3 Konzerte

Das Jahr 2015 hielt für mich 3 Konzerte bereit, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Hier mein Bericht:

Farin Urlaub Racing Team (FURT)
Datum: 12.06.2015
Ort: Schleyerhalle, Stuttgart

Bei der typisch pubertären Schubladenfrage nach „Ärzte“ oder „Hosen“ konnte ich mich als Teenie oft nicht so recht entscheiden. Je nach Album tendierte ich mal zur einen, mal zur anderen Seite. Sehr oft gab es jedoch einen ausschlaggebenden Faktor: Den langen Kerl mit dem breiten Grinsen und den witzigen und intelligenten Texten. Sabine Wirsching nennt ihn treffsicher den „Hedonisten, der anpackt“. Seit 2001/02 ist er auch solo mit dem „Racing Team“ unterwegs und unterm Strich der Künstler, den ich am häufigsten live gesehen habe. Bereits 2006 und 2008 war ich auf FURT-Konzerten, die mir super gefallen hatten, doch beim Ärzte-Konzert 2012 war der Punkt erreicht, an dem ich mich fragen musste, ob ich vielleicht aus dieser Musik einfach herausgewachsen war. Das Publikum machte mich wahnsinnig und ich hätte mir einen Sitzplatz gewünscht. Erst nachdem ich dieses kluge Interview von Markus Kavka gesehen hatte, war mein Farin-Fieber wieder geweckt. Der Typ ist einfach sooo cool! Aus meiner Teenieschwärmerei wurde echter Respekt vor einem kreativen Kopf, der meines Erachtens einfach alles richtig gemacht hat. Also hieß es im Juli: Auf zu Farin Urlaub! Stimmung und Publikum waren super (ganz anders als bei DÄ!) und die Musik einfach großartig. Sowohl das aktuelle Album „Faszination Weltraum“ wurde gespielt als auch einige der alten Klassiker. Wir sangen lauthals mit, hüpften und tanzten und genossen das Konzert in vollen Zügen. So kann ich nur sagen: Gerne wieder!

Dad rocks! und Black Oak
Datum: 19.09.2015
Ort: Nun Kaffeehaus, Karlsruhe

Schon lange hatte ich vor, mal in Karlsruhe im Café Nun vorbeizuschauen. Als ich nun las, dass Thijs Kuijken dort spielen würde, war die Entscheidung gefallen. Bereits im April war „I am Oak“ meine ‚current obsession‘ und seine Musik begleitete mich durch meine Examensvorbereitung und bis hin zur ersten Klausur. In meinen Augen ist Thijs ein großartiger Künstler und die Vorfreude war groß, in Karlsruhe dabei zu sein. Das Rahmenprogramm mit Kaffee & Kuchen am Nachmittag konnte es nur noch besser machen! So wurde der „Saisonabschluss“ im Café Nun für mich zu einem wunderbaren Ausflug. Die Bezeichnung „Saisonabschluss“ rührt daher, dass es das letzte in einer seit 2006 andauernden Reihe von Kaffeehaus-Konzerten werden sollte. Und ich war dabei ;-) Übrigens fuhr ich alleine hin, da ich schon damit gerechnet hatte, das ein oder andere bekannte Gesicht wiederzusehen und mich dann ungern für eine Begleitperson verantwortlich fühlen wollte. Genauso war es dann auch: Ich lernte blitzschnell neue, supernette Leute kennen, trank leckeren Kaffee mit den Künstlern, plauderte mit lieben Bekannten und freute mich des schönen Nachmittags. Am Abend gabs dann Süßkartoffelpommes und nach kleinerem Raumumbau konnten wir in gemütlicher Atmosphäre bei einem Glas Rotwein das Konzert genießen. Hier spielte zunächst Snævar Njáll Albertsson, besser bekannt als Dad Rocks!, und danach Geert van der Velde und Thijs Kuijken als Black Oak. Anschließend die gemeinsame CD vorzubestellen, war reine Formsache. Ein schöner Abend! (Fotos gibts hier)

BOY
Datum: 08.11.2015
Ort: Im Wizemann, Stuttgart

BOY ist Mädchenmusik, also hieß es: Freundin schnappen und los geht’s. Der Weg dahin war verblüffend einfach und ein wenig kurios: Die alten Lieder hatten mich ebenso wie ‚I am Oak‘ durchs Examen begleitet und ich klickte regelmäßig auf die Website, um zu sehen, wann das neue Album rauskäme. Ich hatte nämlich schon entdeckt, dass es im November einen Auftritt in Stuttgart geben sollte, wollte aber natürlich erst ein paar der neuen Lieder hören, bevor ich ein Ticket kaufte. Als im Radio ein Interview mit Valeska und Sonja kam sowie der erste neue Song erklang, war ich gerade auf dem Weg zu einer Freundin. Genauergesagt: Ich war schon da, saß unten vor der Tür im Auto und konnte unmöglich das Radio ausschalten. Natürlich galt es, meine Verspätung zu erklären, und schwupp, stellte sich heraus, dass sie ebenfalls gern BOY hörte und ich somit meine Konzertbegleitung gefunden hatte :-) Wir erwischten zwar nicht die Standardkleidung von Jeans, Turnschuhen, grünem Parka, Ledertasche und hohem Dutt, aber fielen unter den Konzertgästen als Mädchenpaar trotzdem wenig auf. Im Saal angekommen, waren wir dann doch etwas überrascht, wie viele männliche Fans BOY hatten. Leider mussten wir recht lang auf die Band warten, der Vorband-Künstler beanspruchte fast eine Stunde und traf eher weniger auf unser Wohlwollen, und der eigentliche Auftritt ging – vermutlich aufgrund angekratzter Stimmbänder – nur eine gute Stunde. Dafür waren Valeska und Sonja süß, lieb und ganz hinreißend – ich frage mich immer noch, wie man ein Auftreten mit so wenig Ecken und Kanten hinbekommt ;-) Schön war, dass sie auch alte Lieder spielten und einer meiner Lieblingssongs, ‚Skin‚, die letzte Zugabe war. Am allerschönsten war jedoch eine junge Dame neben mir, die textsicher jedes Lied mitsang, mittanzte und damit unser Herz erwärmte. Nach 4 Stunden Stehen schmeckten die anschließenden Cocktails im Joe Peña’s schmeckten gleich doppelt so gut: Endlich Erholung für die Füße.

#aprillove2015 – Current obsession

Schon seit Wochen höre ich diese* Playlist von „I am Oak“ rauf und runter. Ich mag besonders „Curt„, das hier zweite Lied in der Playlist. Hier könnt ihr ein schönes Interview mit Thijs Kuijken lesen.

*Leider gibt es die Playlist nicht mehr, ich habe sie daher durch eine andere ersetzt und das Lied Curt extra verlinkt.

Black Swift: The Worlds Howls (Album Review)

Vor diesem Album kannte ich Black Swift nur live. Ich kenne sie als Sally Grayson, Amerikanerin in Deutschland mit einem unglaublichen Charisma, fröhlichem Lachen, einem wunderbar freundlichen, mitfühlenden Wesen und entsprechend ihrer Herkunft einem manchmal seltsam-komischen Akzent. Darüber hinaus kenne ich sie als Black Swift mit Band auf der Bühne, sei es in einem kleinen Club oder einer Festival Lounge, sie steht vorn mit ihrer Gitarre, strahlt herzerfrischend ins Publikum und holt mit ihrer Musik und ihrer Art auch noch den Letzten aus seiner Ecke, um gemeinsam zu singen und zu tanzen. Zuletzt kenne ich sie als Black Swift solo bei Wohnzimmerkonzerten, in kleiner und intimer Atmosphäre, auf einer Geburtstagsparty mit Freunden, bei der man nicht so genau weiß, was einen dazu brachte, aus dem träumerisch-nachdenklichen Lauschmodus auf einmal hüpfend und rufend an einer Polonaise teilzunehmen, die sie mit ihrer Gitarre quer durch das ganze Haus anführt. Sie gehört zu den Menschen, die Stimmung machen, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Die in allem, was sie tun, Wahrhaftigkeit und Lebendigkeit ausstrahlen.

So viel der Worte zu Black Swift als Sally Grayson… wie ihr euch denken könnt, war ich sofort dabei, als im Februar das Crowdfunding für ihr erstes großes Album „The World Howls“ begann. Damit sicherte ich mir gleich mal eine der ersten CDs und durfte nun vorab ins neue Album lauschen, um euch noch vor der offiziellen Release-Party ein Album Review bieten zu können. Die Party findet übrigens am Freitag, 11. Juli 2014, im Stuttgarter Club „Zwölfzehn“ statt.

Ich muss zugeben, dass es für mich nun – und daher auch die Vorrede – eine völlig neue Erfahrung war, auf einmal nur ihre Musik zu hören, ohne sie als Person vor mir zu sehen, allein Klang und Stimme ohne Erscheinung zu erleben. Dabei entstand die große Frage: Lässt sich ihre Ausstrahlung allein durch Stimme und Musik transponieren? Wie verändert sich das Hörerlebnis, wenn die körperliche Präsenz fehlt?

„The World Howls“ – die Welt heult auf, so der Titel. Man könnte nun meinen, das Album sei von Trauer und Schmerz durchzogen, doch schon das Cover zeigt die beiden enthaltenen Pole deutlich an: Ein Menschenkopf im Dunkeln, die Augen und Haare von bunten, leuchtenden Blumen überdeckt, mit weit aufgerissenem Mund, einer roten Blüte als Zunge und grauem Totenkopf im Mund. Es ist die Konfrontation mit Tod und Schmerz, die herauswill, und dennoch eine bunte Welt, in der wir leben, in der wir tanzen und Schönheit entdecken.

Hinsichtlich dieser Stärke und Dynamik fällt besonders das Lied „Traum Tod“ auf, das im Anschluss an ein Zitat von Marc Aurel ganz im Stil eines Aufrufs zum Leben gestaltet ist: „Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern, dass man nie beginnen wird, zu leben.“ Schmerz hingegen findet sich in „Love’s harsh winter“, einem Lied über die Liebe, die nach den Schmetterlingen und Frühlingsgefühlen den kommenden Winter nicht auszuhalten vermag: „The spring of love has gone by, now we watch the leaves fall around and die. It grieves me that committment often won’t through the winter, last to grow old in the cold till the ice storms past.“

Das Album enthält zehn Titel, die sich rein musikalisch schwer in ein bestimmtes Genre einordnen lassen. Natürlich kann man immer die Bezeichnung „Indie“ wählen, unter der man anscheinend alles sammeln kann, was auf künstlerisch-kreative Weise die unterschiedlichsten Einflüsse zu vereinen sucht… doch wenn ich beobachte, welche Bilder beim Hören der Lieder vor meinem inneren Auge auftauchen, dann trinke ich Bier aus Tonkrügen in einer Mittelalterschenke, segle wie ein Vogel über die Berge und Täler, warte sehnsüchtig in Dunkelheit & Winter auf den beginnenden Frühling und sitze mit staubigen Füßen und auf einem Grashalm kauend in der prallen Sonne auf einer Bank.

Überhaupt das Vogelmotiv: Es füllt nicht nur den Bandnamen „Black Swift“, sondern durchzieht in verschiedenen Darstellungen auch das Booklet und motivisch mehrere Lieder. So wird die Suche nach einem Zuhause im Eröffnungslied „Branches & Sticks“ auf dem Hintergrund nestbauender Vögel abgehandelt und die Sehnsucht nach Freiheit scheint das ganze Album auf ihren Schwingen zu tragen. Auf meine Frage an Sally, was ihr der Name „Black Swift“ bedeute, erzählte sie mir, dass sie an einer Serie von Ölgemälden gearbeitet habe, bei der sie Porträts ihrer Ahnen gemalt habe. Die Vögel in den Bildern stünden dabei für den Geist oder die Seelen der Menschen, die bereits „entflogen“ sind. Bei ihrer Recherche über Vögel stieß sie auch auf die schwarze Schwalbe, den schwarzen Segler: „Black Swift“.

Mein persönliches Fazit ist durchmischt: Ich liebe die Zusammenstellung von Text, Musik und der Darstellung im Booklet – es ist eine runde und inspirierende Sache. Ebenso liebe ich die Textlastigkeit in vielen Liedern – es werden keine passenden Worte nur aufgrund des Reimschemas aus dem Lied gestrichen. Minuspunkte hingegen sammelt das Album für teilweise eher schwache Refrains, während die Strophen an Druck und Dynamik zu glänzen vermögen. Insgesamt muss man es sicher mehrfach hören, um zu manchen Stücken einen Zugang zu finden und die verschiedenen Nuancen zu entdecken. Ich jedenfalls freue mich auf die morgige Live-Performance!

PS & Anspieltipp: Besonders froh bin ich, dass es „Whiskey John & Irish“ sozusagen als letztes Lied noch auf das Album geschafft hat. Es ist ein Song ganz im Sinne des Storytelling… und diese Story ist bewegend und anrührend. Der zunächst vielleicht simple anmutende Refrain „Love is love is love is love…” könnte besser nicht gewählt sein. Großes Lob!

Musikalische Schätze: Archive

[Fuck U]

Es ist Frühsommer und Abreisetag. Einmal mehr flüchte ich mich in die Küche des Tagungshauses wie in einen Kokon. Der lange Enno steht da und trocknet Geschirr ab. Er spricht nicht, nimmt einen Teller, eine Tasse nach der anderen, trocknet sie sorgfältig ab und stapelt sie aufeinander. Ich nehme seine Bewegungen nur aus dem Augenwinkel wahr, stehe da und schaue. Nach innen. Aus den Lautsprechern dröhnt Archive mit „Fuck U“. Es dauert einige Augenblicke bis ich ebenfalls nach einem Geschirrtuch greife. Ich stelle mich neben ihn, nehme einen Teller, eine Tasse nach der anderen, trockne sie sorgfältig ab und staple sie aufeinander. Ich betäube meine Emotion. Ennos Anwesenheit ist tröstlich. Ebenso das zu trocknende Geschirr, das Tuch in meiner Hand, die gleichmäßigen Bewegungen. Und natürlich die Musik.

[Noise]

Schlaflos

Mal wieder eine Phase, in der es mir schwer fällt, schlafen zu gehen. Ich kenne diese Tage und Abende. Irgendwo zwischen Leben und Vorüberziehen lassen. Und abends dann versuchen, sich die Zeit zu vertreiben. Ein wenig schöne Musik hören, träumen, eventuell etwas finden, an dem man sich festlesen kann und dann die Zeit vergisst.  Obwohl mir eigentlich schon die Augen zufallen, diese verheerende Blockade, hinüberzugehen und im Schlaf die Erholung zu finden, die Körper und Geist so dringend benötigen. Ein sinnloses In der Luft hängen ist das, während der Zeiger kaltblütig und doch willkommen weiterschreitet…

I need to sleep
It’s been a whole week

My bones keep breaking
Tearing me away from the quiet
The silence of my soul, of my soul from the quiet

I wanna fall down

[Archive: Waste]

Dezember

Dezember ist der Monat, in dem ich – zumindest gefühlt – am meisten Zeit habe. Ich vermute ja, dass das daran liegt, dass alle anderen keine Zeit haben. Ich weiß nicht, ob sie es genauso machen wie ich und sich heimlich, still und leise in ihre eigenen vier Wände einigeln. Oder ob sie tatsächlich dem viel progagierten Weihnachtsstress frönen und aus all dem Trubel, Plätzchenbacken, Geschenkekaufen und eine-Weihnachtsfeier-nach-der-anderen-besuchen nicht mehr herauskommen. Die arbeitende Bevölkerung stöhnt ja regelmäßig auch über solche Dinge wie Jahresabschlüsse oder die Not, das vom Staat genehmigte Geld noch in letzter Sekunde verprassen zu müssen.

Ich hingegen habe all diese Stressfaktoren schon vor einigen Jahren abgeschafft. Als Studentin gibt es für mich im Dezember weder einen Jahresabschluss noch wie zu Schulzeiten die letzten Klassenarbeiten vor den Ferien zu schreiben und da ich auch noch keine Kinder mit Adventserlebnissen zu bespaßen habe, lasse ich es mir einfach nur gut gehen. Ich höre schöne Musik, dekoriere die Wohnung oder auch nicht, arbeite mich durch das Workbook von Susannah Conway und schaue einen Marathon meiner Lieblingsserien. Kurzum: Ich genieße mein Leben.

Wer macht’s mir nach?

Musikalische Schätze: Patti Smith

[Frederick][Dancing Barefoot]

Eine große Wohnung in Berlin. Groß, im Sinne von: riesig. Eigentlich waren das mal zwei Wohnungen, aber die Besitzer haben einen Durchbruch geschaffen, um für sich und das Kind mehr Platz zu schaffen. Das Kind heißt Ella, ist klein und süß und hat ein französisches Kindermädchen, weil die Eltern es gern zweisprachig aufwachsen lassen wollen, selbst aber nur deutsch sprechen. Wobei: Die Mutter spricht platt, der Vater hochdeutsch. Das wäre doch schon mal was, mit der Zweisprachigkeit.

Ich bin hier, ohne die Familie zu kennen, es sind Verwandte meines Studienfreundes, eines plattdeutschen Bauernsohns und angehenden Pfarrers, der zur Verstärkung noch einen weiteren plattdeutsch sprechenden Freund mitgebracht hat. Die beiden Jungs liegen auf ihren Matten, ich auf dem Bett, nahe am Fenster, als die Sonnenstrahlen uns wecken.

Der Studienfreund und ich erkunden die CD- und Plattensammlung des Vaters von Ella. Wir lesen Zeitung, trinken gemütlich unseren Kaffee und genießen den Morgen. Hier höre ich die CD „LAND (1975-2002)“ von Patti Smith zum ersten Mal.

[When doves cry][Pissing in a river]

Musikalische Schätze: Brown Feather Sparrow

[Take the plunge]

Sanft und angenehm unaufdringlich, aber deswegen nicht weniger direkt und bewegend – bei der Musik von „Brown Feather Sparrow“ erscheint vor meinem inneren Auge eine weiße Schneelandschaft. Ein Winterspaziergang bei klarem, blauen Himmel, die Kälte greift einem ins Gesicht und man steckt die Hände tief in die Taschen. Wahrheit, Klarheit, Reinheit. Und gleichzeitig ist man geborgen und warm in seinem Mantel.
Bei der CD, die ich von der niederländischen Singer/Songwriter-Band habe, handelt es sich um einen Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2007. Nachdem ich beim Konzert einfach nur hingerissen war – von Lydias klarer Stimme, von den poetischen Texten und einfach davon, wie es den fünf Niederländern gelang, auf der Bühne ihre eigene kleine Welt entstehen zu lassen -, bekam ich diese CD von dem Menschen geschenkt, der den Abend hinter dem Mischpult verbracht hatte.

[We have to run]

Das Gute kommt zurück – musikalische Schätze

CD Mappe

Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich vor ein paar Tagen diese CD-Mappe in der Hand hielt! Sie enthält meine absoluten Lieblings-CDs von „vor ein paar Jahren“. Seit diesem unbestimmten Zeitpunkt nämlich galten sie bei mir als vermisst. Aufgrund verschiedener Umzüge wurde mir der Verlust nicht von heute auf morgen bewusst, sondern eher schleichend stellte sich bei mir die Erkenntnis ein: Da fehlt etwas. Immer wieder tauchten CDs auf, in Mäppchen, in Kartons, in CD-Hüllen. Aber gerade die CDs, die ich am liebsten gehört hatte, blieben verschollen. Mit dem Gedanken „Der nächste Umzug wird sie schon hervorbringen“ verschob ich die Suche manches Mal, doch regelmäßig wühlte ich mich durch Kisten und Schränke, durch die Regale meiner Eltern und die CD-Sammlung meines Freundes. Vergebens.

Schließlich kam ich zu der Erkenntnis, dass ich mir vermutlich einmal für einen kürzeren Aufenthalt – für vier Wochen in Berlin oder für drei Monate in Stuttgart – genau diese Lieblinge gesondert zusammengepackt haben musste. Doch selbst wenn diese Hypothese stimmen sollte, brachte sie mir die CDs nicht zurück. Meine Lieblingsmusik, für immer verschollen?
Nein, gerade der Mensch in meinem Leben, der mit besonderem Nachdruck die Vorstellung vertritt, dass alles im Leben zu einem zurückkehrt (na gut, meist eher auf philosophischer Ebene), war zum Hüter meines Schatzes geworden. Frisch verheiratet räumte er endlich mal seine Schränke auf und – tataaa, da waren sie, meine Lieblinge:

CDs 2 CDs 1 CDs 4

Meine Freude möchte ich gerne mit euch teilen und mit euch gemeinsam den Klängen lauschen, sich verzaubern lassen und dabei auch in alten Geschichten stöbern. Seid ihr dabei?
Ich starte hiermit eine neue Reihe: Musikalische Schätze. Anders als zum Thema Abschied werde ich jedoch nicht am Stück dazu posten, sondern immer mal wieder einen Beitrag einstreuen. Spitzt eure Lauscher!

Liebeserklärung an den Sommer

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Endlich ist der Sommer da und wie sehr genießen wir ihn!
Wir tragen kurze Shirts und darunter den Bikini, setzen uns die Sonnenbrille keck in die Haare und gehen Eis essen, ins Freibad oder an den See. Oder aber wir liegen einfach nur faul im Garten und essen Wassermelone und Erdbeeren.

Im Sommer fällt uns die Lebensfreude nicht schwer. Wenn wir zur Arbeit gehen, müssen wir uns nicht mehr durch die Dunkelheit kämpfen, sondern werden schon von den ersten Sonnenstrahlen begrüßt, die uns sagen, dass wir die Jacken getrost zuhause lassen können. Auch wenn wir Überstunden machen und erst spät aus dem Büro kommen, scheint es, als hätten wir noch endlos Zeit. Der Abend ist jung und es ist so wunderbar hell.

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Am Wochenende kümmern wir uns um den Garten, grillen mit Freunden oder machen eine Spritztour mit dem Caprio ins Blaue hinein.

Ja, der Sommer lässt uns für einen gefühlt unendlichen Augenblick unsere Sorgen vergessen. Er pustet sie uns aus dem Kopf, lässt uns lächeln bis uns die Backen schon ganz weh tun und wir schließlich nach all den Abenteuern und von der Wärme angenehm schläfrig werden.

Natürlich kann das nicht ewig so bleiben, aber diese Liebeserklärung geht raus an die Sonnenstrahlen und das Grün, an den lauen Wind und die glücklichen Freunde. Lasst uns diese herrlichen Momente genießen, entspannen und Kraft tanken. Lasst uns die Sonnenstrahlen sammeln!

Der Soundtrack für diesen Sommer ist für mich heute ein neu entdecktes Album von Maybeshewill. Es hat den passenden Titel: „I was here for a moment, then I was gone“.

Liebeserklärung an: Rainald Grebe

Wunderbar. Der fängt immer so bestimmte Stimmungen und Szenen ein, die mir vertraut sind, aber die ich selbst nie so benennen könnte. Ganz wunderbar.

Rainald Grebe ist diplomierter Puppenspieler, Ex-Straßenkünstler (in Berlin), Dramaturg, Schauspieler und Regisseur und darüberhinaus – was mich besonders interessiert – Kabarettist und Musiker.

Nach den Einsteigerhymnen über Thüringen, Brandenburg und Dörte erfreue ich mich bis heute immer wieder an neuen und alten Liedern von ihm, höre einmal, zweimal, dreimal hin, schmunzle, nicke, bekomme Beklemmungen und staune über seine Beobachtungsgabe.

Besonders warm ums Herz wird mir bei den Liedern, die er zusammen mit der „Kapelle der Versöhnung“ sang. Eins meiner liebsten ist sein Abschiedslied an die 90er, bei dem vor meinem inneren Auge immer wieder Szenen aus meiner eigenen Kindheit und Jugend auftauchen.

In „Reich mir mal den Rettich rüber!“ nimmt er die Lebenssituation 30jähriger Pärchen aufs Korn. Das Besondere dabei ist, dass Rainald Grebe dabei nicht spottet oder sich gar offensiv lustig macht, sondern mit wenigen Worten eine Situation beschreibt, Menschen und ihre Meinungen wunderbar prägnant zitiert und einem so den Spiegel vor Augen hält. Treffend wurde „Familie Gold“ auf Youtube mit den Worten kommentiert:

Er tanzt auf dem schmalen Grad zwischen Tragik und Komik.

Von seinem aktuellen Album „Das Rainald Grebe Konzert“ bin ich jetzt schon begeistert. Einfach großartig ist „Krümel„, hörts euch einfach an. Und Künstler. Und… Und… Und bevor ich jetzt noch dreiundvierzig weitere Lieder verlinke, beschränke ich mich auf den Hinweis auf ein ausgesprochen schönes Interview – über das Bionade-Bürgertum. [Link entfernt, da leider tot.]

Eure Mathilda

Quelle für die Fotos:
Bild 1 (Marcus Sümnick) und Bild 2 (Lars Hung); Creative Commons License