ich nicht teilen. Genau diese Gespräche verlangsamen den Film sehr angenehm, ohne den Spannungsbogen zu stören. Das Mienenspiel der beteiligten Personen dabei zu betrachten, ist ein großer Genuss.

Die Erinnerungen des Vaters an den Krieg, gezeigt durch Schwarz-Weiß-Szenen, bringen dem Zuschauer die Vergangenheit eindrücklich nahe. Immer wieder gibt es Stellen, die einem den knorrigen, alten Kauz verständlich machen, sein Leben als Ganzes begreifbar werden lassen, sodass man sich trotz seines rauhen Umgangstons ein wenig in ihn hineinfühlen kann.

Den wesentlichen Sachverhalt (und vermutlich auch den Grund, warum mir der Film wider Erwarten noch tagelang nachging) formuliert der Regisseur Hannes Stöhr treffend in einem Interview: „Ja, es geht um die Globalisierung – das Regionale ist zugleich das Globale. Man lebt in Berlin und glaubt, man sei am Nabel der Welt. Und dann kommt man nach Hechingen und merkt: ­Berlin ist Provinz gegen hier. Hier läuft ­Hechingen gegen Shanghai, also David ­gegen ­Goliath ab. China ist die größte ­Herausforderung für die deutsche Wirtschaft seit dem 2. Weltkrieg, das muss man sich klarmachen.“

Unter diesem Aspekt lohnt es sich auf jeden Fall, sich den Film anzuschauen! Wer daran jedoch nicht interessiert ist, sollte sich vermutlich besser ein Kino suchen, in dem der „Nachtzug nach Lissabon“ noch läuft… ;-)

Die Eleganz der Madame Michel

So ein kluger, schöner und trauriger Film, der einen nicht mit einem Kloß im Hals, sondern mit klaren und guten Tränen zurücklässt.

Es ist nicht ganz mein Ding, hier nur auf aktuelle Filme und Bücher einzugehen. Ich liebe es, die Klassiker zu würdigen und auch Filmen von „vor ein paar Jahren“ ihren gebührenden Platz einzuräumen.

Und ja, ich glaube, ich liebe französische Filme.

Die titelgebende Figur, Madame Michel, ist die Concièrge (d. h. Empfangsdame) in einem vornehmen Pariser Wohnhaus. In diesem wohnt die 11jährige Paloma mit ihrer Familie. Paloma hat beschlossen, sich an ihrem 12. Geburtstag umzubringen und dokumentiert mit einer Videokamera ihr bisheriges Leben. Die Vorstellung, am Ende „im Goldfischglas“ zu landen wie ihre reiche Familie, ist für sie schrecklich. Lieber will sie „den Sternen folgen“. Nachdem ein reicher Nachbar gestorben ist, zieht ein Japaner ins Haus ein, der sowohl gegenüber Madame Michel als auch gegenüber Paloma sehr aufmerksam ist. Madame Michel, mit Vornamen Renée, wird von Herrn Ozu, dem Japaner, zum Essen eingeladen. Sie selbst lebt nach außen hin das Leben einer ruppigen, alten, einfältigen Concièrge, doch heimlich sitzt sie in ihrem kleinen Zimmer voller Bücher und liest und liest und isst dunkle Schokolade und trinkt Tee. Jedoch ist es ihr sehr unangenehm, vor anderen ihre Bildung oder Belesenheit zu zeigen. Paloma meint dazu: „Sie haben ein gutes Versteck gefunden.“

Ich möchte nicht mehr über die Handlung des Films verraten, falls jemand diesen noch nicht gesehen hat. Dann sage ich: „Vite, vite!“, schaut euch den Film an! Und wer das Buch – „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery – gelesen hat, der schreibe mir doch einen netten Kommentar dazu. Es interessiert mich sehr!

Im Audiokommentar zum Film erzählen die Regisseurin Mona Achache und die Produzentin Anne-Dominique Toussant nämlich, dass es gar nicht so einfach war, die literarische Vorlage umzusetzen. Während im Buch die beiden Perspektiven – innere Monologe von Madame Michel, Tagebuchaufzeichnungen von Paloma – vorherrschen, war die Frage, wie man diese im Film nun darstellen sollte? Ohne das Buch zu kennen, würde ich sagen: Mit der Videokamera und den Zeichnungen von Paloma sowie dem grandiosen Spiel von Josiane Balasko ist dies hervorragend gelungen!

Die Welt des Films wirkt einerseits märchenhaft schwebend und andererseits völlig innerhalb des Hier und Jetzt – besonders mit der Ungeschminktheit der Madame Michel, die genauso auch meine eigene kleine Nachbarin sein könnte.

Was wirklich zählt ist nicht, dass man stirbt oder in welchem Alter. Sondern das was man tut. Und zwar genau in diesem Moment.

Léon der Profi

Super alter Film, ich weiß. Zumindest für unsere schnelllebige Hollywoodzeit. Nächstes Jahr hat der Film sein 20jähriges Jubiläum und es ist schön und irritierend zu gleich, eine 12jährige Natalie Portman auf der Leinwand zu sehen (bzw. auf dem Bildschirm).

Der Film ist traurig, zuweilen komisch und ein bisschen romantisch ist er auch. Ich finde, man erkennt, dass der Film einen französischen Regisseur hatte (Luc Besson). Dazu der passende Ausspruch von „Jacks“ in „Love & other Disasters“: Nobody goes to the movies for truth except possibly the French!“

Zur Handlung:

Die 12jährige Mathilda verliert ihre Familie, die von korrupten Polizisten aus dem Drogendezernat erschossen wird. Sie hatte weder zu ihrem Vater, noch der Stiefmutter oder der Halbschwestern ein gutes Verhältnis, doch der Verlust ihres kleinen Bruders schmerzt sie sehr. In der Nachbarwohnung lebt Léon, ein Auftragskiller, der für die italienische Mafia arbeitet. Zunächst mit Widerwillen nimmt er Mathilda bei sich auf. Um Rache an den Morden zu nehmen, möchte Mathilda sich von Léon zur Killerin ausbilden lassen. Im Gegenzug bringt sie dem Analphabeten das Lesen und Schreiben bei.

Die beiden Protagonisten gemeinsam zu sehen, ist bezaubernd: den in sich gekehrten, seltsam unreifen Léon, dessen einziger „Freund“ eine Topfpflanze ist, die wie er „keine Wurzeln hat“, und das eigenwillige, tapfere Mädchen Mathilda, das bald Gefühle für ihren großen Retter entwickelt.

Der Film gipfelt in einem actionreichen Finale, in dem Mathilda und Léon erst unabhängig voneinander und schließlich gemeinsam Rache an den Mördern üben. Wie jedoch schon angedeutet, nicht ohne selbst Schaden zu nehmen: Léon wird vom Chef der Einheit erschossen und stirbt, kann jedoch diesem noch eine entsicherte Handgranate“ als „Geschenk von Mathilda“ überreichen. So wird Mathilda nun zur Hüterin der Pflanze, die sie am Ende des Films auf dem Gelände ihrer Internatsschule einpflanzt: „Hier wird es uns gut gehen, Léon.“

Ein gelungener Zusammenschnitt des Films zum Musiktitel aus dem Abspann („Shape of my Heart“ von Sting) fand sich mal hier.

Hannah Arendt (Film)

Auf diesen Film hatte ich mich schon eine ganze Weile gefreut und nun muss ich mir eingestehen, dass meine Enttäuschung auf dem Weg vom Kino bis an meinen Schreibtisch erst in Wut und dann in Frustration umschlug.

hannah arendt ticket

In meinem Studium habe ich nur ein wenig von Hannah Arendt gelesen, sodass ich mich nicht gerade als große Kennerin darstellen kann. Dass Arendt tatsächlich Englisch mit extrem ausgeprägtem deutschen Akzent sprach und demzufolge auch Sukowa in ihrer Rolle eine entsprechend irritierende Aussprache zutage brachte, musste ich mir erst anlesen.

Trotzdem kann ich hier meine Eindrücke des Filmes formulieren und mein Unverständnis gegenüber denen zum Ausdruck bringen, die in Sukowa eine brilliante Hauptdarstellerin sehen (Preis für die beste Darstellerin, Bayerischer Filmpreis). Doch erst einmal zum Positiven:

Sukowa überzeugt in den Momenten, in denen sie nur schaut und nicht spricht. Gerade das war auch ein wesentlicher Grund, dass die Regisseurin Margarethe von Trotta Sukowa unbedingt in der Rolle der Hannah Arend haben wollte, weil dass sie nämlich die Fähigkeit habe, „das Denken visuell umzusetzen„.

Für mich ist das ist aber auch das Einzige, was ich ihr wirklich abnehmen konnte. Sukowa sprechend und als Arendt im täglichen Leben, auf ihrer Israelreise Blumenfeld treffend und überschwänglich begrüßend, diese Freude habe ich ihr nicht abgekauft. Es erschien mir eher wie eine theaterspielende Gruppe von Jugendlichen – nur dass diese Frau bereits erwachsen ist und als Schauspielerin ihr Geld verdient. War es vielleicht Absicht, ihre Emotionen so wenig glaubhaft zu zeigen? In manchen Bereichen kann ich es nachvollziehen, Arendt als kühl und unzugänglich darzustellen – doch im Umgang mit ihren liebsten Freunden? Die Worte passen nicht zu den Gesten, die Gesten nicht zum Ausdruck, auf mich wirkt Sukowa wie ein Fremdkörper in einer Rolle, der sie einfach nicht entspricht.

Es gibt dennoch ein paar Dinge, die mir am Film gefallen.
Die erste Auffälligkeit ist, dass zwischen den verschiedenen Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Ivrit – hin und hergewechselt wird, wie es sich aus der Situation eben ergibt. Die entsprechenden Szenen haben dann einen deutschen Untertitel. Dies hat mir außerordentlich gut gefallen. Es macht die einzelnen Situationen greifbarer, aufrichtiger und authentischer.
Weiter wird der Eichmannprozess im Originalmaterial gezeigt, wodurch auch hier ein Höchstmaß an Authentizität erreicht wird und man als Zuschauer mit dem tatsächlichen Prozess konfrontiert ist. Die Filmaufnahmen um den Prozess herum wurden auch im Originalgebäude gedreht, wobei Film und Archivaufnahmen sehr gut ineinandergreifen.
Zuletzt gefällt mir, dass recht viel Zeit für die Abhandlungen Arendts bleibt. Arendt spricht zwei Mal ausführlich vor ihren Studenten und liest auch am Schreibtisch aus ihren Artikeln vor. So bekommt man tatsächlich einen Eindruck von den Inhalten, über die sich auf der Handlungsebene die Kontroverse ergibt.

Mein Fazit:
Ich kann nur sagen: Schade. Während inhaltlich eine wirklich interessante und lohnenswerte Thematik zur Sprache kommt, hat es der Großteil der Darsteller tatsächlich geschafft, mich eher von einer Beschäftigung mit dieser abzuhalten als sie mir nahezubringen.

PS. Ein interessantes Porträt von Hannah Arendt in mehreren Teilen findet sich hier.

Verfilmung von ‚Anna Karenina‘ (2012)

Gleichwie manche Dinge durch Worte allein nicht ausgedrückt werden können, vermag es auch die filmische Darstellung nicht, dem Beobachter stets die eigentliche Tiefe der Empfindung und des Geschehens zu offenbaren.

‚Anna Karenina‘ ist wohl nicht die erste Literaturverfilmung, bei der diese Problematik gegeben ist. Tolstojs Roman gehört für mich zu den besten und stärksten Werken, die ich je gelesen habe, sein viel zitierter Anfangssatz („Alle glücklichen Familien…“) setzte sich in meinem Gedächtnis fest und ließ in mir immer wieder die Bilder des Romans aufsteigen: die Bahnhofsszene (ja, genauso wie in dem aktuellen Film, so habe ich mir den Bahnhof vorgestellt: eine schwarze Lok, Schnee, Menschen und das Rattern der Züge), die zahlreichen Bälle und Soireen, Levin in seinem Bauernhaus,… Noch mehr aber denke ich an die miteinander verwobenen Familiengeschichten, die beschriebenen Ehen, die so hervorragend ausgearbeiteten Charaktere. Hinzu kommt eine Sprachgewalt, die selbst in der deutschen Übersetzung ihresgleichen sucht. Der Roman gehört definitiv in meine persönliche Top 10 und hat seine Liebeserklärung verdient.

Für den Besuch der Verfilmung versuchte ich also nicht nur, meine Erwartungen  deftig herunterzuschrauben, sondern gar mich ihrer völlig zu entledigen. Dennoch blieb mir ein Funke Hoffnung, doch auch vom Film nur annähernd so berührt und ergriffen zu werden wie bei die Lektüre.

Was lässt sich nun über die aktuelle Verfilmung sagen?

Auffällig ist zuerst einmal die Inszenierung im Wechselspiel zwischen Theaterkulisse und filmischer Darstellung. Immer wieder spielen Szenen in einem Theater, es finden Kulissenwechsel statt und das Theater selbst bildet einerseits den Raum für die Erzählung und wird andererseits zum Teil derselben. Diese Inszenierung empfand ich als anregend und interessant. Die Übergänge von der einen zur anderen Szene sind spannend gestaltet und mitreißend. Die Szene des ersten Tanzes von Anna Karenina und Wronskij sticht hier besonders heraus. Indem die anderen Ballgäste gleichermaßen einfrieren und schließlich nur noch Anna und Wronskij miteinander tanzen, gelingt es, dem Zuschauer ein Gefühl zu vermitteln, das sonst wohl nicht in dieser Intensität angekommen wäre: „Die Zeit steht still und es gibt nur noch sie beide.“

Tolstojs große Stärke, die Ausarbeitung der Charaktere, seine Fähigkeit, dem Leser einen Menschen in all seiner Widersprüchlichkeit nahe zu bringen, bleibt in der Verfilmung leider am deutlichsten auf der Strecke. Ich wage zu behaupten, dass ein Zuschauer – wenn nicht durch vorherige Lektüre des Romans oder durch persönliche Regungen sensibilisiert – sich nur schwerlich in den Charakter der Karenina oder einer anderen Figur hineinfinden wird. Am stärksten ist hier meiner Meinung nach noch Alexej Karenin, der von Jude Law verkörpert wird. Mit kleinen Gesten und nur geringem, aber ausdrucksstarkem Mienenspiel gelingt es ihm, die Figur des Karenin greifbar werden zu lassen. Für die Beurteilung von Keira Knightley als Anna Karenina möchte ich mich jedoch eher der Kritik von Rüdiger Suchsland anschließen: „Knightleys Karenina selbst wirkt in diesem Tableau wie ein großes unerzogenes Mädchen, unreif, gar nicht die lebenserfahrene Frau, die weiß, worauf sie sich einlässt, (…). Wenn aber Anna Karenina nicht mehr ist als ein etwas zu oberflächliches Girl, wenn sie den Zuschauer weder zur Identifikation einlädt, noch verführt, sie zu begehren und zu lieben – was bleibt dann von diesem Stoff?“

Die filmische Umsetzung erfordert immer auch die Reduktion des Stoffes. In der aktuellen Verfilmung reicht der Blick leider zu oft nur bis in die Bambi-Augen Keira Knightleys. Die Erzählstränge um Dolly & Stiwa, aber auch um Levin & Kitty bleiben deutlich zurück und werden nur durch wenige, aber durchaus anrührende Szenen dargestellt.

Mein Fazit: Woran ich mich zu Beginn des Films noch berauschen konnte, das hätte ich nach dem zweiten Drittel durchaus wieder erbrechen können. Vielleicht liegt dies jedoch nicht allein an der Verfilmung, sondern gehört notwendigerweise zu allen Geschichten um Untreue und Ehebruch?

Es wird Zeit, das Buch noch einmal zu lesen.

Berlin 2

Mal wieder blicke ich zurück auf ein paar Tage in Berlin.
Kostenfaktor: ein kleiner Urlaub. Wert: Berlin eben :-)


Hinfahrt nach Berlin kurz vor Hannover

Zum bereits 4. Mal nahm ich an den Tagen der Begegnung teil, die es jungen Menschen ermöglichen, mit Abgeordneten ins Gespräch über Glauben und Werte zu kommen. Das Programm sah dieses Mal vor allem Begegnungen mit verschiedenen Generalsekretären vor: Hermann Gröhe (CDU), Patrick Döring (FDP) und Andrea Nahles (SPD), aber auch weiteren prominenten Abgeordneten wie Renate Künast (Grüne) oder dem Schirmherrn der Veranstaltung und Bundestagspräsidenten, Prof. Dr. Norbert Lammert.

Die Gespräche waren gesprägt von einer angenehmen und aufgeschlossenen Atmosphäre, neugierigen und herausfordernden Fragen der Teilnehmer zu aktuellen politischen Themen und den Antworten der Abgeordneten, über die danach natürlich noch eifrig diskutiert wurde.


Aussicht auf dem Reichstag

Interessanter als die Begegnung mit den Abgeordneten ist für mich jedoch meist die Begegnung mit anderen Teilnehmern – je länger ich nun in regelmäßigen Abständen ins politische Berlin pilgere, umso mehr ist das der Fall. Ich freue mich, bekannte Gesichter wiederzusehen, neue Menschen kennenzulernen und mit diesen bis spät in die Nacht zusammenzusitzen, zu erzählen und Erfahrungen miteinander zu teilen.

Aussicht auf dem Reichstag II

Am Freitag Abend waren zwar die ‚Tage der Begegnung‘ zu Ende, doch das Wochenende in Berlin hatte für mich erst begonnen. Nun war Zeit für Kunst und Kultur. Ein neu gefundener Freund und ich gingen in die Reformationskirche zu einem kurzen, inspirierenden Abendgottesdienst und besuchten anschließend eine Ausstellung, die an diesem Abend eröffnet wurde.


Kunst in Berlin

Am Samstag und Sonntag erkundete ich dann noch mit meiner Freundin Berlin und  kehrte natürlich auch zu vertrauten Plätzen zurück. Abends schauten wir uns im Kino den Film „3 Zimmer/Küche/Bad“ an, den ich euch wärmstens empfehlen kann. Ich saß im Kino und… es war so realistisch! Realitätsgetreu! Echt! Hach, ich war hin und weg! Geht in diesen Film, ihr Lieben!!

Eure Mathilda