#augustbreak2016 – Favourite mug

Ich könnte euch, wäre ich zuhause, mühelos meine Lieblingstasse präsentieren. Ich habe sie nicht, weil sie besonders schön ist, sondern weil ich sie von meinem Patenkind vor einigen Jahren geschenkt bekam. Sie hat eine gute Größe und ist glücklicherweise recht stabil.
Allerdings schreit mir dieses Stichwort gerade viel zu laut „Wohlstandsgesellschaft“ ins Gesicht. Nach der Lieblingstasse zu fragen, setzt voraus, dass das Gegenüber mehrere Tassen besitzt, aus denen es vermutlich verschiedene Getränke wie Kaffee oder Tee trinkt. Dabei haben viele Menschen nicht mal Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Menschen auf der Flucht leben von der Hand in den Mund, Familien teilen sich das Lebensnotwendigste.

Aus einem Berg an Geschirr hingegen die liebste Tasse auszuwählen, zeigt zumindest mir einmal mehr, wie privilegiert ich bin. Ich bin so reich, dass ich mir als Tourist gleich alle drei Tassen kaufen könnte, die ich heute in einem kleinen Laden entdeckt habe. Kurz habe ich gezögert, ob mir die obere als Kitsch nur ein müdes Lächeln entlocken soll oder sie eine ernst gemeinte Aufforderung darstellt. Erstrebenswert ist es jedenfalls:
„Make art, not war.“

Worte wie Luftballons

Luftballons3Viel zu oft schreibe ich für dich.
Ich sehe Bilder und lese Zitate und setze sie wie ein Mosaik für dich zusammen. Ich bilde ein Kunstwerk vor deinen Augen, es ist mein Werk und natürlich nicht meines allein, es gehört auch ihm und ihr und dem Mädchen, das ich neulich im Bus sah. Dennoch blitzt immer wieder etwas darin auf, das nur für dich ist, ich reiche dir die Hand in meinem Schreiben, unsichtbar strecke ich sie aus, meine Fingerspitzen berühren dich beinahe, ein Bild, ein Wort, der Wind trägt es mit sich in eine andere Welt, und dann ist der Zauber auch schon wieder vorbei, verflogen, bis ich irgendwann neue Wörter und Leerzeichen wie Luftballons in den Himmel aufsteigen lasse. Direkt vor deinen Augen fliegen sie los und auch wenn du die angehängten Karten niemals findest, sind sie doch allein für dich bestimmt.

Welche Farbe hat die Stille?

Was ist die Farbe der Stille?

Für andere Farben ist schnell die Antwort gefunden:
Blau – Farbe, die in sich hinein zieht: Himmel, Wasser, der Mantel der Madonna…
Rot – Farbe der Liebe: Herzblut, Rosenblatt, funkelnder Wein…
Gold – Königsfarbe, Trompetenfanfaren aus Bachs Weihnachtsoratorium, eine Weise, zu schenken…
Grün – Hoffnungsfarbe, wachsende Saat, dem Rot komplementär.

Doch: Welche Farbe hat die Stille?

Grau? Wie der unbelebte Granit in den Bergen? Wie der Kiesel am Strand?
Wie sieht Stille aus?
Grau-Braun? – Kryptamauern im Dom …
Rot-Braun? – Engelschor in Michaelis …

Stille ist hoch und tief zugleich,
Stille ist rechts und links neben mir –
Stille ist vor und hinter mir –
Stille ist überall,
wenn wir Menschen sie nicht zudecken mit unseren Wort-Farben-Teppichen und den heftigen Geräuschkulissen.

Welche Farbe hat die Stille?
Sie hat Sphärenfarbe.
Sie hat Engelsfarbe –
die ist da – und doch wieder nicht.
die ist sichtbar und unsichtbar.

Stille hat die Farbe der Engel.

Andrea Wauer-Höflich

Dieser Text entstand im Rahmen der Schreibwerkstatt bei „Wer Augen hat zu sehen …“ Ästhetik. Glaube. Ein Tag Emergent. am 28.11.2015 in Heidelberg. Danke, Andrea, dass ich ihn hier zeigen darf!

Ausgewähltes 1

Mein Blog ist mein Baby. Fast jeden Tag sitze ich an neuen Blogposts, sammle Zitate, tippe und überlege, wie sich meine Erfahrungen und Gedanken vermitteln lassen.

Zur Zeit geht es langsam auf „Preach it, Baby!“. Das ist gerade ganz passend für mich, ich schreibe, wann immer ich Zeit finde und die Beiträge sind fertig, wann immer sie fertig sind. Einmal tief durchatmen, du musst die Welt nicht retten, kannst in deinem eigenen Tempo schreiben und denken und leben.

Andere schreiben auch noch. Andere retten auch noch die Welt, indem sie ganz anders als ich schreiben und denken und leben und wir uns irgendwo trotzdem begegnen. Ihr Schreiben berührt mich, die Worte hallen noch lange nach, obgleich beim Lesen nur in Gedanken ausgesprochen, aber wer sagt, dass das weniger eindrücklich wäre als der Klang, die Worte reißen mich erst aus meinem Tag heraus und dann gehen sie mir nach, begleiten sie mich auf einem neuen Weg des Schreibens und Denkens und Lebens.

So mache ich heute mal etwas, das ich noch nie gemacht habe, ich schreibe diesen Beitrag nur, um auf andere Beiträge hinzuweisen, auf den wirklich grandiosen Post von Sarah Riedeberger nämlich: „Carpe diem, fuck you“, ein Text in drei Teilen, ja, er ist lang, aber er lohnt sich und spätestens beim dritten Teil habe ich dann einen dicken Kloß im Hals. Der Beitrag ist ja eigentlich ein Geburtstagspost, zum 25., und ich finde ihn so stark, dass ich euch jetzt einfach mal rüber zu Sarah schicke und hoffe, dass euch ebenso die Luft wegbleibt wie mir. (Nur im Guten natürlich, ihr dürft dann schon wieder weiteratmen…)

Hinzu kommt ein weiterer Text, den ich erst heute gelesen habe und der mich berührt und wirklich froh gemacht hat. Er wurde getippt und gesprochen von Frau Auge, getippt vermutlich in ihrer Wohnung oben in der Hochhaussiedlung und gesprochen von der Kanzel in einer Kirche, wenn sie denn da auf einer Kanzel steht und nicht vorn auf den Altarstufen sitzt, wer weiß. Ich glaube, wenn der Text nicht diesen doofen Titel „Predigt“ hätte und noch dazu die „10 Jungfrauen“ und das „Gleichnis“ in der Überschrift, dann hätten sicher schon mehr Leute geklickt, aber ihr wisst ja jetzt Bescheid, es lohnt sich.

Aller guten Dinge sind drei, und was bliebe nun außer der Lyrik (wie immer), ich bin eingenommen für die Lyrik, trage Gedichte in meiner Tasche und in meinem Herzen und auf die Verssprünge von Diana habe ich euch schon einmal aufmerksam gemacht. Immer wieder gelingt es Diana, mich mit ihren Worten zu erreichen, wenige Worte nur, klein und vorsichtig aneinandergesetzt und doch schon ein ganzer Gedanke, etwas kleines Großes, diesmal ein Gedicht im Zyklus „meer gedanken“, das es mir besonders angetan hat, in seiner Leichtigkeit und Weite.

Das passt nun zum Abschluss meines ungewöhnlichen Beitrags und ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht krumm, dass ich heute einen Schritt zurücktrete und das Aneinanderreihen von Worten anderen überlasse, drei Künstlerinnen ganz im Sinne meines Bloguntertitels, die es verstehen, die Bühne des Schreibens und Denkens und Lebens mit ihren Worten zu füllen.

Habt eine gute Woche!

Adventskalender mit Bildern, Zitaten und Tee

Es ist Mitte November und für die DIY-Adventskalenderbastler damit allerhöchste Eisenbahn. Immerhin wollen 24 Päckchen gebastelt und befüllt werden. Während ich mich letztes Jahr für eine Bechervariante mit Nüssen, Früchten und Studentenfutter entschied, steht dieses Jahr ganz im Sinne von Kunst & Poesie. Für den Geist gibt es Zitate und Bilder, für den Körper gibt es leckeren Tee.

Mein Adventskalender ist kostengünstig und vor allem auf die eigene Kreativität angewiesen. Hier seht ihr zunächst meinen Arbeitstisch und dann zeige ich euch, wie ich vorgegangen bin.

SAMSUNGMan braucht:

schöne Bilder
etwas dickeres Geschenkpapier
eine Zitatsammlung, hier Kalender mit Sprüchen
Teebeutel
Klebstoff, Schere

1. Eine Reihe von schönen Bildern im kleinen Format entwickeln lassen

wpid-2014-11-16-18.18.54.jpg.jpegIch habe gute Erfahrungen mit Pixum gemacht, aber es gibt auch haufenweise andere Anbieter, bei denen man oft von heute auf morgen Fotos entwickeln lassen kann. Ich wähle dafür ein Format mit einem weißen Rand und einer Größe von ca. 9cm.

Meine Bilder stammen aus meinem eigenen tumblr-Account, auf dem ich über das ganze Jahr schöne Fotos, Zitate und Sprüche sammle. Für eine Übersicht gehe ich in mein Archiv und speichere mir die Bilder ab, die ich verwenden möchte.

2. Zitate auswählen und die Rückseite der Bilder damit beschriften, bekleben,…

Die Zitate nehme ich ebenfalls von Tumblr oder aus verschiedenen Kalendern oder Aufstellern, die dann auch gern mal der Schere zum Opfer fallen.

Dazu kommen eigene Assoziationen zu den Bildern oder einfach gute Wünsche für den jeweiligen Tag.

3. Verschiedenen Tee besorgen

wpid-2014-11-16-18.19.27.jpg.jpegGerade jetzt gibt es ja sogar Tee als Adventskalender zu kaufen, sodass man leicht an 24 verschiedene Sorten kommen kann.
Ich persönlich finde es aber auch nicht schlimm, wenn eine Teesorte doppelt auftaucht – ich stelle also Tee aus meiner eigenen Teesammlung zusammen und kaufe oft noch einen gemischten Pack im Supermarkt.
Für die Adventssonntage kann man sich natürlich auch noch eine kleine Besonderheit einfallen lassen.

4. Kleine Umschläge aus Geschenkpapier basteln

wpid-2014-11-16-18.37.55.jpg.jpegIch hoffe, man kann einigermaßen erkennen, wie ich die Umschläge gebastelt habe. Ich nehme das Bild und falte das Papier rundherum wie auf dem ersten Bild zu sehen. Man muss dabei darauf achten, dass man links und rechts etwas Luft lässt. Danach schneide ich im unteren Teil die geknickten Ränder ab und klebe sie dann auf die eingeklappten Ränder, sodass ich einen Umschlag erhalte. Zum Schluss noch das Umschlagfach etwas einschneiden und den oberen Teil entsprechend anpassen.
Meine Umschläge sehen nicht perfekt aus, jeder ist ein wenig anders, aber gerade das gefällt mir daran. Schließlich kommen Bildchen und Tee in den Umschlag.

Zuletzt muss man nur noch die Umschläge zukleben und nummerieren. Wer kein normales Klebeband nehmen will, ist mit schönem Masking Tape sicher gut bedient. Die Zahlen schreibe ich von Hand vorn auf den Umschlag, hier lassen sich natürlich auch hübsche Kleber anbringen.

Alle Umschläge kommen in ein Päckchen, das man auch gut in anderes Geschenkpapier einpacken kann.
Der hier gezeigte Adventskalender ist mein Geschenk an eine liebe Freundin, die heute Geburtstag hat.

Ich wünsche euch viel Freude beim Nachbasteln oder Inspirierenlassen!

#14 Mir ein neues Bloglayout gönnen

Schon eine ganze Weile dachte ich darüber nach, mein Bloglayout zu verändern und setzte daher Anfang des Jahres diesen Punkt auf meine persönliche Liste. Am Chateau Theme hatte ich mich schon eine ganze Weile satt gesehen und war auf der Suche nach einer klaren, eher puristischen Alternative. Ich wollte mehr Platz für meine Artikel, der Header sollte auch weichen und überhaupt sollte meine Seite in Bezug auf Menüs und Kategorien übersichtlicher werden.

Eine Zeit lang liebäugelte ich mit dem Personal Theme bis ich bei Stepanini das Reddle Theme entdeckte, das ich jetzt ausprobieren will. Ich habe die Customized Version im Testgebrauch und bin noch unschlüssig, ob ich mir WordPress Premium leisten soll oder mir das Custom Design reicht. Wenn ich nicht von zuhause auf mein Blog zugreife, stören mich immer wieder die Werbeeinblendungen, die mit dem Premium Account dann auch Geschichte wären. (Es ist mir allerdings ein Rätsel, warum nicht jeder sich ein entsprechendes Add-on zulegt, um werbefrei durchs Netz zu kommen…)

Heute habe ich nun ein wenig ausprobiert, zum ersten Mal Befehle in CSS eingegeben und mich über die schnelle Reaktion auf das veränderte Desgin gefreut und gewundert. Außerdem habe ich alte Artikel überarbeitet, die „Weiterlesen“/More-Buttons entfernt, Beitragsbilder gelöscht, und natürlich die obere Menüleiste erstellt.

Es ist unglaublich, wie schnell beim Basteln die Zeit vergeht!

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich sicherlich noch einiges verändern und wer weiß, welches am Ende wirklich das gewünschte „neue“ Bloglayout sein wird… Gebt mir ein bisschen Zeit und natürlich gern auch ein Feedback, wie euch das neue Design gefällt! Das gilt besonders, wenn euch irgendwelche Fehler in der Darstellung auffallen sollten.

Ich wünsche euch weiterhin viel Freude auf „Preach it, Baby!“

„A novel worth reading is an education of the heart. It enlarges your sense of human possibility, of what human nature is, of what happens in the world. It’s a creator of inwardness.“ (Susan Sontag)

Und so dreht sich mein Leben um die immer gleichen Themen, mein Kopf sinnt Motiven nach, mein Gefühl erträumt sich ein Behagen, alles ist Anschauung und Betrachtung. Vor meinem inneren Auge steigen Szenen aus Romanen auf, den immer gleichen Romanen, Anna Karenina ist so ein Roman, und Das Bildnis des Dorian Gray ist zu einem geworden, Sentenzen von Dichtern, und ein lieb gewordenes Romanende:

Was für eine traurige Geschichte, dachte ich lange. Nicht dass ich jetzt dächte, sie sei glücklich. Aber ich denke, dass sie stimmt und dass daneben die Frage, ob sie traurig oder glücklich ist, keinerlei Bedeutung hat. Jedenfalls denke ich das, wenn ich einfach so an sie denke. Wenn ich jedoch verletzt werde, kommen wieder die damals erfahrenen Verletzungen hoch, wenn ich mich schuldig fühle, die damaligen Schuldgefühle, und in heutiger Sehnsucht, heutigem Heimweh spüre ich Sehnsucht und Heimweh von damals. Die Schichten unseres Lebens ruhen so dicht aufeinander auf, dass uns im Späteren immer Früheres begegnet, nicht als Abgetanes und Erledigtes, sondern gegenwärtig und lebendig. Ich verstehe das. Trotzdem finde ich es manchmal schwer erträglich. Vielleicht habe ich unsere Geschichte doch geschrieben, weil ich sie loswerden will, auch wenn ich es nicht kann.

— Bernhard Schlink, Der Vorleser

Das sind mir die liebsten Begleiter. Ein Suchen und Tasten, ein Finden und Erkennen, ein Entdecken unter einem kleinen Kieselstein, im Auge des Gegenübers, im eigenen Auge im Spiegelbild. Mir schwirren alte Zeiten im Kopf herum und manchmal scheint es, als habe ich auch die Zukunft schon gelebt. So plastisch liegen die Wege vor mir, so real die Gabelungen, die zu treffenden Entscheidungen. Ich entdecke im Leben der Romanfiguren mein eigenes und in meinem eigenen Leben das ihre. Wer sagt, dass sie nicht statt meiner den nächsten Schritt tun? Wer hält sie zurück?

It is what you read when you don’t have to that determines what you will be when you can’t help it.

Oscar Wilde

Die Eleganz der Madame Michel

So ein kluger, schöner und trauriger Film, der einen nicht mit einem Kloß im Hals, sondern mit klaren und guten Tränen zurücklässt.

Es ist nicht ganz mein Ding, hier nur auf aktuelle Filme und Bücher einzugehen. Ich liebe es, die Klassiker zu würdigen und auch Filmen von „vor ein paar Jahren“ ihren gebührenden Platz einzuräumen.

Und ja, ich glaube, ich liebe französische Filme.

Die titelgebende Figur, Madame Michel, ist die Concièrge (d. h. Empfangsdame) in einem vornehmen Pariser Wohnhaus. In diesem wohnt die 11jährige Paloma mit ihrer Familie. Paloma hat beschlossen, sich an ihrem 12. Geburtstag umzubringen und dokumentiert mit einer Videokamera ihr bisheriges Leben. Die Vorstellung, am Ende „im Goldfischglas“ zu landen wie ihre reiche Familie, ist für sie schrecklich. Lieber will sie „den Sternen folgen“. Nachdem ein reicher Nachbar gestorben ist, zieht ein Japaner ins Haus ein, der sowohl gegenüber Madame Michel als auch gegenüber Paloma sehr aufmerksam ist. Madame Michel, mit Vornamen Renée, wird von Herrn Ozu, dem Japaner, zum Essen eingeladen. Sie selbst lebt nach außen hin das Leben einer ruppigen, alten, einfältigen Concièrge, doch heimlich sitzt sie in ihrem kleinen Zimmer voller Bücher und liest und liest und isst dunkle Schokolade und trinkt Tee. Jedoch ist es ihr sehr unangenehm, vor anderen ihre Bildung oder Belesenheit zu zeigen. Paloma meint dazu: „Sie haben ein gutes Versteck gefunden.“

Ich möchte nicht mehr über die Handlung des Films verraten, falls jemand diesen noch nicht gesehen hat. Dann sage ich: „Vite, vite!“, schaut euch den Film an! Und wer das Buch – „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery – gelesen hat, der schreibe mir doch einen netten Kommentar dazu. Es interessiert mich sehr!

Im Audiokommentar zum Film erzählen die Regisseurin Mona Achache und die Produzentin Anne-Dominique Toussant nämlich, dass es gar nicht so einfach war, die literarische Vorlage umzusetzen. Während im Buch die beiden Perspektiven – innere Monologe von Madame Michel, Tagebuchaufzeichnungen von Paloma – vorherrschen, war die Frage, wie man diese im Film nun darstellen sollte? Ohne das Buch zu kennen, würde ich sagen: Mit der Videokamera und den Zeichnungen von Paloma sowie dem grandiosen Spiel von Josiane Balasko ist dies hervorragend gelungen!

Die Welt des Films wirkt einerseits märchenhaft schwebend und andererseits völlig innerhalb des Hier und Jetzt – besonders mit der Ungeschminktheit der Madame Michel, die genauso auch meine eigene kleine Nachbarin sein könnte.

Was wirklich zählt ist nicht, dass man stirbt oder in welchem Alter. Sondern das was man tut. Und zwar genau in diesem Moment.

Hannah Arendt (Film)

Auf diesen Film hatte ich mich schon eine ganze Weile gefreut und nun muss ich mir eingestehen, dass meine Enttäuschung auf dem Weg vom Kino bis an meinen Schreibtisch erst in Wut und dann in Frustration umschlug.

hannah arendt ticket

In meinem Studium habe ich nur ein wenig von Hannah Arendt gelesen, sodass ich mich nicht gerade als große Kennerin darstellen kann. Dass Arendt tatsächlich Englisch mit extrem ausgeprägtem deutschen Akzent sprach und demzufolge auch Sukowa in ihrer Rolle eine entsprechend irritierende Aussprache zutage brachte, musste ich mir erst anlesen.

Trotzdem kann ich hier meine Eindrücke des Filmes formulieren und mein Unverständnis gegenüber denen zum Ausdruck bringen, die in Sukowa eine brilliante Hauptdarstellerin sehen (Preis für die beste Darstellerin, Bayerischer Filmpreis). Doch erst einmal zum Positiven:

Sukowa überzeugt in den Momenten, in denen sie nur schaut und nicht spricht. Gerade das war auch ein wesentlicher Grund, dass die Regisseurin Margarethe von Trotta Sukowa unbedingt in der Rolle der Hannah Arend haben wollte, weil dass sie nämlich die Fähigkeit habe, „das Denken visuell umzusetzen„.

Für mich ist das ist aber auch das Einzige, was ich ihr wirklich abnehmen konnte. Sukowa sprechend und als Arendt im täglichen Leben, auf ihrer Israelreise Blumenfeld treffend und überschwänglich begrüßend, diese Freude habe ich ihr nicht abgekauft. Es erschien mir eher wie eine theaterspielende Gruppe von Jugendlichen – nur dass diese Frau bereits erwachsen ist und als Schauspielerin ihr Geld verdient. War es vielleicht Absicht, ihre Emotionen so wenig glaubhaft zu zeigen? In manchen Bereichen kann ich es nachvollziehen, Arendt als kühl und unzugänglich darzustellen – doch im Umgang mit ihren liebsten Freunden? Die Worte passen nicht zu den Gesten, die Gesten nicht zum Ausdruck, auf mich wirkt Sukowa wie ein Fremdkörper in einer Rolle, der sie einfach nicht entspricht.

Es gibt dennoch ein paar Dinge, die mir am Film gefallen.
Die erste Auffälligkeit ist, dass zwischen den verschiedenen Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch, Ivrit – hin und hergewechselt wird, wie es sich aus der Situation eben ergibt. Die entsprechenden Szenen haben dann einen deutschen Untertitel. Dies hat mir außerordentlich gut gefallen. Es macht die einzelnen Situationen greifbarer, aufrichtiger und authentischer.
Weiter wird der Eichmannprozess im Originalmaterial gezeigt, wodurch auch hier ein Höchstmaß an Authentizität erreicht wird und man als Zuschauer mit dem tatsächlichen Prozess konfrontiert ist. Die Filmaufnahmen um den Prozess herum wurden auch im Originalgebäude gedreht, wobei Film und Archivaufnahmen sehr gut ineinandergreifen.
Zuletzt gefällt mir, dass recht viel Zeit für die Abhandlungen Arendts bleibt. Arendt spricht zwei Mal ausführlich vor ihren Studenten und liest auch am Schreibtisch aus ihren Artikeln vor. So bekommt man tatsächlich einen Eindruck von den Inhalten, über die sich auf der Handlungsebene die Kontroverse ergibt.

Mein Fazit:
Ich kann nur sagen: Schade. Während inhaltlich eine wirklich interessante und lohnenswerte Thematik zur Sprache kommt, hat es der Großteil der Darsteller tatsächlich geschafft, mich eher von einer Beschäftigung mit dieser abzuhalten als sie mir nahezubringen.

PS. Ein interessantes Porträt von Hannah Arendt in mehreren Teilen findet sich hier.

„Kunst-Werke sind von einer unendlichen Einsamkeit und mit nichts so wenig erreichbar als mit Kritik. Nur Liebe kann sie erfassen und halten und kann gerecht sein gegen sie.“

Aus einem Brief Rainer Maria Rilkes an Franz Xaver Kappus (23. April 1903):

„Geben Sie jedesmal sich und Ihrem Gefühl recht, jeder solche Auseinandersetzung, Besprechung oder Einführung gegenüber; sollten Sie doch unrecht haben, so wird das natürliche Wachstum Ihres innern Lebens Sie langsam und mit der Zeit zu anderen Erkenntnissen führen. Lassen Sie Ihren Urteilen die eigene stille, ungestörte Entwicklung, die, wie jeder Fortschritt, tief aus innen kommen muß und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Alles ist austragen und dann gebären. Jeden Eindruck und jeden Keim eines Gefühls ganz in sich, im Dunkel, im Unsagbaren, Unbewußten, dem eigenen Verstande Unerreichbaren sich vollenden lassen und mit tiefer Demut und Geduld die Stunde der Niederkunft einer neuen Klarheit abwarten: das allein heißt künstlerisch leben: im Verstehen wie im Schaffen.
Da gibt es kein Messen mit der Zeit, da gilt kein Jahr, und zehn Jahre sind nichts, Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit. Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles!“

Liebeserklärung an: Rainald Grebe

Wunderbar. Der fängt immer so bestimmte Stimmungen und Szenen ein, die mir vertraut sind, aber die ich selbst nie so benennen könnte. Ganz wunderbar.

Rainald Grebe ist diplomierter Puppenspieler, Ex-Straßenkünstler (in Berlin), Dramaturg, Schauspieler und Regisseur und darüberhinaus – was mich besonders interessiert – Kabarettist und Musiker.

Nach den Einsteigerhymnen über Thüringen, Brandenburg und Dörte erfreue ich mich bis heute immer wieder an neuen und alten Liedern von ihm, höre einmal, zweimal, dreimal hin, schmunzle, nicke, bekomme Beklemmungen und staune über seine Beobachtungsgabe.

Besonders warm ums Herz wird mir bei den Liedern, die er zusammen mit der „Kapelle der Versöhnung“ sang. Eins meiner liebsten ist sein Abschiedslied an die 90er, bei dem vor meinem inneren Auge immer wieder Szenen aus meiner eigenen Kindheit und Jugend auftauchen.

In „Reich mir mal den Rettich rüber!“ nimmt er die Lebenssituation 30jähriger Pärchen aufs Korn. Das Besondere dabei ist, dass Rainald Grebe dabei nicht spottet oder sich gar offensiv lustig macht, sondern mit wenigen Worten eine Situation beschreibt, Menschen und ihre Meinungen wunderbar prägnant zitiert und einem so den Spiegel vor Augen hält. Treffend wurde „Familie Gold“ auf Youtube mit den Worten kommentiert:

Er tanzt auf dem schmalen Grad zwischen Tragik und Komik.

Von seinem aktuellen Album „Das Rainald Grebe Konzert“ bin ich jetzt schon begeistert. Einfach großartig ist „Krümel„, hörts euch einfach an. Und Künstler. Und… Und… Und bevor ich jetzt noch dreiundvierzig weitere Lieder verlinke, beschränke ich mich auf den Hinweis auf ein ausgesprochen schönes Interview – über das Bionade-Bürgertum. [Link entfernt, da leider tot.]

Eure Mathilda

Quelle für die Fotos:
Bild 1 (Marcus Sümnick) und Bild 2 (Lars Hung); Creative Commons License

Berlin 2

Mal wieder blicke ich zurück auf ein paar Tage in Berlin.
Kostenfaktor: ein kleiner Urlaub. Wert: Berlin eben :-)


Hinfahrt nach Berlin kurz vor Hannover

Zum bereits 4. Mal nahm ich an den Tagen der Begegnung teil, die es jungen Menschen ermöglichen, mit Abgeordneten ins Gespräch über Glauben und Werte zu kommen. Das Programm sah dieses Mal vor allem Begegnungen mit verschiedenen Generalsekretären vor: Hermann Gröhe (CDU), Patrick Döring (FDP) und Andrea Nahles (SPD), aber auch weiteren prominenten Abgeordneten wie Renate Künast (Grüne) oder dem Schirmherrn der Veranstaltung und Bundestagspräsidenten, Prof. Dr. Norbert Lammert.

Die Gespräche waren gesprägt von einer angenehmen und aufgeschlossenen Atmosphäre, neugierigen und herausfordernden Fragen der Teilnehmer zu aktuellen politischen Themen und den Antworten der Abgeordneten, über die danach natürlich noch eifrig diskutiert wurde.


Aussicht auf dem Reichstag

Interessanter als die Begegnung mit den Abgeordneten ist für mich jedoch meist die Begegnung mit anderen Teilnehmern – je länger ich nun in regelmäßigen Abständen ins politische Berlin pilgere, umso mehr ist das der Fall. Ich freue mich, bekannte Gesichter wiederzusehen, neue Menschen kennenzulernen und mit diesen bis spät in die Nacht zusammenzusitzen, zu erzählen und Erfahrungen miteinander zu teilen.

Aussicht auf dem Reichstag II

Am Freitag Abend waren zwar die ‚Tage der Begegnung‘ zu Ende, doch das Wochenende in Berlin hatte für mich erst begonnen. Nun war Zeit für Kunst und Kultur. Ein neu gefundener Freund und ich gingen in die Reformationskirche zu einem kurzen, inspirierenden Abendgottesdienst und besuchten anschließend eine Ausstellung, die an diesem Abend eröffnet wurde.


Kunst in Berlin

Am Samstag und Sonntag erkundete ich dann noch mit meiner Freundin Berlin und  kehrte natürlich auch zu vertrauten Plätzen zurück. Abends schauten wir uns im Kino den Film „3 Zimmer/Küche/Bad“ an, den ich euch wärmstens empfehlen kann. Ich saß im Kino und… es war so realistisch! Realitätsgetreu! Echt! Hach, ich war hin und weg! Geht in diesen Film, ihr Lieben!!

Eure Mathilda