5 Jahre „Preach it, Baby!“

WordPress gratuliert meinem Blog und mir heute zum 5. Jahrestag und das ist doch einen Blogpost wert. Immerhin sind wir schon ein bisschen wie ein Liebespaar, mein Blog und ich. Von der Verliebtheitsphase (ich denke ständig an dich und will dir am liebsten alles sofort erzählen) über die symbiotische Pärchenphase (wir unternehmen alles gemeinsam) haben wir bis hin zu Phasen des Rückzugs und der Distanz (ich mache das lieber mit mir selbst aus) oder des Fremdflirtens (andere Blogs haben auch schöne Augen schöne Texte) schon einiges durchgemacht. 318 Begegnungen sind dokumentiert, in diesem Jahr sind es gerade mal 20, was zeigt, dass wir wohl derzeit eher nebeneinander her leben.
Für meine treuen Leser*innen habe ich ein paar Auszüge aus den letzten fünf Jahren zusammengestellt:


[Erster Header im Juli 2012]

Glück
Das ist nicht wie rosa Zuckerwatte, klebrig und süß
Glück ist wie ein Pfennig, gefunden in der Straßenrinne
verschmiert und dreckig, doch für den Finder von Wert
fast wäre er in den Gulli gerollt, doch da liegt er, klein und stumm
und ich hab ihn noch gesehn
[Gebloggt am 22.01.2013]

Liebeserklärung an den Sommer
Endlich ist der Sommer da und wie sehr genießen wir ihn!
Wir tragen kurze Shirts und darunter den Bikini, setzen uns die Sonnenbrille keck in die Haare und gehen Eis essen, ins Freibad oder an den See. Oder aber wir liegen einfach nur faul im Garten und essen Wassermelone und Erdbeeren.
[Gebloggt am 16.06.2013]

Curriculum Vitae
Und ich?
Ich stelle fest, dass ich zu alt geworden bin, um mich herauszureden.
Zu sehr ich selbst, um noch zu beschwichtigen.
Ich habe zu viel hinterfragt, zu viel dekonstruiert, um an dein Luftschloss noch glauben zu können, oder vorzugeben, dass ich es mit dir teilen würde.
Vor weniger als einem Augenblick stand ich noch in einem Raum mit zehntausend offenen Türen. Doch jetzt und heute sehe ich, ich bin längst durch meine eigene Tür hindurchgegangen.
Und ich gehe nicht zurück.
[Gebloggt am 25.08.2013]

Riesenrad fahren.
[Gebloggt am 29.04.2014]

Da drückte er mir einen Kuss auf die Wange und sagte nur: Entscheidend ist doch, wer du in Gott bist. Wer du für Gott bist. Was er über dich denkt. Darauf kommt es an.
[Gebloggt am 29.06.2014]

 

Unausgesprochen
aus der Reihe: Tonspurexperimente, die ich gern mal weiterführen möchte.
[Gebloggt am 30.05.2015]

Worte wie Luftballons
Viel zu oft schreibe ich für dich.
Ich sehe Bilder und lese Zitate und setze sie wie ein Mosaik für dich zusammen. Ich bilde ein Kunstwerk vor deinen Augen, es ist mein Werk und natürlich nicht meines allein, es gehört auch ihm und ihr und dem Mädchen, das ich neulich im Bus sah. Dennoch blitzt immer wieder etwas darin auf, das nur für dich ist, ich reiche dir die Hand in meinem Schreiben, unsichtbar strecke ich sie aus, meine Fingerspitzen berühren dich beinahe, ein Bild, ein Wort, der Wind trägt es mit sich in eine andere Welt, und dann ist der Zauber auch schon wieder vorbei, verflogen, bis ich irgendwann neue Wörter und Leerzeichen wie Luftballons in den Himmel aufsteigen lasse. Direkt vor deinen Augen fliegen sie los und auch wenn du die angehängten Karten niemals findest, sind sie doch allein für dich bestimmt.
[Gebloggt am 14.06.2016]

#augustbreak 2016
[Gebloggt am 03.08.2016]

Also, wenn ihr mich sucht: Ich bin abgetaucht / im Pool / in meine Urlaubslektüre versunken / beim Essen / auf einem Road Trip quer durch Istrien / mit dem Einkauf von Schnaps beschäftigt / Boot fahren / den Sommer genießen.
[Gebloggt am 28.08.2016]
 

Gemeinsam einsam
Der Himmel ist blau und leuchtet.
Ich lerne, dass meine Isolationsgefühle völlig normal sind. Das Gefühl, am Ende allein zu sein, ist weder neu noch erschreckend (auch wenn es mich umhauen, lähmen und stundenlang betrunken auf dem Sofa zurücklassen kann). Im Gegenteil, das Gefühl ist vertraut und bekannt, und ich kenne diese spätmoderne Gesellschaft viel zu gut, als dass ich noch Angst davor hätte, es in einem Gespräch messerscharf zu benennen. Vielleicht kenne ich auch nur die Literatur, die Frage hat ihre Berechtigung, doch in jedem Fall wurde ich noch nie enttäuscht, es folgten stets ein Nicken und ein verständnisvoller Blick. Ich studiere Literatur- und Kulturtheorie im Master, zu irgendwas muss dieser Studiengang ja gut sein, denke ich gerade.
[Gebloggt am 31.01.2017]

Es war nicht ganz leicht, aus der Vielzahl der Texte, Töne und Bilder auszuwählen, drum lade ich euch ein, gern in den verschiedenen Kategorien meines Blogs zu stöbern! Ich habe dabei gerade festgestellt, dass ich mittlerweile sehr viel ‚ausgewählter‘ blogge als früher und dass mir dadurch manche kreative Dynamik verloren geht. Ich habe große Lust, wieder bei einer Bloggeraktion mitzumachen, da die Stichworte helfen, manches Rohe und Unfertige zur Sprache zu bringen. Wir werden sehen, was sich so anbietet.

Genießt den Sommer, meine Lieben! Und lasst mal was von euch hören!

10 spontane Erkenntnisse aus 30 Jahren

Dieser Beitrag wurde motiviert durch Anne von anny-thing.de

1. Lass die Finger von Haschkeksen!
2. Sei gnädig mit deinem jüngeren Ich. (Es ist in Ordnung, Gelegenheiten zu verpassen.)
3. Meide den Vergleich. (Und meide Menschen, die dir den Vergleich aufzwingen.)
4. Das Leben ist zu kurz, um nicht nach Neigung zu studieren. (Das Leben ist nicht zu kurz, um nochmal neu anzufangen.)
5. Gebet ist wie Atmen. (Einfach. Natürlich. Lebensnotwendig.)
6. Sex wird überbewertet und Intimität unterschätzt.
7. Gib Lebensmitteln und Gerichten, die du nicht magst, eine zweite Chance. (Und in fünf Jahren eine dritte.)
8. Wenn du dir unsicher bist, benenne das Offensichtliche. (Nur weil es für dich offensichtlich ist, muss es das nicht auch für andere sein.)
9. Jeder Mensch freut sich über Postkarten und kleine handgeschriebene Briefe. (Schreib mal wieder. Trau dich. Auch wenn nichts zurückkommt.)
10. Wenn du auf eine Hochzeit gehst, bei der es erst abends deftiges Essen gibt, dann frühstücke ausreichend. (Oder pack dir ein Vesper ein.)

Im Mutterschoß Gottes

Ich sitze in der Andacht nach einem Tag voller Gedanken, voller Reden, Leben, Tun. Ich habe das Glück, so zu sitzen, dass ich durch das große Fenster hinausschauen kann und ich erlaube mir die Weite. Ein Platz, Menschen, Häuser, Straßen, die Baumwipfel und dahinter, darüber der Himmel. Ich betrachte die Äste und Blätter der Bäume, das Abendblau des Himmels. Es kostet nicht viel Kraft, den Himmel und die Bäume zu betrachten, ich muss nicht denken, kann einfach nur schauen, wahrnehmen, so wie es anderen vielleicht mit der Maserung des Holzes ergeht.

Ich sitze in der Andacht und bin mir bewusst: Ich sitze vor Gott. Gott ist da und durchdringt diesen Raum, durchdringt mich. Ich spüre Gottes Anwesenheit.

Der zurückliegende Tag in mir tritt hervor und ich lasse die Gedanken daran – wie weiße Wolken am Sommerhimmel – durch meinen Kopf, meinen Sinn ziehen. Ich halte sie nicht fest, aber ich scheuche sie auch nicht weg. Sie dürfen sein, ich halte sie Gott hin, halte mich selbst hin und bin so dankbar für die Begegnung.

Ich bin an Andachten von einer Stunde gewöhnt und innerlich teile ich sie in Viertel. Schon am Ende des ersten Viertels lugt ein Gedanke hervor, der Gedanke an Gott als Mutter, ich empfinde ihn nicht als ausgedacht oder als Teil meiner Gedanken, sondern als gegeben, geschenkt. Ich hänge ihm ein wenig nach, lasse ihn wirken. Ich spüre, Gott möchte mir heute als Mutter begegnen, und während mein ganzer Körper, meine Wahrnehmung, mein Erleben die Gott-Mutter einlädt, tut sich mein Kopf, voll patriarchaler Prägungen, schwer, ruft sich zur Rechtfertigung Bibelstellen von weiblichen Gottesbildern (die Henne und ihre Küken…) ins Gedächtnis, fragt sich, ob das ausreicht, oder man nicht doch systematisch-theologisch darüber nachdenken müsste – und währenddessen, ganz unbenommen von allen Kopf-Gedanken, birgt sich mein ganzes Sein im Mutterschoß Gottes. Es tankt Liebe und Wärme und eine warme, weiche, unaufdringliche Zuwendung. Gott als Mutter ist so präsent, dass ich mich ihr nicht entziehen kann – und auch nicht entziehen will. Ich glaube, Elia am Horeb hat sie auch so erlebt, in diesem Säuseln.

Meine Tag-Gedanken steigen weiter auf, bewegen sich hin und her, da höre ich plötzlich Gesang in mir, erst leise und dann immer klarer: „Ubi caritas et amor, ubi caritas – deus ibi est.“ Ein Taizélied. Ich habe keine besondere Beziehung zu Taizéliedern, ja, sie klingen schön, aber ich kann nicht so viel mit ihnen anfangen, bevorzuge normalerweise eher Paul Gerhardt und Jochen Klepper, viel Text, viel Tiefe, viel für meinen Kopf. Doch das Taizélied bleibt. Es ist ein Wiegenlied und ich finde es ein wenig verrückt, dass Gott darin sprachlich männlich ist. Das Lied passt ganz eindeutig zu meinem Bild vom Mutterschoß Gottes, es tut gut, es im Hintergrund meiner Gedanken zu hören, sie sind aufgehoben bei Gott, nun muss gar nicht mehr viel passieren, es ist alles da, alles gut, ich lasse die Gedanken weiter wandern und lausche der Musik. Ich lächle die Gott-Mutter an und sage danke.

#LOVEmber – Eines Tages, wenn ich groß bin …

Glücklicherweise habe ich der Vorgärtnerin schon von Anfang an gesagt, dass ich nur sporadisch beim LOVEmber mitmachen werde. Dabei gefällt mir der Untertitel „Ode an den vernachlässigten Monat“ ausgesprochen gut, was vermutlich weniger daran liegt, dass der November bei mir ein vernachlässigter Monat ist, als vielmehr daran, dass ich Oden liebe. Ja, eines Tages, wenn ich groß bin, schreibe ich vielleicht noch eine weitere Abschlussarbeit, Diplomarbeit oder Doktorarbeit und dann über poetologische Oden, denn ich habe, wie auch die geneigte Leserin schon feststellen durfte, sowohl einen Hang zur Poetologie – nach Juli Zeh also zu dem Metier, dem sich Schriftsteller zuwenden, um sich vorm Schreiben zu drücken – als auch zur Ode, die sich schon im dritten Semester leise in mein Herz geschlichen hat. Ein Herzensthema also und vielleicht finde ich eines Tages, wenn ich groß bin, auch ein größeres Zeitfenster, mich diesem Thema zu widmen. (Oder ich fange heimlich, still und leise einfach jetzt schon damit an.)

Lyrik an sich ist für mich die schönste Kleinigkeit der Welt, es ist Wortmusik, und ich wünsche mir, dass auch eines Tages, wenn ich groß bin, immer noch ein Gedichtband auf meinem Nachttisch liegt oder sich zerfleddert in meiner Handtasche befindet. „FÜR MEHR GEDICHTE IM ALLTAG“, so könnte eine Initiative heißen, die ich eines Tages, wenn ich groß bin, einmal gründen würde; Gedichte nicht nur in der U-Bahn, sondern auch sonst im öffentlichen Raum, auf der Rückseite der Wartenummerzettel beim Finanzamt zum Beispiel oder auf den Papiertüten der Bäckerei am Eck. Ich könnte jetzt schon anfangen, Gedichte zu verbreiten, nicht nur virtuell, sondern analog, Lyrik zum Anfassen, die ich auf Papier drucke und dann mitnehme,…

…vielleicht sogar auf die Weltreise, die ich eines Tages, wenn ich groß bin, machen möchte und die sich in meinem Kopf bereits auf ein paar einzelne Ziele sowie eine Reise mit der Transsib verkürzt hat. Ich möchte durch die Mongolei reisen und durch Sibirien, und eines Tages, wenn ich groß bin, werde ich Russisch lernen – mit ein paar Worten habe ich schon angefangen -, dann bin ich besser gewappnet für die Transsib. Ich werde Zeit brauchen für meine Reise, Wochen oder Monate, und ich hoffe so sehr, dass ich sie mir eines Tages, wenn ich groß bin, auch nehmen werde, dass ich meine Herzenswünsche nicht ein ums andere Mal zurückstelle, sondern mein inneres Navigationsgerät mich langfristige Vorbereitungen treffen lässt und ich schließlich mit Kopf und Herz und Bauch den Kairos ergreifen kann.

#LOVEmber – Was mich satt macht

Kürbissuppe. Marzipankartoffeln. Eine Umarmung. Gottes Liebe. Leckeres Essen mit der passenden Weinfolge. Freundschaft. Zuspruch. Guter Sex. Zimtschnecken. Luftschlösser. Viel Grün. Die Abendsonne. Poesie. Zuverlässigkeit. Ein Spaziergang durch den Park. Musik. Tea. Earl Grey. Hot. Zugfahrten. Küssen. Ein Händedruck. Schöne Erinnerungen. Zeit haben. Wenn du immer noch ein Lächeln für mich hast.

#augustbreak2016 – 5 years ago

Das ist nun die Nachspielzeit zum #augustbreak2016, wie die Vorgärtnerin es so schön betitelt hat. Im Gegensatz zu Raph Elle, die gleich ihr ganzes abenteuerliches Jahr 2011 Revue passieren ließ, habe ich mir nur den Sommer 2011 vorgenommen.

Es war ein ganz gewöhnlicher Sommer: Ich fuhr Anfang August aufs Freakstock und saß danach am Schreibtisch und schrieb Hausarbeiten. Mein Mann arbeitete enorm viel und so traf ich mich abends oft mit Freunden. Ein Kommilitone lud mich zu seinem Geburtstag ein. Meine Schwägerin heiratete. Ich begann einen neuen Nebenjob und ein neues Ehrenamt. Und Ende September ging es nach Berlin.

Ein gewöhnlicher Sommer, wie es ihn selten bei mir gab. Stinknormale Semesterferien ohne Umzüge (wie in den 5 Jahren zuvor), größere Praktika/Ferienjobs (wie in den 2 Jahren danach) oder Lernen fürs Examen (die anschließenden 2 Jahre). Semesterferien, in denen es etwas zu tun gab, das aber Tag für Tag auch gut zu schaffen war.

Gleichzeitig veränderte dieser Sommer mein Leben, sodass ich es bis heute merke. Ich denke oft, es braucht diese Ruhe im Außen, damit das Innen hinterherkommt und sich entwickeln kann. Der Sommer brachte mir keine großen beruflichen Veränderungen, keinen Ortswechsel, keine abenteuerliche Reise, keinen Stempel unter meinen Studienleistungen oder meiner Beziehung – doch im Blick auf mich und mein Leben hat er mich nachhaltig verändert.

Inwiefern? Damit das Anskizzierte auch Gestalt bekommt, will ich versuchen, diese Frage zu beantworten und den Balanceakt zwischen persönlich und privat wagen.

Der Sommer brachte mir die Liebe Gottes nah, wie ich es zuvor noch nicht erlebt hatte. Dies hing mit einer einzelnen Predigt auf dem Freakstock zusammen. Wer wie ich christlich aufgewachsen ist, der kennt es vielleicht, wenn man sich bei einer besonderen Veranstaltung, einem Gottesdienst oder im Zeltlager Gott auf einmal ganz nahe fühlt, wenn man eine neue Erkenntnis oder einen geistlichen Durchbruch hat oder überhaupt gerade etwas mit Gott erlebt. Man denkt sich: Ab jetzt wird alles anders. Ab jetzt werde ich „Stille Zeit“ machen/Bibel lesen/beten/nicht mehr über meine Klassenkameraden lästern/allen von Jesus erzählen/… Danach fährt man nach Hause und ein paar euphorische Tage später hat einen der Alltag wieder. Und genau so war es bei mir in diesem Sommer nicht. Auch drei Wochen später schwebte ich noch auf Wolke 7 und der Durchbruch, den ich erlebt hatte, veränderte mein ganzes Denken. Die Botschaft: Gott liebt mich und nimmt mich an, mit allem, was ich bin/habe/denke/tue. Es war also die Erfahrung, die man „Gnade“ nennt.

Und ja, natürlich hatte ich diese Botschaft schon früher gehört, ich war Christ, seit ich denken kann, ich hatte mich bekehrt, ich lebte mein Leben mit Jesus. Aber trotzdem hatte ich – vielleicht gerade aufgrund meiner christlichen Prägung – einen bestimmten Lebensstil als richtig und Gott wohlgefällig ausgemacht und wann immer ich hinter diesem zurückblieb, hielt ich mich für vom Weg abgekommen oder einen Christen zweiter Klasse. In diesem Sommer verstand ich, dass dies allein meine eigenen Maßstäbe waren, die ich häufig von anderen Christen übernommen hatte, und dass sie nichts damit zu tun hatten, wie Gott mich sah und vor allem, wie er mich liebte. Es gibt mit Gott nicht den Plan B für das eigene Leben, sondern Gott geht jeden Weg mit mir mit. Punkt.

Diese Botschaft fiel vor fünf Jahren richtig tief in mein Herz und lässt sich auch nicht mehr herausreißen. Ich fing an, sie in allen Konsequenzen durchzubuchstabieren: Was hieß das für meine Beziehungen, Lebenentscheidungen, für meinen Umgang mit einem bestimmten verhaltensorientierten Christentum, für mein Verhältnis zu mir selbst?

Ein Beispiel dafür ist meine Perspektive auf Körper und Schönheit. Schon einmal schrieb ich in diesem Blog über Schönheitsideale und ich denke, einen wesentlichen Beitrag zu meiner Haltung lieferte mir dieser Sommer. Einige Tage nach Freakstock saß ich nämlich auf meinem Bett und beschloss, nicht mehr schlecht über meinen Körper zu sprechen. Eine einzige, klare Entscheidung ohne Wenn und Aber. Wenn Gott nicht zögert, in mir zu wohnen – mein Körper als sein Tempel, heißt es in der Bibel – wer bin ich dann, dass ich selbst Teile von mir ablehne? Gott nimmt mich an, wie ich bin, also will ich mich auch selbst annehmen. Diese körperbezogene Konsequenz war so wirkungsvoll, wie ich es kaum erwartet hätte, und hatte ganz eigene Folgen, für die ich sehr dankbar bin.

Vieles könnte ich hier noch beschreiben, aber vermutlich genügt es schon, um euch einen Eindruck von diesem lebensverändernden Sommer zu geben. Vielleicht habt ihr auch schon Ähnliches erlebt, wie sich eure Perspektive so ändert, dass es euer ganzes Leben durcheinanderwirbelt, wie ihr hinter die Veränderung nicht mehr zurück könnt und auf einmal so viel freier und glücklicher seid, ohne dass sich im Äußeren etwas verändert hätte. Mir brachte der Sommer vor fünf Jahren jedenfalls eine neue Gottesbeziehung ohne Schuld und Scham, voller Liebe, Gnade und Annahme. Und das wirkte tief in alle Bereiche meines Lebens – bis heute.

#augustbreak2016 – Peaceful

Acht Sekunden Seelenruhe, oder: Kuhranzennacht in Kroatien.

Gestern Abend lag ich im Trampolin und genoss den Ausblick auf einen phänomenalen Sternenhimmel. Die Grillen zirpten ihr Nachtkonzert, der dünne Stoff auf meiner Haut sorgte mit der Restwärme eines sonnigen Tages für eine angenehme Temperatur und ein leises Lüftchen wehte durch den Garten. Peaceful – friedlich, was könnte dafür besser passen als dieser Moment?

Da meine Kamera nicht gut genug für Millionen und Abermillionen von Sternen und anderem astronomischem Gedöns ist, müsst ihr nun leider in den schwarzen Nachthimmel starren. Dafür ist das Grillengezirpe jedoch gut zu hören.

[Raph Elle ist schon schlafen gegangen… und gibt Tipps für friedlichen Schlaf.]

#augustbreak2016 – Love is…

14_love is

Liebe ist etwas, das nicht verborgen bleibt.
Liebe will raus und sie will das Beste für den anderen. Daher findet sie immer wieder Wege, sich zu zeigen: Im Zuhören und Helfen, in gemeinsamem Lachen, in Loyalität. Im unermüdlichen Dasein, in Geschenken und kleinen Gesten, in aufmunternden Worten oder einer liebevollen Umarmung.

Gary Chapman prägte den Begriff von den „5 Sprachen der Liebe“: Lob und Anerkennung, Zweisamkeit, Geschenke, Hilfsbereitschaft, Zärtlichkeit. Jeder Mensch drücke seine Liebe mit unterschiedlichem Schwerpunkt durch diese Sprachen aus und fühle sich vor allem dann geliebt, wenn ihm dies in „seiner“ Sprache gezeigt würde. Dieses Konzept halte ich für einleuchtend und mit etwas Reflexion und Kommunikation kann es das gemeinsame Leben erleichtern.

Auf dem Bild seht ihr einen Brief meines damals 11jährigen Patenkindes, der mich bis heute beeindruckt. Vor ein paar Jahren war mein Mann kurzzeitig arbeitslos und so lief es finanziell nicht gerade rund bei uns. Als mein Patenkind das mitbekam, spazierte er schnurstracks in sein Zimmer und kam mit 20 Euro wieder, die er uns ganz unbedingt schicken wollte. Seine Mutter zögerte kurz, konnte es ihm aber nicht guten Gewissens verweigern. Denn er hatte sehr genau verstanden, worum es ging: Wenn jemand gerade weniger hat, dann geben wir ihm etwas ab, und wenn wir selbst Hilfe brauchen, werden wir sie auch bekommen.

Solidarität im Alltag – auch das ist Liebe.

Person of Interest

You are being watched…

Die Hürde, mich auf eine neue Serie einzulassen, ist groß. Anscheinend ist das für einen Serienjunkie etwas Untypisches, aber so bin ich eben. Mir wird das Vertraute nicht langweilig. Jedoch: Diese Serie hat es geschafft. Sie hat mich letzten Winter gepackt und im Blick auf die hard facts ist es auch kein Wunder: Die Thematik von Überwachung und Privatsphäre treibt mich seit frühester Jugend um und ich habe einen Sinn für alles, was in Richtung Sci-Fi/Dystopie geht, sofern es sich um den Menschen und die technische Entwicklung dreht (und nicht um irgendwelche Apokalypse/Weltuntergangsszenarien, Mutationen oder Killerinsekten). Dazu kommen noch diverse politische Machtspielchen und Intrigen, und die Serie scheint perfekt – von wegen! Selbst mit der „optimalen“ Thematik und den perfekten Rahmenbedingungen muss es einem als Serienmacher*in erstmal gelingen, daraus auch etwas Ordentliches und in diesem Fall Herausragendes zu erschaffen! Wie viele Filme habe ich in diesem Genre schon gesehen, die mir nicht mal mehr ein müdes Lächeln entlocken konnten? Vorhersehbare Plots, die immer gleichen Motive… ihr kennt das. Doch bei „Person of Interest“ haben die Macher wirklich ganze Arbeit geleistet!

Kern der Serie ist „die Maschine“, die alle verfügbaren Überwachungsdaten sammelt, sortiert und auswertet. Sie wurde gebaut und programmiert von Harold Finch, der ein immenses Maß an Sicherheitsvorkehrungen unternahm, um die Maschine vor Fremdeingriffen zu schützen. Der „Hauptjob“ der Maschine ist es, der Regierung Daten in Bezug auf geplante terroristische Aktionen auszuspucken. Jedoch gibt es eine Hintertür, wodurch die Maschine Harold und seinem Kollegen, dem Ex-CIA-Mitarbeiter John Reese, die Sozialversicherungsnummern von Menschen mitteilt, die entweder in Gefahr stehen Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden oder selbst einen Mord planen. Die Serie beginnt damit, dass Harold und John diese Personen aufspüren und den Fall klären.

Diese „Fall der Woche“-Geschichten begleiten einen durch alle Staffeln der Serie, jedoch gibt es pro Staffel immer auch größere Handlungsbögen und mit der Zeit – wie könnte es anders sein? – auch immer mehr Mitspieler. Es entsteht quasi ein „Team Machine“, das mit Hilfe der Maschine versucht, die geplanten Verbrechen zu verhindern. Für diejenigen, die die Serie erst noch schauen möchten, will ich an dieser Stelle nicht zu viel Handlung vorwegnehmen. Allerdings will ich euch darauf hinweisen, dass PoI in Teilen der ersten Staffel wirklich seine Längen hat und das wohl auch die Stellen sind, an der die meisten Leute wieder abspringen. Meines Erachtens wird es vom Ende der ersten Staffel an durchweg interessanter. Die Serie legt ordentlich an Tempo zu, wird komplexer, die Beziehungen zwischen den Charakteren verdichten sich und die übergeordneten Handlungen prägen das Erscheinungsbild. War es am Anfang noch (mehr oder weniger) spannend, ob die jeweilige „Person of Interest“ Opfer oder Täter ist, entwickeln sich die „Fall der Woche“-Szenarien mit der Zeit zu eben den Momenten, in denen man etwas durchatmen und die vielen Puzzlestücke des Hauptplots sortieren kann.

Nicht zuletzt reizt mich die Serie auch aufgrund der philosophischen Fragen von Mensch und Maschine. Harold konstruierte seine Maschine so, dass stets ein menschliches Element nötig ist, um ein Szenario zu bewerten. Die Maschine mag zwar alle Daten perfekt auswerten, doch sie tritt nicht selbst in Aktion. Die letzte Entscheidung muss der Mensch treffen, denn nur dieser kann andere Menschen und ihre Situation wirklich verstehen. Indem er die Maschine als abgeschlossenes System erstellt hat, positioniert sich Finch damit zum einen zwischen den Verfechtern des Datenschutzes, implizit ab Staffel 1 mit Alicia Corwin, ab Staffel 3 die Organisation Vigilance, welche für den Respekt der Privatsphäre eintreten und vor dem Missbrauch der Überwachungsmöglichkeiten durch Menschen warnen. Auf der anderen Seite setzt er sich von Personen wie Greer (ab Staffel 4) mit Samaritan ab, der der Maschine die volle Kontrolle über das Leben der Menschen geben möchte, weil er nicht mehr an den Menschen und dessen Vernunft, Urteilsvermögen glaubt: „Die alten Götter haben abgedankt, die Zeit der neuen Götter ist gekommen.“ (sinngemäß zitiert)

„Person of Interest“ besteht bisher aus 4 Staffeln und es wird noch eine halbe Staffel mit 13 Episoden folgen. Diese laufen bereits in den USA. Die deutsche Synchro ist verhältnismäßig ok, ich schaue oft zuerst auf Deutsch und dann auf Englisch mit englischem Untertitel, aber ich muss sagen, es ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Serie, bei der ich einen kurzfristigen Sprachwechsel (den Mitschauenden zuliebe) recht gut aushalten kann.

Nun würde mich natürlich eure Meinung interessieren. Gibt es noch andere PoI-Fans da draußen? Bisher scheint die Serie zumindest in meinem Umfeld eher weniger bekannt, sodass ich beim ersten Schauen sehr dankbar für die Serienjunkies-Community war… Aber vielleicht täusche ich mich da ja auch!?

Wie bewegt sich Freude?

Manchmal schleicht sich die Freude ganz langsam in mein Herz, um dort dann Kreise zu ziehen und schlängelt sich so nach und nach in mein Inneres um alle Räume einzunehmen. Sie breitet sich flächenmäßig gleichzeitig aus, so wie wenn etwas zerläuft, und dringt in jede Zelle. – nach oben und nach unten.

Dann hüpft sie dort, springt, dreht sich um sich selbst, dass alles vibriert und mein Gesicht gar nicht anders kann, als zu strahlen. Mein Mund lächelt oder lacht, weil die Freude meine Lippen kitzelt.

Und manchmal kommt die Freude auf einen Sprung in mich hinein, wie ein Betonklotz, der vom Himmel fällt. Schnell, mächtig, gewaltig, groß.

Einfach toll, diese Freude!

Clara

Noch ein Text, der zwar nicht in Heidelberg, aber doch im Anschluss an die synästhetischen Fragen der Schreibwerkstatt entstanden ist.
Liebe Clara
, vielen Dank, dass ich ihn hier veröffentlichen darf!

Welche Farbe hat die Stille?

Was ist die Farbe der Stille?

Für andere Farben ist schnell die Antwort gefunden:
Blau – Farbe, die in sich hinein zieht: Himmel, Wasser, der Mantel der Madonna…
Rot – Farbe der Liebe: Herzblut, Rosenblatt, funkelnder Wein…
Gold – Königsfarbe, Trompetenfanfaren aus Bachs Weihnachtsoratorium, eine Weise, zu schenken…
Grün – Hoffnungsfarbe, wachsende Saat, dem Rot komplementär.

Doch: Welche Farbe hat die Stille?

Grau? Wie der unbelebte Granit in den Bergen? Wie der Kiesel am Strand?
Wie sieht Stille aus?
Grau-Braun? – Kryptamauern im Dom …
Rot-Braun? – Engelschor in Michaelis …

Stille ist hoch und tief zugleich,
Stille ist rechts und links neben mir –
Stille ist vor und hinter mir –
Stille ist überall,
wenn wir Menschen sie nicht zudecken mit unseren Wort-Farben-Teppichen und den heftigen Geräuschkulissen.

Welche Farbe hat die Stille?
Sie hat Sphärenfarbe.
Sie hat Engelsfarbe –
die ist da – und doch wieder nicht.
die ist sichtbar und unsichtbar.

Stille hat die Farbe der Engel.

Andrea Wauer-Höflich

Dieser Text entstand im Rahmen der Schreibwerkstatt bei „Wer Augen hat zu sehen …“ Ästhetik. Glaube. Ein Tag Emergent. am 28.11.2015 in Heidelberg. Danke, Andrea, dass ich ihn hier zeigen darf!

Filmgedanken

Man kann in meinem Tumblr immer ganz gut erkennen, wenn ich einen schönen Film gesehen oder ein gutes Buch gelesen habe. Ich suche dann nach Bildern und Zitaten, die ich rebloggen kann, und meine Favoritenliste ist schnell voll davon. Schaue ich dann über die Archivfunktion zurück, erinnere ich mich noch intensiver an die Szenen und Momente.

Im März habe ich den „Nachtzug nach Lissabon“ [1 2 3 4 5 6] gesehen, den ich ja eigentlich schon damals in diesem netten, kleinen Kino anschauen wollte. Später las ich eine Kritik dazu im Internet, die, beginnend mit „Ach, diese Lateinlehrer“, über zu viel Kitsch und die groß ausgeleuchteten Bilder, über die Klaviermusik, die Violinen und Trompeten seufzt. Der werte Kritiker hatte jedoch, wie er zugibt, auch schon seine Schwierigkeiten damit, das Buch zu Ende zu lesen, und so musste ihm der Film bestimmt als Zumutung erscheinen. Ich habe das Buch nicht gelesen, durch den Film aber große Lust darauf bekommen. So kann es auch gehen. Denn natürlich war der Film irgendwie eine Aneinanderreihung von großen Bildern und Szeneneinstellungen, in die hinein bedeutungsschwere und tiefsinnige Sätze gesagt werden, so häufig, dass man sich durchaus fragen kann, ob die Kitsch-Grenze nur gerammt oder schon durchstoßen ist. Doch die Sätze sind so fein formuliert und Szenen wie der Brillenwechsel, den der genannte Kritiker als übertrieben aufdringlich empfindet, ließen mich mit großen Augen vor dem Bildschirm sitzen und die gezeigte Welt und Wirklichkeit einfach nur aufnehmen, sodass mir die Frage nach dem Kitsch erst durch die Kritik aufgedrängt wurde. Man muss nicht immer die Bewertungsbrille aufsetzen. Nicht als ganz normaler Zuschauer an einem Freitagabend. Man kann auch einfach genießen.

Und dann „Brokeback Mountain“ [1 2 3 4]. Der Film verdient eigentlich einen ganz eigenen Post. Drei Mal habe ich ihn mir angesehen, allein im April. Er hat mich verstört und beim ersten Sehen ging die ganze Nacht und der nächste Tag drauf, dass mich die Geschichte umtrieb. Andere würden sich in einem solchen Fall wohl ablenken und neue Themen und Begegnungen suchen. Ich setzte mich am folgenden Abend gleich wieder vor den Fernseher und schaute mir das Drama nochmal an. Konfrontationstherapie oder paradoxe Intervention? Ach, ich kann auf das Etikett verzichten. Jedenfalls glaube ich, dass dieser Film 10 Jahre nach seinem Erscheinen und 7 Jahre nach Heath Ledgers Tod möglicherweise mein neuer ‚Schallplattenfilm‘ wird. Über so viele Jahre war es „Blade Runner“, den ich immer und immer wieder angesehen habe (wie man eine gute Platte auflegt), doch seit ein paar Jahren ist da nichts mehr. Und nun dieser „schwule Cowboy-Film“, eine Kategorisieriung, die zutreffend und unpassend zugleich ist. Annie Proulx sagt über Kurzgeschichten [5], dass sie eine Art höhere Form von Literatur darstellen. Sie sollen erzählen, wofür ein Roman taugen würde, und was trotzdem als Kurzgeschichte besser funktioniert. Für ihre Geschichte ist das definitiv zutreffend. Ein Wunder, dass es gelungen ist, daraus einen so intensiven und mitreißenden Film zu machen. Ich verstehe die Leute, die sich bis heute noch im zugehörigen Internetforum tummeln und Szenen diskutieren. 10 Jahre lang! Da sage noch einer, was erzählt würde, sei kein relevanter Stoff. Und nein, es geht nicht nur um Homosexualität, es geht um etwas Grundsätzliches. Um Gesellschaft, um Lebenskonzepte, um Diskriminierung, um Liebe.

So erinnere ich mich gerne an die Filme zurück und freue mich an den kleinen Bildern und Zitaten. Ein Tumblr kann schon eine schöne Sammlung sein.

Nach Grau kommt Grün

Um nach einem häusergrauen Tag noch atmen zu können, braucht es grüne Orte wie diesen. Selbst die Trauerweide hat ein Lächeln für mich. Nicht viele Menschen sind gekommen, doch alleine bin ich nicht. Ich teile mir den Lebensraum mit Käfern und Raben und bin mit den Bäumen ins Gespräch vertieft. Eine Entenmutter beschützt ihre Kleinen, die trotzdem freudig auf mich zu tapsen. Im Ohr habe ich den Hedonisten, der anpackt. Seine Musik lässt mich vorwärts- und rückwärtslaufen, springen und auf Steine klettern. Ich blicke hinweg über den Park in den grauen Himmel und zurück auf die vom Regen satte Wiese. Grün wie die Hoffnung. Bei der Fahrt mit der Seilbahn weht mir die Luft um die Ohren, ich flitze über den Sandboden und spiele mit der Schwermut Hase und Igel. Der Trübsal ein Schnippchen schlagen. Auftanken. Einmal tief durchatmen und dem Leben eine neue Chance geben.

I only went out for a walk and finally concluded to stay out till sundown, for going out, I found, was really going in.
(John Muir)