Im Mutterschoß Gottes

Ich sitze in der Andacht nach einem Tag voller Gedanken, voller Reden, Leben, Tun. Ich habe das Glück, so zu sitzen, dass ich durch das große Fenster hinausschauen kann und ich erlaube mir die Weite. Ein Platz, Menschen, Häuser, Straßen, die Baumwipfel und dahinter, darüber der Himmel. Ich betrachte die Äste und Blätter der Bäume, das Abendblau des Himmels. Es kostet nicht viel Kraft, den Himmel und die Bäume zu betrachten, ich muss nicht denken, kann einfach nur schauen, wahrnehmen, so wie es anderen vielleicht mit der Maserung des Holzes ergeht.

Ich sitze in der Andacht und bin mir bewusst: Ich sitze vor Gott. Gott ist da und durchdringt diesen Raum, durchdringt mich. Ich spüre Gottes Anwesenheit.

Der zurückliegende Tag in mir tritt hervor und ich lasse die Gedanken daran – wie weiße Wolken am Sommerhimmel – durch meinen Kopf, meinen Sinn ziehen. Ich halte sie nicht fest, aber ich scheuche sie auch nicht weg. Sie dürfen sein, ich halte sie Gott hin, halte mich selbst hin und bin so dankbar für die Begegnung.

Ich bin an Andachten von einer Stunde gewöhnt und innerlich teile ich sie in Viertel. Schon am Ende des ersten Viertels lugt ein Gedanke hervor, der Gedanke an Gott als Mutter, ich empfinde ihn nicht als ausgedacht oder als Teil meiner Gedanken, sondern als gegeben, geschenkt. Ich hänge ihm ein wenig nach, lasse ihn wirken. Ich spüre, Gott möchte mir heute als Mutter begegnen, und während mein ganzer Körper, meine Wahrnehmung, mein Erleben die Gott-Mutter einlädt, tut sich mein Kopf, voll patriarchaler Prägungen, schwer, ruft sich zur Rechtfertigung Bibelstellen von weiblichen Gottesbildern (die Henne und ihre Küken…) ins Gedächtnis, fragt sich, ob das ausreicht, oder man nicht doch systematisch-theologisch darüber nachdenken müsste – und währenddessen, ganz unbenommen von allen Kopf-Gedanken, birgt sich mein ganzes Sein im Mutterschoß Gottes. Es tankt Liebe und Wärme und eine warme, weiche, unaufdringliche Zuwendung. Gott als Mutter ist so präsent, dass ich mich ihr nicht entziehen kann – und auch nicht entziehen will. Ich glaube, Elia am Horeb hat sie auch so erlebt, in diesem Säuseln.

Meine Tag-Gedanken steigen weiter auf, bewegen sich hin und her, da höre ich plötzlich Gesang in mir, erst leise und dann immer klarer: „Ubi caritas et amor, ubi caritas – deus ibi est.“ Ein Taizélied. Ich habe keine besondere Beziehung zu Taizéliedern, ja, sie klingen schön, aber ich kann nicht so viel mit ihnen anfangen, bevorzuge normalerweise eher Paul Gerhardt und Jochen Klepper, viel Text, viel Tiefe, viel für meinen Kopf. Doch das Taizélied bleibt. Es ist ein Wiegenlied und ich finde es ein wenig verrückt, dass Gott darin sprachlich männlich ist. Das Lied passt ganz eindeutig zu meinem Bild vom Mutterschoß Gottes, es tut gut, es im Hintergrund meiner Gedanken zu hören, sie sind aufgehoben bei Gott, nun muss gar nicht mehr viel passieren, es ist alles da, alles gut, ich lasse die Gedanken weiter wandern und lausche der Musik. Ich lächle die Gott-Mutter an und sage danke.

Warum der Valentinstag scheiße ist und ich trotzdem Blumen gekauft habe

Erst heute früh stolperte ich via Twitter über ein ziemlich cooles Erklärvideo zur romantischen Liebe. Das Konzept der romantischen Liebe ist, wenn man mal näher hinsieht und auch nur einen kleinen Funken Verstand besitzt, ziemlich irre: Da gibt es einen anderen Menschen, pardon: einen Seelenverwandten, der einen intuitiv und vollständig versteht, die eigenen Interessen und Wünsche teilt oder zumindest von ganzem Herzen unterstützt und mit dem man quasi auf rosa Wolken durchs Leben schwebt. Nun gut, natürlich ist das überzeichnet und in dieser Extremform scheinen auch die wenigsten an diese Idee zu glauben, aber doch durchzieht sie jeglichen Hollywood-Kitsch und drängt sich so immer wieder in unser Bewusstsein.

Mein persönliches Problem mit der Idee von der romantischen Liebe ist auch weniger die intensive Liebe und Zuneigung, die Menschen in Paarbeziehungen zu finden suchen, sondern vielmehr die Exklusivität, mit der dieser Wunsch einhergeht. Jeder Mensch hat zahlreiche Bedürfnisse, die niemals von einer einzigen Person erfüllt werden können, und es ist schlichtweg unverschämt, für deren Erfüllung eine andere Person außer sich selbst verantwortlich zu machen. Hier liegt aus meiner Sicht in vielen Paarbeziehungen der Hund begraben. Hinzu kommt, dass dieser Fokus auf die alles fordernde und alles erfüllende Zweierbeziehung häufig noch mit einem Absolutheitsanspruch vertreten wird, der bei mir schnell einen Würgreiz auslöst. Selbst in Situationen, in denen die eigene Beziehung – möglicherweise noch aufgrund mangelnder Selbstverantwortung! – scheiße läuft, wird an der Idee der romantischen Liebe als alleinseligmachendem Lebenskonzept krampfhaft festgehalten und es wird davon ausgegangen, dass es genau das ist, was nicht nur einem selbst, sondern auch allen anderen zum dauerhaften Glück verhilft.

Okay, ihr merkt, ich schreibe mich in Rage, doch mein immer mehr beziehungsanarchistisch schlagendes Herz macht bei diesem Thema auch ordentlich Radau. Ich liebe die verschiedenen Facetten von Liebe und Intimität, ich liebe Freundschaften, Bekanntschaften und ein buntes Netz an sozialen Beziehungen, und ich möchte keine dieser Beziehungen abwerten, nur weil ich auch eine „romantische Paarbeziehung“ führe. Und ja, natürlich ist mein Partner mir wichtiger und steht mir auch emotional näher als eine x-beliebige Kommilitonin oder der Postbote. Es geht mir vielmehr darum, dass diese eine, einzelne Beziehung nicht mittels bestimmter Konventionen mein ganzes weiteres Beziehungsleben bestimmt. Mein Partner wird niemals alle meine Interessen teilen, alle meine geheimen Wünsche erahnen und mir für alle Themen ein interessanter, aufmerksamer Gesprächspartner sein. Genauso wenig werde ich diese Rolle für ihn einnehmen können. Daher ist es mir wichtig, andere Menschen in meinem Leben zu haben, mit denen ich den eigenen Interessen nachgehen kann, die mich unterstützen und ermutigen und denen ich selbst eine Freundin sein kann.

Ich habe das Gefühl, der Anspruch an romantische Liebesbeziehungen ist viel zu hoch, als dass auch nur irgendwer ihn erfüllen könnte. Die gemeinsame Entscheidung, miteinander und in Liebe alt zu werden, scheint mir völlig ausreichend in ihrem Anspruch und ihren Konsequenzen. Wie genau dieses Ziel umgesetzt wird, sollte nicht durch Ideen, Konzepte und Konventionen von außen bestimmt werden, sondern jedes Paar darf und soll seinen eigenen gemeinsamen Weg finden.

Der Valentinstag nun verkörpert durch all seine verkitschte und kommerzialisierte Romantik nun so ziemlich all das, was ich in meinem Leben wie die Pest zu meiden suche. Ich will Tragik statt Kitsch, Minimalismus statt Kommerz und echte, aufrichtige Beziehungen statt einer romantischen Seifenblase. Und weil es meinem Partner glücklicherweise genauso geht, gab es niemals einen Anlass, zum Valentinstag Bärchen, Herzchen oder Blümchen zu kaufen, zu verschenken oder geschenkt zu bekommen. Dennoch erwischte mich dieses Jahr der Konsumwunsch aus der Kalten. Ende Januar sah ich all die Bärchen und Herzchen und Blümchen auf den Werbetafeln und dachte mir: „Hach…“

Natürlich hätte diesen mir durch die Werbeindustrie eingeredeten Wunsch wegdrängen können und mich einmal mehr für Minimalismus und gegen Konsum entscheiden können. Stattdessen identifizierte ich mich selbst als Konsumopfer und machte das Beste draus: Da mir völlig klar war, dass das mit echter Liebe nix zu tun hatte, und da ich meinem Partner diesen Blödsinn ganz sicher nicht aufdrücken würde, bestellte ich auf einem entsprechenden Internetportal einen Blumenstrauß samt Karte und Macarons. Und weil ich den Valentinstag immer mit einem bestimmten Freund verbringe und darum nicht daheim bin, ließ ich ihn mir einen Tag später nach Hause liefern.

So habe ich nun einen wunderschönen Rosenstrauß mit allem Kitsch der Welt von genau dem Menschen bekommen, der mit Hingabe und Freude die Verantwortung für die Erfüllung meiner Bedürfnisse übernimmt und dem ich wichtig genug bin, auch mal auf einen absolut bescheuerten Konsumwunsch einzugehen – mir selbst.

Paris im Winter – Tag 2

Unser zweiter Tag in Paris begann erneut mit Sonnenschein, sodass die morgendliche Müdigkeit schnell verflogen war. Überhaupt, ich hatte fast 10 Stunden geschlafen, aber das war nach dem ersten, aufregenden Tag auch nötig gewesen. Wir machten uns auf den Weg zur Basilika Sacré-Cœur de Montmartre, in Gedanken sang ich mit Tina Dico und mein Herz hüpfte vor Freude bei diesem Anblick und Ausblick.

Die Sacré-Cœur ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Paris, bei der man weder anstehen noch Eintritt bezahlen muss. Auch die Sicherheitskontrolle brachten wir zügig hinter uns und konnten uns so die Kirche auch von innen ansehen. Es ist innen verboten, Fotos zu machen, woran sich natürlich keiner hält, doch ich wollte diese Kirche wirklich als Ort der Einkehr sehen und habe also darauf verzichtet.

Anschließens fuhren wir auf den Tipp von Tina in Richtung der Rue Oberkampf, um uns auf die Suche nach Street Art zu begeben. Und wir wurden schnell fündig:

Als ob wir danach noch nicht ausreichend zu Fuß unterwegs gewesen wären, ging es weiter auf den 48 Hektar großen Cimetière du Père-Lachaise, den größten Friedhof von Paris.

Danach brachte uns die Métro ins jüdische Viertel, wo es eine ganze Menge an Markenklamottenläden gab und Tina in ihrem Tipp Nummer acht nicht damit übertrieben hatte, dass sich ein Falafelstand an den nächsten reihte. Leider hatten wir nicht so viel Glück wie sie und mussten eine ganze, unverschämte Weile anstehen, bis wir unsere Falafel in der Hand hielten. Wer hier also lange Warteschlagen sieht, sollte wohl besser die Beine in die Hand nehmen und sich eine andere Essensquelle suchen ;-)

Nun hatten wir eigentlich geplant, am späten Nachmittag und Abend noch ins Louvre zu gehen, da dieses mittwochs lange Öffnungszeiten bis 21.45 Uhr hat. Nachdem wir jedoch bereits alle Schrittzählerrekorde gebrochen hatten, beschlossen wir, unsere Füße für den morgigen Tag zu schonen – die Freundin entschied sich für ein Pizzastück auf die Hand und verbrachte den Abend im Zimmer, ich hingegen ging ins Kino und sah mir mit „Paterson“ einen herausragenden Film von Jim Jarmusch an. Der Film lief im englischen Original mit französischen Untertiteln, was mir gleich doppelte Verständnischancen eröffnete. Gern hätte ich den Abend danach noch in einer nette, kleine Bar gesessen mit einem Glas Wein und guter Gesellschaft ausklingen lassen, doch es tat meiner entspannten und glücklichen Stimmung auch keinen Abbruch, mir noch ein Stück Pizza zu kaufen und zurück in unsere Unterkunft zu gehen.

Ein gelungener Tag!

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Paris im Winter – Tag 1

Mit diesem Tweet fing alles an, genauergesagt mit einer Nachricht der liebsten Freundin auf meinem Handy: „Ich will nach Pariiiis! Kommst du mit?“ Da Spontaneität neuerdings mein zweiter Vorname ist (Ähm. Nicht.), hab ich zugesagt und im Nu waren Zugfahrt und Unterkunft gebucht:

Früh um 7 ging es in Stuttgart los und drei Stunden später waren wir schon in Paris!
Da dort am Bahnhof bald jeder zweite Fahrkartenautomat defekt war, hieß es erstmal Anstehen für uns. Doch schließlich hatten wir unseren 10er-Pack Tickets und konnten uns mit der Métro auf den Weg zur Unterkunft machen. Wir schnupperten Pariser Stadtluft, tranken erstmal einen Kaffee und machten Pläne für den Tag. Nach dem Sitzen im Zug war uns nach einem Spaziergang zumute und ohne unser Gepäck ließ es sich umso besser durch die Pariser Straßen bummeln: Einmal um Notre Dame herum und an der Seine entlang erkundeten wir die Stadt. Das Louvre schien uns so groß wie ein ganzer Stadtteil und natürlich genoß ich besonders den Ausblick auf das Riesenrad im Jardin des Tuileries.

Auf den Stufen der Eglise de la Madeleine aßen wir leckere Macarons aus dem Ladurée und ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Wer hätte auch ahnen können, dass wir Ende Dezember so ein traumhaftes Wetter haben würden! (Nun ja, wir freuen uns dran, aber ich will gar nicht dran denken, was das global gesehen bedeutet…)

Nach einer kurzen Pause in unserer Unterkunft folgten wir unseren knurrenden Mägen und aßen in der Crêperie des Arts leckere Crêpes mit Ziegenkäse, Walnüssen und Honig. Danach bummelten wir weiter durch die Straßen, wobei die liebste Freundin einen Second Hand Laden entdeckte und sich ganz dem Shoppingwahnsinn hingab.

Auch in der Dunkelheit ließ sich noch einiges entdecken und so stolperten wir an kleinen Platten- und Buchläden, riesigen Universitätsgebäuden und lockenden Essensständen vorbei und genossen den rauschhaften Taumel durch die Nacht.

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#augustbreak2016 – 5 years ago

Das ist nun die Nachspielzeit zum #augustbreak2016, wie die Vorgärtnerin es so schön betitelt hat. Im Gegensatz zu Raph Elle, die gleich ihr ganzes abenteuerliches Jahr 2011 Revue passieren ließ, habe ich mir nur den Sommer 2011 vorgenommen.

Es war ein ganz gewöhnlicher Sommer: Ich fuhr Anfang August aufs Freakstock und saß danach am Schreibtisch und schrieb Hausarbeiten. Mein Mann arbeitete enorm viel und so traf ich mich abends oft mit Freunden. Ein Kommilitone lud mich zu seinem Geburtstag ein. Meine Schwägerin heiratete. Ich begann einen neuen Nebenjob und ein neues Ehrenamt. Und Ende September ging es nach Berlin.

Ein gewöhnlicher Sommer, wie es ihn selten bei mir gab. Stinknormale Semesterferien ohne Umzüge (wie in den 5 Jahren zuvor), größere Praktika/Ferienjobs (wie in den 2 Jahren danach) oder Lernen fürs Examen (die anschließenden 2 Jahre). Semesterferien, in denen es etwas zu tun gab, das aber Tag für Tag auch gut zu schaffen war.

Gleichzeitig veränderte dieser Sommer mein Leben, sodass ich es bis heute merke. Ich denke oft, es braucht diese Ruhe im Außen, damit das Innen hinterherkommt und sich entwickeln kann. Der Sommer brachte mir keine großen beruflichen Veränderungen, keinen Ortswechsel, keine abenteuerliche Reise, keinen Stempel unter meinen Studienleistungen oder meiner Beziehung – doch im Blick auf mich und mein Leben hat er mich nachhaltig verändert.

Inwiefern? Damit das Anskizzierte auch Gestalt bekommt, will ich versuchen, diese Frage zu beantworten und den Balanceakt zwischen persönlich und privat wagen.

Der Sommer brachte mir die Liebe Gottes nah, wie ich es zuvor noch nicht erlebt hatte. Dies hing mit einer einzelnen Predigt auf dem Freakstock zusammen. Wer wie ich christlich aufgewachsen ist, der kennt es vielleicht, wenn man sich bei einer besonderen Veranstaltung, einem Gottesdienst oder im Zeltlager Gott auf einmal ganz nahe fühlt, wenn man eine neue Erkenntnis oder einen geistlichen Durchbruch hat oder überhaupt gerade etwas mit Gott erlebt. Man denkt sich: Ab jetzt wird alles anders. Ab jetzt werde ich „Stille Zeit“ machen/Bibel lesen/beten/nicht mehr über meine Klassenkameraden lästern/allen von Jesus erzählen/… Danach fährt man nach Hause und ein paar euphorische Tage später hat einen der Alltag wieder. Und genau so war es bei mir in diesem Sommer nicht. Auch drei Wochen später schwebte ich noch auf Wolke 7 und der Durchbruch, den ich erlebt hatte, veränderte mein ganzes Denken. Die Botschaft: Gott liebt mich und nimmt mich an, mit allem, was ich bin/habe/denke/tue. Es war also die Erfahrung, die man „Gnade“ nennt.

Und ja, natürlich hatte ich diese Botschaft schon früher gehört, ich war Christ, seit ich denken kann, ich hatte mich bekehrt, ich lebte mein Leben mit Jesus. Aber trotzdem hatte ich – vielleicht gerade aufgrund meiner christlichen Prägung – einen bestimmten Lebensstil als richtig und Gott wohlgefällig ausgemacht und wann immer ich hinter diesem zurückblieb, hielt ich mich für vom Weg abgekommen oder einen Christen zweiter Klasse. In diesem Sommer verstand ich, dass dies allein meine eigenen Maßstäbe waren, die ich häufig von anderen Christen übernommen hatte, und dass sie nichts damit zu tun hatten, wie Gott mich sah und vor allem, wie er mich liebte. Es gibt mit Gott nicht den Plan B für das eigene Leben, sondern Gott geht jeden Weg mit mir mit. Punkt.

Diese Botschaft fiel vor fünf Jahren richtig tief in mein Herz und lässt sich auch nicht mehr herausreißen. Ich fing an, sie in allen Konsequenzen durchzubuchstabieren: Was hieß das für meine Beziehungen, Lebenentscheidungen, für meinen Umgang mit einem bestimmten verhaltensorientierten Christentum, für mein Verhältnis zu mir selbst?

Ein Beispiel dafür ist meine Perspektive auf Körper und Schönheit. Schon einmal schrieb ich in diesem Blog über Schönheitsideale und ich denke, einen wesentlichen Beitrag zu meiner Haltung lieferte mir dieser Sommer. Einige Tage nach Freakstock saß ich nämlich auf meinem Bett und beschloss, nicht mehr schlecht über meinen Körper zu sprechen. Eine einzige, klare Entscheidung ohne Wenn und Aber. Wenn Gott nicht zögert, in mir zu wohnen – mein Körper als sein Tempel, heißt es in der Bibel – wer bin ich dann, dass ich selbst Teile von mir ablehne? Gott nimmt mich an, wie ich bin, also will ich mich auch selbst annehmen. Diese körperbezogene Konsequenz war so wirkungsvoll, wie ich es kaum erwartet hätte, und hatte ganz eigene Folgen, für die ich sehr dankbar bin.

Vieles könnte ich hier noch beschreiben, aber vermutlich genügt es schon, um euch einen Eindruck von diesem lebensverändernden Sommer zu geben. Vielleicht habt ihr auch schon Ähnliches erlebt, wie sich eure Perspektive so ändert, dass es euer ganzes Leben durcheinanderwirbelt, wie ihr hinter die Veränderung nicht mehr zurück könnt und auf einmal so viel freier und glücklicher seid, ohne dass sich im Äußeren etwas verändert hätte. Mir brachte der Sommer vor fünf Jahren jedenfalls eine neue Gottesbeziehung ohne Schuld und Scham, voller Liebe, Gnade und Annahme. Und das wirkte tief in alle Bereiche meines Lebens – bis heute.

#augustbreak2016 – August was…


Ich blicke zurück auf einen wahren Sommermonat.
In der ersten Monatshälfte gab es einiges für mich zu tun, denn ich musste vorarbeiten für die Urlaubszeit und natürlich auch manche Vorbereitungen treffen. Trotzdem blieb Zeit, um Freunde zu besuchen oder in den Park zu gehen. Auch wenn ich dabei schon den Herbst in der Luft erschnuppern konnte, war mir dank zweiwöchigem Urlaub im Süden noch viel Sonne mit Strand, Meer und blauem Himmel beschert. Mein persönlicher Höhepunkt ist der Nachmittag, an dem wir auf unserer Fahrt an die Westküste in eine Art Jahrmarkt hineingerieten, der mit singenden Männern, Landfrauenverein und dem Verkauf von so ziemlich allem, was man sich vorstellen kann, ein wirklich einmaliges Erlebnis war. Aber auch die Pool-, Strand- und Städtetage sind natürlich nicht zu verachten ;)
So lautet mein Fazit: Der August war wunderschön!

#augustbreak2016 – Love is…

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Liebe ist etwas, das nicht verborgen bleibt.
Liebe will raus und sie will das Beste für den anderen. Daher findet sie immer wieder Wege, sich zu zeigen: Im Zuhören und Helfen, in gemeinsamem Lachen, in Loyalität. Im unermüdlichen Dasein, in Geschenken und kleinen Gesten, in aufmunternden Worten oder einer liebevollen Umarmung.

Gary Chapman prägte den Begriff von den „5 Sprachen der Liebe“: Lob und Anerkennung, Zweisamkeit, Geschenke, Hilfsbereitschaft, Zärtlichkeit. Jeder Mensch drücke seine Liebe mit unterschiedlichem Schwerpunkt durch diese Sprachen aus und fühle sich vor allem dann geliebt, wenn ihm dies in „seiner“ Sprache gezeigt würde. Dieses Konzept halte ich für einleuchtend und mit etwas Reflexion und Kommunikation kann es das gemeinsame Leben erleichtern.

Auf dem Bild seht ihr einen Brief meines damals 11jährigen Patenkindes, der mich bis heute beeindruckt. Vor ein paar Jahren war mein Mann kurzzeitig arbeitslos und so lief es finanziell nicht gerade rund bei uns. Als mein Patenkind das mitbekam, spazierte er schnurstracks in sein Zimmer und kam mit 20 Euro wieder, die er uns ganz unbedingt schicken wollte. Seine Mutter zögerte kurz, konnte es ihm aber nicht guten Gewissens verweigern. Denn er hatte sehr genau verstanden, worum es ging: Wenn jemand gerade weniger hat, dann geben wir ihm etwas ab, und wenn wir selbst Hilfe brauchen, werden wir sie auch bekommen.

Solidarität im Alltag – auch das ist Liebe.

#augustbreak2016 – Green


Grün! Zu dieser Farbe könnte ich wohl einen ganzen Roman schreiben. Grün ist für mich die erholsamste und wohltuendste Farbe überhaupt. Obwohl ich vermutlich eher Stubenhocker als Pfadfinder bin, ist für mich das Auftanken in Park oder Wald enorm wichtig. Grüntöne beruhigen die Seele und erst im Grünen habe ich das Gefühl, so richtig durchatmen zu können. Drum habe ich, mit der Hilfe gründaumiger Freundinnen, auch angefangen, meine Fensterbank mit einigen Pflanzen zu verschönern. Und auch Wohnzimmer und Kleiderschrank sind von meiner Grünvorliebe geprägt. Es gibt eine waldgrüne Wand, hellgrüne Vorhänge und grüne Kissen auf einem braunen Sofa.

Weiterlesen: Nach Grau kommt Grün und Raph Elle: green.

I only went out for a walk and finally concluded to stay out till sundown, for going out, I found, was really going in.
(John Muir)

#augustbreak2016 – Midday

Mittagszeit heißt hier oft Schmusestunde. Wenn ich zuhause bin, mache ich mir etwas zu essen und setze mich aufs Sofa. Kaum bin ich da, kommt auch schon die Katze an und fordert ihre Streicheleinheiten ein. Essen gibt’s dann nebenher, ich jongliere Teller und Besteck und nur selten muss die Kleine ein paar Minuten warten, bis ich gegessen habe und sie sich schnurrend an mich herandrücken darf. Raph x Elle schreibt, dass es bei ihr im Grunde keine richtige Mittagspause gibt und ich kenne diese Zeiten, aber sie haben mir nicht gut getan. Selbst wenn es Mittagessen erst um 3 gibt, dann mag ich doch die Zeit abseits der Arbeit, die ich dadurch für mich habe. Einmal tief durchatmen. Essen. Katze streicheln. Weiter geht’s.

#augustbreak2016 – Morning light

01_morning light
Gar nicht so einfach, das Morgenlicht einzufangen, wenn man wie ich erst mal bis in die Puppen schläft. Gestern Abend kam ich vom Freakstock zurück und hab mir nach der ersehnten Dusche erstmal ausreichend Schlaf gegönnt.
Ich schlafe ohne den Rolladen herunterzulassen, mit hellen, leicht transparenten Vorhängen vor dem Fenster und wenn ich morgens aufwache, fällt mein Blick zuerst auf mein Bücherregal, was mir immer wieder ein Glücksgefühl beschert.
Für das gezeigte Bild musste ich erstmal ins Wohnzimmer spazieren, das liegt eher ostwärts und so gibt es mehr Morgensonne auf dem Fensterbrett zu sehen.

[Hier geht’s zum Beitrag von Raph x Elle]

Sommertage

Kaum eine Wolke am Himmel, nur ein paar weiße Fäden wie die Reste eines Spinnennetzes hängen im Blau. Schon morgens direkt den Bikini unter die Kleidung gezogen, Handtuch & Picknickdecke eingepackt, und mit dem Fahrrad ab an den See. Wir liegen auf der Wiese, meine Urlaubslektüre bleibt unberührt, ich genieße die Ruhe und den Blick auf das Wasser. Ein Schmetterlingspaar flirrt durch die Luft. Das Gras unter den Füßen gehe ich zum See, spüre die glatten Steine, tauche meinen Fuß in das von der Sonne aufgewärmte Wasser. Ich liebe es, im See zu baden, vergesse Zeit und Raum dabei, schaue in den blauen Himmel und beobachte, wie ein Vogel seine Kreise zieht, um schließlich kurz über der Wasseroberfläche ein Insekt zu fangen. Wir schwimmen hinüber zum Steg, wo all die Menschen sind. Ihr Lachen und Jauchzen klingt dennoch fern in meinen Ohren, ich kehre zurück zur Mitte, tauche kräftig ein mit Armen und Beinen und schwimme glücklich zu unserem Platz zurück. Beschwingt sausen wir mit den Rädern nach Hause, freuen uns am satten Grün der Wiesen und dem Gelb der Felder. Mit Eiskaffee und Johannisbeerkuchen geht es in den Garten, ich pflücke ein paar Himbeeren, von der Hand in den Mund, und genieße die Behaglichkeit unter dem großen Birnbaum. Die Katze besucht uns und die Enten schnattern ein wenig vor sich hin. Sommertage auf dem Dorf, ihr seid so unglaublich schön.

Wie bewegt sich Freude?

Manchmal schleicht sich die Freude ganz langsam in mein Herz, um dort dann Kreise zu ziehen und schlängelt sich so nach und nach in mein Inneres um alle Räume einzunehmen. Sie breitet sich flächenmäßig gleichzeitig aus, so wie wenn etwas zerläuft, und dringt in jede Zelle. – nach oben und nach unten.

Dann hüpft sie dort, springt, dreht sich um sich selbst, dass alles vibriert und mein Gesicht gar nicht anders kann, als zu strahlen. Mein Mund lächelt oder lacht, weil die Freude meine Lippen kitzelt.

Und manchmal kommt die Freude auf einen Sprung in mich hinein, wie ein Betonklotz, der vom Himmel fällt. Schnell, mächtig, gewaltig, groß.

Einfach toll, diese Freude!

Clara

Noch ein Text, der zwar nicht in Heidelberg, aber doch im Anschluss an die synästhetischen Fragen der Schreibwerkstatt entstanden ist.
Liebe Clara
, vielen Dank, dass ich ihn hier veröffentlichen darf!

Filmgedanken

Man kann in meinem Tumblr immer ganz gut erkennen, wenn ich einen schönen Film gesehen oder ein gutes Buch gelesen habe. Ich suche dann nach Bildern und Zitaten, die ich rebloggen kann, und meine Favoritenliste ist schnell voll davon. Schaue ich dann über die Archivfunktion zurück, erinnere ich mich noch intensiver an die Szenen und Momente.

Im März habe ich den „Nachtzug nach Lissabon“ [1 2 3 4 5 6] gesehen, den ich ja eigentlich schon damals in diesem netten, kleinen Kino anschauen wollte. Später las ich eine Kritik dazu im Internet, die, beginnend mit „Ach, diese Lateinlehrer“, über zu viel Kitsch und die groß ausgeleuchteten Bilder, über die Klaviermusik, die Violinen und Trompeten seufzt. Der werte Kritiker hatte jedoch, wie er zugibt, auch schon seine Schwierigkeiten damit, das Buch zu Ende zu lesen, und so musste ihm der Film bestimmt als Zumutung erscheinen. Ich habe das Buch nicht gelesen, durch den Film aber große Lust darauf bekommen. So kann es auch gehen. Denn natürlich war der Film irgendwie eine Aneinanderreihung von großen Bildern und Szeneneinstellungen, in die hinein bedeutungsschwere und tiefsinnige Sätze gesagt werden, so häufig, dass man sich durchaus fragen kann, ob die Kitsch-Grenze nur gerammt oder schon durchstoßen ist. Doch die Sätze sind so fein formuliert und Szenen wie der Brillenwechsel, den der genannte Kritiker als übertrieben aufdringlich empfindet, ließen mich mit großen Augen vor dem Bildschirm sitzen und die gezeigte Welt und Wirklichkeit einfach nur aufnehmen, sodass mir die Frage nach dem Kitsch erst durch die Kritik aufgedrängt wurde. Man muss nicht immer die Bewertungsbrille aufsetzen. Nicht als ganz normaler Zuschauer an einem Freitagabend. Man kann auch einfach genießen.

Und dann „Brokeback Mountain“ [1 2 3 4]. Der Film verdient eigentlich einen ganz eigenen Post. Drei Mal habe ich ihn mir angesehen, allein im April. Er hat mich verstört und beim ersten Sehen ging die ganze Nacht und der nächste Tag drauf, dass mich die Geschichte umtrieb. Andere würden sich in einem solchen Fall wohl ablenken und neue Themen und Begegnungen suchen. Ich setzte mich am folgenden Abend gleich wieder vor den Fernseher und schaute mir das Drama nochmal an. Konfrontationstherapie oder paradoxe Intervention? Ach, ich kann auf das Etikett verzichten. Jedenfalls glaube ich, dass dieser Film 10 Jahre nach seinem Erscheinen und 7 Jahre nach Heath Ledgers Tod möglicherweise mein neuer ‚Schallplattenfilm‘ wird. Über so viele Jahre war es „Blade Runner“, den ich immer und immer wieder angesehen habe (wie man eine gute Platte auflegt), doch seit ein paar Jahren ist da nichts mehr. Und nun dieser „schwule Cowboy-Film“, eine Kategorisieriung, die zutreffend und unpassend zugleich ist. Annie Proulx sagt über Kurzgeschichten [5], dass sie eine Art höhere Form von Literatur darstellen. Sie sollen erzählen, wofür ein Roman taugen würde, und was trotzdem als Kurzgeschichte besser funktioniert. Für ihre Geschichte ist das definitiv zutreffend. Ein Wunder, dass es gelungen ist, daraus einen so intensiven und mitreißenden Film zu machen. Ich verstehe die Leute, die sich bis heute noch im zugehörigen Internetforum tummeln und Szenen diskutieren. 10 Jahre lang! Da sage noch einer, was erzählt würde, sei kein relevanter Stoff. Und nein, es geht nicht nur um Homosexualität, es geht um etwas Grundsätzliches. Um Gesellschaft, um Lebenskonzepte, um Diskriminierung, um Liebe.

So erinnere ich mich gerne an die Filme zurück und freue mich an den kleinen Bildern und Zitaten. Ein Tumblr kann schon eine schöne Sammlung sein.

Nach Grau kommt Grün

Um nach einem häusergrauen Tag noch atmen zu können, braucht es grüne Orte wie diesen. Selbst die Trauerweide hat ein Lächeln für mich. Nicht viele Menschen sind gekommen, doch alleine bin ich nicht. Ich teile mir den Lebensraum mit Käfern und Raben und bin mit den Bäumen ins Gespräch vertieft. Eine Entenmutter beschützt ihre Kleinen, die trotzdem freudig auf mich zu tapsen. Im Ohr habe ich den Hedonisten, der anpackt. Seine Musik lässt mich vorwärts- und rückwärtslaufen, springen und auf Steine klettern. Ich blicke hinweg über den Park in den grauen Himmel und zurück auf die vom Regen satte Wiese. Grün wie die Hoffnung. Bei der Fahrt mit der Seilbahn weht mir die Luft um die Ohren, ich flitze über den Sandboden und spiele mit der Schwermut Hase und Igel. Der Trübsal ein Schnippchen schlagen. Auftanken. Einmal tief durchatmen und dem Leben eine neue Chance geben.

I only went out for a walk and finally concluded to stay out till sundown, for going out, I found, was really going in.
(John Muir)