Paris im Winter – Tag 3

So begann unser dritter und letzter Tag in Paris. Ich war mit richtiger guter Laune und einem unbändigen Glücksgefühl in der Brust aufgewacht und freute mich nun auf unseren Abschlusstag, an dem wir das Schloss Versailles anschauen wollten. Um lange Warteschlangen zu vermeiden, buchte ich über „Get your guide“ für meine Freundin und mich einen bevorzugten Einlass und wir machten uns mit Métro und RER auf den Weg.

Unterwegs in Paris

(Mit diesem Bild bin ich übrigens super zufrieden, nicht zuletzt aufgrund des Vogelflugs!)

Leider machte ich den Fehler, die Zugverbindung nicht doppelt und dreifach zu checken und so saßen wir erstmal im falschen Zug. Da es in Versailles mehrere Bahnhöfe gibt, merkten wir es zunächst nicht und hatten schließlich umso mehr Zeit verloren, sodass klar war, dass wir unseren ursprünglich gebuchten Einlass nicht würden wahrnehmen können. Mit einem kurzen Anruf war es jedoch kein Problem, diesen nach hinten zu verschieben. In jedem Fall hatten wir nun erst das Glück, unser Zugticket voll auszunutzen, und anschließend mit zweistündiger Verspätung unsere Erkundungstour in Versaille zu beginnen.

Natürlich ist das Schloss Versailles eine Wucht! Die Palastanlage ist riesig und es wurde an nichts, aber auch gar nichts gespart. Prunk und Protz ohne Ende. Deckengemälde, Statuen, Bilder, Fresken, Schmuck, kunstvolle Verzierungen – man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll!

Ich war beeindruckt und auch irgendwie erschlagen. Als wir schließlich nach über zwei Stunden wieder ins Freie traten, musste ich erstmal tief durchatmen – und konnte dabei diesen großartigen Ausblick im Garten genießen:

Ursprünglich hatten wir noch vor, am anderen Ende des prächtigen Gartens den Domaine de Marie-Antoinette anzusehen, jedoch ließ es der Zeitplan leider nicht zu. Daher machten wir uns mit ein paar Macarons im Gepäck auf dem Weg zurück in die Stadt.

Wir spazierten am Eiffelturm vorbei über das Marsfeld und ich warf am Monument des Droits de l’Homme (man beachte erneut den Vogelflug!) einen kleinen Blick auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.

Nach einer Stärkung in einem süßen, kleinen Café und einer weiteren Runde Bummeln machten wir uns mit der Métro wieder auf den Heimweg. Wir holten unser Gepäck bei der Unterkunft ab, kauften uns unser Reiseproviant und los ging es zum Bahnhof. Zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht klar, dass die Heimreise eine regelrechte Odyssee werden sollte, da unser ICE schon in Paris eine halbe Stunde Verspätung hatte und wir dadurch den Anschlusszug verpassten. So behielten wir quasi die 2-Stunden-Verspätung vom Morgen bei, trösteten uns mit den Macarons (und dem Fahrgastrechte-Formular!) und waren froh, als wir spät in der Nacht in unsere heimischen Betten fielen.

Au revoir, Paris!

Paris Est

Paris im Winter – Tag 2

Unser zweiter Tag in Paris begann erneut mit Sonnenschein, sodass die morgendliche Müdigkeit schnell verflogen war. Überhaupt, ich hatte fast 10 Stunden geschlafen, aber das war nach dem ersten, aufregenden Tag auch nötig gewesen. Wir machten uns auf den Weg zur Basilika Sacré-Cœur de Montmartre, in Gedanken sang ich mit Tina Dico und mein Herz hüpfte vor Freude bei diesem Anblick und Ausblick.

Die Sacré-Cœur ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Paris, bei der man weder anstehen noch Eintritt bezahlen muss. Auch die Sicherheitskontrolle brachten wir zügig hinter uns und konnten uns so die Kirche auch von innen ansehen. Es ist innen verboten, Fotos zu machen, woran sich natürlich keiner hält, doch ich wollte diese Kirche wirklich als Ort der Einkehr sehen und habe also darauf verzichtet.

Anschließens fuhren wir auf den Tipp von Tina in Richtung der Rue Oberkampf, um uns auf die Suche nach Street Art zu begeben. Und wir wurden schnell fündig:

Als ob wir danach noch nicht ausreichend zu Fuß unterwegs gewesen wären, ging es weiter auf den 48 Hektar großen Cimetière du Père-Lachaise, den größten Friedhof von Paris.

Danach brachte uns die Métro ins jüdische Viertel, wo es eine ganze Menge an Markenklamottenläden gab und Tina in ihrem Tipp Nummer acht nicht damit übertrieben hatte, dass sich ein Falafelstand an den nächsten reihte. Leider hatten wir nicht so viel Glück wie sie und mussten eine ganze, unverschämte Weile anstehen, bis wir unsere Falafel in der Hand hielten. Wer hier also lange Warteschlagen sieht, sollte wohl besser die Beine in die Hand nehmen und sich eine andere Essensquelle suchen ;-)

Nun hatten wir eigentlich geplant, am späten Nachmittag und Abend noch ins Louvre zu gehen, da dieses mittwochs lange Öffnungszeiten bis 21.45 Uhr hat. Nachdem wir jedoch bereits alle Schrittzählerrekorde gebrochen hatten, beschlossen wir, unsere Füße für den morgigen Tag zu schonen – die Freundin entschied sich für ein Pizzastück auf die Hand und verbrachte den Abend im Zimmer, ich hingegen ging ins Kino und sah mir mit „Paterson“ einen herausragenden Film von Jim Jarmusch an. Der Film lief im englischen Original mit französischen Untertiteln, was mir gleich doppelte Verständnischancen eröffnete. Gern hätte ich den Abend danach noch in einer nette, kleine Bar gesessen mit einem Glas Wein und guter Gesellschaft ausklingen lassen, doch es tat meiner entspannten und glücklichen Stimmung auch keinen Abbruch, mir noch ein Stück Pizza zu kaufen und zurück in unsere Unterkunft zu gehen.

Ein gelungener Tag!

[Tag 1] [Tag 3]

#augustbreak2016 – Little

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Da saßen wir auf den Felsen und sahen die Sonne im Meer versinken. Sie hatte unseren ganzen Tag erleuchtet und war nun ein goldener Feuerball am Horizont. Ich musste an eine Stelle aus dem „Kleinen Prinzen“ denken, der ja auch die Sonnenuntergänge liebt, und auf seinem kleinen Planeten nicht so lang auf den nächsten warten muss. Im Gegenteil, er konnte immer seinen Stuhl ein paar Meter weiterschieben, um erneut das Spektakel am Abendhimmel zu betrachten.

»Eines Tages sah ich den Sonnenuntergang dreiundvierzig Mal!«

»Du weißt doch, wenn man sehr traurig ist, hat man Sonnenuntergänge besonders gern …«

Aber wir waren nicht traurig, wir genossen das Gefühl, selbst auf einem kleinen Planeten zu sitzen, der uns in dem Moment, als die Sonne unterging, groß und klein zugleich erschien. In solchen Augenblicken fallen mir immer wieder die Verhältnismäßigkeiten auf, mit denen wir uns durchs Universum bewegen: eine kleine Erde, eine große Sonne und ein noch viel größeres Bezugssystem.

IMG_20160829_175522Unfassbar für den Geist, beeindruckend für die Seele.

#augustbreak2016 – 5 years ago

Das ist nun die Nachspielzeit zum #augustbreak2016, wie die Vorgärtnerin es so schön betitelt hat. Im Gegensatz zu Raph Elle, die gleich ihr ganzes abenteuerliches Jahr 2011 Revue passieren ließ, habe ich mir nur den Sommer 2011 vorgenommen.

Es war ein ganz gewöhnlicher Sommer: Ich fuhr Anfang August aufs Freakstock und saß danach am Schreibtisch und schrieb Hausarbeiten. Mein Mann arbeitete enorm viel und so traf ich mich abends oft mit Freunden. Ein Kommilitone lud mich zu seinem Geburtstag ein. Meine Schwägerin heiratete. Ich begann einen neuen Nebenjob und ein neues Ehrenamt. Und Ende September ging es nach Berlin.

Ein gewöhnlicher Sommer, wie es ihn selten bei mir gab. Stinknormale Semesterferien ohne Umzüge (wie in den 5 Jahren zuvor), größere Praktika/Ferienjobs (wie in den 2 Jahren danach) oder Lernen fürs Examen (die anschließenden 2 Jahre). Semesterferien, in denen es etwas zu tun gab, das aber Tag für Tag auch gut zu schaffen war.

Gleichzeitig veränderte dieser Sommer mein Leben, sodass ich es bis heute merke. Ich denke oft, es braucht diese Ruhe im Außen, damit das Innen hinterherkommt und sich entwickeln kann. Der Sommer brachte mir keine großen beruflichen Veränderungen, keinen Ortswechsel, keine abenteuerliche Reise, keinen Stempel unter meinen Studienleistungen oder meiner Beziehung – doch im Blick auf mich und mein Leben hat er mich nachhaltig verändert.

Inwiefern? Damit das Anskizzierte auch Gestalt bekommt, will ich versuchen, diese Frage zu beantworten und den Balanceakt zwischen persönlich und privat wagen.

Der Sommer brachte mir die Liebe Gottes nah, wie ich es zuvor noch nicht erlebt hatte. Dies hing mit einer einzelnen Predigt auf dem Freakstock zusammen. Wer wie ich christlich aufgewachsen ist, der kennt es vielleicht, wenn man sich bei einer besonderen Veranstaltung, einem Gottesdienst oder im Zeltlager Gott auf einmal ganz nahe fühlt, wenn man eine neue Erkenntnis oder einen geistlichen Durchbruch hat oder überhaupt gerade etwas mit Gott erlebt. Man denkt sich: Ab jetzt wird alles anders. Ab jetzt werde ich „Stille Zeit“ machen/Bibel lesen/beten/nicht mehr über meine Klassenkameraden lästern/allen von Jesus erzählen/… Danach fährt man nach Hause und ein paar euphorische Tage später hat einen der Alltag wieder. Und genau so war es bei mir in diesem Sommer nicht. Auch drei Wochen später schwebte ich noch auf Wolke 7 und der Durchbruch, den ich erlebt hatte, veränderte mein ganzes Denken. Die Botschaft: Gott liebt mich und nimmt mich an, mit allem, was ich bin/habe/denke/tue. Es war also die Erfahrung, die man „Gnade“ nennt.

Und ja, natürlich hatte ich diese Botschaft schon früher gehört, ich war Christ, seit ich denken kann, ich hatte mich bekehrt, ich lebte mein Leben mit Jesus. Aber trotzdem hatte ich – vielleicht gerade aufgrund meiner christlichen Prägung – einen bestimmten Lebensstil als richtig und Gott wohlgefällig ausgemacht und wann immer ich hinter diesem zurückblieb, hielt ich mich für vom Weg abgekommen oder einen Christen zweiter Klasse. In diesem Sommer verstand ich, dass dies allein meine eigenen Maßstäbe waren, die ich häufig von anderen Christen übernommen hatte, und dass sie nichts damit zu tun hatten, wie Gott mich sah und vor allem, wie er mich liebte. Es gibt mit Gott nicht den Plan B für das eigene Leben, sondern Gott geht jeden Weg mit mir mit. Punkt.

Diese Botschaft fiel vor fünf Jahren richtig tief in mein Herz und lässt sich auch nicht mehr herausreißen. Ich fing an, sie in allen Konsequenzen durchzubuchstabieren: Was hieß das für meine Beziehungen, Lebenentscheidungen, für meinen Umgang mit einem bestimmten verhaltensorientierten Christentum, für mein Verhältnis zu mir selbst?

Ein Beispiel dafür ist meine Perspektive auf Körper und Schönheit. Schon einmal schrieb ich in diesem Blog über Schönheitsideale und ich denke, einen wesentlichen Beitrag zu meiner Haltung lieferte mir dieser Sommer. Einige Tage nach Freakstock saß ich nämlich auf meinem Bett und beschloss, nicht mehr schlecht über meinen Körper zu sprechen. Eine einzige, klare Entscheidung ohne Wenn und Aber. Wenn Gott nicht zögert, in mir zu wohnen – mein Körper als sein Tempel, heißt es in der Bibel – wer bin ich dann, dass ich selbst Teile von mir ablehne? Gott nimmt mich an, wie ich bin, also will ich mich auch selbst annehmen. Diese körperbezogene Konsequenz war so wirkungsvoll, wie ich es kaum erwartet hätte, und hatte ganz eigene Folgen, für die ich sehr dankbar bin.

Vieles könnte ich hier noch beschreiben, aber vermutlich genügt es schon, um euch einen Eindruck von diesem lebensverändernden Sommer zu geben. Vielleicht habt ihr auch schon Ähnliches erlebt, wie sich eure Perspektive so ändert, dass es euer ganzes Leben durcheinanderwirbelt, wie ihr hinter die Veränderung nicht mehr zurück könnt und auf einmal so viel freier und glücklicher seid, ohne dass sich im Äußeren etwas verändert hätte. Mir brachte der Sommer vor fünf Jahren jedenfalls eine neue Gottesbeziehung ohne Schuld und Scham, voller Liebe, Gnade und Annahme. Und das wirkte tief in alle Bereiche meines Lebens – bis heute.

Über Wahrheit und Schönheit.

Dieser Beitrag ist ein Zwischenspiel in Verbindung mit dem Emergent Forum, in das ich letztes Wochenende hochgradig involviert war. Meine regelmäßigen Leser*innen mögen es mir nachsehen, dass ich auf Einleitung und Hinführung verzichte. Wer sich über die Veranstaltung informieren will, darf gern das Internet nutzen, aber ich möchte direkt zum Punkt kommen und mich mit einer Aussage aus Christinas Vortrag auseinandersetzen.

Hören wir doch auf, etwas falsch oder richtig zu finden.
Fangen wir wieder an, etwas schön zu finden.

Natürlich reiße ich den Satz jetzt aus seinem Kontext und gerade deshalb will ich zuerst versuchen, die Stoßrichtung aufzuzeigen, aus der ich ihn verstehe und sogar unterschreiben kann. Vor ein paar Wochen beantwortete ich eine Presseanfrage dazu, wie die Jesus Freaks sich zu anderen Religionen verhalten, ob diese als alternativer Weg ok/seligmachend/heilsversprechend/whatever seien und was wir überhaupt so von anderen religiösen Praktiken halten. In meiner Antwort machte ich deutlich, dass die meisten Jesus Freaks, die ich kenne, sich nicht sonderlich mit anderen Religionen als möglichem Heilsweg befassen, aber durchaus den Andersgläubigen mit Respekt und Wertschätzung begegnen. Ich schrieb über das Festhalten am Eigenen ohne Abwertung des anderen und zitierte dabei auch eine Mitchristin mit: „Ob es noch eine andere göttliche Wahrheit gibt, ist mir egal, ich gehe mit Jesus.“
Wenn es um den Kontakt und das Gespräch mit anderen Religionen geht, ist der Wahrheitsbegriff oft schwierig, weil „wahr“ in unserer Logik sofort sein Gegenteil „falsch“ hervorholt. Es scheint fast, als könne ich nicht über meine eigene Religion als „wahr“ sprechen, ohne gleichzeitig eine andere Religion als „falsch“ abzulehnen. Meines Erachtens muss das aber nicht so sein. Anstatt mit Aussagen wie „Unseres ist richtig, eures ist falsch.“ zu operieren, will ich vielmehr das Eigene erklären, groß machen, mit Überzeugung und Hingabe vertreten oder, wie Christina sagte, davon schwärmen. All das ist möglich, ohne das Gegenüber mit seiner Glaubenserfahrung abzuwerten.

Auf der anderen Seite jedoch löst die oben zitierte Aussage Bauchschmerzen bei mir aus. Auch dazu eine kurze Anekdote: Als ich Anfang 20 war, begegnete ich einem jungen Neonazi, wir gingen zusammen spazieren und unterhielten uns über unsere Leben und unsere Überzeugungen. Ich wollte natürlich wissen, warum er sich der rechten Szene angeschlossen hatte und auch, woran er glaube. Daraufhin erzählte er mir Geschichten aus der alten gemanischen Mythologie und zeigte mir auch seine Halskette mit einem entsprechenden Symbol. Nach einiger Zeit frage ich ihn dann: „Glaubst du denn daran?“ und er antworte: „Glauben? Nun ja, lass es mich so sagen: Ich finde es schön, einen schönen Gedanken.“
Worauf ich damit hinauswill? In der Innenperspektive meiner eigenen Religion reicht es mir nicht, einen Gedanken bloß schön zu finden. Ich will auf den Wahrheitsbegriff nicht verzichten – und sei es nur in seiner geringsten Form als subjektive, erlebte Wahrheit, als ein „Ich erlebe das als wahr, als sinnvoll, bedeutend, tragfähig für mein Leben.“ Mir reicht es nicht aus, die Auferstehung schön zu finden. „Schön“ ist mir hier zu oberflächlich, das ästhetische Empfinden zu beliebig und  – um Christina mit diesem Beitrag nun nicht Unrecht zu tun – es trifft m.E. auch nicht ihre Überzeugung. Wir haben an dem Wochenende viel über Gnade gesprochen, die von Gott kommt und zuvorkommend, mächtig, stark ist, sodass man selbst sich gar nicht entziehen kann. Eine solche existentielle Erfahrung will ich nicht nur über Schönheit artikulieren.

Ich könnte jetzt ein harmonisierendes Fazit schreiben und darüber nachdenken, für wie viele Menschen es vielleicht sinnvoll und hilfreich ist, dieses Starkmachen des Eigenen ohne Abwertung des anderen in genau diesen Worten zu hören und zu denken. Trotzdem will ich festhalten, dass Wahrheit und Schönheit nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen, dass die geforderte Akzentverlagerung ihre Grenzen hat und dass die Dichotomie von richtig und falsch nicht in jedem Leben zu einem Schwarz-Weiß-Denken führt, sondern dass „wahr“ und „richtig“ meinen eigenen Glauben auch auf einer notwendigen, tieferen Ebene verankern können.

#augustbreak2016 – August was…


Ich blicke zurück auf einen wahren Sommermonat.
In der ersten Monatshälfte gab es einiges für mich zu tun, denn ich musste vorarbeiten für die Urlaubszeit und natürlich auch manche Vorbereitungen treffen. Trotzdem blieb Zeit, um Freunde zu besuchen oder in den Park zu gehen. Auch wenn ich dabei schon den Herbst in der Luft erschnuppern konnte, war mir dank zweiwöchigem Urlaub im Süden noch viel Sonne mit Strand, Meer und blauem Himmel beschert. Mein persönlicher Höhepunkt ist der Nachmittag, an dem wir auf unserer Fahrt an die Westküste in eine Art Jahrmarkt hineingerieten, der mit singenden Männern, Landfrauenverein und dem Verkauf von so ziemlich allem, was man sich vorstellen kann, ein wirklich einmaliges Erlebnis war. Aber auch die Pool-, Strand- und Städtetage sind natürlich nicht zu verachten ;)
So lautet mein Fazit: Der August war wunderschön!

#augustbreak2016 – Green


Grün! Zu dieser Farbe könnte ich wohl einen ganzen Roman schreiben. Grün ist für mich die erholsamste und wohltuendste Farbe überhaupt. Obwohl ich vermutlich eher Stubenhocker als Pfadfinder bin, ist für mich das Auftanken in Park oder Wald enorm wichtig. Grüntöne beruhigen die Seele und erst im Grünen habe ich das Gefühl, so richtig durchatmen zu können. Drum habe ich, mit der Hilfe gründaumiger Freundinnen, auch angefangen, meine Fensterbank mit einigen Pflanzen zu verschönern. Und auch Wohnzimmer und Kleiderschrank sind von meiner Grünvorliebe geprägt. Es gibt eine waldgrüne Wand, hellgrüne Vorhänge und grüne Kissen auf einem braunen Sofa.

Weiterlesen: Nach Grau kommt Grün und Raph Elle: green.

I only went out for a walk and finally concluded to stay out till sundown, for going out, I found, was really going in.
(John Muir)

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil III

Es folgt der dritte und letzte Teil meines Erfahrungsberichts zum Ausmisten mit der KonMari Methode. In Teil 1 habe ich erklärt, wie die Methode funktioniert und einige Vorab-Überlegungen geäußert. In Teil 2 habe ich mich vor allem dem Thema Kleidung gewidmet. Es geht weiter mit den anderen Bereichen.

Erfahrungsbericht – Teil III (weitere Bereiche)

Nachdem ich den Bereich „Kleidung“ abgeschlossen hatte, nahm ich mir das Bad vor und alles, was damit zu tun hatte. Es stellte sich heraus, dass es hier – wieder Erwarten – besonders sinnvoll war, alles an einem Ort zu sammeln, wie es der erste Schritt verlangt. Gerade wenn Dinge in Schränken, auf Ablagen, in Fächern,… liegen, ist es gar nicht möglich, alles auf einen Blick zu erfassen. Marie Kondo hält nichts davon, Vorräte anzulegen, doch ich persönlich bin froh, wenn ich stets eine neue Zahnbürste oder eine weitere Seife parat habe. Dennoch flogen einige Dinge raus, bei denen ich mir sicher war, dass ich sie nie benutzen würde.

Anschließend kamen meine Dekosachen an die Reihe. Wie schon beim Bad, war es der größte Schritt, alles an einem Ort zu sammeln. Danach ging es sehr fix, denn mein Geschmack hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. So konnte ich zwei ganze Deko-Pakete aussortieren und versuche nun, sie übers Internet zu verkaufen. Allerdings zeigt sich schon jetzt, dass das nicht ganz so leicht wird wie erhofft. Für die verbliebenen Dekosachen besorgte ich mir eine große Kiste, in die alles gut hineinpasst. Ich möchte nicht hier eine Weihnachtsbox und dort einen Stapel an Bilderrahmen liegen haben. Deshalb habe ich meinen Schrank ausgemessen und die größtmögliche und stabilste Box besorgt, die ich finden konnte. Dass sie nur zu einem Drittel gefüllt ist, stört mich dabei wenig – sollte etwas Neues dazukommen, will ich nicht an einem anderen Platz in der Wohnung anfangen.

Schließlich widmeten mein Mann und ich uns gemeinsam den (Freizeit-)Büchern, CDs, DVDs und PC-Spielen. Ich hatte schon vor einiger Zeit mein Freizeitregal durchsortiert und eine Kiste mit alten Büchern bereitliegen. Wir verglichen bei ReBuy und Momox die Preise und verschickten zwei Kisten an die beiden Internetportale. Dafür erhielten wir ca. 50-60 Euro und waren das Zeug los!
Von allen Artikeln, die wir nicht verkaufen konnten, schrieb ich mir die Barcode-Nummer auf und packte die Artikel in eine große Box in den Keller. Ich habe schon festgestellt, dass sich die Annahmekriterien immer wieder ändern. Vielleicht kann ich in ein paar Monaten ein weiteres Paket wegschicken.

Bei der Fachliteratur für mein Studium tat ich mich allerdings schwer. Ich besitze Bücher, die ich nicht mag und vermutlich auch nicht mehr lesen werde, aber wer sagt mir, dass ich sie in den letzten Zügen meines Germanistikstudiums nicht noch einmal zurate ziehen muss? Ich muss also zugeben, dass mein Bücherregal leider noch voller ist als ich es gern hätte. Ein Regalbrett enthält meinen SUB, d.h. alle noch ungelesenen Bücher. Für sie habe ich mir selbst noch etwas Zeit gegeben. Jedoch habe ich ganz der KonMari Methode entsprechend den Entschluss gefasst, keine Bücher mehr im Regal stehen zu haben, bei deren Anblick ich ein schlechtes Gewissen bekomme, weil ich sie mir zugelegt, aber nicht gelesen habe! Dazu gehören auch Bücher, von denen ich dachte, dass ich sie als „gebildeter Mensch“ unbedingt würde besitzen respektive lesen müssen. Hier ist es (möglicherweise…) Zeit, mein Selbstbild zu korrigieren. Immerhin habe ich bisher auch ohne diese Bücher überlebt!
Sollte dieser Abschnitt noch etwas zögerlich oder weniger überzeugend als der Rest des Artikels rüberkommen, so liegt das daran, dass ich hier selbst noch mittendrin stecke. Es ist gar nicht so leicht, überkommene Vorstellungen aufzugeben. Aber ihr kennt das sicher selbst.

Zuletzt widmete ich mich meinen persönlichen Erinnerungsstücken. Dazu gehörten Fotos, Karten von Freunden und Familie sowie meine Bastelsachen. Ich stellte wieder einmal fest, dass ich diese Dinge an vielen verschiedenen Orten verstaut hatte. Damit sollte jetzt Schluss sein! Ich nahm einen Schuhkarton mit Fächern für die Fotos, ebenso eine schöne Weinkiste für die Karten, einen weiteren Karton für meine Bastelsachen, eine Box für Erinnerungsstücke und einen Ordner für Briefe. Ich glaube, Marie Kondo hält nicht viel von so vielen Schachteln und Boxen, aber ich bin zufrieden damit. Als ich die alten Karten durchsah, freute ich mich richtig daran und dachte, was für Schätze ich doch habe. Solange sie also nicht hier und da und irgendwo dazwischen auftauchen, bin ich glücklich :-)

Fazit

Dieser Artikel ist ganz schön lang geworden und ich hoffe, euch ist nicht die Puste ausgegangen. Wie ihr sehen konntet, hat mir die KonMari Methode zu neuem Schwung verholfen und mir einige wertvolle Fragen zur Seite gestellt. Als Stärke der Methode sehe ich, dass der Fokus auf dem „behalten“ und nicht auf dem „loswerden“ liegt. Dazu kommt, dass mit einer großen Wertschätzung mit allen Dingen umgegangen wird. Man bedankt sich bei dem, was man weggibt; sieht den Zweck, den es im eigenen Leben erfüllt hat; und geht sorgsam mit dem um, was man behalten möchte. Wichtig für mich war aber, dass ich daraus mein ganz eigenes Projekt gemacht habe. Es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, dass jeder Gegenstand in der Wohnung nun seinen Platz hat. Das Stadium „perfekt“ habe ich dennoch nicht erreicht: Es gibt immer noch einigen Kleinkram, der auf mich wartet.

Lasst mich wissen, welche Erfahrungen ihr mit dem Ausmisten und diversen Methoden schon gemacht habt! Ich freue mich auch über Rückfragen zu meinem Aufräumprojekt und eure Kommentare!

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil II

Es folgt der zweite Teil meines Erfahrungsberichts zum Ausmisten mit der KonMari Methode. In Teil I habe ich erklärt, wie die Methode funktioniert und einige Vorab-Überlegungen geäußert. Nun widme ich mich dem Thema Kleidung.

Erfahrungsbericht – Teil II (Kleidung)

Kleidung1Ich schleppte also alle Kleidung samt Schuhen und Accessoires ins Wohnzimmer und breitete sie aus. Das war schon eine Hausnummer! Marie Kondo empfiehlt, die Kleidung dabei schon nach Oberteilen, Hosen, usw. zu sortieren – wie man sieht, fiel mir das erst hinterher auf.

Kleidung9Auf den klugen Hinweis meines Mannes packte ich auch die Kleidung auf den Haufen, von der ich mir sicher war, dass ich sie ja sowieso behalten würde. Im ersten Moment hatte ich mir noch gedacht: „Wozu? Ich kann die Jacke doch auch gleich in der Garderobe hängen lassen!“, doch es erwies sich tatsächlich als sinnvoll. Man braucht beim Aussortieren auch dieses gute, wohlige Gefühl, ein gern getragenes Kleidungsstück in den „Behalten“-Korb zu legen. In und um diesen herum gewann nämlich das Leben, das ich führen möchte, immer mehr an Schärfe.

Die Frage nach dem Zweck, den ein Teil in meinem Leben (erfüllt) hat, hat mir ebenfalls sehr geholfen – insbesondere dabei, Dinge loszulassen. Ich besitze einige bürotaugliche Kleidung, die ich mir in den letzten Jahren für diverse Praktika, oft kurzfristig, zugelegt habe. Schon beim letzten Praktikum trug ich nur noch einen bestimmten Anteil davon. Also sagte ich mir: „Gut, dass ich diese Bluse damals hatte und damit ins Büro gehen konnte. Heute weiß ich, dass ich lieber andere Kleidung trage. Danke und tschüß.“

Kleidung7Manchmal hatte ich die Situation, dass ich Teile aussortierte, die mir noch sehr gut gefielen oder sogar meinem Stil entsprachen. Es waren die Kleidungsstücke, die mir nicht mehr passten oder die sich beim Waschen verzogen hatten, sodass ich sie nur noch ungern trug. Außerdem fiel mir beim Aussortieren natürlich auf, was ich an Kleidung noch gerne hätte oder die bestehenden Outfits perfekt komplettieren würde. Dazu legte ich mir eine Wunschliste an, auf die ich alles schrieb, was ich gern haben wollte. Die Aussicht auf neue, passende Kleidung, erfüllt mich mit Vorfreude.

Ein weiteres Thema, das mich beschäftigt hat, war Hauskleidung. Marie Kondo sagt dazu: „Hauskleidung ist nicht Kleidung zweiter Wahl.“ Ich muss zugeben, dass dies bei mir lange Zeit der Fall war. Zuhause trug ich die Sachen auf, mit denen ich nicht mehr vor die Tür gehen wollte. Obwohl die Teile vielleicht einigermaßen bequem waren, passten sie sicher nicht zu meinem Stichwort der simplen Schönheit. Daher sortierte ich auch hier großzügig aus und behielt nur eine ausgewählte Zahl an Pullovern.

Kleidung3Leider verschwinden bei Marie Kondo alle aussortierten Gegenstände in großen, schwarzen Müllsäcken. Ich finde das furchtbar verschwenderisch und es passt auch nicht zu meinem Lebenskonzept. Daher unterteilte ich bei den ausgemisteten Dingen in „Müll“, „Flohmarkt“ und „hervorragend/neu“. In den Müll kamen Teile, bei denen ich mir sicher war, dass sie keiner mehr würde haben oder reparieren wollen. In die Flohmarktkiste kamen Sachen, die noch gut waren und die ich bereit war, zu verschenken. Für einzelne hervorragende, neuwertige Teile nahm ich mir vor, diese im Internet zu verkaufen.

Was wurde aus der Flohmarktkiste? Wenn ich mich in den folgenden Wochen mit Freundinnen oder der Familie traf, schaute ich jedes Mal zuvor in die Kiste, ob etwas nach deren Geschmack dabei sein könnte. Dieses nahm ich dann mit und bot es ihnen an. Wichtig dabei: Marie Kondo schreibt ein eigenes Kapitel darüber, dass man nicht einfach ausrangierte Kleidung an die kleine Schwester loswerden solle. Daher erklärte ich jeder Person im Vorfeld: „Schau, ob du etwas haben willst. Ich nehme auch alles komplett wieder zurück.“ Da ich keinem Ramsch anbot, fanden viele Teile großen Anklang und die Leute freuten sich richtig über die neuen Kleidungsstücke.

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Irgendwann kam beim Ausmisten der Punkt, an dem ich mich mit den Entscheidungen schwer tat. Ich hatte noch einen ganzen Stapel an Klamotten vor mir, ebenso einen Haufen Schuhe, und wusste nicht weiter. Das waren Teile, die in die „Behalten“-Kiste nicht richtig reinpassten, bei denen ich aber auch Hemmungen hatte, sie wegzuwerfen. Weil ich einige Zeit nur die Teile in die Hand genommen hatte, bei denen ich mir sicher war, in welche Kategorie sie gehörten, hatte ich nun den Haufen der Problemstücke vor mir und es ging nur noch schleppend voran. Als es mir gelungen war, den Berg auf ca. 6-8 Teile zu reduzieren, beschloss ich, dass ich selbst die Regeln mache und die Entscheidung offiziell zurückstellen würde. Ich packte die entsprechende Kleidung in ein Fach oberhalb meines eigentlichen Kleiderschrankes und werde in einiger Zeit noch einmal drangehen. Auch beim Verteilen der „Flohmarktkleidung“ stellte ich fest, dass ich an zwei Stücken doch noch sehr hing. Ich fischte sie wieder raus und sehe jetzt, dass sie doch gut zu meinem Stil passen.

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Auch für das Einräumen in den Kleiderschrank hat Marie Kondo einige gute Tipps auf Lager. Das Grundprinzip dabei ist, Kleidung nicht aufeinander zu stapeln, sondern eher klein zu falten bzw. zu rollen und in Schubladen aufzubewahren. Der Vorteil davon ist, dass man einen besseren Überblick über die Teile hat, jedes Kleidungsstück sehr gut greifen kann und es weniger Falten gibt, da nicht ein ganzer Stapel darauf lastet. Ich habe also auch meinen Kleiderschrank etwas umgeräumt und bewahre nun Tshirts, Sport- und Schlafkleidung in Schubladen auf. Insbesondere bei den Sportsachen ist der Vorteil enorm. Es handelt sich ja um ganz unterschiedliche Teile: kurze und lange Hosen, Sweatjacken, Tshirts,… auf die ich nun viel besser einzeln zugreifen kann. Für die langärmlichen Teile und vor allem für warme Pullover fand ich die Methode bei mir weniger geeignet. Sie staple ich nach wie vor übereinander. Übrigens: Als mein Mann meine Tshirtschublade gesehen hatte, räumte er auch seine Tshirts um.

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit den anderen Bereichen. 

Wie geht es euch mit dem Ausmisten von Kleidung? Habt ihr ein Ordnungsschema im Kleiderschrank? Habt ihr Sommer- und Winterkleidung oder lagert ihr alles gemeinsam? Was denkt ihr über Hauskleidung?

Ausmisten mit der KonMari Methode (Erfahrungsbericht) – Teil I

In regelmäßigen Abständen habe ich das Bedürfnis, auszumisten und Dinge loszuwerden. Ich brauche Luft, Platz und Ordnung um mich herum, um denken zu können. Dabei gehöre ich nicht zu denen, die einen besonders voll gestopften Haushalt oder überfüllten Kleiderschrank haben (was ihr euch nach meinen Gedanken zum Thema Minimalismus (Kleidung) vermutlich schon denken konntet). Allerdings habe ich ein feines Gespür dafür, wenn Dinge nur noch „da“ sind, aber eigentlich keinen Zweck mehr in meinem Leben erfüllen. Es staut sich immer mehr Besitz an – ein Gefühl, das mich niederdrückt und für Beklemmungen sorgt. Vor einigen Monaten musste daher eine radikale Veränderung her und so suchte ich im Netz nach nützlichen und erprobten Methoden, Gegenstände auszusortieren.

Dabei stieß ich auch auf die KonMari Methode, die Aufräummethode der Japanerin Marie Kondo. Über diverse Blogeinträge und Videos konnte ich mir schnell einen Überblick verschaffen und legte mir auch ihr Buch „Magic Cleaning“ zu. Im folgenden will ich euch einen kurzen Überblick über die Methode geben und von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Da der Artikel ungewöhnlich lang geworden ist, habe ich entschieden, ihn in drei Teilen zu posten.

Die KonMari Methode

„Wer jeden Tag ein bisschen aufräumt, räumt sein ganzes Leben auf.“ Das ist einer der Standardsätze von Marie Kondo. Ihr Ziel ist es, „in einem Rutsch, in kurzer Zeit und perfekt“ aufzuräumen. Dazu nimmt man sich nacheinander die verschiedenen Bereiche in seinem Besitz vor, beginnend mit der Kleidung, über Bücher und Schriftstücke bis zum Kleinkram. Wichtig ist, nicht Zimmer oder Fächer nacheinander aufzuräumen, sondern alle Dinge, die zu einem Bereich oder einer Kategorie gehören, gesammelt anzugehen.

Im Falle der Kleidung räumt man also nicht nur seinen Kleiderschrank aus, sondern bringt alle Kleidungsstücke aus der ganzen Wohnung an einen zentralen Ort.  Viele schreiben im Netz, dass dies ein Schlüsselmoment für sie war, weil ihnen gar nicht klar war, wie viel sie besitzen.

Anschließend nimmt man jedes einzelne Kleidungsstück in die Hand und entscheidet in diesem Moment, ob man es behalten möchte oder nicht. Dabei stellt man sich innerlich die Frage „Does it spark joy? / Macht es mich glücklich?“. Wenn das der Fall ist, lautet die Antwort: behalten. Wenn nicht, sollte man sich klar machen, dass dieses Teil einen bestimmten Nutzen und Zweck im eigenen Leben hatte und diesen nun erfüllt hat. Anschließend bedankt sich bei dem Kleidungsstück für die Freude, die es in das eigene Leben gebracht hat, und verabschiedet sich von ihm.

Der Prozess des Ausmistens ist geradezu meditativ, man steht im inneren Zwiegespräch mit sich selbst und sollte sich auch durch nichts anderes (wie z.B. Musik) stören lassen. Wichtig ist, dass man sich im Vorfeld Zeit nimmt, um die eigene Motivation für das Aufräumen zu klären und um sich das Leben, das man führen möchte, vor Augen zu stellen. Je klarer dieses Bild ist, desto leichter fällt es dann, Entscheidungen zu treffen.

Erfahrungsbericht – Teil I (Vorab-Überlegungen)

Ich habe mir das Buch „Magic Cleaning“ angeschafft, um die Aufräummethode wirklich „richtig“ angehen zu können. Die wesentlichen Informationen erhält man jedoch auch im Internet und ich muss sagen, dass das Buch an vielen Stellen redundant und für meinen Geschmack zu ausführlich ist. Der Mehrwert des Buches bestand für mich in einem Abschnitt, in dem die o.g. Vorab-Überlegungen betont wurden. Mit der Frage „Macht es mich glücklich?“ stand ich nämlich von Anfang an eher auf Kriegsfuß, da ich es kritisch sehe, allein das eigene Glück als Handlungsmaxime festzusetzen. Ich habe daher die Frage für mich etwas angepasst: „Passt der Gegenstand zu dem Leben, das ich führen will?“

Dazu sollte man natürlich für sich selbst geklärt haben, wie dieses Leben denn aussieht. In Bezug auf Kleidung geht es mir so, dass sie zu mir als Person passen soll. Sie soll meine Persönlichkeit unterstreichen und ich möchte mich in ihr wohl fühlen. Mittlerweile habe ich einen Stil gefunden, der mir gefällt. Um mir selbst beim Ausmisten zu helfen, habe ich verschiedene Stichworte, die diesen (Lebens-)Stil beschreiben, auf Kartons geschrieben und um den „Behalten“-Korb herum ausgelegt. Ein Stichwort dabei war simple Schönheit. Es bedeutet für mich klare Linien & Schnörkellosigkeit sowie praktische, zweckmäßige Kleidung, die jedoch nicht nach Wanderausflug aussieht. Vielmehr möchte ich mich in der Kleidung weiblich und stark fühlen.

Wichtig beim Ausmisten ist, dass man aus dem Kleidungs- oder Bücherberg die Teile identifiziert, die man behalten will. Meistens sind Aufräummethoden ja eher darauf ausgelegt, herauszufinden, was man loswerden möchte. Die Fragestellung bei der KonMari Methode ist genau umgekehrt: „Möchte ich diesen Gegenstand behalten?“ Dabei helfen kann auch die Frage: „Würde ich diesen Gegenstand heute sofort wieder kaufen?“

Im nächsten Beitrag geht es weiter mit dem Thema Kleidung. Davor würde mich natürlich interessieren, was auf euren Karten stehen würde. Welchen Kleidungsstil habt ihr? Was passt zu euch? Oder mal ganz groß gefragt: Wie sieht das Leben aus, das ihr führen wollt?

Gedanken zum Minimalismus (Kleidung)

Ich hatte schon mit 20 einen Hang zum Minimalismus. Davor und danach gab es zwar auch Konsumphasen, aber innerlich blieb das Gefühl, lieber mit wenig glücklich zu sein als mir ständig neuen Kram zu kaufen. Damals führte das dazu, dass ich in den ältesten und hässlichsten Klamotten rumlief, denn wozu sich einen neuen Pullover kaufen, wenn ich einen ‚funktionsfähigen‘ hatte? Es war mir egal, ob besagter Pullover grau und abgetragen war, ich hatte etwas anzuziehen und er erfüllte seine Aufgabe. Mein Vater übte daran regelmäßig Kritik, von meiner Oma ganz zu schweigen. Regelmäßig rief sie an: „Ich glaube, du brauchst mal wieder ein paar gute Schuhe/eine neue Hose/ein paar Oberteile.“ Und ich jedesmal: „Danke, Oma, ich brauche nichts, ich habe alles. Aber ein paar Sportsocken wären gut.“ Überhaupt war Sportkleidung das Einzige, in das ich in dieser Zeit Geld investierte. Zugegebenermaßen habe ich die Kleidung und die Schuhe heute noch und sie haben mir über viele Jahre einen guten Dienst getan.

Heute sieht meine Haltung zum Konsum und zum Minimalismus anders aus. Ich kaufe wenig und sehr ausgewählt. Vor zwei oder drei Jahren habe ich eine Farb- und Stilberatung gemacht, die mir in Sachen Geschmack zu einem großen Sprung verholfen hat. Ich weiß, welche Farben mir stehen, und wie verschiedene Schnitte an mir wirken. Die Kleidung, die in meinem Schrank hängt, passt zueinander und ich habe immer etwas anzuziehen. Wenn ein Kleidungsstück die Kriterien nicht erfüllt, wird es nicht gekauft. Überhaupt gehe ich sehr selten einfach ’shoppen‘, sondern meistens erst dann, wenn ich feststelle, dass mir etwas fehlt. In diesem Jahr waren das Tshirts für den Sommer, die Anzahl der tragbaren Shirts war auf 8 gesunken und so ging ich in einen Laden, wedelte mit meinem Farbpass herum und kaufte 3 neue Oberteile. Und weil mir eines davon so gut gefiel, holte ich es mir zwei Wochen später nochmal.

Mir geht es nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern darum, nur das zu besitzen, was ich auch nutze/brauche/liebe. Ich möchte meinen Kleiderschrank aufmachen und jedes Teil gerne und regelmäßig anziehen. Dazu braucht es an erster Stelle ein gutes Auge und ein sicheres Gefühl dafür, was mir auch in ein paar Monaten oder in der nächsten Saison noch gefällt. Was nicht gekauft wird, nimmt auch keinen Platz weg. Zum zweiten liebe ich Übersichtlichkeit. Gib mir eine Liste und ich schreibe dir jedes Kleidungsstück auf, das ich besitze und wann ich es das letzte Mal anhatte.Während andere sich durch Klamottenberge wühlen (sowohl im eigenen Kleiderschrank als auch in den Läden), sitze ich lieber mit Tee und Keks auf dem Sofa oder treffe meine Freunde.