Paris im Winter – Tag 3

So begann unser dritter und letzter Tag in Paris. Ich war mit richtiger guter Laune und einem unbändigen Glücksgefühl in der Brust aufgewacht und freute mich nun auf unseren Abschlusstag, an dem wir das Schloss Versailles anschauen wollten. Um lange Warteschlangen zu vermeiden, buchte ich über „Get your guide“ für meine Freundin und mich einen bevorzugten Einlass und wir machten uns mit Métro und RER auf den Weg.

Unterwegs in Paris

(Mit diesem Bild bin ich übrigens super zufrieden, nicht zuletzt aufgrund des Vogelflugs!)

Leider machte ich den Fehler, die Zugverbindung nicht doppelt und dreifach zu checken und so saßen wir erstmal im falschen Zug. Da es in Versailles mehrere Bahnhöfe gibt, merkten wir es zunächst nicht und hatten schließlich umso mehr Zeit verloren, sodass klar war, dass wir unseren ursprünglich gebuchten Einlass nicht würden wahrnehmen können. Mit einem kurzen Anruf war es jedoch kein Problem, diesen nach hinten zu verschieben. In jedem Fall hatten wir nun erst das Glück, unser Zugticket voll auszunutzen, und anschließend mit zweistündiger Verspätung unsere Erkundungstour in Versaille zu beginnen.

Natürlich ist das Schloss Versailles eine Wucht! Die Palastanlage ist riesig und es wurde an nichts, aber auch gar nichts gespart. Prunk und Protz ohne Ende. Deckengemälde, Statuen, Bilder, Fresken, Schmuck, kunstvolle Verzierungen – man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll!

Ich war beeindruckt und auch irgendwie erschlagen. Als wir schließlich nach über zwei Stunden wieder ins Freie traten, musste ich erstmal tief durchatmen – und konnte dabei diesen großartigen Ausblick im Garten genießen:

Ursprünglich hatten wir noch vor, am anderen Ende des prächtigen Gartens den Domaine de Marie-Antoinette anzusehen, jedoch ließ es der Zeitplan leider nicht zu. Daher machten wir uns mit ein paar Macarons im Gepäck auf dem Weg zurück in die Stadt.

Wir spazierten am Eiffelturm vorbei über das Marsfeld und ich warf am Monument des Droits de l’Homme (man beachte erneut den Vogelflug!) einen kleinen Blick auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.

Nach einer Stärkung in einem süßen, kleinen Café und einer weiteren Runde Bummeln machten wir uns mit der Métro wieder auf den Heimweg. Wir holten unser Gepäck bei der Unterkunft ab, kauften uns unser Reiseproviant und los ging es zum Bahnhof. Zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht klar, dass die Heimreise eine regelrechte Odyssee werden sollte, da unser ICE schon in Paris eine halbe Stunde Verspätung hatte und wir dadurch den Anschlusszug verpassten. So behielten wir quasi die 2-Stunden-Verspätung vom Morgen bei, trösteten uns mit den Macarons (und dem Fahrgastrechte-Formular!) und waren froh, als wir spät in der Nacht in unsere heimischen Betten fielen.

Au revoir, Paris!

Paris Est

Paris im Winter – Tag 2

Unser zweiter Tag in Paris begann erneut mit Sonnenschein, sodass die morgendliche Müdigkeit schnell verflogen war. Überhaupt, ich hatte fast 10 Stunden geschlafen, aber das war nach dem ersten, aufregenden Tag auch nötig gewesen. Wir machten uns auf den Weg zur Basilika Sacré-Cœur de Montmartre, in Gedanken sang ich mit Tina Dico und mein Herz hüpfte vor Freude bei diesem Anblick und Ausblick.

Die Sacré-Cœur ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Paris, bei der man weder anstehen noch Eintritt bezahlen muss. Auch die Sicherheitskontrolle brachten wir zügig hinter uns und konnten uns so die Kirche auch von innen ansehen. Es ist innen verboten, Fotos zu machen, woran sich natürlich keiner hält, doch ich wollte diese Kirche wirklich als Ort der Einkehr sehen und habe also darauf verzichtet.

Anschließens fuhren wir auf den Tipp von Tina in Richtung der Rue Oberkampf, um uns auf die Suche nach Street Art zu begeben. Und wir wurden schnell fündig:

Als ob wir danach noch nicht ausreichend zu Fuß unterwegs gewesen wären, ging es weiter auf den 48 Hektar großen Cimetière du Père-Lachaise, den größten Friedhof von Paris.

Danach brachte uns die Métro ins jüdische Viertel, wo es eine ganze Menge an Markenklamottenläden gab und Tina in ihrem Tipp Nummer acht nicht damit übertrieben hatte, dass sich ein Falafelstand an den nächsten reihte. Leider hatten wir nicht so viel Glück wie sie und mussten eine ganze, unverschämte Weile anstehen, bis wir unsere Falafel in der Hand hielten. Wer hier also lange Warteschlagen sieht, sollte wohl besser die Beine in die Hand nehmen und sich eine andere Essensquelle suchen ;-)

Nun hatten wir eigentlich geplant, am späten Nachmittag und Abend noch ins Louvre zu gehen, da dieses mittwochs lange Öffnungszeiten bis 21.45 Uhr hat. Nachdem wir jedoch bereits alle Schrittzählerrekorde gebrochen hatten, beschlossen wir, unsere Füße für den morgigen Tag zu schonen – die Freundin entschied sich für ein Pizzastück auf die Hand und verbrachte den Abend im Zimmer, ich hingegen ging ins Kino und sah mir mit „Paterson“ einen herausragenden Film von Jim Jarmusch an. Der Film lief im englischen Original mit französischen Untertiteln, was mir gleich doppelte Verständnischancen eröffnete. Gern hätte ich den Abend danach noch in einer nette, kleine Bar gesessen mit einem Glas Wein und guter Gesellschaft ausklingen lassen, doch es tat meiner entspannten und glücklichen Stimmung auch keinen Abbruch, mir noch ein Stück Pizza zu kaufen und zurück in unsere Unterkunft zu gehen.

Ein gelungener Tag!

[Tag 1] [Tag 3]

Paris im Winter – Tag 1

Mit diesem Tweet fing alles an, genauergesagt mit einer Nachricht der liebsten Freundin auf meinem Handy: „Ich will nach Pariiiis! Kommst du mit?“ Da Spontaneität neuerdings mein zweiter Vorname ist (Ähm. Nicht.), hab ich zugesagt und im Nu waren Zugfahrt und Unterkunft gebucht:

Früh um 7 ging es in Stuttgart los und drei Stunden später waren wir schon in Paris!
Da dort am Bahnhof bald jeder zweite Fahrkartenautomat defekt war, hieß es erstmal Anstehen für uns. Doch schließlich hatten wir unseren 10er-Pack Tickets und konnten uns mit der Métro auf den Weg zur Unterkunft machen. Wir schnupperten Pariser Stadtluft, tranken erstmal einen Kaffee und machten Pläne für den Tag. Nach dem Sitzen im Zug war uns nach einem Spaziergang zumute und ohne unser Gepäck ließ es sich umso besser durch die Pariser Straßen bummeln: Einmal um Notre Dame herum und an der Seine entlang erkundeten wir die Stadt. Das Louvre schien uns so groß wie ein ganzer Stadtteil und natürlich genoß ich besonders den Ausblick auf das Riesenrad im Jardin des Tuileries.

Auf den Stufen der Eglise de la Madeleine aßen wir leckere Macarons aus dem Ladurée und ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Wer hätte auch ahnen können, dass wir Ende Dezember so ein traumhaftes Wetter haben würden! (Nun ja, wir freuen uns dran, aber ich will gar nicht dran denken, was das global gesehen bedeutet…)

Nach einer kurzen Pause in unserer Unterkunft folgten wir unseren knurrenden Mägen und aßen in der Crêperie des Arts leckere Crêpes mit Ziegenkäse, Walnüssen und Honig. Danach bummelten wir weiter durch die Straßen, wobei die liebste Freundin einen Second Hand Laden entdeckte und sich ganz dem Shoppingwahnsinn hingab.

Auch in der Dunkelheit ließ sich noch einiges entdecken und so stolperten wir an kleinen Platten- und Buchläden, riesigen Universitätsgebäuden und lockenden Essensständen vorbei und genossen den rauschhaften Taumel durch die Nacht.

[Tag 2] [Tag 3]

Rom, du ewige Stadt + Tipps

Wenn Florenz angesichts alter Bauten, Kirchen und Plätzen beeindruckend ist, so ist Rom umwerfend. Überhaupt kann in Sachen „Überreste aus einer anderen Zeit auf engem Raum“ wohl keine andere Stadt Rom das Wasser reichen. Der Ehrenname „Die ewige Stadt“ besteht zu Recht, in Rom kann man abtauchen in vergangene Zeiten und wird dabei ein tiefes Gefühl für Dauer und Beständigkeit empfinden.

Rom1

Im August sind die Römer ausgeflogen und die Stadt ist von Touristen überfüllt. Das muss man wissen und damit leben oder sich einfach einen anderen Reisezeitpunkt suchen. Im Folgenden geht es mir dieses Mal weniger um „Das muss man gesehen haben!“-Tipps als vielmehr um grundsätzliche Reiseüberlegungen. Denn DASS sich Rom als Reiseziel lohnt, steht für mich außer Frage.

Variante A: komfortabel, spontan, teuer

Anreise: Flug
Unterkunft: Hotel, zentral gelegen

Diese Variante ist für Leute, die auch gern mal einen Kurzurlaub übers Wochenende machen. 3 Tage Rom, das ist angesichts der Sehenswürdigkeiten natürlich kurz, doch um inspiriert und zufrieden wieder heimzukommen, genau richtig. Hier würde ich einen Flug buchen, ein zentral gelegenes Hotel auswählen und dadurch so viel wie möglich Zeit in der Stadt statt auf der Strecke verbringen. Wir hatten eine Unterkunft, die etwas außerhalb lag, und auch wenn es die Metro und Busse gibt, haben wir doch einiges an Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln verbracht. Wer zentral wohnt, kann sich trotzdem ein 48-Stunden-Ticket für Bus und Bahn kaufen, ist allerdings viel schneller am Zielort.

Rom ist grundsätzlich teuer und das gilt selbstverständlich auch für Restaurants und Imbissbuden. Wer nicht lange nach einem günstigeren Lokal suchen will, tut gut daran, entsprechend Geld einzuplanen. Gerade im Viertel rund um die Spanische Treppe gibt es tolle Restaurants, die allerdings auch ihren Preis haben. Wenn man das im Voraus weiß, kann man ohne schlechtes Gewissen zuschlagen.

Ein Tipp: Im Urbana47 (in der Via Urbana 47) im Viertel Monti gibt es herausragend gutes Essen. Gehobene Küche, leckerer Wein und ein ganz eigener Einrichtungsstil. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und den Abend genossen!

Türen

Variante B: einfach, organisiert, nicht ganz so teuer

Anreise: Auto, Bahn oder Flug
Unterkunft: AirBnB o.Ä.

Diese Variante ist gut geeignet für Schnäppchenjäger, Pfadfinder und den studentischen Geldbeutel. Man suche sich eine Unterkunft über AirBnB o.Ä., die ein wenig außerhalb gelegen und dadurch etwas günstiger ist. Eine Privatunterkunft ist im Gegensatz zum Hotel natürlich viel individueller und spannender. Wir hatten eigentlich nur ein Zimmer gebucht, dann aber für die 3 Tage die ganze Wohnung für uns. So erhält man einen authentischen Blick ins ‚römische Leben‘. Wir hatten auch das Glück, dass unser Gastgeber uns im Voraus den Kühlschrank vollpackte und wir jeden Morgen ein leckeres Frühstück genießen konnten – und das in unseren ‚eigenen‘ 4 Wänden und nicht im Hotel mit zig anderen Menschen.

Möchte man auch tagsüber nicht so viel Geld ausgeben, muss man clever planen. Auch das Essen ‚auf die Hand‘ ist meist teuer, also halte ich es für sinnvoll, sich nach einem ausgiebigen Frühstück zuhause ein Vesper für unterwegs einzupacken. Hier muss man natürlich gut aufpassen, welche Lebensmittel auch die Hitze vertragen, z.B. Äpfel, Nektarinen, Karotten, Müsliriegel, Vollkornbrot mit geräucherter Wurst/Schinken, Landjäger, Nüsse/Studentenfutter… Dann braucht man sich einfach nur eine Bank oder ein anderes lauschiges Plätzchen suchen und ist tagsüber gut verpflegt. Abends heißt es dann, die Heimreise antreten, im Supermarkt einkaufen und zuhause kochen. So haben wir es an einem Abend gemacht und diesen sehr genossen. Alle Fenster auf und das Leben im Stadtteil hautnah mitbekommen.

Colloseum1
Tipps

Vom Programm her würde ich in beiden Fällen zunächst die typisch touristische Hop-on-Hop-off-Bustour machen. Es gibt preislich unterschiedliche Varianten ab 18 Euro pro Person. Man kann auswählen, ob man einmal komplett durchfährt, ob das Ticket für diesen Tag oder für 24h gilt, usw. Am ersten Abend setzten wir uns also oben in einen solchen Bus, hatten einen tollen Blick über die ganze Stadt, dazu einige Infos über den Audioguide im Ohr und konnten uns einen ersten Eindruck verschaffen. Das würde ich definitiv wieder so machen!

Grundsätzlich gilt: In Rom gibt es so vieles zu sehen, dass es mir bei einem Kurztrip geradezu verrückt erscheint, Geld für einen Museumsbesuch auszugeben, wenn man eine große Menge an Sehenswürdigkeiten schlicht zu Fuß ‚erlaufen‘ kann. Dafür sollte man natürlich geeignetes Schuhwerk anziehen, die Füße werden es einem danken!

Dennoch stellt sich die Frage nach den Klassikern: Vatikan und Colloseum – ja oder nein? Lohnt sich ein Besuch? Eine geführte Tour? Oder kann man drauf versichten? Wir haben das Colloseum nur von außen gesehen, aber eine Vatikantour gemacht und diese Frage anschließend heiß diskutiert. Unser Fazit zum Vatikan: Mach es, wenn du es wirklich machen willst und interessiert bist! Wenn es für dich nur ein Punkt auf einer allgemeinen Rom-To-Do-Liste ist, du aber kein eigenes Interesse oder einen persönlichen Bezug dazu hast, dann kannst du dir Zeit & Geld sparen. Wenn du dich allerdings dafür entscheidest, wähle eine geführte Tour! Du wirst dir sonst nur beim Warten in den Schlangen die Beine in den Bauch stehen und einen ordentlichen Sonnenbrand holen.

Unsere Vatikantour haben wir mit Maya Tours gemacht und können es auch weiterempfehlen. Der Preis betrug ca. 50 Euro pro Person und wir umgingen damit ein doppeltes Anstehen in den Schlangen: Es gibt nämlich eine zum Petersdom und eine zu den Vatikanischen Museen. Mit der Tour ging es erst durch die Museen und dann von hinten her in den Petersdom. Der Vatikan war natürlich auch voll mit Touristen, obgleich unser deutschsprachiger Führer meinte, es wäre heute ja eher wie bei einer Privataudienz. Sollte das stimmen, möchte ich mit ihm nicht tauschen! Maya Tours bieten auch Führungen durch das Colloseum an – sicher auch keine schlechte Idee. Ich persönlich war aber auch schon mit dem Colloseum von außen glücklich!

Alle weiteren Reisetipps, die ich euch geben könnte, habe ich selbst von anderen Blogger*innen abgekupfert: Immer, wenn ich in den letzten Jahren auf einen interessanten Rombeitrag stieß, speicherte ich mir den Link in einem Lesezeichenordner und konnte nun im Vorfeld der Reise eine schöne Liste zusammenstellen. Dazu gehörten u.a. Eis bei Giolitti und Espresso im Caffè Sant’Eustachio. Außerdem lernte ich aus den Tipps von Freundinnen, dass man in den meisten Restaurant gut und günstig Pizza zum Mitnehmen bekommt, was ich mir gerade für abends auch sehr gut vorstellen kann – hier findet sich draußen bestimmt ein schönes Plätzchen. 

Fazit

Rom ist eine Reise wert – ja, eindeutig. Allerdings würde ich persönlich diese Stadt nicht mehr im August bereisen und mich in Zukunft für eine der beiden oben beschriebenen Varianten entscheiden. In beiden Fällen kann man es sich so richtig gut gehen lassen und eine Stadt entdecken, die schon beim bloßen Vorbeigehen viel zu bieten hat.

Habt ihr auch Tipps für Rom? Ich freue mich über Hinweise und Feedback!

Traumstadt Florenz + Tipps

Man darf es ja keinem sagen (und schreibt es darum auf sein Blog), aber der ausschlaggebende Faktor für meinen Florenzbesuch lag in einem kleinen Tweet, der mich sehr neugierig gemacht hat:

Dieser Hinweis komplettierte mein aus der Ferne sehr positives Bild von Florenz und motivierte mich dazu, mir die Stadt genauer anzuschauen. Umso frustrierender war es für mich, die ersten Tage im Hotelzimmer zuzubringen. Da war ich schon in meiner potentiellen Traumstadt, aber konnte den Fuß nicht vor die Tür setzen!

1. Markthalle und Kirche San Lorenzo

Dafür genoss ich es schließlich umso mehr, durch die Straßen zu bummeln, gemütlich in einem kleinen Café zu frühstücken und dem Treiben der Stadt zuzuschauen. Dank dieses Blogposts von Francesca verpassten wir es nicht, die große Markthalle anzuschauen, deren Restaurantbereich im ersten Stock allerdings erst um 10 Uhr öffnet. Anschließend ging es in die Kirche San Lorenzo, was auch Francescas Vorschlag entspricht, ich aber ganz vergessen hatte. San Lorenzo ist die älteste Kirche in Florenz, die 393 geweiht wurde. Für die Kirche zahlt man 4,50 Euro Eintritt und kann auch den wunderschönen Innenhof daneben und einen Bereich im Keller ansehen. Schaut man nur von außen durch den kleinen Spalt der Kirchentür, sieht der Raum lange nicht so beeindruckend aus wie von innen. In den Seitenbereichen sind verschiedene Gemälde, von denen mich dieses hier besonders berührte. Es wurde von Pietro Annigoni im Jahr 1963 und zeigt Josef mit Jesus. Ebenfalls sehr inspiriend war für mich die Darstellung der 26jährig verstorbenen Berta Moltke Withfield, wie sie von einem Engel in den Himmel getragen wird (hier und hier im Detail). Leider zeigen die Bilder es von der rechten Seite, mir hat die Sicht von links noch sehr viel besser gefallen. Wie der Engel seinen Arm um ihre Taille legt, ist wunderschön anzusehen.

2. Eine Messe in Santa Croce

Wenn es einen Zeitpunkt gibt, an dem Florenz von Touristen noch mehr überfüllt ist als im August, dann sind es eindeutig die Sonntage im August. Sie bilden sozusagen den touristischen Höhepunkt. Der Dom hat nur nachmittags für ein paar Stunden geöffnet (lange und noch längere Schlangen garantiert) und wenn man sich nicht vorsieht, hat man gleich drei Selfie-Sticks auf einmal gekauft. Also ließen wir uns am Sonntag einfach treiben (vielleicht ein wenig wie Isabella es hier in Punkt 1 empfiehlt) und landeten so auf den Treppen von Santa Croce.

Blick auf die Piazza di Santa Croce

Blick auf die Piazza di Santa Croce

Spontan entschieden wir, die Messe in der Franziskanerkirche zu besuchen. Es ist angenehm kühl und ruhig, niemand läuft herum und knipst unermüdlich Fotos, so können wir wirklich in der Kirche ankommen. Auf gefalteten Blättern steht der Ablauf des Gottesdienstes samt allen gesprochenen Worten (außer der Predigt) und dank Lateinkenntnissen und der Tatsache, dass ich, naja, nicht ganz fachfremd bin, kann ich gut folgen. Ich mag es, Gebete und Bekenntnisse im Wechsel zu sprechen, es ist inhaltlich dicht und erfordert höchste Konzentration, es ist Einkehr und Achtsamkeit. Nach dem Gottesdienst gehen wir auf den Priester zu und bitten um Gebet für uns. Er ist angesichts meiner Italienischbrocken zwar sichtlich irritiert, doch nachdem die Frage dann ankam, sagt er uns zu, bei der nächsten Messe an uns zu denken. Auch nicht schlecht.

3. Mit dem Roller ins Umland

Unsere Rollerfahrt hatte ich schon erwähnt und ich kann es nur empfehlen! Wir liehen hier zwei Roller aus und düsten von Florenz aus gen Süden. Zunächst einmal hinauf auf den Piazzale Michelangelo, von wo aus man wirklich einen traumhaften Blick über die Stadt hat.

Blick vom Piazzale Michelangelo

Blick vom Piazzale Michelangelo

Anschließend nahmen wir die Schnellstraße 222, die Via Chiantigiana, und fuhren zunächst nach Greve, um uns im Supermarkt mit ausreichend Wasser und Lebensmitteln für ein Picknick einzudecken. Anschließend ging es weiter bis Castellina. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wären wir sicher noch nach San Gimignano gefahren, um dort all die Türmchen zu bewundern. So jedoch machten wir immer wieder an schönen Stellen Halt, genossen die Natur und fanden auch ein lauschiges Plätzchen für unser Picknick. Ein Traumtag mit Sonnenbrand inklusive!

Fazit

Über die Innenstadt von Florenz mit all ihren Sehenwürdigkeiten könnte man nun sicher fünf weitere Blogposts verfassen, doch ich beschränke mich hier auf den Hinweis, sich einen guten Stadtplan zuzulegen und die Gassen, Kirchen und Plätze selbst zu erlaufen. Ausruhen könnt ihr euch in der Loggia dei Lanzi, einem Arkadenbau mit Blick auf die Piazza della Signoria. Angeblich darf man sich hier zu Zeiten des Hochbetriebs nur 15 Minuten aufhalten, doch wenn man nicht nur von Statue zu Statue eilt, sondern sich an den Seiten auf die Stufen setzt, kommt diese Verschnaufpause sehr gelegen. Spätestens an diesem Ort wusste ich – trotz Menschenmassen, Hitze und zu vielen Handykameras -, dass Florenz eine Stadt für mich ist. Kunst, Kultur und pulsierendes Leben, gepaart mit einer träumerischen Leichtigkeit sowie der Möglichkeit, sich einfach in einen schönen Garten oder Park zu legen und in den Himmel zu schauen – da kann das Herz aufatmen.

Blick vom Ponte Vecchio

Blick vom Ponte Vecchio

Ich hoffe, ich habe euch ein wenig Lust auf einen Florenztrip gemacht. Ganz bestimmt werde ich wiederkommen und mir all das ansehen, wofür dieses Mal die Zeit fehlte.
Habt ihr noch Tipps? Immer her damit!

Nach Grau kommt Grün

Um nach einem häusergrauen Tag noch atmen zu können, braucht es grüne Orte wie diesen. Selbst die Trauerweide hat ein Lächeln für mich. Nicht viele Menschen sind gekommen, doch alleine bin ich nicht. Ich teile mir den Lebensraum mit Käfern und Raben und bin mit den Bäumen ins Gespräch vertieft. Eine Entenmutter beschützt ihre Kleinen, die trotzdem freudig auf mich zu tapsen. Im Ohr habe ich den Hedonisten, der anpackt. Seine Musik lässt mich vorwärts- und rückwärtslaufen, springen und auf Steine klettern. Ich blicke hinweg über den Park in den grauen Himmel und zurück auf die vom Regen satte Wiese. Grün wie die Hoffnung. Bei der Fahrt mit der Seilbahn weht mir die Luft um die Ohren, ich flitze über den Sandboden und spiele mit der Schwermut Hase und Igel. Der Trübsal ein Schnippchen schlagen. Auftanken. Einmal tief durchatmen und dem Leben eine neue Chance geben.

I only went out for a walk and finally concluded to stay out till sundown, for going out, I found, was really going in.
(John Muir)

 

#aprillove2015 – 5 years ago

SAMSUNG

Das Bild ist neuer, doch das Haus stand damals auch schon da. Leben im Plattenbau. Das erste Mal im Leben so richtig abgebrannt sein. Alle Ersparnisse aufgebraucht und am 3. des Monats noch 15 Euro auf dem Konto. Ich möchte nicht bei den Eltern anrufen. Es ist kein Dauerzustand, dass sie Geld hinterherschicken. Es ist auch gar nicht möglich. Ein paar Wochen lang haben mich die Existenzsorgen voll im Griff. Obwohl ich Eltern habe und einen Freund mit Eltern und in einem reichen Land lebe. Was mache ich nun also mit den 15 Euro? Einmal ist schon eingekauft, doch für den ganzen Monat reicht das nicht. Ein paar Wochen später kommt die Nachricht, dass ich nicht mehr nur 80 Euro Büchergeld, sondern ein Grundstipendium bekommen werde. Im Juli soll das Geld kommen, rückwirkend für die Zeit ab April. Für den Moment hilft es wenig, doch die Aussicht darauf beruhigt mich. Manche würden sagen, Schwein gehabt. Ich erlebe daran Gottes Versorgung. Ab diesem Zeitpunkt habe ich nie mehr Angst, wenn ich mein Konto anschaue. Oder die Waschmaschine kaputt geht. Natürlich mache ich mir Gedanken, doch die Angst ist raus aus dem Bauch. Ich weiß, dass ich versorgt bin.

Begegnung

Und wieder bist du da
In meinen Träumen
Warum immer nur
In meinen Träumen

Mit einer Hand voll Leuten
bin ich unterwegs
Durch die Stadt
Uns entgegen kommt einer,
den wir kennen
Und du,
den nur ich kenne
Ein Erkennen und Zunicken
Von allen Seiten
Nur nicht von uns beiden
Soll ich so tun, als kennte ich dich nicht?
Wir gehen aneinander
vorbei
meine Gruppe scherzt schon wieder
und wendet sich neuen Themen zu
Ich gehe mit
Schaue nicht zurück
Setze einen Fuß vor den anderen
Doch
Ich schaue zurück und drehe meinen Kopf
Du gehst mit dem Rücken zu mir
Du wendest dich nicht um
Du bist weitergegangen
Noch einmal
Ich schaue und drehe meinen Kopf
Du stehst mit dem Rücken zu mir
Du wendest dich nicht um
Und unwillkürlich bin auch ich stehen geblieben
Die anderen gehen weiter
Dein Gesprächspartner ist schon fünf Schritte entfernt
Du stehst da, aber du drehst dich nicht um
Jetzt sind es sieben
Ich schaue
Ich gehe auf dich zu
Du wendest dich um und
Siehst mich an
Wir lösen den Blick nicht mehr voneinander
Bis ich bei dir bin
Erst im letzten Moment
kommst du mir vorsichtig
zwei Schritte entgegen
Mit offenen Armen
Behutsam halte ich mein Gesicht neben das deine
Spüre deine Wange an meiner
Deinen Körper durch die dicke Jacke hindurch
Deine Hand, die meine sucht
und findet
Wir halten uns fest
mit Fingern, die sich umschließen.

Ein Moment, der viel zu schnell schon vorbei geht
Denn ohne zu reden
Legst du den Arm um mich
Und wir gehen los
Als ob niemals etwas gewesen wäre

Ein Wochenende in Berlin

Nach so prall gefüllten Wochenenden, wie mein letztes eines war, vergehen die Tage immer wie im Fluge. Kein Wunder, wenn die Woche nur vier Tage hat, die Pflichten jedoch nicht weniger werden. Nun ist schon Samstag und ich möchte euch gerne noch von meinem verlängerten Wochenende in Berlin berichten.

Fahrt mit der Bahn, wie immer ein Abenteuer
Letzten Freitag hieß es für mich früh aufstehen, da mir der Sparpreis der Bahn nicht nur 29 Euro, sondern auch einen Zug um 5 Uhr beschert hatte. Der Bahnhof war menschenleer, erst am Gleis fanden sich dann eine Sportmannschaft und eine Handvoll weiterer Reisender.

Ich saß also im Zug, trank meinen Earl Grey und aß meine obligatorische Butterbrezel. Noch eine Mütze voll Schlaf konnte nicht schaden, also döste ich zumindest etwas vor mich hin. Ein Blick in den Fahrplan ließ mich lächeln:

Jedoch sollte ich Hannover nicht erreichen. Der Zug hatte schon zu viel Verspätung, den Anschluss würde ich nicht bekommen. Also hieß es Umstieg in Kassel und wären da nicht liebenswerte andere Reisende gewesen, wäre ich wohl in den falschen Zug umgestiegen. Schließlich saß ich aber im richtigen ICE und konnte nicht verstehen, wie sich andere immer noch über die Verspätungen ärgerten – ich war einfach nur froh, wenn ich irgendwann in Berlin ankommen würde.

Redaktionstreffen, macht Laune
Grund für meine Anreise war das Redaktionstreffen des Kranken Boten. Es fand bei unserer Chefredakteurin Bettina statt und begann am Freitagabend. Nach und nach trudelten die Redaktionsmitglieder ein und ich zückte schnell mein Notizbuch, um die Dialoge nicht zu vergessen.

Nach einem gemeinsamen Abendessen hieß es, Feedback zu den letzten Ausgaben geben. Es stellte sich heraus, dass wir bei Berichten über Veranstaltungen und Treffen kollektiv keine Lust mehr auf Beschreibungen von Wetter und Essen hatten. Insgesamt aber freuten wir uns über die gestiegene Anzahl von inhaltsreichen und gut recherchierten Artikeln im Boten. Es geht voran!

Am nächsten Tag wurden die Heftthemen für 2015 festgelegt: Freiheit, Gastfreundschaft, Formwechsel (Gemeindeformen), Träume und schließlich – passend zu Weihnachten – gibts dann die Apokalypse. Mit dem letzten Thema war ich erstmal nicht so einig, ich bin einfach nicht so der Fan von Weltuntergang. Aber gut, ich schreibe dann einfach einen Gegenartikel zum Leben im Hier & Jetzt. Überhaupt habe ich für die verschiedenen Ausgaben bereits Artikel von unterschiedlichem Genre zugesagt und freue mich sehr aufs Schreiben und die Recherche. Besonders am Herzen liegt mir mein Thema für die Formwechselausgabe im Sommer. Ich möchte mit mehreren Menschen sprechen, die Teil der Jesus Freaks Bewegung sind, ohne jedoch in eine (vorhandene) Jesus Freaks Gemeinde vor Ort zu gehen. Welche Geschichten stecken dahinter? Wie geschieht Vernetzung? Welche Anliegen gibt es?

Nach weiterer Artikelplanung gab es sonntags dann noch ein paar organisatorische Sachen zu klären und nach einem gemeinsamen Mittagessen dann löste sich die Versammlung auch schon wieder auf.
Mein Fazit: Ein Berg Arbeit liegt jetzt vor uns, doch der Austausch war motivierend und es hat Spaß gemacht, mal nicht nur über Mails miteinander zu kommunizieren. Ich habe die sehr angenehme und produktive Atmosphäre wirklich genossen.

Ausgehen in Berlin, darf natürlich nicht fehlen
Natürlich hatte ich mir schon zuhause neue Läden und Orte ausgesucht, die ich in Berlin besuchen wollte. Diese finde ich häufig auf anderen Blogs und setzte mir dann einfach ein Lesezeichen im entsprechenden Ordner (unterwegs > Berlin). Wenn ich in eine Stadt fahre, öffne ich einfach alle Lesezeichen und schaue, was sich dieses Mal gut besuchen lässt. (Dass ich nicht alles schaffe, was schließlich auf der Liste steht, ist meist schon im Voraus klar.)
Hier also meine drei Berlintipps:

1. ein vietnamesisches Teehaus
Ein Anlaufpunkt war das Teehaus Chén Chè, das sich in einem Hinterhof in Berlin-Mitte befindet.

Während meines Besuchs löste sich gerade die Mittagessensschicht auf und es wurde immer leerer und ruhiger. Ich trank meinen leckeren Grüntee, machte Notizen und entspannte.

2. eine deutsche Hausbrauerei
Am Samstagabend entführte uns Bettina ins Eschenbräu, wo wir im Braukeller in rustikaler Atmosphäre sogar unseren Picknickkorb auspacken durften. Dazu bestellten wir Flammkuchen und natürlich das Saisonbier „Dunkler Bock“, dessen Beschreibung „nahrhaft & süffig – für die kalten Tage“ absolut zutraf und das mir sehr mundete. Seine eigenen mitgebrachten Speisen essen zu dürfen, fühlte sich anfangs etwas seltsam an, doch irgendwie entstand dabei ein noch größeres Zuhause-Gefühl. Das Bier war lecker, der dort gebrannte Whisky wohl auch und so saßen wir gemütlich zusammen, erzählten und diskutierten über Gott und die Welt.
Ein schöner Abend!

3. eine spanische Tapasbar
Auf diesen Abend hatte ich mich schon von dem Moment an gefreut, als ich meine Fahrt nach Berlin zu planen begann. Die kleine Tapasbar El Pepe hatte nämlich nicht ich ausgesucht, sondern Ännchen von Radau, die ich nun endlich persönlich kennenlernen durfte. Wir bestellten uns Wein und Wasser, eine gemischte Tapasplatte und ich wählte dazu noch eine Art „Tapas des Tages“. Der Kellner sprach spanisch und englisch und so kann ich nur vermuten, dass es „Tapas des Tages“ heißen sollte, es war jedenfalls sehr lecker. Anne und ich verstanden uns wie schon in der digitalen Welt auf Anhieb und redeten bis ein Blick auf die Uhr uns sagte, dass die Bar gleich schließen würde. Aber so muss es doch sein. Liebe Anne, es war sehr schön mit dir!

Was sonst noch zu sagen ist
Ich habe in den letzten Jahren ja einige Berlinaufenthalte (z.B. hier und hier) hinter mich gebracht und dieser war trotz vollem Programm eindeutig der entspannteste. Es war schön, alte Freunde zu treffen, in meinen Lieblingsläden zu bummeln und am Sonntag sogar bei einem Treffen von Jesus Freaks in Berlin dabei sein zu können. Berlin selbst ist für mich glücklicherweise nicht mehr so aufregend wie es einmal war, sodass ich die Begegnungen mit Menschen noch mehr genießen kann. Neben Anne lernte ich beim Redaktionstreffen auch endlich mal die Frau Vorgarten persönlich kennen, mit der ich einen ausgiebigen Spaziergang durch Wedding machte (man muss ja keinem erzählen, dass wir den Heimweg zunächst in die falsche Richtung antraten).

Somit nun liebe Grüße an alle meine netten Berlinmenschen (und an Andreas, der zwar nicht nett, aber trotzdem sympathisch ist) und denen, die einen Berlinbesuch planen, schöne Stunden und Freude mit den genannten Ausgehtipps!

Liebe Grüße!
Mathilda

Sommer

In den letzten Tagen überlegte ich, wie ich die Abschied-Reihe nun fort- und zu Ende führen könnte. Das Thema Abschied schien mir auf einmal viel zu schwer für diesen luftig-leichten Sommer, in dem wir mit nahezu 30 Tagen Sonne und Wärme am Stück verwöhnt werden.

Daher sollen es heute nur ein paar sommerliche Impressionen sein, die das Herz ein wenig höher heben und uns für noch ein oder zwei härtere Abschiedsbrocken stärken.

HD
Sommer 2009 in Heidelberg

Lpz
Sommer 2010 in Leipzig

IMGP0508
Sommer 2012 in Frankfurt

IMGP1390
Sommer 2013 on the road

Lasst es euch gut gehen!
Eure Mathilda

Die Sache mit den BWLern

Manchmal erscheinen einem ja bestimmte Personengruppen besonders attraktiv.

Da gibt es Mädchen, die vor allem auf den Künstlertypen stehen.
Sie fühlen sich magisch angezogen von langhaarigen Gitarrenspielern, die ihre tiefgründigen Texte vertonen, von Kreativen, deren lyrische Ader sich auf Poetry Slams zeigt, oder im fortgeschrittenen Stadium dann gerne auch von Bassisten (Merke: „Stille Wasser sind tief“).

In Berlin fanden sich hingegen einige junge Männer, denen die Frauen, pardon: „Mädchen“ gar nicht blond und zierlich genug sein konnten, modische Kleidung ein „must-have“, am besten mit einem Portfolio an semiprofessionellen Fotos im Internet (Zitat: „So ein Model als Freundin ist eben schon ein Statussymbol“).

Dass ich gegen derlei Fixierungen nicht gefeit war, merkte ich schon, als ich monatelang auf mein Frischkäsebrot Meerrettich strich. Ich war dem Meerrettich hoffnungslos verfallen. Frischkäse ohne Meerrettich? Nein, das ging gar nicht mehr. Der Meerrettich war mein Ein und Alles.

Nach meiner Entscheidung, noch alternativer als die Alternativen zu werden (= spießig), umgab ich mich dann auch gerne mit den klassischen Spießern, vornehmlich BWLern, Juristen oder – eine unterschätzte Gruppe – den Wirtschaftsingenieuren. Im Gegensatz zu mir hatten sie eine klare Vorstellung davon, wie die Welt funktionierte – und zierten sich selten, mir diese ausführlich darzulegen. Sie waren deutlich besser gekleidet als die meisten meiner Kommilitonen (vor allem: endlich mal ein richtiger Haarschnitt!) und sobald sie auch nur den Anschein eines souveränen Auftretens erweckten, konnten sie sich meiner ersten Aufmerksamkeit sicher sein. Gegen Arroganz habe ich nach wie vor nichts einzuwenden – allein ein zu großspuriger oder aber zu knausriger Umgang mit dem Einkommen aus gut bezahlten Praktika, Nebenjobs (oder dem Geldbeutel wohlhabender Eltern) konnte mich abschrecken.
Die Begegnung mit ihnen war bereichernd – vor allem, weil manches, was von Geisteswissenschaftlern meiner Couleur pseudoreflektiert und vorschnell als oberflächliches Vorurteil abgetan, sich schließlich doch bewahrheiten sollte.

Doch wie auch mit dem Meerrettich, den ich zwar immer noch liebe, hat man irgendwann einfach einen Überdruss. Man hat schlicht zu viel davon.

Und da sitzen wir nun, in einem kleinen Café in Berlin, zu sechst an einem schönen großen Tisch. Deine 20er-Jahre-Brille steht dir hervorragend, doch ich verzichte darauf, es dir mitzuteilen. Schon in diesem Moment hätte ich stutzig werden sollen – etwas hatte sich verändert. Und als du nun beginnst, mir die Welt zu erklären, da blicke ich nur auf und noch bevor mein Verstand den Gedanken fasst, formt mein Mund die Worte: „Sorry,… ich kann dir jetzt nicht zuhören. Ich habe mich an BWLern einfach überfressen.“

Berlin 2

Mal wieder blicke ich zurück auf ein paar Tage in Berlin.
Kostenfaktor: ein kleiner Urlaub. Wert: Berlin eben :-)


Hinfahrt nach Berlin kurz vor Hannover

Zum bereits 4. Mal nahm ich an den Tagen der Begegnung teil, die es jungen Menschen ermöglichen, mit Abgeordneten ins Gespräch über Glauben und Werte zu kommen. Das Programm sah dieses Mal vor allem Begegnungen mit verschiedenen Generalsekretären vor: Hermann Gröhe (CDU), Patrick Döring (FDP) und Andrea Nahles (SPD), aber auch weiteren prominenten Abgeordneten wie Renate Künast (Grüne) oder dem Schirmherrn der Veranstaltung und Bundestagspräsidenten, Prof. Dr. Norbert Lammert.

Die Gespräche waren gesprägt von einer angenehmen und aufgeschlossenen Atmosphäre, neugierigen und herausfordernden Fragen der Teilnehmer zu aktuellen politischen Themen und den Antworten der Abgeordneten, über die danach natürlich noch eifrig diskutiert wurde.


Aussicht auf dem Reichstag

Interessanter als die Begegnung mit den Abgeordneten ist für mich jedoch meist die Begegnung mit anderen Teilnehmern – je länger ich nun in regelmäßigen Abständen ins politische Berlin pilgere, umso mehr ist das der Fall. Ich freue mich, bekannte Gesichter wiederzusehen, neue Menschen kennenzulernen und mit diesen bis spät in die Nacht zusammenzusitzen, zu erzählen und Erfahrungen miteinander zu teilen.

Aussicht auf dem Reichstag II

Am Freitag Abend waren zwar die ‚Tage der Begegnung‘ zu Ende, doch das Wochenende in Berlin hatte für mich erst begonnen. Nun war Zeit für Kunst und Kultur. Ein neu gefundener Freund und ich gingen in die Reformationskirche zu einem kurzen, inspirierenden Abendgottesdienst und besuchten anschließend eine Ausstellung, die an diesem Abend eröffnet wurde.


Kunst in Berlin

Am Samstag und Sonntag erkundete ich dann noch mit meiner Freundin Berlin und  kehrte natürlich auch zu vertrauten Plätzen zurück. Abends schauten wir uns im Kino den Film „3 Zimmer/Küche/Bad“ an, den ich euch wärmstens empfehlen kann. Ich saß im Kino und… es war so realistisch! Realitätsgetreu! Echt! Hach, ich war hin und weg! Geht in diesen Film, ihr Lieben!!

Eure Mathilda

Berlin

Hinter mir liegt ein intensives Wochenende in Berlin. Fotos sind nicht so ganz mein Ding, dennoch hab ich mich darin versucht, ab und an mal zu knipsen, um dann ganz stümperhaft obige Collage zu erstellen. (Vielleicht hätte ich besser beim gehenden, grünen Ampelmännchen drücken sollen?)

Für mich ist Berlin immer voll an Inspiration, an Begegnung, an Energie. Es kostet mich Kraft, dort zu sein, doch es gibt mir auch sehr viel. Vielleicht werde ich hier noch den ein oder anderen Beitrag dazu verfassen.

Heute nur ein paar Bilder

und die Empfehlung für den besten Döner überhaupt ;-)

Liebe Grüße! Mathilda