Lied eines Spießers (an einem verregneten Mittwoch)

Wenn mein Alter mich anmacht:
„Was sind denn das für Hosen?
Kann man bei euch denn noch so gehn?“,
Wenn das Groupie im Büro
Mir meine Frisur nicht mehr abkauft,
Sie will nicht dauernd Beamte sehn.

Dann denk ich:
Eigentlich hab ich kein Glück,
Ihr seid der Zeit stets voraus
Und ich bin weit zurück.

Die Mädchen sagen: „Ihh! Ist der beim Militär?
Der sieht so brav aus, mit dem sprech ich nicht mehr.“
So muss ich oft mir was anhörn
Von wegen: Spießer und so,
Und: das kannst du doch nicht bringen,
Bleib gleich im Büro.

Dann denk ich:
Eigentlich hab ich kein Glück,
Ihr seid der Zeit stets voraus
Und ich bin weit zurück.

Vielleicht kommt ihr mal dahinter,
Dass in Wirklichkeit,
Nicht ich, sondern Ihr die Spießer seid,
Ich leg zwar Wert auf solides Leben,
Trotzdem kann es durchaus Furore geben.

Denn für mich ist das Größte,
Für euch klingt’s verrückt,
Wenn unter der Haube das Gehirn richtig tickt.

Wenn ich Zauberer und Clown,
Traum und Träumer sein kann,
Und als Beamten-Phantast
Meine Kreise ziehen kann.

Wenn ich Akten wälze
Und trotzdem nicht verstaubt bin,
Weil ich denke, weil ich fühle,
Vielleicht kommt das mal in Euern Sinn.

So empfehle ich jedem,
Sich den Spiegel vorzuhalten,
Denn ob Wirklichkeit, ob Traum,
Das Gehirn zeigt Falten.

Dann denk ich:
Eigentlich hab ich nur Glück,
Ich bin der Zeit zwar nie voraus,
Doch ihr seid weit zurück.

(C) Peter Alfred 1982

Lullaby

Ich mag den Schlaf, er lullt uns ein, schuetzt uns vor denen, die in Doppelstockbetten wohnen. Zehn Minuten, acht Stunden. Wo ist der Unterschied? Wir traeumen von ihnen, doch sie hatten rote Pappnasen aufgesetzt und redeten wirres Zeug. Sie erschrecken so ganz gemein und lustig, wenn wir es ihnen irgendwann zufluestern. Zarte Gefuehle kommen in den groessten Topf, da werden sie nochmal schlauer. Schau nur bitte, dass Du neben mir stehst, wenn sie uns wieder heimzieh’n lassen.

(c) Daniel Liebeherr 2018

Unter deiner Hand

Du sitzt auf meinem Brustkorb und legst mir sanft und bestimmt die Hand über die Augen. Deine Finger sind zu einer glatten Fläche geschlossen, die sich langsam über die obere Hälfte meines Gesichts schiebt. Fast zärtlich streicht dein Daumen über meine Wange und Dunkelheit umhüllt mich als warme, weiche Berührung. Ich fühle mich so sicher unter deiner Hand.

Mittagsmüdigkeit

Die Mittagszeit ist mir gerade die liebste Zeit des Tages. Der Gedanke, dass sich am anderen Ende der Welt ein Mensch gerade im Tiefschlaf befindet, den Kopf auf dem Kissen ruhend und die Decke bestimmt bis an die Nasenspitze hochgezogen, beruhigt mich ungemein. Wo andere über das Mittagstief jammern, genieße ich den kleinen Moment der Müdigkeit in diesem Schlaf-Wach-Rhythmus, der sich Leben nennt.

Sommerabschied und Herbstliebe

Bis zum Schluss hatte ich noch auf ein paar unbeschwerte Tage und ein luftig-leichtes Sommergefühl gehofft. Mein Sommer war hart, tragisch und voller Momente, in denen mich die Zimmerdecke zu erdrücken drohte. Dennoch fiel es mir unerwartet schwer, ihn schließlich gehen zu lassen – wie damals in Frankfurt wollte ich ihn noch einen Moment lang festhalten, noch einen kleinen Sommeraugenblick für mich erhaschen. Ein, zwei Tage hatte es gegeben, mitten im Chaos zwischen den Sorgen aus dem alten Leben und den gerade neu ankommenden, da hatte ich meine Schwimmsachen eingepackt, die Sonnenbrille aufgesetzt und war mit klopfendem Herzen an den See gefahren. Es war der Versuch gewesen, im Wasser kurz Luft zu holen, das Alte abzuschütteln, loszulassen und Kraft für einen Neuanfang zu tanken, dessen Dimension mir in diesen Momenten noch gar nicht klar war. Schließlich jedoch nahm ich mit einer leisen Melodie im Ohr Abschied. Es würde einen anderen Sommer für mich geben, mit Erdbeeren, Sonnenschein und blauem Himmel. Mit Flirren in der Luft, nackten Beinen und Festivalschweiß auf der Haut …

In diesem Zustand traf der Herbst mich an und zog angesichts der Wehmut in meiner Brust ein wenig skeptisch die Augenbraue hoch. „Du? Ein Sommerkind? Seit wann denn das?“, schien sein Blick zu fragen, bevor er mich überschwänglich in seine bunten und raschelnden Arme nahm. Erst zaghaft, dann immer gieriger atmete ich die Herbstluft ein, es gab Luft im Übermaß, sie füllte meine Lungen und machte Kopf und Herz ein wenig leichter.

Wie hatte ich diese Liebe nur vergessen können!

#augustbreak2016 – Peaceful

Acht Sekunden Seelenruhe, oder: Kuhranzennacht in Kroatien.

Gestern Abend lag ich im Trampolin und genoss den Ausblick auf einen phänomenalen Sternenhimmel. Die Grillen zirpten ihr Nachtkonzert, der dünne Stoff auf meiner Haut sorgte mit der Restwärme eines sonnigen Tages für eine angenehme Temperatur und ein leises Lüftchen wehte durch den Garten. Peaceful – friedlich, was könnte dafür besser passen als dieser Moment?

Da meine Kamera nicht gut genug für Millionen und Abermillionen von Sternen und anderem astronomischem Gedöns ist, müsst ihr nun leider in den schwarzen Nachthimmel starren. Dafür ist das Grillengezirpe jedoch gut zu hören.

[Raph Elle ist schon schlafen gegangen… und gibt Tipps für friedlichen Schlaf.]

#augustbreak2016 – Breathe

„Erstmal tief durchatmen“ – diesen Satz hört und liest man von mir häufiger. Ich habe in diesem Blog schon mehrfach ein Lob auf die Langsamkeit gesungen (hier, hier und hier) und es scheint, als ändern drei Atemzüge manchmal die Welt. Tempo rausnehmen, Stress reduzieren, einatmen, ausatmen, fertig.
Dabei ist das Wort, das mir zu breathe als erstes einfiel: beten. Irgendwie hängen Beten und Atmen in meinem Kopf zusammen, was vor allem an dieser Erfahrung liegt. Ich atme eine andere Realität und ja, Beten ist für mich wie Atmen: natürlich, fast schon automatisch und ohne Nachzudenken bewege ich mich in der Gewissheit, ein Kind Gottes zu sein. Manchmal bin ich selbst überrascht davon, dass ich das glauben kann und wieviel Kraft es mir gibt.
Und weil atmen und beten Zeit brauchen, gibt es heute kein Bild, sondern ein Video. 4 Minuten 23 Sekunden. Ganz ohne Gequatsche, nur zum Genuss, und auch für Andersgläubige geeignet.

Ausführlicher geht es zum Thema „Breathe!“ bei Raph Elle zu (inklusive Anleitung zur tiefen Bauchatmung).

#augustbreak2016 – Green


Grün! Zu dieser Farbe könnte ich wohl einen ganzen Roman schreiben. Grün ist für mich die erholsamste und wohltuendste Farbe überhaupt. Obwohl ich vermutlich eher Stubenhocker als Pfadfinder bin, ist für mich das Auftanken in Park oder Wald enorm wichtig. Grüntöne beruhigen die Seele und erst im Grünen habe ich das Gefühl, so richtig durchatmen zu können. Drum habe ich, mit der Hilfe gründaumiger Freundinnen, auch angefangen, meine Fensterbank mit einigen Pflanzen zu verschönern. Und auch Wohnzimmer und Kleiderschrank sind von meiner Grünvorliebe geprägt. Es gibt eine waldgrüne Wand, hellgrüne Vorhänge und grüne Kissen auf einem braunen Sofa.

Weiterlesen: Nach Grau kommt Grün und Raph Elle: green.

I only went out for a walk and finally concluded to stay out till sundown, for going out, I found, was really going in.
(John Muir)

Worte wie Luftballons

Luftballons3Viel zu oft schreibe ich für dich.
Ich sehe Bilder und lese Zitate und setze sie wie ein Mosaik für dich zusammen. Ich bilde ein Kunstwerk vor deinen Augen, es ist mein Werk und natürlich nicht meines allein, es gehört auch ihm und ihr und dem Mädchen, das ich neulich im Bus sah. Dennoch blitzt immer wieder etwas darin auf, das nur für dich ist, ich reiche dir die Hand in meinem Schreiben, unsichtbar strecke ich sie aus, meine Fingerspitzen berühren dich beinahe, ein Bild, ein Wort, der Wind trägt es mit sich in eine andere Welt, und dann ist der Zauber auch schon wieder vorbei, verflogen, bis ich irgendwann neue Wörter und Leerzeichen wie Luftballons in den Himmel aufsteigen lasse. Direkt vor deinen Augen fliegen sie los und auch wenn du die angehängten Karten niemals findest, sind sie doch allein für dich bestimmt.

Ahnung V

[Beginn: Ahnung I]

Irgendwann wird es wohl keine Erklärung mehr zwischen uns brauchen. Wir werden immer wortkarger mit den Jahren, der Hauch der Ahnung ist verflogen, weich legt sie sich auf das Loch in meinem Herzen und mildert das Pochen ein wenig ab. Der Spaziergang zu zweit war uns verwehrt, ich habe geschwiegen und du bist deinen eigenen Weg gegangen. Mein Mantra hat mich durch die Jahre getragen, hat mich das Lächeln deiner Augen aushalten lassen und mir eine dünne Decke über die nackte, bloße Sehnsucht gezogen. Ich lächle immer noch zurück, ich lächle dich an, wie wir nun mit gealterten Körpern voreinander stehen, immer noch den gleichen Menschen sehen, immer noch die besten Freunde sind. Uns genügt ein Blick, ein Händedruck, eine stets geöffnete Wohnungstür – und ich vermag kaum zu glauben, dass du das so offensichtlich Verborgene nie gesehen hast.