Warum der Valentinstag scheiße ist und ich trotzdem Blumen gekauft habe

Erst heute früh stolperte ich via Twitter über ein ziemlich cooles Erklärvideo zur romantischen Liebe. Das Konzept der romantischen Liebe ist, wenn man mal näher hinsieht und auch nur einen kleinen Funken Verstand besitzt, ziemlich irre: Da gibt es einen anderen Menschen, pardon: einen Seelenverwandten, der einen intuitiv und vollständig versteht, die eigenen Interessen und Wünsche teilt oder zumindest von ganzem Herzen unterstützt und mit dem man quasi auf rosa Wolken durchs Leben schwebt. Nun gut, natürlich ist das überzeichnet und in dieser Extremform scheinen auch die wenigsten an diese Idee zu glauben, aber doch durchzieht sie jeglichen Hollywood-Kitsch und drängt sich so immer wieder in unser Bewusstsein.

Mein persönliches Problem mit der Idee von der romantischen Liebe ist auch weniger die intensive Liebe und Zuneigung, die Menschen in Paarbeziehungen zu finden suchen, sondern vielmehr die Exklusivität, mit der dieser Wunsch einhergeht. Jeder Mensch hat zahlreiche Bedürfnisse, die niemals von einer einzigen Person erfüllt werden können, und es ist schlichtweg unverschämt, für deren Erfüllung eine andere Person außer sich selbst verantwortlich zu machen. Hier liegt aus meiner Sicht in vielen Paarbeziehungen der Hund begraben. Hinzu kommt, dass dieser Fokus auf die alles fordernde und alles erfüllende Zweierbeziehung häufig noch mit einem Absolutheitsanspruch vertreten wird, der bei mir schnell einen Würgreiz auslöst. Selbst in Situationen, in denen die eigene Beziehung – möglicherweise noch aufgrund mangelnder Selbstverantwortung! – scheiße läuft, wird an der Idee der romantischen Liebe als alleinseligmachendem Lebenskonzept krampfhaft festgehalten und es wird davon ausgegangen, dass es genau das ist, was nicht nur einem selbst, sondern auch allen anderen zum dauerhaften Glück verhilft.

Okay, ihr merkt, ich schreibe mich in Rage, doch mein immer mehr beziehungsanarchistisch schlagendes Herz macht bei diesem Thema auch ordentlich Radau. Ich liebe die verschiedenen Facetten von Liebe und Intimität, ich liebe Freundschaften, Bekanntschaften und ein buntes Netz an sozialen Beziehungen, und ich möchte keine dieser Beziehungen abwerten, nur weil ich auch eine „romantische Paarbeziehung“ führe. Und ja, natürlich ist mein Partner mir wichtiger und steht mir auch emotional näher als eine x-beliebige Kommilitonin oder der Postbote. Es geht mir vielmehr darum, dass diese eine, einzelne Beziehung nicht mittels bestimmter Konventionen mein ganzes weiteres Beziehungsleben bestimmt. Mein Partner wird niemals alle meine Interessen teilen, alle meine geheimen Wünsche erahnen und mir für alle Themen ein interessanter, aufmerksamer Gesprächspartner sein. Genauso wenig werde ich diese Rolle für ihn einnehmen können. Daher ist es mir wichtig, andere Menschen in meinem Leben zu haben, mit denen ich den eigenen Interessen nachgehen kann, die mich unterstützen und ermutigen und denen ich selbst eine Freundin sein kann.

Ich habe das Gefühl, der Anspruch an romantische Liebesbeziehungen ist viel zu hoch, als dass auch nur irgendwer ihn erfüllen könnte. Die gemeinsame Entscheidung, miteinander und in Liebe alt zu werden, scheint mir völlig ausreichend in ihrem Anspruch und ihren Konsequenzen. Wie genau dieses Ziel umgesetzt wird, sollte nicht durch Ideen, Konzepte und Konventionen von außen bestimmt werden, sondern jedes Paar darf und soll seinen eigenen gemeinsamen Weg finden.

Der Valentinstag nun verkörpert durch all seine verkitschte und kommerzialisierte Romantik nun so ziemlich all das, was ich in meinem Leben wie die Pest zu meiden suche. Ich will Tragik statt Kitsch, Minimalismus statt Kommerz und echte, aufrichtige Beziehungen statt einer romantischen Seifenblase. Und weil es meinem Partner glücklicherweise genauso geht, gab es niemals einen Anlass, zum Valentinstag Bärchen, Herzchen oder Blümchen zu kaufen, zu verschenken oder geschenkt zu bekommen. Dennoch erwischte mich dieses Jahr der Konsumwunsch aus der Kalten. Ende Januar sah ich all die Bärchen und Herzchen und Blümchen auf den Werbetafeln und dachte mir: „Hach…“

Natürlich hätte diesen mir durch die Werbeindustrie eingeredeten Wunsch wegdrängen können und mich einmal mehr für Minimalismus und gegen Konsum entscheiden können. Stattdessen identifizierte ich mich selbst als Konsumopfer und machte das Beste draus: Da mir völlig klar war, dass das mit echter Liebe nix zu tun hatte, und da ich meinem Partner diesen Blödsinn ganz sicher nicht aufdrücken würde, bestellte ich auf einem entsprechenden Internetportal einen Blumenstrauß samt Karte und Macarons. Und weil ich den Valentinstag immer mit einem bestimmten Freund verbringe und darum nicht daheim bin, ließ ich ihn mir einen Tag später nach Hause liefern.

So habe ich nun einen wunderschönen Rosenstrauß mit allem Kitsch der Welt von genau dem Menschen bekommen, der mit Hingabe und Freude die Verantwortung für die Erfüllung meiner Bedürfnisse übernimmt und dem ich wichtig genug bin, auch mal auf einen absolut bescheuerten Konsumwunsch einzugehen – mir selbst.

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil III

Es folgt der dritte und letzte Teil meines Erfahrungsberichts zum Ausmisten mit der KonMari Methode. In Teil 1 habe ich erklärt, wie die Methode funktioniert und einige Vorab-Überlegungen geäußert. In Teil 2 habe ich mich vor allem dem Thema Kleidung gewidmet. Es geht weiter mit den anderen Bereichen.

Erfahrungsbericht – Teil III (weitere Bereiche)

Nachdem ich den Bereich „Kleidung“ abgeschlossen hatte, nahm ich mir das Bad vor und alles, was damit zu tun hatte. Es stellte sich heraus, dass es hier – wieder Erwarten – besonders sinnvoll war, alles an einem Ort zu sammeln, wie es der erste Schritt verlangt. Gerade wenn Dinge in Schränken, auf Ablagen, in Fächern,… liegen, ist es gar nicht möglich, alles auf einen Blick zu erfassen. Marie Kondo hält nichts davon, Vorräte anzulegen, doch ich persönlich bin froh, wenn ich stets eine neue Zahnbürste oder eine weitere Seife parat habe. Dennoch flogen einige Dinge raus, bei denen ich mir sicher war, dass ich sie nie benutzen würde.

Anschließend kamen meine Dekosachen an die Reihe. Wie schon beim Bad, war es der größte Schritt, alles an einem Ort zu sammeln. Danach ging es sehr fix, denn mein Geschmack hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. So konnte ich zwei ganze Deko-Pakete aussortieren und versuche nun, sie übers Internet zu verkaufen. Allerdings zeigt sich schon jetzt, dass das nicht ganz so leicht wird wie erhofft. Für die verbliebenen Dekosachen besorgte ich mir eine große Kiste, in die alles gut hineinpasst. Ich möchte nicht hier eine Weihnachtsbox und dort einen Stapel an Bilderrahmen liegen haben. Deshalb habe ich meinen Schrank ausgemessen und die größtmögliche und stabilste Box besorgt, die ich finden konnte. Dass sie nur zu einem Drittel gefüllt ist, stört mich dabei wenig – sollte etwas Neues dazukommen, will ich nicht an einem anderen Platz in der Wohnung anfangen.

Schließlich widmeten mein Mann und ich uns gemeinsam den (Freizeit-)Büchern, CDs, DVDs und PC-Spielen. Ich hatte schon vor einiger Zeit mein Freizeitregal durchsortiert und eine Kiste mit alten Büchern bereitliegen. Wir verglichen bei ReBuy und Momox die Preise und verschickten zwei Kisten an die beiden Internetportale. Dafür erhielten wir ca. 50-60 Euro und waren das Zeug los!
Von allen Artikeln, die wir nicht verkaufen konnten, schrieb ich mir die Barcode-Nummer auf und packte die Artikel in eine große Box in den Keller. Ich habe schon festgestellt, dass sich die Annahmekriterien immer wieder ändern. Vielleicht kann ich in ein paar Monaten ein weiteres Paket wegschicken.

Bei der Fachliteratur für mein Studium tat ich mich allerdings schwer. Ich besitze Bücher, die ich nicht mag und vermutlich auch nicht mehr lesen werde, aber wer sagt mir, dass ich sie in den letzten Zügen meines Germanistikstudiums nicht noch einmal zurate ziehen muss? Ich muss also zugeben, dass mein Bücherregal leider noch voller ist als ich es gern hätte. Ein Regalbrett enthält meinen SUB, d.h. alle noch ungelesenen Bücher. Für sie habe ich mir selbst noch etwas Zeit gegeben. Jedoch habe ich ganz der KonMari Methode entsprechend den Entschluss gefasst, keine Bücher mehr im Regal stehen zu haben, bei deren Anblick ich ein schlechtes Gewissen bekomme, weil ich sie mir zugelegt, aber nicht gelesen habe! Dazu gehören auch Bücher, von denen ich dachte, dass ich sie als „gebildeter Mensch“ unbedingt würde besitzen respektive lesen müssen. Hier ist es (möglicherweise…) Zeit, mein Selbstbild zu korrigieren. Immerhin habe ich bisher auch ohne diese Bücher überlebt!
Sollte dieser Abschnitt noch etwas zögerlich oder weniger überzeugend als der Rest des Artikels rüberkommen, so liegt das daran, dass ich hier selbst noch mittendrin stecke. Es ist gar nicht so leicht, überkommene Vorstellungen aufzugeben. Aber ihr kennt das sicher selbst.

Zuletzt widmete ich mich meinen persönlichen Erinnerungsstücken. Dazu gehörten Fotos, Karten von Freunden und Familie sowie meine Bastelsachen. Ich stellte wieder einmal fest, dass ich diese Dinge an vielen verschiedenen Orten verstaut hatte. Damit sollte jetzt Schluss sein! Ich nahm einen Schuhkarton mit Fächern für die Fotos, ebenso eine schöne Weinkiste für die Karten, einen weiteren Karton für meine Bastelsachen, eine Box für Erinnerungsstücke und einen Ordner für Briefe. Ich glaube, Marie Kondo hält nicht viel von so vielen Schachteln und Boxen, aber ich bin zufrieden damit. Als ich die alten Karten durchsah, freute ich mich richtig daran und dachte, was für Schätze ich doch habe. Solange sie also nicht hier und da und irgendwo dazwischen auftauchen, bin ich glücklich :-)

Fazit

Dieser Artikel ist ganz schön lang geworden und ich hoffe, euch ist nicht die Puste ausgegangen. Wie ihr sehen konntet, hat mir die KonMari Methode zu neuem Schwung verholfen und mir einige wertvolle Fragen zur Seite gestellt. Als Stärke der Methode sehe ich, dass der Fokus auf dem „behalten“ und nicht auf dem „loswerden“ liegt. Dazu kommt, dass mit einer großen Wertschätzung mit allen Dingen umgegangen wird. Man bedankt sich bei dem, was man weggibt; sieht den Zweck, den es im eigenen Leben erfüllt hat; und geht sorgsam mit dem um, was man behalten möchte. Wichtig für mich war aber, dass ich daraus mein ganz eigenes Projekt gemacht habe. Es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, dass jeder Gegenstand in der Wohnung nun seinen Platz hat. Das Stadium „perfekt“ habe ich dennoch nicht erreicht: Es gibt immer noch einigen Kleinkram, der auf mich wartet.

Lasst mich wissen, welche Erfahrungen ihr mit dem Ausmisten und diversen Methoden schon gemacht habt! Ich freue mich auch über Rückfragen zu meinem Aufräumprojekt und eure Kommentare!

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil II

Es folgt der zweite Teil meines Erfahrungsberichts zum Ausmisten mit der KonMari Methode. In Teil I habe ich erklärt, wie die Methode funktioniert und einige Vorab-Überlegungen geäußert. Nun widme ich mich dem Thema Kleidung.

Erfahrungsbericht – Teil II (Kleidung)

Kleidung1Ich schleppte also alle Kleidung samt Schuhen und Accessoires ins Wohnzimmer und breitete sie aus. Das war schon eine Hausnummer! Marie Kondo empfiehlt, die Kleidung dabei schon nach Oberteilen, Hosen, usw. zu sortieren – wie man sieht, fiel mir das erst hinterher auf.

Kleidung9Auf den klugen Hinweis meines Mannes packte ich auch die Kleidung auf den Haufen, von der ich mir sicher war, dass ich sie ja sowieso behalten würde. Im ersten Moment hatte ich mir noch gedacht: „Wozu? Ich kann die Jacke doch auch gleich in der Garderobe hängen lassen!“, doch es erwies sich tatsächlich als sinnvoll. Man braucht beim Aussortieren auch dieses gute, wohlige Gefühl, ein gern getragenes Kleidungsstück in den „Behalten“-Korb zu legen. In und um diesen herum gewann nämlich das Leben, das ich führen möchte, immer mehr an Schärfe.

Die Frage nach dem Zweck, den ein Teil in meinem Leben (erfüllt) hat, hat mir ebenfalls sehr geholfen – insbesondere dabei, Dinge loszulassen. Ich besitze einige bürotaugliche Kleidung, die ich mir in den letzten Jahren für diverse Praktika, oft kurzfristig, zugelegt habe. Schon beim letzten Praktikum trug ich nur noch einen bestimmten Anteil davon. Also sagte ich mir: „Gut, dass ich diese Bluse damals hatte und damit ins Büro gehen konnte. Heute weiß ich, dass ich lieber andere Kleidung trage. Danke und tschüß.“

Kleidung7Manchmal hatte ich die Situation, dass ich Teile aussortierte, die mir noch sehr gut gefielen oder sogar meinem Stil entsprachen. Es waren die Kleidungsstücke, die mir nicht mehr passten oder die sich beim Waschen verzogen hatten, sodass ich sie nur noch ungern trug. Außerdem fiel mir beim Aussortieren natürlich auf, was ich an Kleidung noch gerne hätte oder die bestehenden Outfits perfekt komplettieren würde. Dazu legte ich mir eine Wunschliste an, auf die ich alles schrieb, was ich gern haben wollte. Die Aussicht auf neue, passende Kleidung, erfüllt mich mit Vorfreude.

Ein weiteres Thema, das mich beschäftigt hat, war Hauskleidung. Marie Kondo sagt dazu: „Hauskleidung ist nicht Kleidung zweiter Wahl.“ Ich muss zugeben, dass dies bei mir lange Zeit der Fall war. Zuhause trug ich die Sachen auf, mit denen ich nicht mehr vor die Tür gehen wollte. Obwohl die Teile vielleicht einigermaßen bequem waren, passten sie sicher nicht zu meinem Stichwort der simplen Schönheit. Daher sortierte ich auch hier großzügig aus und behielt nur eine ausgewählte Zahl an Pullovern.

Kleidung3Leider verschwinden bei Marie Kondo alle aussortierten Gegenstände in großen, schwarzen Müllsäcken. Ich finde das furchtbar verschwenderisch und es passt auch nicht zu meinem Lebenskonzept. Daher unterteilte ich bei den ausgemisteten Dingen in „Müll“, „Flohmarkt“ und „hervorragend/neu“. In den Müll kamen Teile, bei denen ich mir sicher war, dass sie keiner mehr würde haben oder reparieren wollen. In die Flohmarktkiste kamen Sachen, die noch gut waren und die ich bereit war, zu verschenken. Für einzelne hervorragende, neuwertige Teile nahm ich mir vor, diese im Internet zu verkaufen.

Was wurde aus der Flohmarktkiste? Wenn ich mich in den folgenden Wochen mit Freundinnen oder der Familie traf, schaute ich jedes Mal zuvor in die Kiste, ob etwas nach deren Geschmack dabei sein könnte. Dieses nahm ich dann mit und bot es ihnen an. Wichtig dabei: Marie Kondo schreibt ein eigenes Kapitel darüber, dass man nicht einfach ausrangierte Kleidung an die kleine Schwester loswerden solle. Daher erklärte ich jeder Person im Vorfeld: „Schau, ob du etwas haben willst. Ich nehme auch alles komplett wieder zurück.“ Da ich keinem Ramsch anbot, fanden viele Teile großen Anklang und die Leute freuten sich richtig über die neuen Kleidungsstücke.

Kleidung4

Irgendwann kam beim Ausmisten der Punkt, an dem ich mich mit den Entscheidungen schwer tat. Ich hatte noch einen ganzen Stapel an Klamotten vor mir, ebenso einen Haufen Schuhe, und wusste nicht weiter. Das waren Teile, die in die „Behalten“-Kiste nicht richtig reinpassten, bei denen ich aber auch Hemmungen hatte, sie wegzuwerfen. Weil ich einige Zeit nur die Teile in die Hand genommen hatte, bei denen ich mir sicher war, in welche Kategorie sie gehörten, hatte ich nun den Haufen der Problemstücke vor mir und es ging nur noch schleppend voran. Als es mir gelungen war, den Berg auf ca. 6-8 Teile zu reduzieren, beschloss ich, dass ich selbst die Regeln mache und die Entscheidung offiziell zurückstellen würde. Ich packte die entsprechende Kleidung in ein Fach oberhalb meines eigentlichen Kleiderschrankes und werde in einiger Zeit noch einmal drangehen. Auch beim Verteilen der „Flohmarktkleidung“ stellte ich fest, dass ich an zwei Stücken doch noch sehr hing. Ich fischte sie wieder raus und sehe jetzt, dass sie doch gut zu meinem Stil passen.

Kleidung5

Auch für das Einräumen in den Kleiderschrank hat Marie Kondo einige gute Tipps auf Lager. Das Grundprinzip dabei ist, Kleidung nicht aufeinander zu stapeln, sondern eher klein zu falten bzw. zu rollen und in Schubladen aufzubewahren. Der Vorteil davon ist, dass man einen besseren Überblick über die Teile hat, jedes Kleidungsstück sehr gut greifen kann und es weniger Falten gibt, da nicht ein ganzer Stapel darauf lastet. Ich habe also auch meinen Kleiderschrank etwas umgeräumt und bewahre nun Tshirts, Sport- und Schlafkleidung in Schubladen auf. Insbesondere bei den Sportsachen ist der Vorteil enorm. Es handelt sich ja um ganz unterschiedliche Teile: kurze und lange Hosen, Sweatjacken, Tshirts,… auf die ich nun viel besser einzeln zugreifen kann. Für die langärmlichen Teile und vor allem für warme Pullover fand ich die Methode bei mir weniger geeignet. Sie staple ich nach wie vor übereinander. Übrigens: Als mein Mann meine Tshirtschublade gesehen hatte, räumte er auch seine Tshirts um.

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit den anderen Bereichen. 

Wie geht es euch mit dem Ausmisten von Kleidung? Habt ihr ein Ordnungsschema im Kleiderschrank? Habt ihr Sommer- und Winterkleidung oder lagert ihr alles gemeinsam? Was denkt ihr über Hauskleidung?

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil I

In regelmäßigen Abständen habe ich das Bedürfnis, auszumisten und Dinge loszuwerden. Ich brauche Luft, Platz und Ordnung um mich herum, um denken zu können. Dabei gehöre ich nicht zu denen, die einen besonders voll gestopften Haushalt oder überfüllten Kleiderschrank haben (was ihr euch nach meinen Gedanken zum Thema Minimalismus (Kleidung) vermutlich schon denken konntet). Allerdings habe ich ein feines Gespür dafür, wenn Dinge nur noch „da“ sind, aber eigentlich keinen Zweck mehr in meinem Leben erfüllen. Es staut sich immer mehr Besitz an – ein Gefühl, das mich niederdrückt und für Beklemmungen sorgt. Vor einigen Monaten musste daher eine radikale Veränderung her und so suchte ich im Netz nach nützlichen und erprobten Methoden, Gegenstände auszusortieren.

Dabei stieß ich auch auf die KonMari Methode, die Aufräummethode der Japanerin Marie Kondo. Über diverse Blogeinträge und Videos konnte ich mir schnell einen Überblick verschaffen und legte mir auch ihr Buch „Magic Cleaning“ zu. Im folgenden will ich euch einen kurzen Überblick über die Methode geben und von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Da der Artikel ungewöhnlich lang geworden ist, habe ich entschieden, ihn in drei Teilen zu posten.

Die KonMari Methode

„Wer jeden Tag ein bisschen aufräumt, räumt sein ganzes Leben auf.“ Das ist einer der Standardsätze von Marie Kondo. Ihr Ziel ist es, „in einem Rutsch, in kurzer Zeit und perfekt“ aufzuräumen. Dazu nimmt man sich nacheinander die verschiedenen Bereiche in seinem Besitz vor, beginnend mit der Kleidung, über Bücher und Schriftstücke bis zum Kleinkram. Wichtig ist, nicht Zimmer oder Fächer nacheinander aufzuräumen, sondern alle Dinge, die zu einem Bereich oder einer Kategorie gehören, gesammelt anzugehen.

Im Falle der Kleidung räumt man also nicht nur seinen Kleiderschrank aus, sondern bringt alle Kleidungsstücke aus der ganzen Wohnung an einen zentralen Ort.  Viele schreiben im Netz, dass dies ein Schlüsselmoment für sie war, weil ihnen gar nicht klar war, wie viel sie besitzen.

Anschließend nimmt man jedes einzelne Kleidungsstück in die Hand und entscheidet in diesem Moment, ob man es behalten möchte oder nicht. Dabei stellt man sich innerlich die Frage „Does it spark joy? / Macht es mich glücklich?“. Wenn das der Fall ist, lautet die Antwort: behalten. Wenn nicht, sollte man sich klar machen, dass dieses Teil einen bestimmten Nutzen und Zweck im eigenen Leben hatte und diesen nun erfüllt hat. Anschließend bedankt sich bei dem Kleidungsstück für die Freude, die es in das eigene Leben gebracht hat, und verabschiedet sich von ihm.

Der Prozess des Ausmistens ist geradezu meditativ, man steht im inneren Zwiegespräch mit sich selbst und sollte sich auch durch nichts anderes (wie z.B. Musik) stören lassen. Wichtig ist, dass man sich im Vorfeld Zeit nimmt, um die eigene Motivation für das Aufräumen zu klären und um sich das Leben, das man führen möchte, vor Augen zu stellen. Je klarer dieses Bild ist, desto leichter fällt es dann, Entscheidungen zu treffen.

Erfahrungsbericht – Teil I (Vorab-Überlegungen)

Ich habe mir das Buch „Magic Cleaning“ angeschafft, um die Aufräummethode wirklich „richtig“ angehen zu können. Die wesentlichen Informationen erhält man jedoch auch im Internet und ich muss sagen, dass das Buch an vielen Stellen redundant und für meinen Geschmack zu ausführlich ist. Der Mehrwert des Buches bestand für mich in einem Abschnitt, in dem die o.g. Vorab-Überlegungen betont wurden. Mit der Frage „Macht es mich glücklich?“ stand ich nämlich von Anfang an eher auf Kriegsfuß, da ich es kritisch sehe, allein das eigene Glück als Handlungsmaxime festzusetzen. Ich habe daher die Frage für mich etwas angepasst: „Passt der Gegenstand zu dem Leben, das ich führen will?“

Dazu sollte man natürlich für sich selbst geklärt haben, wie dieses Leben denn aussieht. In Bezug auf Kleidung geht es mir so, dass sie zu mir als Person passen soll. Sie soll meine Persönlichkeit unterstreichen und ich möchte mich in ihr wohl fühlen. Mittlerweile habe ich einen Stil gefunden, der mir gefällt. Um mir selbst beim Ausmisten zu helfen, habe ich verschiedene Stichworte, die diesen (Lebens-)Stil beschreiben, auf Kartons geschrieben und um den „Behalten“-Korb herum ausgelegt. Ein Stichwort dabei war simple Schönheit. Es bedeutet für mich klare Linien & Schnörkellosigkeit sowie praktische, zweckmäßige Kleidung, die jedoch nicht nach Wanderausflug aussieht. Vielmehr möchte ich mich in der Kleidung weiblich und stark fühlen.

Wichtig beim Ausmisten ist, dass man aus dem Kleidungs- oder Bücherberg die Teile identifiziert, die man behalten will. Meistens sind Aufräummethoden ja eher darauf ausgelegt, herauszufinden, was man loswerden möchte. Die Fragestellung bei der KonMari Methode ist genau umgekehrt: „Möchte ich diesen Gegenstand behalten?“ Dabei helfen kann auch die Frage: „Würde ich diesen Gegenstand heute sofort wieder kaufen?“

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit dem Thema Kleidung. Davor würde mich natürlich interessieren, was auf euren Karten stehen würde. Welchen Kleidungsstil habt ihr? Was passt zu euch? Oder mal ganz groß gefragt: Wie sieht das Leben aus, das ihr führen wollt?

Gedanken zum Minimalismus (Kleidung)

Ich hatte schon mit 20 einen Hang zum Minimalismus. Davor und danach gab es zwar auch Konsumphasen, aber innerlich blieb das Gefühl, lieber mit wenig glücklich zu sein als mir ständig neuen Kram zu kaufen. Damals führte das dazu, dass ich in den ältesten und hässlichsten Klamotten rumlief, denn wozu sich einen neuen Pullover kaufen, wenn ich einen ‚funktionsfähigen‘ hatte? Es war mir egal, ob besagter Pullover grau und abgetragen war, ich hatte etwas anzuziehen und er erfüllte seine Aufgabe. Mein Vater übte daran regelmäßig Kritik, von meiner Oma ganz zu schweigen. Regelmäßig rief sie an: „Ich glaube, du brauchst mal wieder ein paar gute Schuhe/eine neue Hose/ein paar Oberteile.“ Und ich jedesmal: „Danke, Oma, ich brauche nichts, ich habe alles. Aber ein paar Sportsocken wären gut.“ Überhaupt war Sportkleidung das Einzige, in das ich in dieser Zeit Geld investierte. Zugegebenermaßen habe ich die Kleidung und die Schuhe heute noch und sie haben mir über viele Jahre einen guten Dienst getan.

Heute sieht meine Haltung zum Konsum und zum Minimalismus anders aus. Ich kaufe wenig und sehr ausgewählt. Vor zwei oder drei Jahren habe ich eine Farb- und Stilberatung gemacht, die mir in Sachen Geschmack zu einem großen Sprung verholfen hat. Ich weiß, welche Farben mir stehen, und wie verschiedene Schnitte an mir wirken. Die Kleidung, die in meinem Schrank hängt, passt zueinander und ich habe immer etwas anzuziehen. Wenn ein Kleidungsstück die Kriterien nicht erfüllt, wird es nicht gekauft. Überhaupt gehe ich sehr selten einfach ’shoppen‘, sondern meistens erst dann, wenn ich feststelle, dass mir etwas fehlt. In diesem Jahr waren das Tshirts für den Sommer, die Anzahl der tragbaren Shirts war auf 8 gesunken und so ging ich in einen Laden, wedelte mit meinem Farbpass herum und kaufte 3 neue Oberteile. Und weil mir eines davon so gut gefiel, holte ich es mir zwei Wochen später nochmal.

Mir geht es nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern darum, nur das zu besitzen, was ich auch nutze/brauche/liebe. Ich möchte meinen Kleiderschrank aufmachen und jedes Teil gerne und regelmäßig anziehen. Dazu braucht es an erster Stelle ein gutes Auge und ein sicheres Gefühl dafür, was mir auch in ein paar Monaten oder in der nächsten Saison noch gefällt. Was nicht gekauft wird, nimmt auch keinen Platz weg. Zum zweiten liebe ich Übersichtlichkeit. Gib mir eine Liste und ich schreibe dir jedes Kleidungsstück auf, das ich besitze und wann ich es das letzte Mal anhatte.Während andere sich durch Klamottenberge wühlen (sowohl im eigenen Kleiderschrank als auch in den Läden), sitze ich lieber mit Tee und Keks auf dem Sofa oder treffe meine Freunde.